Kommentar zum Heft 18/2018



Lamento oder Lust und Leidenschaft?

Liebe Leserinnen und Leser,

der Antrag auf Agrarförderung dürfte vom Tisch sein, wenn sich in wenigen Tagen Brandenburgs Landwirte auf den Weg zur diesjährigen Landes­agrarschau, der BraLa, machen. Denn spätestens zum 15. Mai müssen die Unterlagen vorliegen. Diese sind seit vergangenem Jahr nicht mehr in Papierform, sondern online zu versenden. Das geht – unter normalen Umständen – schnell, dennoch ist es ratsam, dies nicht auf den sprichwörtlich letzten Drücker zu tun. Denn auch im digitalen Zeitalter mit modernster Technik gibt es noch so manche Region im Land, wo das schnelle Internet ein Fremdwort ist. Da kann von jedem Mausklick bis zur Umsetzung eine gefühlte Ewigkeit vergehen. Deshalb legen viele Antragsteller zwangsweise eine Nachtschicht vor dem Computer ein, weil dann weniger Mitmenschen im Netz unterwegs sind. Selbst wenn die Daten zu dieser Zeit schneller versendet werden können, kommt da gewiss keine Freude auf.

Für zusätzlichen Unmut sorgte die vom Potsdamer Agrarministerium im Vorfeld verordnete, rund vierwöchige Zwangspause bei der Antragstellung. Bis nach Ostern blieb der Zugang zum Online-Formular verwehrt, weil noch an der Software gefeilt wurde. Eines nur von vielen Ärgernissen, die auf der Landesbauernversammlung zur Sprache kommen dürften, traditionell am zweiten Tag der BraLa. Sie gilt als willkommenes Forum, um sich auszutauschen, Dinge beim Namen zu nennen und Lösungen einzufordern. Ich habe in all den Jahren so manch spannende Diskussion erlebt, die wiederzugeben einfach Spaß gemacht hat. Das war besonders dann der Fall, wenn die Versammlung so gar nicht nach Protokoll ablief, sondern Landwirte die Gelegenheit nutzten, ihrem Herzen Luft zu machen. Da wurde nicht lamentiert, sondern mit Lust und Leidenschaft gestritten. Das kam in jüngster Zeit mitunter etwas zu kurz, finde ich. Sicherlich waren gerade die mit so vielen Umbrüchen verbundenen Jahre nach der Wende besonders spannungsgeladen. Seitdem hat sich vieles verändert. Doch mit gravierenden Veränderungen haben wir es auch heute zu tun, denken wir nur an den Ausstieg vieler Betriebe aus der Milchproduktion oder die stringenten Vorschriften der neuen Düngeverordnung. Diese machen zweifelos auch den Landwirten in anderen Regionen Ostdeutschlands zu schaffen. Aber gerade auf den mageren Böden Brandenburgs, nicht von ungefähr als „märkische Streusandbüchse“ bezeichnet, sorgen die undifferenzierten Vorgaben gelinde gesagt für Entsetzen. Wenn die Erträge der letzten drei Jahre als Maßstab angelegt werden, droht hier eine gefährliche Abwärtsspirale. Die Gefahr ist groß, dass auch der Ackerbau zum Auslaufmodell wird.

Kaum weniger brisant die Umsetzung des sogenannten Wolfsmanagements. Auf der Bauernversammlung im Vorjahr hatte Brandenburgs Agrarminister angekündigt, dass in Kürze der Entwurf einer neuen Verordnung vorgelegt werde. Diese solle sicherstellen, dass die Verwaltung künftig rechtssicher und vor allem schnell auf kritische Situationen reagieren werde. Das Papier liegt vor, doch die Zahl der Wolfsübergriffe auf die Herden ist weiter angestiegen und mit ihr die Unzufriedenheit vieler Schaf- und Mutterkuhhalter im Land. An mehr als 20 verschiedenen Standorten loderten Mahnfeuer im März, um gegen die weitere Ausbreitung der Wölfe und für die Zukunft der Weidehaltung zu protestieren. Gefordert wird die Schutzjagd nach schwedischem Vorbild. Der Diskussions- und vor allem Handlungsbedarf ist also immens. Man darf auf die bevorstehende Landesbauernversammlung also sehr gespannt sein!

Herzlichst Ihr
Wolfgang Herklotz

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