Kommentar zum Heft 32/2016



Welche Spezies wollen wir schützen?

Liebe Leserinnen und Leser,

Übergriffe von Wölfen
auf landwirtschaftliche Nutztiere haben bei uns deutlich zugenommen. Dies verwundert nicht, hat sich doch die Population des streng geschützten Großraubtiers stetig erhöht. Auf etwa 400 Wölfe wird der bundesweite Bestand derzeit offiziell beziffert. Um die vor allem politisch gewollte Wiederansiedlung ist längst eine öffentliche, kontrovers geführte Diskussion entfacht. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob im vergleichsweise dicht besiedelten ländlichen Raum in Deutschland ein Nebeneinander von Mensch und Vieh mit dem Beutegreifer möglich ist.

Weidetier- und Wildhalter, voran die Schäfer, deren Tiere auf der Speisekarte von Canis lupus stehen, betreiben einen (un)verhältnismäßig hohen präventiven finanziellen und zeitlichen Aufwand, um ihre Herden zu schützen. In Wolfsgebieten ist der Grundschutz Voraussetzung für Entschädigungen. Zwar fördern die ostdeutschen Länder Betrieben im Haupt- und Nebenerwerb den Kauf von Elektrozäunen bis zu 80 %. Doch ein Eigenanteil bleibt. Und die Zuschüsse unterliegen der De minimis-Beihilfe-Regelung. Maximal 15 000 Euro kann ein Betrieb danach an nicht EU-genehmigungspflichtiger „Bagatellförderung“ in drei Steuerjahren erhalten. Einige Länder fördern auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden, deren Einsatz freilich nicht unumstritten ist. Geboten scheint er indes, da einzelne der überaus lernfähigen Wölfe die Schutzzäune bereits überspringen. Nicht bezuschusst wird allerdings der Unterhalt dieser Hunde, der sich jährlich auf 1 000 Euro pro Tier beläuft. Für die finanziell nicht verwöhnten Schäfer ist das kein Pappenstiel.

Wie Ironie des Schicksals mutet es da fast an, dass die Entschädigungsleistungen für Nutztierrisse ebenfalls unter diese Deckelung fallen. Muss ein Schäfer einen hohen Schutzaufwand betreiben, geht er im Schadensfall leer aus! Bei jenen Haushaltsmitteln handelt es sich im Übrigen um Billigkeitsleistungen, also freiwillige öffentliche Zahlungen ohne Rechtsanspruch, die nach Kassenlage gewährt werden! Ohnehin nehmen sich diese Gelder im Vergleich zu den vermutlich zig Millionen Euro, die in Deutschland für den Wolf ausgegeben werden, mehr als bescheiden aus. Dabei geht es für die betroffenen Schäfer um ihre Existenz. Die natürliche (?) Wiederkehr des Wolfes führt für ihre Betriebe nicht nur zu wirtschaftlichen Verlusten, sondern auch zu unkalkulierbaren rechtlichen Risiken. Was, wenn eine Herde in panischer Angst vor dem Wolf ausbricht und einen Unfall mit Personenschaden verursacht?

Entschädigt wird bei nachweislichen Wolfsangriffen nach bürokratischem Prozedere nur der Marktwert der Tiere, ferner werden Tierarzt- und Tierkörperentsorgungskosten erstattet. Auf Folgekosten, etwa durch kaputte Zäune, Fehlgeburten und Leistungsdepressionen in den Herden, bleiben die Tierhalter sitzen. Entgangener Gewinn wird ihnen ebenfalls nicht ersetzt. Ganz zu schweigen von den psychischen Belastungen. Da stellt sich die Frage, wie weit die Sozialpflichtigkeit des Eigentums gehen darf.

Die Politik ist gefordert, hier schnellstens Verantwortung zu übernehmen. Die Tierhalter, die sich allein gelassen fühlen mit ihren Problemen durch die Rückkehr des Wolfes, müssen einen Rechtsanspruch erhalten auf den vollumfänglichen Ausgleich ihres Mehraufwandes für den Herdenschutz, erlittene Verluste durch Wolfsangriffe sowie Schäden bei Herdenausbrüchen. Und das auf der Grundlage einer bundeseinheitlichen, praxiskonformen Regelung. Gegebenenfalls sind dem Vormarsch der Wölfe eben auch territoriale Grenzen zu setzen. Ein staatlich verordneter Akzeptanzzwang ist jedenfalls keine Lösung. Anderenfalls gerät die Weidetierhaltung als natürlichste Form der Viehwirtschaft, die unsere vielfältige Kulturlandschaft maßgeblich geprägt hat und sie bis heute erhält, in akute Gefahr.

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