Kommentar zum Heft 42/2018



Sensibilisieren, ohne Misstrauen zu schüren

Liebe Leserinnen und Leser,

kriminelle Energie scheint leider so etwas wie ein nachwachsender Rohstoff zu sein. Es gibt immer wieder Personen, die bäuerliches Eigentum missachten und mitnehmen, was sie unter ihre langen Finger kriegen: Traktoren, Mähdrescher und Teleskoplader, aber auch wertvolles Zuchtvieh. Ein Milchviehbetrieb in Südbrandenburg wurde vor geraumer Zeit gleich zweimal von Dieben heimgesucht und verlor Dutzende Kälber. Da kranke Tiere zurückgelassen wurden, war klar, dass der oder die Täter Fachkenntnis hatten und gezielt vorgegangen waren. In jüngster Zeit kam es kaum noch zu solch spektakulären Diebstählen, man klopfe auf Holz. Eine große Rolle könnte gespielt haben, dass die Sonderkommission „Koppel“ der Brandenburger Polizei eine Bande von organisierten und auch in Sachsen agierenden Langfingern ausheben und dingfest machen konnte. Zudem haben Betriebe mittlerweile in Sicherungstechnik investiert, die potenzielle Täter zumindest abschrecken dürfte. Aber wie lange? 

Eine böse Überraschung erlebten unlängst Ökolandwirte aus dem brandenburgischen Landkreis Oberhavel. Sie mussten feststellen, dass nächtliche Eindringlinge die Stalltore weit geöffnet und rund 200 Milchkühe sowie Färsen freigelassen hatten. Diese blieben zwar auf dem Betriebsgelände, aber ein Teil von ihnen überlebte die Aktion nicht. Nachdem die Tiere Zugang zur Halle mit dem Kraftfutter gefunden und sich dort ausgiebig bedient hatten, verendete eine Reihe qualvoll an Pansenazidose. Mit Bereicherung hatte diese Aktion wohl kaum zu tun, doch ein Angriff auf das Eigentum war es allemal und der Schaden für den Betrieb immens. Und es stellte sich die Frage, wer auf solch absurde Gedanken kommt. Waren Gegner der sogenannten Massentierhaltung im naiven Glauben am Werk, Rindern die Freiheit schenken zu müssen? Diese Botschaft ließe sich kaum vermitteln, weil gerade in dem besagten Betrieb den Tieren reichlich Auslauf zur Verfügung steht. Wer immer auch diese Tat zu verantworten hat, muss mit einem Strafverfahren wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs rechnen, das die Polizei unverzüglich eingeleitet hatte. Leider führten die Ermittlungen bislang noch zu keinem Ergebnis. Hingegen konnte in Thüringen eine junge Frau ermittelt werden, die vermutlich im Drogenrausch dieser Tage 200 Kühe aus einem Rinderstall freigelassen und überdies noch Mitarbeiter bedroht hatte. 

Die Dreistigkeit solcher Aktionen sollte auch jenen zu denken geben, die bislang davon verschont wurden. Es kann jeden Betrieb erwischen. Doch muss man deshalb gleich den Stall in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln? Dies wäre nicht nur wegen der hohen Kosten sehr fragwürdig. Wie sollen unter solchen Umständen die hier beschäftigten Frauen und Männer dann noch ungestört ihrer Arbeit nachgehen können? Unerlässlich bleibt dennoch, sich auf den Fall eines solch ungebetenen „Besuchs“ von außerhalb einzustellen. Die Polizei bietet diverse Schulungen an, worauf beim Schutz vor möglichen Eindringlingen besonders zu achten ist. Es gilt genau abzuwägen, ob der Einsatz von Kameras und Bewegungsmeldern letztendlich nicht doch günstiger ist als auf möglichen Schäden sitzen zu bleiben. Wichtig scheint mir aber auch ein guter Kontakt zu Nachbarn zu sein. Diese können enge Verbündete sein, wenn es auf verdächtige Personen in Stallnähe und ungewöhnliche Aktionen zu nächtlicher Stunde zu achten gilt. Es geht nicht darum, Misstrauen zu schüren, sondern Mitmenschen für mehr Ordnung und Sicherheit zu sensibilisieren. Das ist in unser aller Interesse.


Herzlichst Ihr Wolfgang Herklotz

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