Kommentar zum Heft 20/2017



Weil sich auch Stadtkinder für Kühe interessieren

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

wer hätte das gedacht? Hannah, meine Enkeltochter, ist eigentlich ein typisches Stadtkind: Sie geht in die zweite Klasse einer Berliner Grundschule, fährt gern mit Bus und Bahn, mag die Geschäfte um die Ecke in ihrem Kiez, übt in ihrer Freizeit klassisches Ballett – und interessiert sich für Kühe! Dass es sowohl Milch- als auch  Mutterkühe verschiedener Rassen gibt, gehört für die Achtjährige schon zum Allgemeinwissen. Als ich ihr dieser Tage ein Poster mit den Abbildungen diverser Fleisch­rindrassen schenkte, stieß das auf Begeisterung und provozierte sogleich Fragen: Warum sind die Tiere so unterschiedlich groß, warum so verschiedenfarbig, warum haben manche Kühe Hörner, manche aber nicht?

Eine günstige Gelegenheit, um das an Ort und Stelle zu klären, bietet sich in wenigen Tagen im Erlebnispark Paaren. Dort öffnen sich die Tore für die nächste Landwirtschaftsausstellung Brandenburgs, die BraLa.  Die Schau, die traditionell alljährlich zu Himmelfahrt startet und mittlerweile zum 27. Male stattfindet, ruft ebenso Befürworter wie Kritiker auf den Plan. Letztere bemängeln, dass dem Fachpublikum weniger geboten werde als beispielsweise auf der agra, die vor Kurzem erst in Leipzig zu Ende ging. Es stimmt, dass dort weitaus mehr Landtechnikaussteller präsent sind und Züchter wie Pflanzenbauer aus einem umfangreichen Paket an Vorträgen und Zuchtveranstaltungen auswählen können. Dass gerade die jüngste Schau am Rande der Messestadt wieder mit solchem Zuspruch punkten konnte, kann nicht verwundern. Die agra gilt neben der jährlichen MeLa als große Plattform der Landwirtschaft in Ostdeutschland. Sie repräsentiert die Leistungskraft der Agrar- und Ernährungswirtschaft gleich mehrerer Bundesländer, findet zudem im Zweijahresrhythmus statt. So können finanzielle Mittel konzentriert und Akzente stärker gesetzt werden, was im Zeitalter der Globalisierung und eines immensen Wettbewerbsdruckes unabdingbar ist.

Die Herausforderungen gelten freilich auch für Brandenburgs grüne Branche. Dennoch haben sich die Veranstalter der BraLa vor vielen Jahren schon für ein anderes Konzept entschieden. Die Messe will gleichermaßen den Landwirt wie den Verbraucher ansprechen. Immerhin liegt das Gelände vor der Haustür Berlins und damit vor einem riesigen Markt. Die Chance besteht darin, den Konsumenten zu zeigen,  wie Landwirtschaft funktioniert und was sie alles leistet. Deshalb stehen auf dem Messeprogramm solche Veranstaltungen wie die Landestierschau, aber auch der pro-agro-Markt, der mit regionalen  Spezialitäten aufwartet, ganz obenan. Es wäre jedoch unfair, der BraLa fachliche Kompetenz abzusprechen. Schließlich gibt es einen nicht unerheblichen Teil an spezifischen Veranstaltungen  an allen vier Tagen. Zu nennen ist beispielsweise das Forum „Landwirtschaft im Dialog“. Fachleute diskutieren hier in diesem Jahr über Trends der Gentechnik, zugleich wird neueste Technik zur Bodenbearbeitung vorgeführt.

Das Konzept muss sich allerdings Jahr für Jahr aufs Neue bewähren. Fatal wäre, wenn mangels attraktiver Angebote Fachpublikum auf der Strecke bleibt. Die Gefahr besteht, da in diesem Jahr eine Reihe von Landtechnikhändlern ihre Teilnahme an der BraLa abgesagt hat. Dies ist zweifellos der aktuellen Absatzkrise geschuldet. Vor allem die langandauernde Preismisere im Milchviehbereich  hat  für einen Investitionsstau gesorgt. Gerade deshalb sollte die Messeleitung gemeinsam mit den Verbänden nach neuen Wegen suchen, um das fachliche Profil zu schärfen. Was überhaupt nicht ausschließt, junge Leute wie meine Enkeltochter Hannah anzusprechen, die mehr über Kühe erfahren wollen.

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