Kommentar zum Heft 44/2016



Schauprozess gegen die Inkarnation des Bösen

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

wenn in Den Haag, dem Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs, Recht gesprochen wird, klingt das nach schwerster Schuld, höchstem juristischen Können und einem bedeutsamen Urteil. Bislang jedenfalls, denn Mitte Oktober wurde der Respekt einflößende Ruf der holländischen Provinzhauptstadt für eine Posse der besonderen Art missbraucht. Die Rede ist vom „Internationalen Monsanto-Tribunal“, bei dem eine illustre Gesellschaft aus Umwelt- und Konsumentenschützern, diversen Playern der Biobranche und anderen Nichtregierungsorganisationen den amerikanischen Biotechnologiekonzern an einen ganz großen Pranger stellen wollte. Die PR-Aktion der sogenannten Umweltaktivisten fand natürlich ohne Beteiligung des Internationalen Gerichtshofs statt, dafür aber mit – nach eigenen Angaben – renommierten Juristen aus Argentinien, Mexiko, Kanada, Senegal und Belgien. Deren rechtlich nicht bindendes Urteil wird im Dezember fallen und niemanden überraschen. Von deutscher Seite unterstützt übrigens vor allem Grünen-Politikerin Renate Künast, immerhin Vorsitzende des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags, das „von der Zivilgesellschaft organisierte Gericht“.

Die Anklage im Schauprozess gegen Monsanto lautet: „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Ökozid“. Damit beschuldigt die grüne Kläger-
allianz öffentlich das amerikanische Wirtschaftsunternehmen, gezielt eine Bevölkerung ganz oder teilweise zerstören zu wollen, denn so definieren sich laut Völkerstrafgesetzbuch „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Hinzu kommt der Gebrauch des Wortes „Ökozid“, eine verbale Entgleisung, die wegen ihrer Anlehnung an „Genozid“, also „Völkermord“, bislang ihresgleichen sucht. Große Teile der Umweltbewegung offenbaren dadurch eine Radikalisierung, die einen erschauern lässt. Hinter solch giftiger Semantik verbirgt sich nicht nur die ganz große Keule, sondern das Schafott.

Da heißt es erst einmal tief durchatmen und zur Rationalität zurückkehren. Ganz gleich, was die Firma aus St. Louis für Produkte auf den Weltmarkt gebracht hat: Monsanto ist weder böse noch will das Unternehmen alle töten. Genauso wenig ist der Konzern ein Wohltätigkeitsverein, der sich aus purer Nächstenliebe dem weltweiten Hunger entgegenwirft. Er war sogar einer der wichtigsten Agent Orange-Produzenten für den Vietnamkrieg. Doch hat es das künftige Mitglied des Bayer-Konzerns wirklich verdient, dass ihm heute solch überschäumender Hass entgegenschlägt? Ich denke, nicht. Zwar hat selbst Bayer-Chef Werner Baumann eingeräumt, dass sich der Biotechnologiekonzern seinen schlechten Ruf zum Teil selbst zuzuschreiben habe, aber im Grunde hat er genau das gemacht, wozu er da ist: Er hat Produkte entwickelt, um mit ihnen Geld zu verdienen. Diese Produkte können positive wie negative Auswirkungen haben. Doch darüber muss man sachlich diskutieren, und gern kann dabei auch hart gefochten werden. Aber keiner darf mit ätzender Hasspropaganda jegliches Augenmaß verlieren.

Unbestritten ist in der modernen Landwirtschaft nicht alles eitel Sonnenschein, nur ein pseudojuristisches Komödiantenstadl hilft da auch nicht weiter. Fast scheint es, als wollen Greenpeace & Co. ihre Inkarnation des Bösen noch einmal ausnutzen, bevor der universelle Buhmann im Bayer-Konzern aufgeht. Schließlich lassen sich mit keinem anderen Feindbild höhere Spendengelder gegen die „großkapitalistische Agrarindustrie“ generieren. Dafür kann man auch mal die echten Opfer von Schauprozessen verhöhnen, denn die sind nach wie vor Stilmittel von Diktaturen, um freies Denken zu unterdrücken, was wirklich in Den Haag vor Gericht gehört.


Herzlichst Ihr
Christoph Feyer

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