Kommentar zum Heft 11/2017



Ein Kompromiss mit vielen Kröten

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

was lange währt, wird endlich gut, sagt ein Sprichwort. Mit Blick auf die Neuordnung des deutschen Düngerechts hegen die Bauern da berechtigte Zweifel. Das nach jahrelang kontrovers geführter Diskussion geschnürte „Düngepaket“, bestehend aus geändertem Düngegesetz sowie novellierter Dünge- und angepasster Anlagenverordnung, ist ein Bürokratiemonster. Zwar stehen die beiden Verordnungen am 31. März noch zur Entscheidung im Bundesrat an. Am Ende aber wird es bei einem Kompromiss widerstreitender Interessen bleiben, bei dem die Belange der Agrarpraktiker nicht immer im Vordergrund standen.

Die Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie wird für reine Marktfruchtbetriebe, die ihre Kulturen über Mineraldünger mit Nahrung und die Böden durch Ernterückstände und Zwischenfrüchte mit Humus versorgen, noch am ehesten zu bewältigen sein, sieht man vom bürokratischen Aufwand und etwaigen Folgen, z. B. für die Qualitätsweizenproduktion, einmal ab.

Knüppeldick kommt es dagegen für Vieh haltende Betriebe: Die Düngebedarfsermittlung ist sehr komplex, das Anrechnen von Nährstoffnachlieferungen aus Wirtschaftsdüngern und Gärresten aus Biogasanlagen kompliziert, die technische Umsetzung kostspielig. Es bedarf größerer Lagerkapazitäten und schlagkräftiger Applikationstechnik für Gülle & Co. Verbote und verlängerte Sperrfristen konzentrieren die Ausbringungszeiträume für organische Dünger vor allem auf wenige Wochen im Frühjahr. Selbst im vieharmen Osten wird das für Probleme sorgen. Für die klassischen Veredlungsregionen im Nordwesten dürften die neuen Vorgaben zu einer hohen Hürde werden und den Gülleexport kräftig ankurbeln. Die Bundesländer können optional weitere Restriktionen erlassen, was die Sache verschärft. Nichtsdestotrotz gilt künftig für alle Landwirte, die rechtsverbindlichen Vorgaben (Cross-Compliance!) umzusetzen. Die in diesem Frühjahr regional zum Teil hohen Stickstoffgehalte der Böden (Nmin) bieten einen ersten Ausblick auf das, was kommen wird.

Landwirte sind gut beraten, zeitnah vor dem Düngen über Bodenproben schlagspezifische Daten zu Grundnährstoffen und pH-Wert zu ermitteln. Das Übernehmen regionaler standortbezogener Durchschnittswerte der Ämter ist rechtlich zwar zulässig, sollte aber die Ausnahme bleiben. Denn: Falsche Annahmen verhindern eine bedarfsgerechte Düngung. Folge können Mindererträge bzw. geringere Qualitäten bei den Feldfrüchten oder eben zu hohe Nährstoffsalden im Betrieb sein. Für die Düngungsplanung geben die ostdeutschen Landesanstalten für Landwirtschaft den Praktikern mit dem Bilanzierungs- und Empfehlungssystem Düngung (BESyD) ein neues Programm an die Hand.

Für die Praxis heißt es ab dem Düngejahr 2018, bei den im Rahmen des mehrjährigen betrieblichen Nährstoffvergleichs ermittelten Kontrollwerten die Marke von 50 kg N bzw. 10 kg P2O5 je Hektar im drei- bzw. sechsjährigen Mittel nicht zu überschreiten. Nährstoffüberschüsse zu vermeiden ist schon ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft. Und: Ein effizienter Düngereinsatz kommt der Umwelt zugute. Für die Agrarbranche ist das auch eine Imagefrage. Angesichts von Schlagzeilen über „Gülleverklappung“ oder „nitratverseuchtes Grundwasser“ eröffnet das neue Düngerecht dem Berufsstand die Chance, schlagkräftige Argumente für die öffentliche Diskussion zur Landwirtschaft zu sammeln. Denn Düngeexperten und Landwirte wissen auch: Spürbare positive Effekte auf die Nitrat- und Phosphatgehalte von Böden und Wasser werden nicht binnen einer Legislaturperiode zu erzielen sein.

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