Kommentar zum Heft 37/2016



Beim Treckerfahren hört der Spaß auf

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

der Beruf des „Traktoristen“ ist vom Aussterben bedroht. Wenn die Entwicklung ähnlich verläuft wie in der Milchproduktion mit den Melkrobotern, dann könnte der Traum vieler Kinder vom Trecker fahren wie eine Seifenblase zerplatzen.

Lenksysteme, bei denen der Fahrer hauptsächlich eine überwachende Funktion hat, sind heute schon im Einsatz, da dank quasi Null-Überlappung Betriebsmittel, Arbeitszeit und Maschinenkosten eingespart werden. Bei der Ernte werden Überladevorgänge synchronisiert. Für eine exakte Applikation von Flüssigmist kann das Güllefass dem Traktor heutzutage schon „sagen“, wie schnell er zu fahren hat (S. 30). Dass die Traktorenhersteller auch autonom fahrende Schlepper produzieren können, zeigen aktuelle Konzeptstudien und Prototypen. In geschützten Bereichen, z. B. eingezäunten Plantagen, arbeiten schon heute fahrerlose Zugmaschinen.

Im Moment stecken wir doch in einem Kreislauf: Teure Fahrer müssen effektiv eingesetzt werden. Deshalb werden die Maschinen immer größer und auch schwerer. Leider hält das Leistungsgewicht in Kilogramm pro PS nicht mit der Leistungsentwicklung mit. Die Kraft an den Boden zu bekommen wird schwieriger. Grenzen setzt außerdem das deutsche Nadelöhr mit zulässigen Außenmaßen von maximal drei Meter Breite und vier Meter Höhe. Statt breiter heißt es also schneller. Das wiederum erhöht den Kraftstoffverbrauch überproportional. Meiner Meinung nach wären autonom agierende Traktoren mit optimalem Leistungsgewicht, die alleine oder im Schwarm bodenschonend Standardgeräte (6 m) über den Acker ziehen, eine nachhaltige Alternative zu 400 PS und mehr.

Computer und Roboter nehmen in Zukunft nicht nur in der Landwirtschaft dem Menschen die Arbeit weg. Die Automobilindustrie und der Landmaschinenbau haben größtenteils die Schweißer durch Roboter ersetzt. Laut einer Studie der Universität Oxford verlässt die Bedrohung „Maschine ersetzt Mensch“ die Werkhallen und greift auf fast alle Berufsgruppen über. Danach ist fast die Hälfte der Jobs in den USA in den nächsten 20 Jahren durch Roboter bedroht. Untersucht wurden 702 Berufe. Stark gefährdet seien Routinejobs wie Sekretärinnen, Verkäufer, Postboten, aber auch Lkw-Fahrer und Beschäftigte in der Landwirtschaft. Je geringer der Lohn und der Bildungsstand, desto größer ist die Gefahr, dass die menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt wird. Auf der sicheren Seite sieht die Studie Berufe, die soziale Kompetenz erfordern wie Pfleger, Erzieher und Manager. Die Unternehmensberatung A. T. Kearney hat ebenfalls untersucht, welchen Einfluss Roboter und Automatisierung zukünftig auf die deutsche Arbeitswelt haben werden. Sie kommt auf ähnliche Zahlen, denn Roboter können viele Jobs effizienter und sicherer erledigen, und das 24 Stunden am Tag. Sobald sich deren Einsatz rechnet, werden sie benutzt.

Die größte Hürde ist die Rechtsprechung, denn wer haftet, wenn etwas passiert? Das Problem wird auf der Straße gelöst. Die großen Automobilhersteller bieten schon Stauassistenten an, bei denen man sich bis 60 km/h auf den Computer verlassen kann. Mit einem Tesla geht’s heute schon schneller voran. Dass es autonome Fahrzeuge in die Öffentlichkeit schaffen, daran arbeiten die richtig großen Logistikkonzerne wie Amazon und Co. Getestet werden fahrerlose Lkw, Busse und kleine Lieferroboter. Autonom fahrende Lkw und Autos mit Straßenzulassung gibt es schon. Noch fahren Menschen zur Überwachung und für Notfälle mit. Das wird sich ändern.Herzlichst IhrKlaus Meyer

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