Kommentar zum Heft 34/2017



Bei Biogas beginnt eine neue Zeitrechnung

Liebe Leserinnen und Leser,

Planer von Freiflächensolaranlagen kennen Ausschreibungen für die Vergütung des erzeugten Stromes schon seit 2015, für Windkraftanlagen an Land startete die Ausschreibungszeit am 1. Mai dieses Jahres. Nun folgen die Biomasseanlagen, wie es bei der Bundesnetzagentur heißt. Damit gehen die Zeiten der für 20 Jahre planbaren Festvergütung für jede Kilowattstunde Strom aus Biogasanlagen zu Ende. Für bereits geplante und im Bau befindliche Anlagen gibt es Übergangsfristen.

Neuanlagen können in der am 1. September endenden ersten Ausschreibungsrunde maximal 14,88 ct/kWh auf das Gebotspapier in ihren Umschlag schreiben. Betreiber von Altanlagen, die nach 20 EEG-Jahren weitermachen wollen, können maximal 16,90 ct/kWh für weitere zehn Jahre ersteigern. Der Ausbaupfad für Bestands- und Neuanlagen beträgt bis 2019 jährlich 150 MW, von 2020 bis 2022 jährlich 200 MW. Diese Kapazitäten werden jeweils einmal jährlich mit Stichtag 1. September ausgeschrieben. Dabei können sich Anlagen mit einer Leistung von 150 kW bis 20 MW bewerben. Die Untergrenze gilt nicht für Bestandsanlagen. Aber diese vorhandenen kleinen, meist güllebasierten Biogasanlagen haben höhere Kosten als größere Anlagen, ganz zu schweigen von den meist gut dastehenden Abfallvergärungsanlagen. Hier könnte eine Sonderkategorie für Gülleanlagen von 75 bis 150 kW helfen, so Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, kürzlich vor Journalisten in Berlin. Denn sonst werden diese kleinen Gülleanlagen kein Angebot für den Weiterbetrieb abgeben und nach 20 EEG-Jahren ihre Tätigkeit einstellen. Dabei spielen auch sie beim Klimaschutz ihre Rolle. Sie könnten flexibel Strom produzieren. Dazu kommen die verringerten CO2-Emissionen vergorener Gülle. Momentan werden rund 25 % der in Deutschland anfallenden Gülle in Biogasanlagen genutzt. Das allein bringe jährlich rund sechs Millionen Tonnen weniger CO2-Emissionen, so der Verbandspräsident.

Der Fachverband Biogas rechnet für die zweite Ausschreibungsrunde 2018 mit einer deutlich höheren Beteiligung als dieses Jahr. Denn die Zeit war knapp für die Betreiber, um alle Papiere und Genehmigungen zu besorgen. So  hat die geforderte Erhöhung der bereitgehaltenen Motorleistung um mindestens das Doppelte der Bemessungsleistung – die sogenannte Überbauung – zur Folge, dass die Anlagen damit unter das Bundesimmissionsschutzgesetz fallen.

Spätestens im nächsten Jahr dürften dann nicht mehr alle Gebote zum Zug kommen, also die Höchsten herausfallen. Denn die Zahl der Anlagen, für die sich die Anschlussfrage stellt, ist vierstellig. Hier heißt es rechtzeitig überlegen und planen. Der Fachverband Biogas gab und gibt dazu mit Schulungen Unterstützung. Die unternehmerische Entscheidung zur Teilnahme an der Ausschreibung und über die Höhe des Angebotes dagegen bleibt beim Eigentümer der Anlage.

Langfristig gute Chancen haben größere NaWaRo-Anlagen, wenn sie neben Stromerlösen noch andere Einkommensquellen wie Wärmeverkauf und flexible Stromdienstleistungen nutzen. BHKW-Abwärme sollte als grüne Wärme mit einem entsprechenden Wert verkauft werden. Damit kann langfristig kalkuliert werden. Die Erlöse aus Flexdienstleistungen am Strommarkt dagegen sind heute nicht seriös kalkulierbar. Ein anderer Weg für größere Anlagen oder Pools ist der Biomethanmarkt. Für den gasförmigen Kraftstoff wird neben dem energetischen Wert auch noch die CO2-Vermeidung honoriert. Und nebenbei: Bei der Nutzung von Methan als Kraftstoff entstehen geringere Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen als bei Benzin oder Diesel. Damit ist Biogas ganz nah dran an einer sehr aktuellen Diskussion.

Herzlichst Ihr
Jörg Möbius

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