Kommentar zum Heft 17/2017



Schwierige Themen auf der Messe

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

in der kommenden Woche startet eine der wichtigsten Landwirtschaftsmessen Ostdeutschlands. Vom 4. bis 7. Mai sind auf dem Leipziger Messegelände die Tore der „agra“ geöffnet – für das Fachpublikum, aber auch für die interessierte Bevölkerung (siehe Messespezial in der Heftmitte). Es wird Zeit sein, um über brennende fachliche Fragen zu diskutieren und über das momentan sehr ambivalente Verhältnis von Bauern und Gesellschaft.

Fachlich wird und muss es um die neue Düngeverordnung gehen. Zu einschneidend sind die Veränderungen – von Ausbringungszeiten und Nährstofflimits über Lagerraumbedarf für Organik bis hin zu erhöhtem Dokumentationsaufwand. Bei alledem kommt es jetzt darauf an, sich mit den Folgen der erlassenen Vorschriften zu befassen. Das ist schwierig, da im Zuge der ausufernden Vorabdiskussion eine Fülle von Halbwissen verbreitet worden ist. Nun sollten wir, ausgehend vom real beschlossenen Verordnungstext, die Lage analysieren. Die BauernZeitung wird Sie dabei in den nächsten Ausgaben unterstützen, der Text der Verordnung steht bereits online. Daneben dürfte es ratsam sein, die trotz Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens noch laufende Erarbeitung der Bilanzierungsvorschriften im Blick zu behalten. Die Methodik für die „Stoffstrombilanz“ ist offenbar noch nicht wirklich klar (S. 20/21). Gestaltungsspielraum!

Enger denn je mit den fachlichen Fragen verbunden sind heute die Diskussionen um die gesellschaftliche Dimension der Agrarwirtschaft. Einerseits steht die Bundestagswahl an, und wie sich abzeichnet, werden im Wahlkampf Agrarfragen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Insofern ist es löblich, dass sich am „agra“-Donnerstag eine ganze Plenartagung mit den landwirtschaftsbezogenen Positionen der politischen Parteien beschäftigen wird. Wer hier teilnimmt, hat eine gute Vorbereitung auf die Wahl und wird Interessantes hören (S.19).

Aber er wird sicher auch spüren, dass es um mehr geht. Denn es wird nicht nur erfreuliche Gespräche geben in Leipzig. Allzu hart treffen uns in letzter Zeit kleine und große Agrarskandale, die immer auch Pleiten der Öffentlichkeitsarbeit sind. Zuallererst, da müssen wir ehrlich sein, sind es Probleme vor Ort. Da werden wild Bäume gefällt, Weidetiere nicht vom Gewässer abgezäunt, da kleckert Gülle in den Graben, und der Nachbar baut im sechsten Jahr Mais nach Mais an. Wann werden die letzten Kollegen verstehen, dass wir alle Öffentlichkeitsarbeiter sind?

Und es kommt noch schlimmer: Da hören wir von Investoren, die nicht nur landgierig, sondern auch noch arg raubeinig auftreten. Da musste Schweinezüchter Straathof erst durch die Gerichte belehrt werden, wie Tierhaltung geht. Da hat die KTG-Pleite der Welt scheinbar bewie-sen, dass Wahnsinnige heute Landwirtschaft betreiben. Und da kommen immer neue Medienbilder über Missstände in Ställen. Manche erweisen sich als haltlos, wie im Fall von Bauernpräsident Johannes Röring. Er verteidigte sich mutig gegen die im Herbst gegen ihn erhobenen Vorwürfe und wies vor Gericht nach, dass er sich als Tierhalter nichts vorzuwerfen hat. In anderen Fällen scheint das nicht so klar zu sein, denn die Masse der damals per Skandalvideo beschuldigten Verbandsfunktionäre hat sich nicht wirklich gewehrt. Zu allem Überdruss muss sich jetzt der Ehrenpräsident des Thüringer Bauernverbandes, Dr. Klaus Kliem, wegen massiver Verletzungen des Tierhaltungsrechts vor den Behörden verantworten. All das stellt die Glaubwürdigkeit der vieltausendfachen bäuerlichen Bemühungen um ein gutes Verhältnis zur Gesellschaft infrage. Darüber müssen wir vielleicht in Zukunft noch offener reden – auf der „agra“ und anderswo.

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