Kommentar zum Heft 20/2018



Wie weiter im Anbau von Winterraps?

Liebe Leserinnen und Leser,

wer in diesen Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern reist, erlebt das Land von seiner schönsten Seite: Leuchtend gelbe und duftende Rapsfelder geben der Landschaft vielerorts ein geradezu malerisches Aussehen. Doch so überwältigend der Anblick für den Betrachter auch sein kann, für die Landwirte  im Nordosten hat der Raps in den vergangenen Jahren einiges von seinem „Zauber“ eingebüßt.

Zwar gehört die Ölfrucht auf den Betrieben immer noch zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Kulturen. Doch schlechte Erträge und nicht zufriedenstellende Erlöse in den vergangenen beiden Jahren haben am Nimbus als zweiter „Brotfrucht“ neben dem Weizen im Norden gekratzt. Damit nicht genug: Auch 2018 erwarten die Bauern bestenfalls eine durchschnittliche Rapsernte. Wegen des vielen Regens im vergangenen Sommer wurden landesweit 20.000 ha weniger mit Raps bestellt als im Jahr zuvor. Mit einer Anbaufläche von 204.500 ha ist Mecklenburg-Vorpommern bundesweit zwar immer noch das Rapsanbauland Nummer 1. Dennoch fragen sich aber immer mehr Landwirte: Wie weiter mit dem Rapsanbau?

Dass die Fläche nicht noch weiter zurückgegangen ist, hängt vor allem damit zusammen, dass viele Landwirte 2017 nur darüber nachdachten, den Anbau einzuschränken, die Entscheidung aber noch einmal vertagten. Denn wirtschaftliche Alternativen zum Raps sind dünn gesät. Anbauer müssen unter ihren konkreten betrieblichen Bedingungen entscheiden, wie mögliche Mindereinnahmen bei der Ölfrucht künftig ausgeglichen werden können. Mehr Wintergerste, Mais, Erbsen, Leguminosen – viele Landwirte sind auf der Suche nach Ackerbaustrategien, die mehr als Raps und Weizen beinhalten, die vielfältige Fruchtfolgen und eine schonende Bodenbearbeitung ermöglichen. Es ist gut, wenn dazu auch Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz entwickelt werden. Nur, ganz ohne chemischen Pflanzenschutz wird es, zumindest aus heutiger Sicht, nicht gehen.

Anbauer diskutieren in diesen Tagen intensiv darüber, wie das System Rapsproduktion zukunftsfest gemacht werden kann. Das Auftreten der Physiologischen Knospenwelke, von der Mecklenburg-Vorpommern bisher weitgehend verschont blieb, ist dafür nur der Anlass. Dass für die Bekämpfung von Blattläusen im Raps im Herbst kein wirksames chemisches Mittel mehr zur Verfügung steht und gegen die Blütenschädlinge Kohlschotenrüßler und -mücke nur noch eines, wirft viele Fragen auf. Ist die Erzeugung hochwertiger und sicherer Nahrungs- und Futtermittel sowie eines nachwachsenden Rohstoffs für Biodiesel aus heimischer Produktion nicht mehr gewünscht? Sollen die Erträge beim Raps bewusst gedrückt werden?

Spricht man mit Landwirten, dann ist zu hören, dass die Regelungen in der neuen Düngeverordnung für die Rapsproduktion gangbare Wege aufzeigen. Warum diese Wege bei der Zulassung von Insektiziden und Herbiziden nicht gefunden werden, ist unverständlich. Aber selbst wenn hier Fortschritte erreicht werden, bleibt ein Grundproblem: Die Nachfrage nach Rapsöl sinkt. Zunehmend wird das heimische Produkt durch kostengünstigeres Palmöl verdrängt. Das kann nicht ohne Folgen für die Rapspreise bleiben. Deshalb sind auf jeden Fall jene Anbauer gut beraten, die sich auf die Suche nach Anbaualternativen begeben haben.

Herzlichst Ihr
Gerd Rinas

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