Kommentar zum Heft 21/2018



Vor der Ernte ist nach der Ernte

Liebe Leserinnen und Leser,

überwiegend sehr gut oder gut standen die Getreidebestände zu Pfingsten auf den Äckern. Es war eine Freude, die kräftiggrünen Pflanzen in der Sonne zu sehen. Das ungewöhnliche Wetter – erst zu kalt und dann schnell sehr warm – haben die Pflanzen gut vertragen. Der kältebedingte Rückstand ist aufgeholt. Wenn die Bedingungen nicht zu extrem sind, ist die Natur bewundernswert anpassungsfähig. Beim Raps sieht es leider nicht so gut aus, er ist in der Wärmeperiode zu schnell gewachsen. Dabei hat er zu wenige Seitentriebe gebildet, und die mancherorts aufgetretene Knospenwelke wird auch Ertrag kosten. Die Wasserversorgung ist jetzt im Süden und Westen Deutschlands gut. Das mehr kontinental geprägte Klima Ostdeutschlands dagegen macht sich wieder bemerkbar, hier wird Regen erwartet. Und mit jedem Tag Sonne wird die Erwartung dringlicher.

Wo das Wintergetreide wegen zu nasser Böden nicht ausgebracht werden konnte oder zu stark geschädigt war, konnte meist noch mit der Saat einer Sommerfrucht das Schlimmste verhindert werden. Wobei eine zweite Saat bei den momentan aufgerufenen Preisen mächtig am Gewinn kratzt. Recht wenig Bewegung herrscht an den Produktbörsen, der Qualitätsweizen bewegt sich nun schon länger um die 160 €/t. Trotz einer Ernteschätzung von 45,8 Mio. t Getreide für dieses Jahr in Deutschland und damit etwas weniger als im fünfjährigen Mittel von 47,8 Mio. t – diese 2 Mio. t haben keinen Einfluss auf den Weltmarkt. Umso wichtiger wird eine reibungslose und effektive Ernte. Gut gewartete Mähdrescher, ausreichend Fahrer, die die Technik beherrschen und eine Transportlogistik, die die Drescher möglichst immer fahren lässt, sind wichtige Punkte, die nun bald klar sein sollten.

Dass mit dezentralen Lagern die Fahrstrecken in der Ernte kurz gehalten werden können, zeigt die Reportage auf Seite 26. Was ein großer Dienstleister mit Erfolg praktiziert, ist auch eine Anregung für Landwirtschaftsbetriebe. Wer die Technik zur Schlauchsilolagerung von Getreide, vielleicht auch mit einem Nachbarbetrieb, auslasten kann, sollte sich diese Variante einmal ansehen. Vielleicht kann eine nicht mehr genutzte Betriebsstätte mit einer Zaunreparatur für die Zwischenlagerung genutzt werden. Bei einer Lagerdauer unter sechs Monaten greifen keine baurechtlichen Vorschriften.

Wie in einer Erntekette mit dem Umladewagen als zentralem Element alle Entscheider immer auf dem aktuellen Stand sind, wird auf Seite 34 vorgestellt. Beeindruckend ist die technische Entwicklung bei der Mähdrescherautomatisierung. Mehr zur technischen Entwicklung der Druschtechnik finden Sie ab Seite 28. Erste vollautomatische Maschinen können nun gekauft werden. In normalen Beständen wird der Fahrer wirklich zum Aufpasser, der nur bei Unregelmäßigkeiten eingreift. Aber noch immer ist er vor dem Anschnitt gefordert, beispielsweise den Schneidwerkswinkel einzustellen. Auch bei Lagergetreide ist der Fahrer gefordert. Weder für die Festlegung der Fahrtrichtung noch für die Höhenführung des Schneidwerkes unter diesen Bedingungen gibt es eine Automatik. Was sonst noch so alles am Schneidwerk beachtet werden sollte, damit das Aufnahmeorgan den Ausdrusch unterstützt, ist ab Seite 31 zusammengefasst.

Bereits mit der Verteilung des Strohs, das auf dem Acker gelassen wird, und mit der Stoppelbearbeitung beginnen die Vorbereitungen für die nächste Ernte. Damit wird der Grundstein für das Saatbett der Ernte 2019 gelegt. Jetzt aber gilt die Aufmerksamkeit erst einmal der Erntevorbereitung 2018.

Herzlichst Ihr
Jörg Möbius

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