Kommentar zum Heft 17/2018



Bäuerliche Betriebe vom Staat zu retten?

Liebe Leserinnen und Leser,

unlängst gab es ein deutsches Jubiläum, das keiner feiern wollte: 25 Jahre Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Am 15. April 1993 teilte das Bundesgesundheitsamt in Berlin mit, dass es erstmals Freilandversuche mit sogenannten GVO-Nutzpflanzen genehmigt habe. Für die einen war das ein segensreicher Fortschritt, für die anderen der Anfang vom Ende. Erfolgreiche Proteste folgten. Hierzulande wuchsen 2014 zum letzten Mal GVO in freier Feldflur, und zwar Mais der Sorte Mon810 in Sachsen-Anhalt. Die Spitze der Anti-Gentechnik-Bewegung bildeten dabei Greenpeace und die Grünen. Letztere erklärte in ihrem Wahlprogramm zur letztjährigen Bundestagswahl, dass noch immer der Nachweis für die Unbedenklichkeit gentechnisch veränderter Pflanzen fehle. „Gentechnik ist Teufelswerkzeug der Agrarindustrie, gefährlich für Gesundheit und Umwelt“, so fasste unlängst ein großes deutsches Nachrichtenmagazin den Standpunkt der Partei zusammen. Doch der soll sich nun ändern.

„Biotechnologie, Nanotechnologie oder Gentechnik können Krankheiten ausrotten oder heilen, sie können Leben verlängern – theoretisch sogar den Tod überflüssig machen“, schrieben nämlich jetzt die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck in einem Impulspapier, das die Grünen bis 2020 zu einem neuen Grundsatzprogramm führen soll. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Baerbock und Habeck wünschen sich doch tatsächlich, dass ihre Partei die grundlegende Ablehnung von genmanipulierten Lebensmitteln aufgibt. Bestimmte neue Technologien könnten helfen, „die Versorgung mit Nahrungsmitteln auch dort zu garantieren, wo der Klimawandel für immer weniger Regen oder für versalzenen Boden sorgt“, heißt es etwas verschwurbelt in dem Vorstandspapier. Konkret geht es den beiden wohl um die biochemische Methode CRISPR/Cas. Die Grünen-Doppelspitze vollführt damit eine komplette Wende, just zu einem Zeitpunkt, da in Brüssel darüber gestritten wird, ob Methoden wie CRISPR unter das Gentechnikrecht fallen oder nicht.

Die Grünen wollen ihr Handeln doch jetzt nicht etwa nur noch auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen? Schließlich hatte unlängst das international renommierte Fachjournal Nature Methods eine eigene Publikation offiziell zurückgezogen, die der Gen-Schere CRISPR unkontrollierbare Nebenwirkungen bescheinigte und die die Gentechnikgegner daher nur allzu gern zitieren. 2017 hatten kalifornische Molekularbiologen bei Labormäusen eine bestimmte Mutation mit CRISPR korrigiert, anschließend das komplette Mäusegenom sequenziert und mit dem „unbehandelter“ Nager derselben Zuchtlinie verglichen. Dabei stießen sie auf zahlreiche Abweichungen, die sie als ungewollte Folgen des Gentechnikeinsatzes interpretierten, als sogenannte Off-Target-Effekte. Diese Schlussfolgerung wurde jetzt wissenschaftlich widerlegt. Bei den gefundenen Veränderungen handelte es sich um ganze normale gene­tische Variationen, wie sie bei jeder Fortpflanzung auftreten – unabhängig von CRISPR. 

Die Faktentreue der Umweltpartei reichte bislang immer nur so weit, wie sie zur eigenen Ideologie passte. So beruft sie sich beim Thema Neo­ikotinoide auf die Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). In Sachen Glyphosat, das die EFSA als nicht krebserregend einstuft, wird diese hingegen verleugnet. Jetzt wird sich also zeigen, wie weit es mit der Wissenschaftlichkeit der Grünen wirklich bestellt ist und ob Anwender moderner Züchtungsverfahren nicht doch noch einen Grund zum Feiern haben.

Herzlichst Ihr
Christoph Feyer

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