Kommentar zum Heft 26/2016



Türen öffnen für helfende Hände

Liebe Leserinnen und Leser,

gibt es auf Ihrem Betrieb auch keine jungen Leute, die nachrücken? Wen wundert‘s, schlägt doch der demografische Wandel gnadenlos zu. Die Zahl der Neuzugänge in der beruflichen Bildung ging zwischen 2005 und 2013 bereits von 1,15 Millionen auf etwa 960 000 zurück, am stärksten in Ostdeutschland. Zudem war vielen Betrieben die eigene Nachwuchsarbeit in den vergangenen Jahren zu lästig. Gab es doch immer andere, vermeintlich wichtigere Dinge zu tun. Aber ohne verlässliche Mitarbeiter, egal welchen Ausbildungsgrad sie besitzen, wird es sich langfristig in der Landwirtschaft nicht ackern lassen.

Unabhängig von den Ursachen bergen sinkende Ausbildungsquoten die Gefahr, dass weniger Fachkräfte beruflich qualifiziert werden als benötigt. Wie wäre es da mit helfenden Händen lernbehinderter Jugendlicher? Bisher können die Abgänger der Förderschulen oft nur wenig von der positiven Lage auf dem Ausbildungsmarkt profitieren. Ihre Chancen, einen Berufsabschluss zu erwerben, sind noch immer stark eingeschränkt. Das aber könnte sich durch eine engere Kooperation von Betrieb, Berufsschule und Elternhaus deutlich ändern. Mit Sicherheit würden auch flexiblere bildungspolitische Rahmenbedingungen dazu beitragen, dass mehr Berufsschüler mit Erfolg eine Helferausbildung abschließen könnten. Doch welcher Landespolitiker kümmert sich darum?

Allein die Ungleichstellung, die die Jugendlichen anhand ihrer Einstufung im Paragrafendschungel erfahren, ist unfassbar. Jugendliche, die nach § 35 SGB gefördert werden, erhalten eine finanzielle Förderung für den Erwerb des Traktorführerscheins, der von vielen Agrarbetrieben als Grundvoraussetzung für die Übernahme der Berufsschüler angesehen wird. Andere Jugendliche, die nach Maßgabe des § 117 SGB lernen, gehen hingegen leer aus. Auch verdienen die Schüler einfach nicht genug, um sich selbst einen  Führerschein leisten zu können.

Ausbilder und Bildungsinstitutionen werden von einer Bürokratielawine überschüttet, müssen sich immer wieder um ihre Jugendlichen bei der Agentur für Arbeit „bewerben“ und verlieren wertvolle Zeit für die Azubis. Was die jungen Menschen aber am meisten benötigen ist Aufmerksamkeit. Angeborenen Lernschwächen ist nicht mit Anträgen beizukommen, sondern mit verlässlicher direkter Hilfe. Diese könnte weitaus besser geleistet werden, würden Bildungseinrichtungen kontinuierlich und ausreichend finanziert. Auch müsste die Betreuung der Jugendlichen im Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben länger garantiert werden, was wiederum Geld kostet. Doch diese Investition bringt immer mehr, als  junge Menschen durch mangelnde Unterstützung zu Hartz-IV-Empfängern „zu erziehen“. Am Ende gewinnen alle: Die Jugendlichen, die Gesellschaft und die Staatskasse.

Vielleicht, mag mancher aus Erfahrung sagen, ist es zu schwer, lernbehinderte Menschen ins eigene Unternehmen aufzunehmen. Aber niemand verlangt von einem Ausbildungsbetrieb, sich dieser Aufgabe allein zu stellen. Spezialisierte Lehrstätten, wie die Bildungseinrichtung Buckow e. V. (S. 26–29 und S. 42–43), stehen aufgeschlossenen Unternehmen zur Seite, sei es für den Theorieunterricht oder zur Integration der Azubis in den Praxisbetrieben. Auch gibt es die Möglichkeit einer nachträglichen Anmeldung eines Förderbedarfs für Auszubildende, sollten sie nicht den Anforderungen einer vollberuflichen Ausbildung gewachsen sein. Doch auch ein solcher Prozess funktioniert nur, wenn Betrieb und Schule in ständigem Austausch stehen und ihre
Jugendlichen im Blick haben. Qualität in der Ausbildung kann nur im Verbund und mit viel Kooperationsbereitschaft stattfinden.

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