Kommentar zum Heft 34/2016



Für Wahlkampfgeschenke ist die Lage zu ernst

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

normalerweise verheißt ein kühles und nasses Frühjahr ordentliche Erträge. Die Aussichten dafür standen in diesem Jahr zunächst gut, zumal die Kulturen  vielerorts problemlos über den Winter gekommen waren. Lediglich im Nordosten hatte es zum Teil beträchtliche Auswinterungsschäden gegeben. Alles in allem ließ aber die Bestandsentwicklung sehr hoffen.  Mitte Mai jedoch wendete sich das Blatt. Einer langen Phase der Trockenheit folgten dann intensive Niederschläge, gar Unwetter. Das  Defizit an Sonnenstunden wirkte sich negativ auf die Ertragsbildung aus. Zugleich nahm der Befall an Krankheiten und Schädlingen zu, gegen die aufgrund der feuchten Witterung nur bedingt  Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden konnten. Immer wieder sorgten Schauer für einen Stopp der Druscharbeiten. Das nervte, zumal sich zum Bangen um Erträge noch Sorge um die Qualität gesellte. Auch am Anfang dieser Woche stand noch Getreide zu großen Teilen auf den Feldern, so in Thüringen.

Selbst wenn die Ernte keineswegs schon geborgen ist, steht außer Zweifel, dass die Erträge zum Teil deutlich unter dem Vorjahresergebnis liegen. Dies zeigt die Umfrage unter unseren Praxispartnern auf den Seiten 22 bis 24. Auffällig ist dabei aber, dass die Ergebnisse auch innerhalb der Kulturen sehr differieren und für manche Überraschung sorgten.  So standen in Köllitsch (Sachsen) und Ernstroda (Thüringen) bessere Resultate als erwartet zu Buche, vor allem bei der Wintergerste. Hingegen musste man in Gerbitz, Sachsen-Anhalt, konstatieren, dass selbst die ertragsstarken Lößböden an ihre Grenze kamen. Regelrecht vernichtend fiel  das Urteil in Groß Grenz, Mecklenburg-Vorpommern,  aus:  Es wurde die schlechteste Ernte seit 20 Jahren eingefahren!

Zusätzlichen Verdruss bereitet die Talfahrt der Erzeugerpreise. Sie liegen um 10 bis 15 % unter denen des Vorjahres. Damit sind Einkommensverluste verbunden, die sich nach Schätzungen des Brandenburger Landesbauernverbandes allein für die vier anbaustärksten Druschkulturen auf 111 Mio. € belaufen. Hier wie in anderen Bundesländern auch steht die Existenz vieler Betriebe auf dem Spiel, die bereits von der Milchpreismisere arg gebeutelt sind. Liquiditätssicherung ist in dieser Situation das Gebot der Stunde, in der jede Hilfe zählt. Allerdings muss dabei auf gerechte Verteilung geachtet werden. Beim ersten Hilfspaket sind von den bereitgestellten 70 Mio. € allein 17 Mio. € nach Bayern geflossen,  in Mecklenburg-Vorpommern kam jedoch nur eine Million Euro an. Wie jetzt bekannt wurde, will der Bund die 58 Mio. € aus Brüssel für das zweite Hilfspaket kofinanzieren  und um weitere 60 Millionen aufstocken, wenn sich die Länder daran beteiligen. Damit könnten insgesamt 200 Mio. € zur Verfügung stehen. Auch die dürften das Problem nicht beheben, aber zumindest ein Teil der Lösung sein.

Doch gibt es noch zu viele Unwägbarkeiten. So ließ das Bundesministerium bislang offen,  wie die Hilfsmaßnahmen im Detail umgesetzt werden sollen. Fraglich ist auch, ob die Länder unisono bereit und fähig sind, ihren Anteil zu stemmen. Da wäre ja auch der Verteilerschlüssel für die  restlichen 40 Mio. € zu klären. Nicht zuletzt muss klar sein, dass die Anpassungshilfen auch dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.  Es wäre fatal, wenn politische Entscheidungen zulasten betrieblicher Strukturen gefällt werden. Schon gar nicht darf es darauf hinauslaufen, Wahlkampfgeschenke zu machen. Dafür ist die wirtschaftliche Situation in vielen Betrieben zu ernst.

Herzlichst Ihr
Wolfgang Herklotz

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