Kommentar zum Heft 14/2018



Bringt Extra-Nass den Mehrgewinn?

Liebe Leserinnen und Leser,

beeindruckend sind die Mehrerträge, die die beiden Landwirte unserer Beregnungsreportagen auf den Seiten 32 und 36 auf ihren Flächen mit dem Zusatzwasser erzielen. Letztendlich zählt der finanzielle Ertrag je Hektar, und der muss die festen und variablen Kosten der Beregnung mit hereinbringen. Das klappt mit Gemüse und Sonderkulturen oft gut. Bei Ackerfrüchten sind Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben die besten Verwerter von Zusatzwassergaben. 1.000 Euro mehr finanzieller Ertrag pro Hektar, das ist doch etwas! Da kann gut eine Beregnungsanlage für 3.000 Euro Investitionskosten je Hektar angeschafft werden. Aber dann kommen in der Fruchtfolge Raps – er bringt auf unserem Brandenburger Beispielbetrieb 140 Euro mehr je Hektar – oder Getreide. Beim Wintergetreide erntet Hof Grünhagen 10 dt/ha mehr, bei Sommergerste kann der Ertrag mit Beregnung von 30 auf 60 dt/ha gesteigert werden. Generell gilt: Je leichter der Boden, umso mehr kann der Ertrag mit zusätzlichem Wasser verbessert werden. Bei diesen Mehrerträgen ist es verwunderlich, warum nicht häufiger beregnet wird. Untermauert wird diese Frage durch das gesellschaftliche Interesse an mehr regionalen Lebensmitteln. Wenn mehr Salat, Zwiebeln oder Kartoffeln aus heimischem Anbau sein sollen, dann sind dafür auch mehr Beregnungsflächen erforderlich.

Deutschlandweit können derzeit nur rund 4 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche beregnet werden. In Niedersachsen sind es 9 %, in Brandenburg knapp 2 %. Nach 1990 ist die Beregnungsfläche in Ostdeutschland stark zurückgegangen. Hauptgrund des Rückgangs sind Eigentumsverhältnisse und Durchleitungsrechte. Kaum jemand investiert auf Pachtland in die Instandsetzung der Beregnungsinfrastruktur oder in neue Brunnen und Leitungen. Speziell in Ostdeutschland dürfte in landwirtschaftlichen Betrieben der Bodenkauf auf der Investitionsliste weiter oben stehen als eine Beregnung.

Für die Beregnung ist eine Zustimmung zur Wasserentnahme, meist durch die regionale untere Wasserbehörde, erforderlich. Für diese notwendige Genehmigung, aber auch für Planung, Brunnen- und Leitungsbau, Auswahl der Regner sowie die Investitionsförderung ist eine Beratung und Begleitung durch Experten empfehlenswert. Dafür bietet sich beispielsweise der Fachverband Bewässerungslandbau Mitteldeutschland an.

Je Hektar Beregnungsfläche werden durchschnittlich vier Gaben mit je 25 mm ausgebracht. Die Tendenz ist klimabedingt steigend. Das Wasser dafür wird überwiegend mit Brunnen aus dem Grundwasser gefördert. Kleinere Anteile kommen aus
Oberflächenwasser wie Flüssen und Seen sowie aus Versorgungsnetzen. Insgesamt nutzt die landwirtschaftliche Beregnung rund 1 % des insgesamt in Deutschland verbrauchten Wassers.

Im Genehmigungsverfahren der Wasserbehörde wird geprüft, dass langfristig nicht mehr als 20 % der erneuerbaren Wasserressourcen entnommen werden. Dazu nutzen die Ämter geologische Gutachten oder Probebohrungen. Wird nicht genügend Wasser nachgeliefert, gibt es kein Entnahmerecht. Bei Beachtung der Entnahmegrenze könnten deutschlandweit je nach Region zwischen 10 und 20 % der Ackerfläche beregnet werden. Die Wasserentnahme aus dem Grund- oder Oberflächenwasser ist meist nicht kostenlos. Pro Kubikmeter sind je nach Bundesland bis zu 20 ct fällig. Die je Brunnen genehmigte Menge darf am Jahresende am geeichten Zähler nicht überschritten sein. Deshalb kann es sinnvoll sein, Brunnen und Beregnungsflächen mit Leitungen zu verbinden und die Wasserrechte der einzelnen Brunnen flexibel auch für andere Flächen zu nutzen.

Herzlichst Ihr
Jörg Möbius

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