Kommentar zum Heft 32/2018



Trotz Dürre den Blick nach vorn richten

Liebe Leserinnen und Leser,

wir erleben gerade einen Jahrhundertsommer, der mit immer neuen Rekordwerten aufwartet. In Bernburg wurden am letzten Julitag 39,5 °C gemessen, die zugleich das bisherige Temperaturmaximum 2018 in Deutschland markierten. Mitte dieser Woche sollte dieser Höchstwert noch übertroffen werden. Die sachsen-anhaltische Kreisstadt hatte bundesweit auch die meisten Sommertage: Rund 80 Tage sind es inzwischen, an denen es 25 °C und wärmer wurde.

Nun soll es sich vorerst etwas abkühlen. Was Ostseeurlaubern einigen Verdruss bereiten könnte, lässt die Bauern ein wenig aufatmen. Auch und insbesondere in Ostdeutschland hält eine extreme Dürre die Landwirtschaft seit Wochen, ja Monaten im Würgegriff. Seit April gab es hier in vielen Regionen keinen nennenswerten Niederschlag mehr. Das Defizit in der klimatischen Wasserbilanz summiert sich mittlerweile auf 250 mm und mehr. Die Böden weisen nur noch nutzbare Feldkapazitäten zwischen 10 bis 30 % auf, sie sind meist bis in große Tiefen vollkommen ausgedorrt.

Die Folgen sind bekannt: Die Erträge bei Getreide und Raps sind katastrophal (siehe Umfrage, S. 15), in vielen Regionen haben die Bauern eine Missernte eingefahren. Nicht wenige Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht. Hinzu kommt eine Futterknappheit, die den Viehhaltern riesige Sorgen bereitet. Grünland und Feldfutter dorren vor sich hin, auch bei Kartoffeln und Zuckerrüben wird es enorme Ausfälle geben. Über Hilfen für betroffene Bauern wollen Bund und Länder Ende August entscheiden.

Ungeachtet dessen müssen die Landwirte den Blick bereits wieder nach vorn richten – auf die anstehende Herbstaussaat. Der Raps sollte in der dritten Augustdekade in den Boden. Doch die Äcker sind staubtrocken, eine ordnungsgemäße Stoppelbearbeitung war bislang kaum möglich. Möglicherweise büßt die Ölfrucht an Anbauumfang ein. Ab Mitte September steht dann das Wintergetreide zur Bestellung an. Die diesjährige extreme Vorsommertrockenheit setzte vor allem auch dem später abreifenden Winterweizen zu. Für die Praktiker stellt sich vor dem Hintergrund der prognostizierten Fortsetzung der Witterungsextreme die Frage nach geeigneten Weizensorten (S. 22) oder nach Alternativkulturen – auch und insbesondere im Mitteldeutschen Trockengebiet (siehe Schwerpunkt, S. 26 bzw. S. 28).

Könnte vielleicht die Wintergerste eine solche sein? Die frühe Getreideart hat einen geringeren Bedarf an Wasser, Dünger und Pflanzenschutz als Weizen und zudem arbeitswirtschaftliche Vorteile, sie wird als Futterkorn aber schlechter bezahlt. Bei einem Ertragsvorsprung in schwierigen Jahren wie 2018 kann sich das aber ausgleichen.

Grundsätzlich dürfte an einer zukünftigen Ausrichtung unserer Landwirtschaft auf extremere Wetterereignisse, etwa durch Anbaudiversifizierung, wohl kein Weg vorbeiführen (S. 38). Aber auch die Politik ist gefragt, wenn es darum geht, vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels schnellstmöglich Rahmenbedingungen für eine Risikoabsicherung der Branche zu schaffen. Extremwetterereignisse wie die diesjährige Dürre, aber auch Starkniederschläge oder Frostperioden können die finanziellen Ausfälle für die Bauern schnell in sehr große Dimensionen steigen lassen. Die Direktzahlungen, über die im Zuge der Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik intensiv diskutiert wird, sind da ein wesentlicher Baustein, um die Existenz der Betriebe, egal welcher Rechts- und Betriebsform, abzusichern.

Herzlichst Ihr
Detlef Finger

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