Kommentar zum Heft 29/2018



Datenschutz – zwei Seiten einer Medaille

Liebe Leserinnen und Leser,

wurden Sie auch schon öfter von wildfremden Personen angerufen, oft von Callcenter-Mitarbeitern, die Ihnen ein Produkt oder einen Vertrag andrehen wollen? Sie kennen sicher auch diese bösen Spam-Mails von Unbekannten mit bekannt erscheinenden Absendern, die man am besten nicht aufmacht, sondern gleich in den Quarantäne-Ordner schiebt und den Absender für die Zukunft sperrt. Früher fragte man sich noch: Woher haben die nur meine Telefonnummer bzw. meine E-Mailadresse? Inzwischen weiß jeder, dass unsere personenbezogenen Daten für viele seriöse, aber auch unseriöse Firmen ein wertvolles Gut sind, das dementsprechend gehandelt wird.

Schuld daran ist sicher auch unser zunehmend sorgloser Umgang mit unseren persönlichen Daten. Vor 35 Jahren war das in der „gebrauchten“ Bundesrepublik noch anders, die Aufregung fast quer durch die Gesellschaft noch groß, bloß weil der Staat eine Volkszählung durchführen wollte, wissen wollte, wer wo lebt und wie viele insgesamt im ganzen Land. Bis vor das höchste Gericht wurde damals gestritten. Die staatliche Befragung konnte erst vier Jahre später erfolgen, nachdem die Gesetzesgrundlage angepasst wurde.

Heute geben wir unsere persönlichsten Informationen einfach so preis, die meisten bei der Benutzung von Computer oder Smartphone. Bei der Installation einfachster Apps geben viele Nutzer z. B. ihr Einverständnis zur ständigen Übermittlung des Standortes und der Weitergabe aller Telefonbuchkontakte. Und warum? Weil wahrscheinlich für die meisten der kurzfristige persönliche Nutzen dieser Anwendungssoftware größer ist, als die möglichen Gefahren durch die Freigabe der Daten. Unmittelbar und direkt erfährt ja auch keiner Nachteile dadurch. Fast unbemerkt zahlen wir unseren Preis dafür. Insbesondere die großen Internetkonzerne erstellen mit den Daten Profile von uns. Anhand unseres Surfverhaltens und dank ausgefeilter Algorithmen wissen sie oft mehr über die Nutzer, als denen lieb ist, mehr noch, als engste Verwandte oder Freunde. Ob Ihre Tochter schwanger ist, wissen Google und Amazon wahrscheinlich eher als Sie. Wer hochwertige Geräte sein Eigen nennen darf, muss heute bei Einkäufen im Internet mit Preisaufschlägen rechnen, denn wer viel hat, kann auch mehr geben.

Um die personenbezogenen Daten eines jeden besser zu schützen, ist seit zwei Monaten die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft (S. 42). Viele Landwirte, Firmen und Vereine sind davon überrascht worden, obwohl sie schon vor zwei Jahren von der EU verabschiedet wurde. Die Verunsicherung ist groß. Da ist wohl etwas in der Informationspolitik der Verbände und Institutionen schief gelaufen. Was ebenfalls kaum einer wusste: Auch vorher schon war die Verarbeitung personenbezogener Daten ohne Einwilligung verboten, es gab nur keinen Sanktionskatalog. Heute können erhebliche Strafen drohen.

Treffen sollte der strengere Datenschutz eigentlich die Großen, die ihren Reibach mit den persönlichen Daten machen. Darunter leiden jetzt die Kleinen. Jedes Unternehmen, jeder Land- und Forstwirt, der Mitarbeiter- oder Kundendaten, aber auch Daten der Geschäftspartner verarbeitet, also speichert – es reicht auch schon ein handgeschriebener Zettel – muss die betroffenen Personen informieren, meistens sogar eine schriftliche Einwilligung von ihnen einholen. Alle Inhaber von Webseiten, die Nutzerdaten speichern – es reicht die IP-Adresse des Rechners – müssen ihren Internetauftritt rechtssicher aktualisieren. Der bürokratische, aber auch finanzielle Aufwand ist immens.

Herzlichst Ihr
Klaus Meyer

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