Kommentar zum Heft 12/2017



Organisierten Diebstahl analog bekämpfen

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

schon seit Jahren wird die Landwirtschaft von professionellen Dieben heimgesucht. Vor ihnen ist einfach nichts mehr sicher. Es werden Kraftstoffe, Pflanzenschutzmittel und Werkzeuge geklaut, ebenso Schlepper und Mähdrescher, aber auch Tiere. Viele betroffene Landwirte entschlossen sich daraufhin, in Sicherungs- und Überwachungstechnik zu investieren. Fahrzeuge wurden mittels sogenannter künstlicher DNA markiert, um die Beute dann zweifelsfrei zuordnen zu können. Eine Zeit lang schien das die Diebe abzuschrecken, aber die Hartgesottenen offenbar nicht. Denn die Serie der kriminellen Übergriffe auf das bäuerliche Eigentum reißt nicht ab. Zunehmend sind es wertvolle Zuchttiere, die gestohlen werden – aus dem Stall und von der Weide. Nicht ein oder zwei Tiere lassen die in den Nachtstunden auftauchenden Täter mitgehen, sondern gleich mehrere. Selbst Achtung einflößende Bullen werden einkassiert wie jüngst im brandenburgischen Neuzelle. Für die dortige Agrargenossenschaft bedeutete das einen wirtschaftlichen Schaden von mindestens 20 000 €, die Konsequenzen für die Zucht wiegen noch schwerer.

Ein Ende der Klauerei ist allen Sicherheitsvorkehrungen und eingeleiteten Ermittlungen zum Trotz nicht abzusehen, im Gegenteil: Die Zahl der Diebstähle nimmt ebenso zu wie deren finanzielle Auswirkungen. Registrierte Brandenburgs Polizeipräsidium im Jahr 2016 etwa 180 gestohlene Rinder  bei einem Gesamtschaden von rund einer Viertelmillion Euro, wurden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres schon 130 Tiere entwendet. Der Schaden bewegt sich im sechsstelligen Bereich. Leider ist die Aufklärungsquote mehr als bescheiden. Weder in den beiden Vorjahren noch aktuell konnten Täter ermittelt und dingfest gemacht werden. Fest steht lediglich, dass organisierte Profis am Werk sind. Sie agieren zumeist in der Nähe von Autobahnen, um die Beute rasch abzutransportieren. Es ist davon auszugehen, dass die Ganoven für den Fall einer Kontrolle sogar gefälschte Ohrmarken und Tierpässe bereit haben. In Neuzelle waren den Bullen gleich vor Ort die Ohrmarken entfernt worden. Das legt den Verdacht nahe, dass es sich um gezielte Auftragsaktionen handelt. Die Polizei geht davon aus, dass die Zuchttiere ins osteuropäische Ausland verbracht wurden, um dort neue Herden aufzubauen.

Sehr zu denken gibt auch, dass die nächtlichen Aktionen bislang kaum auffielen. Dabei ist der Aufwand doch immens. Die Tiere müssen aus dem Stall oder von der Koppel auf Sattelschlepper oder Fahrzeuganhänger getrieben werden. Das geht nicht ohne Geräusche ab. Es ist schon sonderbar, dass bislang keiner etwas im Dorf davon mitbekommen hat. Oder will man mit der ganzen Sache nichts zu tun haben? Mittlerweile greifen viele Landwirte zur Selbsthilfe, unternehmen nächtliche Kontrollgänge. Das schlaucht und ist zudem nicht ungefährlich. Was passiert, wenn man die Ganoven, die nicht zimperlich sein dürften,  bei ihrem Beutezug erwischt? Selbstjustiz ist hier fehl am Platz, aber verstärkte Aufmerksamkeit allemal geboten. Große Hoffnung setzt man nun in Brandenburg auf eine jüngst gebildete Ermittlungsgruppe beim Landeskriminalamt, die auch über Landesgrenzen hinaus agiert und koordiniert. Mehr Präsenz der Ordnungswächter ist ebenso erforderlich wie häufigere Kontrollen von Tiertransporten. Immerhin hat die Potsdamer Landesregierung auf einer Zusammenkunft mit Landwirten eine stärkere Unterstützung zugesagt. Wenn organisierte Banden Zuchttiere entwenden, so die Erkenntnis, muss dieses Vorgehen auch organisiert bekämpft werden. Es ist allerhöchste Zeit dafür. 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr