Kommentar zum Heft 15/2017



Management muss seinem Namen gerecht werden

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

vor wenigen Wochen stand ich vor einem Damm, den ein Biber errichtet hatte. Das solide Bauwerk bestand aus nahezu perfekt übereinandergeschichteten Ästen und Zweigen und hätte durchaus auch von Menschenhand geschaffen sein können. Unglaublich, dass hier ein Tier am Werke war, noch dazu so klein von Wuchs. Die Wirkung indes war verheerend. Der sonst eher unscheinbare Graben hatte sich beträchtlich angestaut und auch einen Teil der angrenzenden Wiesen unter Wasser gesetzt. Ein Fiasko für den hier wirtschaftenden Landwirt, der den Aufwuchs als Futter für seine Pferde nutzt. Den zweiten Schnitt hatte er schon im Herbst vergangenen Jahres abschreiben müssen, weil er nicht mehr auf die durchnässten Flächen kam. Das droht sich nun fortzusetzen.

Nüchtern betrachtet tut der Biber nur, was er naturgemäß tun muss. Denn Meister Bockert, wie das possierliche Wesen in der Fabel bezeichnet wird, setzt gezielt die Zugänge zu seiner Burg unter Wasser, um den Nachwuchs unbehelligt aufziehen zu können. Zu Wendezeiten in Brandenburg und in anderen Ländern nahezu ausgerottet, hat sich die geschützte Tierart inzwischen kräftig vermehrt und für immense Schäden gesorgt. Auf das Konto des Nagers gehen unzählige gefällte Bäume und angestaute Bäche sowie Gräben. Der Rückstau bewirkt keineswegs „nur“ Einschränkungen bei der Bewirtschaftung der Flächen, sondern sorgt auch für deren Entwertung. Eine Grasnarbe beginnt zu verfaulen, wenn sie wochenlang unter Wasser steht. Das gefällt weder den Flächennutzern noch den Eigentümern. Zunehmend häufen sich Fälle, wo Straßen und Wirtschaftswege unterhöhlt wurden und wegen Einsturzgefahr gesperrt werden müssen. Höchst bedrohlich wird es, wenn sich der Biber an Deichen zu schaffen macht, die vor Hochwasser schützen sollen. Löchrig wie „Schweizer Käse“ werden sie ihrer Bestimmung wohl kaum noch gerecht werden können. 

Somit besteht Handlungsbedarf, obwohl seit mittlerweile zwei Jahren in Brandenburg ein sogenanntes Bibermanagement existiert.  Vom zuständigen  Agrar- und Umweltminister in Kraft gesetzt, fördert es Präventionsmaßnahmen beispielsweise an Dämmen, um Biberschäden zu vermeiden. Das sieben Punkte umfassende Programm beinhaltet ebenso den Einsatz von zwei „Bibermanagern“ und lässt unter bestimmten Bedingungen auch das Vergrämen, Fangen und gar Töten der Nager zu. Die Maßnahmen konzentrieren sich vor allem auf das Oderbruch, wo rund ein Drittel  der etwa 4 000 im Land lebenden Biber ansässig ist. Doch die Umsetzung des Managements erweist sich als außerordentlich mühsam, wie sich nicht nur beim Einfangen und Umsiedeln von Castor fiber zeigt. In verlassenen Revieren siedeln sich schnell wieder neue Artgenossen an.  Was auch passiert, wenn  das drastischste aller Mittel ergriffen wird. Ohnehin hält sich die Zahl der Abschüsse, an strenge Auflagen gebunden und nur in der Zeit von Anfang September bis Mitte März gestattet, in Grenzen. Ganze zehn Biber wurden 2015 in Märkisch-Oderland zur Strecke gebracht, im Jahr darauf war es die doppelte Anzahl. Dem steht ein jährliches Wachstum der Population um bis zu 20 % gegenüber.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, dem Biber den Garaus zu machen. Aber es ist allerhöchste Zeit, sich über den weiteren Umgang mit dieser Spezies in unserer Kulturlandschaft zu verständigen und intensive Forschung zu betreiben. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen werden die vom Biber verursachten Schäden weiter zunehmen. Sowohl Prävention als auch Schadensausgleich kosten aber richtig Geld. Ist die Gesellschaft wirklich bereit, dieses zur Verfügung zu stellen? Ich habe da so meine Zweifel. Auf keinen Fall darf eintreten, dass Landnutzer auf Ertragsausfällen sitzen bleiben. Das wäre ein fatales Management.

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