Kommentar zum Heft 32/2017



Von Wetterextremen und weiterem Ungemach

Liebe Leserinnen und Leser,

äußerst kritisch ist die Situation dieser Tage für viele Landwirtschaftsbetriebe. Die extremen Niederschläge der vergangenen Wochen haben in vielen Regionen Schäden auf den Feldern und dem Grünland angerichtet. Lagergetreide und aufgeplatzte Schoten beim Raps sind deutliche Anzeichen dafür, dass zum Teil erhebliche Einbußen an Ertrag und Qualität ins Haus stehen. Immer wieder setzten Regenschauer ein, die dem Mähdrescher Zwangspausen verordneten und die Lage weiter verschärften. Die bleibt angespannt, auch wenn es jüngst endlich wieder einmal ein paar Tage lang trocken blieb.  

Glücklich kann sich da schon schätzen, wer noch leidlich im Erntezeitplan steht. Denn dieser ist für manchen Agrarbetrieb, so im Norden und Westen Brandenburgs, längst aus den Fugen geraten. Beispielsweise in der LSV Landwirtschafts GmbH, die in Vehlefanz im Landkreis Oberhavel ihren Sitz hat und Praxispartner der BauernZeitung ist. Dort steht nach wie vor der Raps zu weiten Teilen auf dem Feld (Seite 5). Flächen, die schon bald bestellt werden müssten, sind nach wie vor nicht befahrbar. Im wahrsten Sinne ins Wasser gefallen ist der 2. Grünlandschnitt, was ­bittere Konsequenzen für die Versorgung des Rinder­bestandes hat. Dies gilt ebenso für die Rhinmilch GmbH Fehrbellin im Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin, wo die Futterflächen regelrecht geflutet wurden.

Verschärfend kommt für dieses Unternehmen noch hinzu, dass die Misere nicht allein auf die Witterungseskapaden zurückzuführen ist. Bei der Gewässerregulierung im Havel- und Rhinluch wurde wertvolle Zeit verschenkt, kritisieren die hier wirtschaftenden Landwirte. Es dauerte Wochen, bis die Wehre gezogen wurden, damit das Wasser abfließen konnte. Die Gräben waren schon deshalb randvoll, weil sie nur einmal entkrautet wurden. Somit brachten auch diese Probleme das symbolische Fass zum Überlaufen.

Wesentlich entspannter müsste es  da für jene Betriebe zugehen, die nicht mit solchen Wassermassen konfrontiert waren. Doch weit gefehlt. Im Südosten Brandenburgs, aber auch in anderen Regionen  müssen Bauern um Erträge bangen, weil sich die Bestände mangels Frühjahrstrockenheit nur spärlich entwickelt haben. Paradox: Hier besteht nicht das Problem darin, auf die Flächen zu kommen, sondern eine einigermaßen vernünftige Ernte einzufahren. Insofern ist auch hier die Situation äußerst schwierig. Für weiteres Ungemach sorgt  die Novelle der Düngeverordnung, und das deutschlandweit. Wie eine Umfrage  der DLG ergab, die wir auf Seite 24 vorstellen, zeichnen sich hier Konflikte zwischen optimaler Pflanzenversorgung und dem Ordnungsrecht ab. Für Diskussion insbesondere unter Tierhaltungsbetrieben sorgen das Lagern und Ausbringen organischer Dünger. Die verkürzten Zeiten mit dem Wegfall der Herbstdüngung, die starren Grenzwerte und die Anrechnung der Stickstoff-Nachlieferung bereiten erhebliches Kopfzerbrechen. Knappe Fristen und starre Regeln, unterm Strich noch mehr Bürokratie – so lautet die wenig erfreuliche Botschaft.

Einen kühlen Kopf in dieser Situation zu bewahren, fällt nicht leicht. Es ist denkbar, dass die Herbstbestellung unter den derzeitigen Witterungsbedingungen auf das Nötigste reduziert und ein Teil der Arbeiten aufs Frühjahr verschoben werden muss. Allerdings sind diese dann ebenso an einen sehr begrenzten Zeitraum gebunden und abhängig von der Befahrbarkeit der Böden. Ein schwieriges Unterfangen also auch weiterhin. Doch wann war es für die Landwirtschaft schon mal einfach?

Herzlicht Ihr
Wolfgang Herklotz

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