Kommentar zum Heft 41/2017



Holz verheizen – oder lieber doch nicht?

Liebe Leserinnen und Leser,

in der vorigen Woche hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) seine Zahl des Monats veröffentlicht: Sie lautet vier Prozent. Das Verfeuern der gesamten deutschen Holzernte decke nur vier Prozent des Energieverbrauchs. Die Holzverbrennung unterstütze weder die Energiewende noch den Klimaschutz. Jährlich werde in Deutschland fast genauso viel Holz zur Erzeugung von Energie verbrannt (gut 70 Millionen Kubikmeter), wie im deutschen Wald geerntet wird (etwa 76 Millionen Kubikmeter). Um die Nachfrage nach Holz für die Möbel­industrie, für Verpackung, Papier sowie Strom und Wärme zu decken, würden schon heute große Mengen Holz aus aller Welt importiert. Das sei angesichts der globalen Waldverluste, des Artensterbens und des Klimawandels eine fragwürdige Entwicklung. Der Nabu befürchtet durch die Fortführung der deutschen und der EU-Energiepolitik gravierende Folgen für die Wälder weltweit. Deshalb müsse der deutsche Energie- und Ressourcenbedarf jetzt weiter gesenkt werden. Vor allem das industrielle Verfeuern von Holz solle nicht länger gefördert werden.

Die Nachfrage nach Holz ist tatsächlich in den vergangenen 20 Jahren kräftig gestiegen. Aber nach wie vor bewirtschaften die deutschen Forstwirte und Waldbauern die Wälder nachhaltig, das heißt, sie fällen nur so viel Holz wie nachwächst. Oder sogar etwas weniger. Laut der dritten Bundeswald­inventur von 2012 beträgt der Jahreszuwachs rund 120 Millionen Kubikmeter, die Jahresernte hat der Nabu mit 76 Millionen Kubikmetern beziffert.

Die Bundeswaldinventur belegt, dass der Wald nie artenreicher, stabiler und vielfältiger war als heute. Deutschland ist mit rund 11,4 Millionen Hektar zu einem Drittel bewaldet. Die Waldfläche hat sich zwischen 2002 und 2012 nur wenig verändert. In der Summe hat sie um rund 50 000 Hektar zugenommen. Deutschland hat mehr Holzvorräte als Schweden und Finnland. Und die jährlichen Importe sind zwar gestiegen, aber mit 8,3 Millionen Kubikmeter Rohholz im Jahr 2016 nicht so gigantisch, wie der Nabu nahelegt.

Sicherlich, das Verbrennen von Holz hat Nachteile. Die Emissionen von Schadstoffen wie Feinstaub, Kohlenmon­oxid, Ruß, Stickoxiden, Kohlenwasserstoffen sind ernst zu nehmen. Aber gerade das industrielle Verfeuern, das der Nabu anspricht, funktioniert in den meisten Fällen viel sauberer als das Heizen in den Privathaushalten. Dank moderner Technik mit Filtern schicken die Holzheizkraftwerke viel weniger Feinstaub pro Kubikmeter Abgas in die Luft als die problematischen Kaminöfen.

So klimaneutral, wie man denkt, ist die Holzverbrennung leider auch nicht. Das Kohlendioxid, das freigesetzt wird, hat der Baum während seines Wachstums zwar der Luft entnommen, aber die Rußpartikel aus den Öfen treiben die globale Erwärmung voran. Sie heizen sich im Sonnenlicht auf, beeinflussen die Wolkenbildung, schwärzen Schnee und Eis, die dann schneller schmelzen. Rußpartikel sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid.

Das Heizen mit Holz ist eine Übergangslösung. Wenn die erneuerbaren Quellen Solar- und Windenergie so stark entwickelt sind, dass sie nicht nur die Strom-, sondern auch die Wärmeversorgung und die Versorgung des Straßenverkehrs übernehmen können, sinkt der Brennholzeinsatz. Bis es so weit ist, bitte immer mit Bedacht feuern und möglichst mit einheimischem Holz. Denn bei den Importen ist oft nicht sicher, ob die Wälder wirklich nachhaltig bewirtschaftet werden.

Herzlichst Ihre
Christina Gloger

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr