Kommentar zum Heft 30/2018



Was tun, wenn der Regen fehlt?

Liebe Leserinnen und Leser,

die Ernte auf den Äckern ist in vollem Gange. Auf den meisten Flächen konnte die Rapsernte bereits abgeschlossen werden. Oftmals ist nur noch Weizen zu dreschen. Die Gerste wurde mancherorts schon Ende Juni eingefahren. Ein Erntebeginn, so früh wie seit vielen Jahren nicht mehr. Normalerweise würden sich Landwirte über solche Umstände freuen – genau das Gegenteil ist der Fall. Egal ob Gerste, Raps, Weizen oder Sonnenblumen, durch die vielerorts anhaltende Trockenheit seit dem Frühjahr hatten die Bestände schlechte Voraussetzungen für eine gute Ertragsbildung. Vor allem in der Kornfüllung fehlte das Wasser. Sieht man sich die Bestände von Nahem an, fällt das sofort auf. Oft tragen die Ähren nur kleine Körner, manche wurden erst gar nicht richtig ausgebildet.

Im Frühjahr waren viele noch zuversichtlich. Der Winter reichte bis in den März hinein, und die Vegetation hatte einige Zeit aufzuholen. Zwar bangte so mancher Landwirt noch um das rechtzeitige Drillen der Sommerungen, doch dann ging plötzlich alles ganz schnell. Das Frühjahr wurde quasi übersprungen und es ging ab April direkt in den Frühsommer über. In manchen Gebieten, die auch in früheren Jahren stark von der sogenannten Frühsommertrockenheit betroffen waren, fielen seitdem keine nennenswerten Niederschläge mehr. In der Mittelmark in Brandenburg beispielweise. Die wenigen Liter, die seit April zwischenzeitlich auf einen Quadratmeter fielen, waren nicht viel mehr als der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“. Zwar wurde die rückständige Vegetation durch diese Witterung zügig wieder aufgeholt, doch das hat mehr Schäden als Besserung gebracht. Es wird von Ertragsverlusten zwischen 30 und 50 Prozent berichtet. Ein harter Schlag für viele Betriebe.

Das Problem in diesem Jahr ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Mit den schlechten Erträgen müssen die Betriebe nun leben. Doch weitaus schlimmer ist, dass die Ernte 2018 keine Ausnahme ist. Auch im vergangenen Sommer waren die Erträge nur mäßig, und 2016 sah es auch nicht viel besser aus. Wer in den letzten Jahren Rücklagen gebildet hat, kann das Minus auf dem Konto womöglich noch ausgleichen. Doch wer konnte das schon in letzter Zeit? Die Jahre mit Spitzenernten liegen weit zurück. Überschüsse wurden direkt investiert oder sind langsam, aber sicher aufgebraucht. Für Gemischtbetriebe mussten sie zum Teil herhalten, um die schlechten Milchpreise auszugleichen. Quersubventionierung ist das Stichwort. Die Cash Crops im Ackerbau, also die „Hauptverdiener in der Familie Landwirtschaft“, tragen in diesem Jahr viel weniger zum Betriebseinkommen bei. Selbst steigende Preise könnten die monetären Verluste nicht ausgleichen.

Die Politik ist gefragt. Die Bauern fordern Dürrehilfen, nachdem ihr jahrelanger Ruf nach einer Risikorücklage ungehört blieb. Auch Versicherungen gegen Ertragsausfälle infolge von Trockenheit sind nötig. Letztere werden in Deutschland, im Gegensatz zu anderen EU-Ländern, nicht bezuschusst, geschweige denn steuerbegünstigt. Das führt dazu, dass entsprechende Versicherungen nicht angeboten werden. Ein Aspekt, der berücksichtigt werden muss, bedenkt man die zu erwartenden Klimaentwicklungen. Aber noch eher müssen staatliche Hilfen für betroffene Landwirte her, schnell und unkompliziert. Die Landwirtschaft versorgt seit jeher die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. In Zeiten, in denen es der Landwirtschaft schlecht geht, sollte von der Bevölkerung bzw. vom Staat auch etwas zurückkommen. Die Lage ist ernst.

Herzlichst Ihr
David Benzin

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