Kommentar zum Heft 31/2018



Was tun, wenn das Futter knapp wird?

Liebe Leserinnen und Leser,

die Einbußen bei der diesjährigen Ernte treffen viele Betriebe, aber die mit Futterbau in besonderer Weise. Während noch ein einigermaßen vernünftiger erster Schnitt vom Grünland eingefahren werden konnte, fiel vielerorts Nummer zwei der langen Trockenheit zum Opfer. Nicht der Rede wert, was da noch geborgen wurde. Ironie des Schicksals: Während die Landwirte im Havelland im vergangenen, regenreichen Jahr hinnehmen mussten, dass ihre Luchwiesen unter Wasser standen und der zweite, sogar der dritte Schnitt ausfielen, sind diese Flächen nun regelrecht verbrannt. Wo noch ein bisschen Aufwuchs zur Verfügung steht, weiden Jungrinder. Dabei sollten diese Flächen genutzt werden, um Winterfutter zu produzieren. Dramatisch die Situation auch in der Thüringer Rhön, wo die Hänge so gelb sind wie die abgeernteten Getreidefelder. Unkräuter machen sich breit. Den Bauern, die hier im Biospärenreservat Landschaftspflege mit Mutterkühen betreiben, bleibt nichts anderes übrig, als auf der Weide Stroh zuzufüttern. Das war so nicht vorgesehen. Die nächste bange Frage: Können noch Fördergelder für die KULAP-Flächen beansprucht werden, wenn die angestrebte Pflanzenvielfalt trockenheitsbedingt dezimiert wird?

Wohl dem, der noch genügend Futterreserven aus dem Vorjahr hat. Doch wo mangels Alternative bereits jetzt den Tieren vorgelegt werden muss, was für den Winter vorgesehen war, zeigt sich das Dilemma in voller Schärfe: Was tun, wenn die  Vorräte endgültig zur Neige gehen: Den Tierbestand reduzieren oder Futter zukaufen? Letzteres dürfte wegen der Allgemeinen Knappheit eine teure Angelegenheit werden. Ein Instrument zur Hilfe kann die vom Berufsstand organisierte Futterbörse sein. Aus Sachsen wurde berichtet, dass es zumindest im Erzgebirge und Vogtland nach ergiebigen, oftmals zu starken Regengüssen genügend Aufwuchs an Gras und Futter gibt. Der Sächsische Landesbauernverband hat deshalb zur gegenseitigen Unterstützung aufgerufen. Über die Internetseite des Verbandes kann ein entsprechendes Angebot von betriebseigenen Futtermitteln jeglicher Art von Mitgliedern inseriert und von anderen mit Bedarf abgerufen werden. Erste Offerten aus den erwähnten Mittelgebirgsregionen liegen vor, wie von der Geschäftsstelle in Dresden zu erfahren war.

Zweifellos hat kein Betrieb etwas zu verschenken, gestiegene Aufwendungen stellen die Solidarität unter Landwirten auf eine harte Probe. Dennoch appellierte Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Detlef Kurreck an die Ackerbaubetriebe, in dieser schwierigen Zeit zusammenzustehen. Tierhaltungsbetrieben sollten ökologische Vorrangflächen zur Mahd oder Beweidung angeboten, zugleich Heu- und Strohballen bereitgestellt werden. Die berufsständische Interessenvertretung Brandenburgs forderte, den Zwischenfruchtanbau im Rahmen von Umweltprogrammen zu nutzen, um Futtermittel zu erzeugen. Bislang ungehört verhallte aber der Ruf, Futterroggen auf Greeningflächen anzubauen.

In dieser Notsituation sind ebenso rasche wie unbürokratische Hilfen gefragt. Haben das die Politiker auch verstanden? Das zum Redaktionsschluss anhaltende Treffen der Agrarminister von Bund und Ländern wird sich an den konkreten Ergebnissen messen lassen müssen. Fest steht: Wenn es zu keiner spürbaren Entlastung insbesondere für die Futterbaubetriebe kommt, wird ein noch stärkerer Abbau der Tierbestände einsetzen. Weitere Arbeitsplätze in der ostdeutschen Landwirtschaft dürften damit in große Gefahr geraten.

Herzlichst Ihr
Wolfgang Herklotz

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