Kommentar zum Heft 31/2017



Alles in Butter mit dem Milchpreis?

Liebe Leserinnen und Leser,

diejenigen, die in ihren Familien für den Lebensmitteleinkauf zuständig sind, werden es längst bemerkt haben: Butter ist zuletzt bei Aldi und Co. im Preis deutlich gestiegen und inzwischen so teuer wie nie zuvor. 1,79 € sind für ein klassisches 250-Gramm-Päckchen an der Kasse zu berappen. Gründe hierfür sind eine vermehrte Nachfrage nach fetthaltigen Produkten im In- und Ausland, ein besseres Image der Butter beim Verbraucher und eine gestiegene Käseherstellung. Vor einem Jahr kostete das halbe Pfund Deutsche Markenbutter beim Discounter lediglich 70 ct. Jenes Preistief lag allerdings inmitten der Milchkrise, an deren Tiefpunkt hiesige Milchbauern von den Molkereien teils nur 20 ct/kg Rohmilch erhielten. Im bundesweiten Mittel wurden die Erzeuger 2016 mit einem Milchgeld von 26,7 ct/kg abgespeist, was zu einem erheblichen Höfesterben führte.

Inzwischen zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Die Erzeugererlöse tendieren auch infolge geringerer Anlieferungsmengen langsam wieder nach oben. Es ist jedoch nicht so, dass sich mit den Preiserhöhungen des Lebensmitteleinzelhandels auch das Milchgeld verdoppelt hat. Weiterhin niedrige Notierungen auf der Eiweißseite, so für Magermilchpulver, bremsen den Anstieg. Momentan erhalten die Bauern im Schnitt 33 ct/kg, was bestenfalls die laufenden Kosten deckt. Um die in den Krisen (2008/09 nicht vergessen!) aufsummierten Verluste auch nur halbwegs zu kompensieren oder den Betrieben gar wieder Investitionen zu ermöglichen (von Rücklagenbildung bei volatilem Milchmarkt ganz zu schweigen), bedarf es eines Auszahlungspreises von gut 40 ct/kg – und das über einen möglichst längeren Zeitraum.

Bis dato stammte die Rekordmarke beim Butterpreis von 1983. Damals zahlten die Verbraucher laut Statistik im früheren Bundesgebiet im Jahresdurchschnitt umgerechnet 1,36 € für das Stück Butter. Marktanalysten verkündeten bereits, dass ein Ende der jetzigen Preisspirale nicht in Sicht sei. Handwerk und Industrie, die das Milchfett verarbeiten, wie Bäcker oder Süßwarenhersteller, schlagen bereits Alarm. Und was machen die Verbraucher? Die üben sich in Kaufzurückhaltung und legen stattdessen öfter die billigere Margarine in den Einkaufskorb. Die Butterverkäufe im Handel sind im ersten Quartal 2017 deutlich gesunken – im Januar und Februar um jeweils rund zehn Prozent, im März sogar um 14 %. Dabei hatten Bürger in der Krise noch vollmundig ihre Bereitschaft verkündet, mehr für Milch und Milchprodukte zahlen zu wollen, wenn es denn den arg gebeutelten Landwirten zugutekommt. Von früheren Willensbekundungen ist so mancher weit entfernt. Dabei würde der etwas tiefere Griff in die Geldbörse gerade für die gute Butter nicht weh tun.

Denn selbst wenn das Stück Butter derzeit 50 Cent teurer ist als im mehrjährigen Vergleichsmittel (das liegt bei etwa 1,29 €), so ergibt sich bei einem Pro-Kopf-Jahresverbrauch von rund sechs Kilo bzw. 24 Stück Butter à 250 Gramm lediglich eine Mehrausgabe von gerade mal einem Euro pro Monat bzw. zwölf Euro pro Jahr! Deswegen die höheren Butterpreise gleich als Inflationstreiber hinzustellen, ist unredlich. Hier sollte man sich vor Augen führen, dass in Deutschland nur knapp zehn Prozent des Gesamteinkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden. Und nicht nur das.

Wer tagtäglich mit dem Auto unterwegs ist und dann mit fast leerem Tank zur falschen Zeit am falschen Ort ist, um seinen Kraftstoffvorrat aufzufüllen, der zahlt bei zehn Cent Tagespreisdifferenz und 50 Liter konsumiertem Benzin oder Diesel schnell fünf Euro drauf – und das womöglich Woche für Woche.

Herzlichst Ihr
Detlef Finger

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