Kommentar zum Heft 41/2016



Klimaneutral, aber ungesund

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

aus den Schornsteinen steigt nach einem langen Sommer nun wieder Rauch auf – weißlicher, grauer oder auch dunkelgrauer Rauch. Je dunkler, umso rußiger. Und es ist nicht nur Ruß, der aus den Ofenrohren der Holzheizungen kommt, im Abgas befinden sich auch Feinstaub in erheblichem Maß, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Schwefeloxide – mehrere Hundert chemische Verbindungen können enthalten sein. Die zirka 15 Millionen Holzfeuerungen in deutschen Haushalten schicken sogar mehr Feinstaub in die Luft als der Straßenverkehr. Noch mehr emittieren nur noch Industrie und Gewerbe. Auswirkungen der Feinstäube auf den Menschen können die Verstärkung von Al­lergiesymptomen, die Zunahme von asthmatischen Anfällen, Atemwegsbeschwerden, die Auslösung von Lungenkrebs und eine Beeinträchtigung des Nervensystems sein.

Die Öfen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Abgaszusammensetzung stark. Die Heizkessel, die die Zentralheizungen versorgen, also Scheitholzvergaser, Hackschnitzelkessel und besonders Pelletkessel, verbrennen das Holz sauberer als die kleinen Einzelraumfeuerungen. Die machen jedoch den weitaus größten Teil der Holzöfen aus. Man rechnet mit zirka 700 000 Kesseln für die Zentralheizungen und mit mehr als 14 Millionen Einzelraumfeuerungen in Form von Kaminöfen, Heizkaminen, Kachelöfen, Küchenherden. 80 Prozent der Staub­emissionen aus Holzfeuerungen in Deutschland kommen aus den Einzelraumfeuerungsanlagen.

Um die Emissionen in den Griff zu bekommen, hat das Bundesumweltministerium 2010 eine neue Kleinfeuerungsverordnung erlassen, die das Einhalten von Grenzwerten für Feinstaub und Kohlenmonoxid vorschreibt. Die Grenzwerte für neue Öfen sind ambitioniert und regen die technische Entwicklung stark an. Die Hersteller arbeiten nun seit Jahren daran, Kessel und Öfen mit niedrigen Schadstoffemissionen zu bauen und auf den Markt zu bringen. Auf den Seiten 32–33 beispielsweise wird ein Forschungsprojekt beschrieben, bei dem eine Einbautechnik für Kaminöfen und Heizkamine entwickelt wird, die voraussichtlich eine Senkung der Feinstaub­emissionen von zirka 86 Prozent bewirkt. Die Kohlenwasserstoffe sollen um etwa 95 Prozent verringert werden. Hoffentlich ist diese Technik bald marktreif.

Die neuen Öfen unterliegen also den strengen Grenzwerten, was aber ist mit den alten? Die vor 1975 gebauten sind mittlerweile stillgelegt oder nachgerüstet worden, falls das möglich war. Die von 1975 bis 1984 gebauten müssen bis Ende nächsten Jahres durch neue ersetzt oder mit Staubabscheidern nachgerüstet werden. Jüngere Öfen haben noch eine längere Gnadenfrist. Wer sich selbst und seinen Nachbarn Gutes tun möchte, tauscht seine Dreckschleuder möglichst bald gegen ein modernes, komfortables Gerät aus. Wer die Geldausgabe noch scheut, sollte beim Heizen immer darauf achten, dass er sauberes, trockenes Brennholz nimmt, dass Papier und Hausmüll nicht in den Ofen gehören und dass der Kaminofen immer in Volllast betrieben wird, denn beim Schwelen entstehen richtig viele Schadstoffe.

Das Heizen mit Holz gilt als klimaneutral, weil das Kohlendioxid, das als Hauptbestandteil des Abgases aus dem Schornstein strömt, in der Wachstumszeit des Baumes von ihm aufgenommen wurde. Dennoch kann und muss jeder, der einen Ofen betreibt, dafür sorgen, dass er mit seiner Holzverbrennung die Umwelt und die Gesundheit seiner Mitmenschen nicht zu stark belastet.


Ihre
Christina Gloger

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