Kommentar zum Heft 12/2018



Überbauen – wie lang, wie breit, wie hoch?

Liebe Leserinnen und Leser,

die Biogasanlage überbauen – das hört man seit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2017 immer wieder. Aber wie funktioniert das? Wann und wie stark soll ein Betreiber die installierte elektrische Leistung seiner Anlage erhöhen? Was hat er überhaupt davon? Muss das, was alle machen oder machen wollen, auch für alle gut sein?

Es geht um den Weiterbetrieb einer Biogasanlage nach den 20 Jahren fester Stromvergütung, die im EEG und seinen Novellen bis zum Jahr 2014 verankert sind. Nach 20 Jahren ist Schluss mit der gesetzlichen Vergütung, es sei denn, die Anlage hat in einer Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur seit September 2017 einen Zuschlag für einen zehnjährigen Weiterbetrieb unter anderen Bedingungen bekommen.

Die Leistung des Blockheizkraftwerks muss dann mindestens doppelt so hoch sein wie die geplante Bemessungsleistung. Es dürfen höchstens 50 Prozent Mais eingesetzt werden. Dieser Wert wird von Jahr zu Jahr weiter gesenkt. Anders als bisher werden alle Anlagen gleich behandelt, egal wie groß sie sind und welche Substrate sie einsetzen. Die Anlagen müssen den Strom flexibel bereitstellen, also nach Bedarf produzieren. Man kann durch Absenkung der bisherigen Bemessungsleistung in eine Ausschreibungsrunde gehen, oder man verdoppelt oder vervielfacht die Leistung, um noch flexibler Strom ins Netz einspeisen zu können. Die hohen Investitionen in ein weiteres Blockheizkraftwerk, in zusätzliche Gasspeicher für die flexible Fahrweise und meist auch in Wärmespeicher muss der Anlagenbetreiber nicht allein tragen. Er kann zur Unterstützung die Flexibilitätsprämie beantragen. Sie wird maximal zehn Jahre lang gezahlt, aber nur in der Zeit der EEG-Vergütung. 130 Euro pro zusätzlichem Kilowatt und Jahr sind möglich. Mit der Flexprämie wird maximal das Fünffache der Bemessungsleistung gefördert. Trotzdem bleibt noch eine Summe, die der Anlagenbetreiber selbst aufbringen muss. Das darf nicht wehtun. Läuft die Anlage gut und wirft Gewinn ab, ist zu überlegen, ob sie weitere zehn Jahre arbeiten sollte. Wie sich die Rahmenbedingungen über solch eine lange Zeit entwickeln, lässt sich schlecht vorhersagen. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD jedenfalls steht fürs Biogas etwas Positives: „Die Bioenergie trägt zur Erreichung der Klimaziele im Energie- und Verkehrssektor bei.“ Das klingt so, als sollte sie tatsächlich weiter unterstützt werden. Auch der Verkehrssektor bietet dem Biogas Chancen. Wegen der hohen Treibhausgaseinsparung gilt Biomethan in der EU als fortschrittlicher Biokraftstoff. Die Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote ist ebenfalls im Koalitionsvertrag vereinbart worden. Die Herstellung von Biomethan könnte auch eine Chance für Anlagenbetreiber sein, vor allem wenn eine gewinnbringende Wärmenutzung nicht möglich ist (S. 40 bis 42 und nächste Ausgabe).

Die Meinungen, wie stark man am besten überbaut, sind unter Fachleuten unterschiedlich. Die einen sagen, vier- bis fünffach, die anderen sind vorsichtiger und raten wegen der hohen Investitionen eher zur doppelten Überbauung. Eine bestehende Anlage muss nach dem Zuschlag in einer Ausschreibung mit einer Stromvergütung von weniger als 16,9 Cent pro Kilowattstunde betrieben werden können. Zusatzerlöse sind notwendig. Hier ist eine gewinnbringende Verwertung der Wärme besonders wichtig. Die Zusatzerlöse aus der Stromdirektvermarktung sind schwierig vorherzusagen. Wenn eine Biogasanlage bald zehn Jahre läuft, ist es Zeit, zusammen mit einem Fachberater zu überlegen, ob sie auf die flexible Stromproduktion umgestellt werden sollte. Dann kann die maximale Flexprämie greifen.

Herzlichst Ihre
Christina Gloger

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