Kommentar zum Heft 28/2017



Wieder auf der Sonnenseite

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

als ich kürzlich einer Freundin erzählte, dass ich einen Schwerpunkt Solarenergie für die BauernZeitung vorbereite, sagte sie: „Solarenergie – gibt‘s die überhaupt noch?“ Ich überlegte, wie sie darauf gekommen war. Wahrscheinlich hat sich in der Öffentlichkeit die Ansicht durchgesetzt, mit Solarstrom könne man kein Geld mehr verdienen, es würden kaum noch Anlagen gebaut, niemand interessiere sich dafür. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Zahlreiche Firmen der Solarbranche haben ein gutes Halbjahr hinter sich; es gibt viele Aufträge. Die Modul- und Speicherpreise sind günstig und fallen weiter, die Eigenstromversorgung interessiert mittlerweile Hausbesitzer und Gewerbetreibende. Inzwischen wird jede zweite Photovoltaik­anlage mit einer Batterie gebaut. Etwa 60 000 Solarstromspeicher gibt es schon in Wohnhäusern. Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht im Solarspeichermarkt ein ähnlich großes Potenzial wie vor Jahren im Photovoltaikmarkt. Wenn auch im Wohnhaus die Wirtschaftlichkeit der eigenen Versorgung mithilfe einer Solarstromanlage plus Speicher noch nicht immer gegeben ist, haben doch viele Hauseigentümer den Wunsch nach Unabhängigkeit oder vielleicht ein besonderes Interesse an der neuen Technik. Die Gründe können vielfältig sein, und die Rentabilität steht im eigenen Haus nicht immer an erster Stelle.

Anders ist das beim Gewerbe und in der Landwirtschaft. Hier wird gerechnet, und die Investition soll sich amortisieren. Der Praxisbericht auf Seite 34 ist ein Beispiel dafür, wie die Photovoltaik zur Stromversorgung im eigenen Betrieb beitragen kann. Der Landwirt Matthias Frahm will mit einer nagelneuen Photovoltaikanlage auf dem Funktionsgebäude seiner Biogasanlage den Strombedarf derselben zu einem großen Teil decken. Er rechnet mit einer Amortisationszeit der Solaranlage von weniger als zehn Jahren. Auch die Solarspeicher werden für Betriebe interessanter, wie unser Bericht über die Münchner Messe Intersolar in Ausgabe 25 auf den Seiten 32 und 33 zeigt. Die Speicherhersteller bieten mittlerweile neben den kleinen Batterien für Eigenheime leistungsstarke Hochvolt-Speichersysteme für Industrie und Gewerbe an.

Solarstrom wird heute mit neuen Anlagen sehr günstig produziert. Die letzte Ausschreibungsrunde für Freiflächenanlagen im Juni ergab einen durchschnittlichen Zuschlag von 5,66 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Der höchste Zuschlagswert betrug 5,9 Cent. Vor fünf Jahren gab es noch zirka 15,7 Cent pro Kilowattstunde für Strom von der Freiflächenanlage, 20 Jahre lang, so wie heute. Somit ist die Photovoltaik kein Kostentreiber mehr für die EEG-Umlage, die jeder Stromkunde für jede Kilowattstunde, die er verbraucht, zahlen muss. Sie hat das Niveau der Windenergiekosten erreicht. 

Schade ist nur, dass nicht noch mehr Menschen als die etwa 1,6 Millionen Photovoltaikanlagenbetreiber von der Solarenergie profitieren können. Die Bundesregierung hat erst vor zwei Wochen die Chance vertan, das Mieterstromgesetz so zu gestalten, dass Mieter den Solarstrom vom Dach, unter dem sie wohnen, wirklich preiswert beziehen können. Es bleibt die volle EEG-Umlage zu zahlen, obwohl dieser Strom keine Netze belastet. Es soll einen Zuschuss von 2,2 bis 3,8 Cent je Kilowattstunde für die Betreiber neuer PV-Anlagen auf Mietgebäuden ab 1. August geben. Dafür müssen sie Mietern einen Mindest­rabatt von zehn Prozent gegenüber regionalen Grundversorgertarifen gewähren. Das wird wohl kaum als Anreiz reichen, zumal es auf dem Strommarkt zahlreiche Firmen gibt, die den Grundversorgertarif unterbieten. Der Mieter wird mit diesen zehn Prozent also kaum zu überzeugen sein. Und so wird es wohl noch Jahre dauern, bis die unzähligen Dächer in den Städten mit Sonnensammlern bestückt sind.

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