Kommentar zum Heft 15/2018



Fusionen zulasten der Bauern?

Liebe Leserinnen und Leser,

eine US-amerikanische Firma sorgt seit vielen Jahren für Schlagzeilen. Die meisten Menschen in Europa hörten in den vergangenen Monaten zum ersten Mal von derselben, andere können mit dem Namen immer noch nichts anfangen. Die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland gehören zu keiner der eben genannten Gruppen, denn sie wissen, welches Unternehmen gemeint ist: Monsanto. Der Konkurrent Bayer will wachsen und gibt sich Mühe, die geplante Übernahme des umstrittenen Biotech-Konzerns zu vollenden. Neueste Prognosen ebnen den Weg für Spekulationen: Die Aktienkurse verheißen gute Chancen für den Kauf unter Auflagen. Es geht um Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft. Aber geht es auch um Umweltschutz, Vorteile für und Transparenz gegenüber den Landwirten?

Es ist eher eine moralische Frage als eine rationale. Die großen Unternehmen aus den Bereichen Saatgut und Pflanzenschutz dominieren schon länger den Markt. Allerdings fällt auf, dass es zuletzt immer häufiger zu Fusionen kam. Vor allem 2017 kann als Trendjahr der Agrarchemie-Fusion bezeichnet werden. So machten es Bayer und Monsanto bereits im vergangenen Herbst Dow Chemical und DuPont vor, aus denen DowDuPont hervorging. Im selben Jahr übernahm ChemChina die Schweizer Syngenta. Mit der geplanten Übernahme von Monsanto findet jedoch eine Fusion von besonderer Größenordnung statt. Mit einem Umsatz von mehr als 22 Milliarden Euro (Stand 2015) wäre der neue Riesenkonzern, der neben der Pflanzenschutz- auch die Saatgutbranche dominieren würde, der größte in der Agrarchemiebranche weltweit – weit vor den (wenigen) Konkurrenten. Die EU-Wettbewerbshüter winkten den Deal zwar durch, und der Weg der erfolgreichen Übernahme scheint größtenteils geebnet zu sein. Aber welche Auswirkungen hat das womöglich für die Landwirtschaft und die Menschen?

Am Beispiel der Übernahme des Großteils der ehemals zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin durch Lufthansa erkennt man, wo die Gefahren liegen. Die Preise für Flugreisen haben sich dadurch merklich nach oben bewegt – nach Einschätzung von Branchenfachleuten um etwa 30 %. Auch die Betriebsmittelpreise in der Landwirtschaft könnten in so eine Richtung gehen, da der Konkurrenzdruck sinkt. Immerhin erteilte EU-Wettbewerbskommissarin Westager die Auflagen, Teile des Saatgut-, Pflanzenschutz- und Digitalgeschäfts von Bayer abzutreten, um den Wettbewerb nicht zu schädigen.

Andererseits schafft eine Fusion auch Möglichkeiten. Das Image von Monsanto in Deutschland kann auch unter Landwirten als „ausbaubar“ gelten. Warum sollte das Unternehmen Bayer, das sehr viel in gute Produkte und PR investiert hat, das Risiko einer Imageverschlechterung in Kauf nehmen? Gerade in Zeiten wachsender Resistenzproblematik, von Minimalaufwandmengen und Neuzulassungs-Ebbe sind Innovationen im Bereich Saatgut-Technologie unvermeidbar. Wird sich dabei eher die bisher pluralistische Unternehmensphilosophie von Bayer durchsetzen? Oder werden sich unschöne Gerüchte über Saatgutmonopolismus aus Amerika in Europa bewahrheiten? Chance und Risiko liegen hier nah beieinander. 

In die Zukunft sehen kann niemand. Doch selbst im Falle einer erfolgreichen Übernahme entscheidet immer noch jeder einzelne Landwirt selbst, was er tut. Und vielleicht liegt der richtige Weg gerade darin, das Gespräch zu suchen. Gehen Sie auf Ihren Verkaufsberater zu! Nur so können Fragen zur Zukunft des neuen Pflanzenschutz- und Saatgutanbieters auf Augenhöhe besprochen werden.

Herzlichst Ihr
David Benzin

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