Kommentar zum Heft 33/2016



In der „Ernteschlacht“ die Milchbauern vergessen?

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – das gilt in diesem Jahr vor allem für Raps und Getreide. Kaum hat der Drescher ein paar Halme „abgebissen“,ist der nächste Regenschauer da. Und dann trocknet es wieder tagelang nicht, weil die Sonne kaum durch die Wolken hindurchkommt und dieTemperaturen Herbst anzeigen statt Sommer. Sogar Bodenfrost hat es in Sachsen-Anhalt dieser Tage gegeben! Ich wünsche jedenfalls allen, die noch Getreide,vor allem aber Raps im Feld haben, baldige gute Erntestunden!

Fast könnte die komplizierteErnte Anlass geben, die Milchbauernzu vergessen. Das wäre ungerecht. Zwar zeichnet sich,wie nebenstehende Meldung zeigt, am Horizont des Milchmarkt sein erstes Morgengrauen ab, doch ist dieses vom Wetterleuchten der Nacht noch nicht zweifelsfrei zu unterscheiden.Tatsache ist: Die Preise hängeneuropaweit zwischen 20 und25 ct fest, einzig in Frankreichund Italien werden hier und da 30 ct erreicht. Von einer echten Preiserhöhung kann man weiter nur träumen.

Zudem ist in Sachen Milchmarkt strategischer Ratteurer denn je. Dass der Staat nicht steuern will, ist mittlerweile klar. Genug Gelegenheit zum Eingreifen hätte er gehabt. Die Unwilligkeit der Hogans und Schmidts mag auch damit zusammenhängen, dass diejenigen, von denen man eigentlich konstruktive Lösungsansätze erwartet, bislang nur mit Wissen darüber glänzen, was alles nicht geht. So auch Professor Isermeyer, der beteuert, dass weder eine Steuerung des Milchmarktes (S. 18) noch die Fortführung der Tierhaltung (S. 20) möglich seien.

Recht hat er allerdings, wenn er mehr Entscheidungsfreude der Gesellschaft anmahnt. Momentan fehlt den Bauern jegliches Bild darüber, was für eine Agrarentwicklung in unserer Gesellschaft mehrheitlich gewollt wird. Und selbst wenn es wahr wäre, dass die Masse der Staatsbürger eine hochpreisige,tierwohlreiche und mengenarme Nutztierhaltung (S. 20) will, bleibt ungeklärt, wer den ersten Schritt dazu tun soll. Fragen Sie mal bei Wiesenhof, wie gut die Biofleisch-Schiene läuft und wie viele Hähnchen real über die halbökologische Privathof-Schiene abgesetzt werden! Keine fünf Prozent!
Was wir tun können? Erstens können wir seelenruhig warten. Denn eines ist sicher: Wenn der gewinngierige Handel an irgend einerStelle den Eindruck hat,dass eine Mehrheit von Menschen einen Teil ihres Fleisch- oder Milchkonsums gegen höhereTierwohlstandards eintauschen würde, dann wird er dazu sehr schnell Modelle anbieten. Zweitens könnten wir mehr über Kooperation nachdenken. Wann, wenn nicht jetzt, brauchen wir Modelle der unternehmerischen Zusammenarbeit für Betriebe, die allein nicht weiterkommen und doch nicht einfach „gefressen“werden wollen! Wo bleibt der Genossenschaftsgedanke?

Drittens scheint mir, die Agrarverbände könnten ihre Mitglieder wirksamer unterstützen. Drittens scheint mir, die Agrarverbände könnten ihre Mitglieder wirksamer unterstützen. Warum nicht gemeinsam mit den Landesanstalten und Beratungsbüros eine Taskforce bilden, um in Not geratenen Betrieben zu helfen? Viertens, liebe Leserinnen und Leser, sollten wir wohl wachsam bleiben, denn die Kräfte, die die EU-Agrarpolitik baldestmöglich schreddern wollen, erstarken erkennbar (S. 18). Und fünftens, ganz zum Schluss, könnten wir an berufsständische Solidaritätdenken. Sie ist das Beste, was wir miteinander haben. Ich habe sie erlebt, als eine Agrargenossenschaft einem schwer erkrankten Wiedereinrichter einen Sommer lang geholfen hat, bis er wieder auf den Beinen war. Ohne Theater, ohne Fragen, und, ja, auch ohne Hintergedanken. Einfach, weil manaus denselben Dörfern stammt. Einfach Solidarität!

Herzlichst Ihr
Thomas Tanneberger

Themen: Ernte, Marktpreise

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