Kommentar zum Heft 35/2018



Heißer Sommer mit Risiken und Nachwirkungen

Liebe Leserinnen und Leser,

staubtrocken die Felder, verdorrt der Mais – diese traurigen Bilder sieht man derzeit vielerorts. Die wochenlange Dürre hat nicht nur landauf, landab für heftige Ertragseinbußen gesorgt, sondern lässt auch den Zeitplan für die Herbstbestellung aus den Fugen geraten. Längst müsste schon der Raps im Boden sein. Wie aber, wenn der immer noch nicht ausreichend durchfeuchtet ist? Unter diesen Bedingungen Saatgut auszubringen, ist zu riskant. Verzögert sich jedoch die Herbstbestellung oder muss aufs Frühjahr verschoben werden, setzt sich das Dilemma fort. Und dann könnte das nächste Jahr noch bösere Überraschungen bringen als das aktuelle.

Ein wenig Balsam für die wunde Seele dürfte das vor wenigen Tagen verkündete Dürre-Hilfsprogramm sein, das Bund und Länder gemeinsam schnüren wollen (Seite 18). Die angekündigten 340 Millionen Euro entsprechen zwar nur einem Drittel der vom Deutschen Bauernverband eingeforderten Summe. Diese hatte selbst im Berufsstand für zwiespältige Reaktionen gesorgt, weil derartige Hilferufe in der Öffentlichkeit immer einen schalen Beigeschmack vermitteln. Ohnehin klaffen die Zahlen des Schadensumfangs deutlich auseinander. Das mag aber nicht verwundern angesichts der regional sehr unterschiedlichen Betroffenheit. Zudem beruhen die Zahlen auf Schätzungen. Was die Ernte tatsächlich eingebracht hat, wird sich erst in einigen Wochen zeigen. Immerhin hat die Bundesagrarministerin den Ernst der Lage erkannt. Sie spricht von einem „Wetterereignis nationalen Ausmaßes“, das zum Handeln zwingt. Der Knackpunkt wird jedoch sein, wie schnell die Hilfen beim Landwirt sind.

Auf Wunder darf man hier nicht hoffen, erwartet der Bund doch verlässliche Angaben der Betriebe und ordnungsgemäße Verwaltungsverfahren in den Ländern. Es handelt sich schließlich um Steuermittel, die ausgereicht werden sollen. Doch wenn die Mühlen der Bürokratie weiter so mühsam mahlen, kann die Hilfe für jene Betriebe, die jetzt schon an der Liquiditätsgrenze entlangschrammen, zu spät kommen. Für sie wäre schon die Stundung von Pacht und Steuer eine Unterstützung. Dies freilich lässt sich nicht per Gesetz verordnen, sondern darüber muss anhand der betriebsspezifischen Betroffenheit entschieden werden. Ein Eilverfahren wäre geboten, fällt aber wohl auch eher unter die Rubrik „Wünsch-Dir-was“. Ein Hoffnungszeichen ist da schon eher das von Brandenburgs Agrarministerium avisierte Programm für Tierhaltungsbetriebe, denen das Futter ausgegangen ist. Sie müssen lediglich den Zukauf nachweisen, die Richtlinie soll schon bald verabschiedet werden. Allerdings stellt sich für die Betroffenen die Frage, wo sie bei der allgemeinen Knappheit Futter herbekommen. Zudem sind bislang fünf Millionen Euro dafür eingestellt, die Summe könnte rasch aufgebraucht sein.

Für Ernüchterung sorgt zudem, dass die Dürrehilfe einen gesamtbetrieblichen Verlust von mindestens 30 Prozent voraussetzt. Erzielen Betriebe weiteres Einkommen, indem sie Milch, Fleisch oder Biogas produzieren, wird dieses gegengerechnet. Der Sächsische Bauernverband befürchtet, dass Veredlungsbetriebe, die aufgrund Futtermangels Tiere verkaufen mussten und so kurzzeitig Erlöse erzielten, nicht von den Geldern profitieren. Damit würden gerade jene benachteiligt, die Hilfe am dringendsten benötigen. Die Gefahr ist groß, dass sich nach dem heißen Sommer noch mehr Betriebe von ihren Milchkühen, aber auch Schweinen trennen. Zu vage sind die Preisentwicklungen, zu ungewiss die Rahmenbedingungen. Gut beraten war, wer rechtzeitig Vorsorge getroffen hat und weniger auf staatliche Hilfen, sondern mehr auf eigene Kräfte setzt.

Herzlichst Ihr
Wolfgang Herklotz, stellv. Chefredakteur

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr