Kommentar zum Heft 14/2017



Den Gegner mit den eigenen Waffen schlagen

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

als ich am letzten Samstagabend nach Hause kam, war ich kaum über die Türschwelle, als schon meine Frau von einer Fernsehsendung zu erzählen begann. „Da haben deine Bauern ja endlich mal
Gehör gefunden“, sagte sie froh. „Gehör gefunden?“ „Ja, eben war im Fernsehen ein Bericht über die Wolfswachen in Brandenburg. Da war ein Landwirt vor dem Mikrofon, der hat dem Reporter aber ordentlich Bescheid gegeben! Ist ja auch eine Gemeinheit, was man mit den Tierhaltern macht – ständig neue Forderungen stellen und dann den Wolf auf die Weidetiere loslassen. Auch der Minister hat eingesehen, dass das so nicht geht.“

Was mir meine Frau mit dieser Bemerkung für eine Freude machte, ahnte sie nicht: Ihr Beispiel hat bewiesen, dass die Aktion Wolfswache bei völlig un-
beteiligten Fernsehzuschauern wirklich angekommen ist. Schon deshalb hat sie sich gelohnt, und das ist den 800 Wolfswächtern wirklich zu gönnen. Zumal sich Bauernbund und Bauernverband zu der Aktion zusammengetan hatten. Wie gut – geht es doch ganz klar um ein gemeinsames Ziel, und es ist auch höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Aus immer mehr Regionen wird berichtet, dass Weidetiere gerissen werden, die Wildschäden ansteigen und vor allem, dass sich Menschen nicht mehr in die Fluren trauen. Frauen mit dem Kinderwagen versagen sich den Spaziergang in der Frühlingssonne, Väter verzichten darauf, mit den Kindern am Wochenende ein Naturerlebnis im Wald zu suchen. Und alles nur, weil sich keiner mehr vor Wolfsrudeln sicher sein kann? Wir alle ahnen nämlich: Lernt der Wolf, dass ihm vom Menschen keine Gefahr droht, wird er ihn in sein Beuteschema einordnen. Da können die Wolfsfreunde noch so viele Argumente bringen, warum das Tier den Menschen nicht angehe – man wird ihnen nicht trauen. Allein die theoretische Möglichkeit einer Wolfsattacke wird den Menschen eines Grundrechts berauben – des Rechts auf Bewegungsfreiheit. Steht in Artikel 2 des Grundgesetzes.

Interessant an dem Fall ist auch, dass hier erstmals die Kraft der Vermutung positiv für Bauern zur Wirkung kommt. Die ultragrüne Seite, die bislang so gern allein auf der Basis von Gefühlen und Ideologien auf die Landwirte einhaut, merkt hier zum ersten Mal, wie es ist, wenn nicht die Kraft der Fakten zählt, sondern die pure Möglichkeit schon eine gesellschaftliche Reaktion auslöst. So sehr uns das zuwider ist, aber wir werden in der Öffentlichkeitsarbeit auch damit „spielen“ lernen müssen. Nicht, dass wir Falschmeldungen produzieren. Vielmehr geht es darum, Informationen gezielt einzusetzen und andererseits die „Vermutungsfaktenmacher“ zu enttarnen. Hier können wir von anderen lernen. Ein Beispiel aus der vergangenen Woche: In deutschen Kliniken brächten Ärzte und Pfleger jährlich mehr als 21 000 Menschen um, verbreiteten der Psychiater Prof. Dr. Karl Beine und die Journalistin Jeanne Turczynski in ihrem neuen Buch „Tatort Krankenhaus“ und zogen damit sämtliche anständigen Mediziner des Landes in Verruf. Allein, es dauerte keinen Tag, da hatten findige Journalisten herausgefunden, dass die ungeheuerliche Zahl angeblicher Morde nur eine Hochrechnung aus einer unpräzisen Befragung war und kein statistisches Faktum. Der Empörungsaufschrei blieb danach den meisten Medien im Halse stecken.

Denken wir daran, wenn wieder mal „berufene Federn“ über Landwirtschaft schreiben! Warum schicken wir nicht auch mal ein paar Investigativjournalisten in die Spur? Sie werden zeigen, welche eigentlichen Ziele hinter der Wolfsvermehrung stehen, hinter dem Tierschutzgeschrei, der Glyphosat-
kampagne. Weil sie gute Geschichten suchen. Und weil ihnen ihr Berufsethos die Aufklärung gesellschaftlicher Missstände nun mal ans Herz legt.

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr