Kommentar zum Heft 27/2017



In zwei Jahren ist schon alles klar, hoffentlich

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

der Deutsche Bauerntag 2017 liegt hinter uns, und eine Bilanz zu ziehen fällt ungewöhnlich schwer. Keine Wahl, keine Statutenänderung, kein Verbandsknatsch – nichts, was irgendwie hätte Spannung aufkommen lassen können. Oder doch?

Spannend dürfte für viele der Besuch in der Hauptstadt gewesen sein. Hier boten sich, so war es vom Veranstalter gedacht, rund um den Bauerntag allerhand Möglichkeiten zur Annäherung an unsere wichtigsten Kunden und Zuschauer, die urbanen Verbraucher. Diese auf das Tagungspodium einzuladen hat sich leider keiner getraut, aber auch die anwesenden Politikerinnen und Politiker machten gut klar, wohin die Reise geht. So boten die Einzelauftritte (S. 22–23) und erst recht die Podiumsdiskussion (S. 24–25) durchaus spannende Erkenntnisse.

Klar wurde zunächst, dass wir mittlerweile sehr namhafte Unterstützer haben. Kommissar Oettinger sieht offenbar in den Bauern gute Allianzpartner für seine Strategie der Budgeterweiterung, und auch die Kanzlerin hat zu verstehen gegeben, dass sie den Bauern zur Seite stehen wird, so gut sie kann. Wer kommt noch dazu? Deutlich wurde aber auch, wer sich als Gesprächspartner in der Agrardiskussion disqualifizierte. Wirkte die Störaktion des „Tierschutzbüros“ noch ziemlich kindisch (fünf bunt verkleidete Aktivisten rannten animalisch schreiend dem Wagen der ­Bundeskanzlerin hinterher), so war die Aktion von Greenpeace und AbL so professionell wie unmissverständlich (eine Fuhre Mist vor die Füße). Greenpeace-Agrarreferent Martin Hofstetter, der eben noch auf dem Kreisbauerntag Nordwestmecklenburg versöhnliche Worte gesprochen hatte, und der nach eigenem Bekunden ebenso dialogbereite AbL-Geschäftsführer Georg Janßen traten kraftvoll alles kaputt, was in den letzten Wochen an Vertrauen entstanden war. Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit im Denken und Handeln – das scheint diesen Menschen fremd zu sein. Das ist schade und kurzsichtig zugleich, denn gerade die AbL hätte allen Grund, mit dem DBV in einer Reihe für den Erhalt der Direktzahlungen zu kämpfen. Das wäre das Gebot der Stunde, denn die „Schlacht“ um die EU-Agrarpolitik nach 2020 ist bereits in vollem Gange. Muss ja auch, wenn die Beschlüsse dieses Mal rechtzeitig fallen sollen!

Mehrfach tönte es auf dem Bauerntag: Wenn die Direktzahlungen bleiben sollen, muss es dafür stichhaltige Gründe geben. Ja, richtig! Diese Gründe sollten wir künftig noch klarer als bisher benennen, denn die Milliardensummen, die uns Europa angeblich kostet (S. 20), wird uns sowieso keiner glauben. Stattdessen müssen wir Politikern und Verbrauchern zweierlei klarmachen: Erstens sind wir das einzige Gewerk, das im Weltmarkt steht und vom Wetter abhängt. Wer eine stabile Landwirtschaft will, muss also wenigstens einen Teil des Risikos übernehmen. Zweitens gibt es wenig Grund zur Annahme, dass der Weizen teurer und der Diesel billiger wird, wenn Herr Hogan die Erste Säule abschafft. Also werden die Gelder aus Brüssel einfach gebraucht.

Demnach, liebe Verbraucher, müsst ihr euch entscheiden: Wollt ihr Familienbetriebe in Europas Landwirtschaft, dann werdet ihr für diese sorgen müssen. Wollt ihr sie nicht, dann bekommt ihr alsbald das, was in anderen Teilen der Welt längst üblich ist: integrierte Agroholdings, die den gesamten Produktionsprozess vom Feld bis zur Ladentheke beherrschen, so die maximale Wertschöpfung ziehen und Risiken ausgleichen können. Schaut euch an, wie das geht, und entscheidet dann, was ihr wollt. Nur eines geht nicht: Noch eine Förderperiode lang herumeiern!

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