Kommentar zum Heft 25/2017



Einen Königsweg gibt es diesmal nicht

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

bei meiner Suche nach einem Betrieb für die Titelreportage der aktuellen Ausgabe hatte ich diesmal keinen Erfolg. Ich wollte über ein Unternehmen berichten, das schon länger mit mehreren Melkrobotern arbeitet und es nach seinen Erfahrungen – vielleicht nicht nur positiven – befragen. Doch es hagelte eine Absage nach der anderen. Woran es lag? Zum einen hatte ich wohl eine zu sensible Region ausgewählt; die Rinderhalter in Thüringen sind durch die aggressive Vorgehensweise von Tierschützern wie Peta & Co. stark verunsichert und wollen oft nicht oder nicht mehr in die Öffentlichkeit. Zum anderen gab es aber auch Betriebe, die mit den Leistungszahlen ihrer Roboter oder mit dem Service der AMS-Hersteller nicht zufrieden waren und deshalb lieber nicht in die Zeitung wollten. Doch ist das der richtige Weg?

Die Automatisierung in der Milchproduktion führte bisher in erster Linie zu Arbeitserleichterung und Produktivitätssteigerung. Nur was, wenn sie Mensch und Tier überfordert? Durch sie fällt zwar schwere körperliche Arbeit weg, doch der Kopf muss dafür weit mehr leisten. Für neue, teils digitale Technik werden gut ausgebildete und motivierte Herdenmanager benötigt. Zudem verändert das automatische Melken nicht nur die Form der Arbeit, sondern auch ihre Organisation. Veränderte Laufwege der Kühe haben starken Einfluss auf die Futteraufnahmen und damit die Tiergesundheit. Und ehrlich gesagt, der Umstieg von einem konventionellen zentralen Melkvorgang zu einem zeitlich unabhängigen und dezentralen Milchentzug ist ein kompletter Systemwechsel in der Produktion. Doch waren sich alle Betriebe, die sich in den vergangenen Jahren für ein AMS entschieden haben, darüber im Klaren?

Es ist bisher sehr schwierig, für solch einen betriebswirtschaftlich enorm bedeutsamen Entschluss gesichertes Datenmaterial zu finden. In Deutschland gibt es von unabhängigen wissenschaftlichen Instituten kaum verlässliche Kennzahlen, die die unterschiedlichen Verfahren des automatischen Melkens detailliert abbilden. Weder für die Arbeitsorganisation, die Ökonomie noch die Gesundheits- und Leistungsmerkmale der Tiere. Das ist sehr schade, zumal es Betriebe gibt, die schon seit Jahrzehnten mit Melkrobotern arbeiten. Und den Herstellern ist bei deren Druck, Maschinen verkaufen zu müssen, auch nur bedingt zu trauen. Dort werden Sie nur Positives hören, Schwierigkeiten werden eher unter den Teppich gekehrt. Obwohl bei ihnen die größten Datenmengen anfallen und verglichen werden könnten. Die Agrarunternehmen haben jedoch immer die Möglichkeit, Milchbauern in Deutschland, den Niederlanden, den USA oder Schweden über die Schulter zu blicken und von  deren langjährigen Erfahrungen mit der Automatisierung zu profitieren. Auch ein Praktikum zum Kennenlernen neuer Systeme ist bestimmt nicht ausgeschlossen.

Von wem sollten Rinderhalter besser lernen können als von ihren Berufskollegen selbst? Es gibt bereits viele positive Beispiele für einen Einstieg in das automatisierte Melken. Insbesondere in kleineren Familienbetrieben scheint es gut zu funktionieren. Den „Großen“ zeigen sich oft noch unvorhersehbare Probleme während der Umstellung, die in der Regel aber alle lösbar sind. Und letztendlich spuckt der Melkroboter täglich viele erforderliche Informationen zu den Kühen aus. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die in den Hersteller-Clouds gesammelten Daten und die bisherigen Erfahrungen einiger Herdenmanager ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. Denn die Automatisierung in der Tierhaltung wird aufgrund der bald mangelnden Arbeitskräfte weitergehen, da bin ich mir sicher.

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