Kommentar zum Heft 11/2016

17.03.2016

Wolfgang Herklotz, stellv. Chefredakteur

© Sabine Rübensaat

Um Adebar muss man sich nicht sorgen

Liebe Leserinnen und Leser,

mit einer Hiobsbotschaft sorgte kürzlich Brandenburgs Naturschutzbund für Aufsehen. Er vermeldete, dass die Zahl der im Land brütenden Störche rückläufig sei. Den Schuldigen dafür hatte man sogleich parat: die hiesige Landwirtschaft, die Monokultur betreibt, immer weniger Grünland bewirtschaftet und Adebar somit die Futtergrundlage entzieht. Ein harscher Vorwurf, der so recht in das Glaubensbild jener Menschen passt, die anspruchsvolle, aber unrealistische Vorstellungen von einer nachhaltigen Landbewirtschaftung haben. Fatalerweise hatten es die Überbringer der Schrecken stiftenden Nachricht verabsäumt, die eigenen Statistiken vorab zu hinterfragen. Den Erhebungen der Arbeitsgruppe Weißstorch des Nabu-Bundesverbandes zufolge bewegt sich nämlich die Population jenes Tieres, den der Verband im Wappen führt, auf erfreulich hohem Niveau. Danach wurden im vergangenen Jahr hierzulande 1 362 Brutpaare registriert, während es anno 2005 rund 180 weniger waren. Zwar gab es von 2014 zu 2015 einen leichten Rückgang. Doch Kenner der Materie wissen, dass es in Wildtierpopulationen immer natürliche Schwankungen gibt, bedingt durch Zu- und Abwanderungen. Zudem kann die Mark auf die stärkste Teilpopulation in Deutschland verweisen, die bei mehr als 20 % des Gesamtbestandes liegt. Zwischen Prignitz und Lausitz kann man die gefiederten Gesellen vielerorts beobachten, wenn sie als „Erntehelfer“ hinter dem Mähdrescher oder Pflug unterwegs sind.

Ein Blick in das Zahlenwerk des Statistischen Bundesamtes hätte die um Adebars Wohlsein zu Unrecht besorgten Nabu-Menschen vor einem weiteren fundamentalen Irrtum bewahrt. Denn die Fläche für Dauergrünland in Brandenburg lag von 2005 bis 2014 bei durchschnittlich 290 000 Hektar und erreichte im vergangenen Jahr mit 296 000 Hektar den höchsten Anteil. Was also soll das Ganze? Offensichtlich wird – wieder einmal – Stimmung gegen die hiesige Landwirtschaft gemacht. Doch das darf man nicht einfach so hinnehmen! So sieht es jedenfalls das im Sommer vergangenen Jahres gegründete „Forum Natur Brandenburg“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Bauern, Fischern, Schäfern und Jägern, aber auch Anglern, Waldbesitzern und Imkern. Der Verband repräsentiert rund 100 000 Menschen in mehr als 6 000 Betrieben und Vereinen. Diese haben sehr spezielle, zum Teil gar unterschiedliche Interessen, aber einen gemeinsamen Nenner: die Landnutzung. Immerhin geht es um mehr als eine Million Hektar Land, die bewirtschaftet werden. Was langfristig nur durch einen verantwortungsvollen Umgang funktioniert.

Auf seine Fahne hat sich der eingetragene Verein vor allem eines geschrieben: wieder mehr Sachlichkeit in die Diskussion über Landnutzung und Naturschutz zu bringen. Beide stehen sich nicht konträr gegenüber, wie so oft behauptet wird, sondern bedingen einander. Denn es sind die von Menschenhand geprägten Kulturlandschaften, die es nach der Devise „Schützen durch Nützen“ zu erhalten gilt. Die Frage ist lediglich, auf welche Weise dies geschieht. Wenn Managementplanungen gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie betrieben werden, ohne die Landnutzer einzubeziehen, kann das nicht funktionieren. Schon gar nicht, wenn die Papiere von ortsfremden Planungsbüros ohne parlamentarische Begleitung erstellt werden. Der Verband will auf Missstände aufmerksam machen, aber auch mithelfen, diese zu beseitigen. Die Rede ist zugleich davon, den gesamten „Werkzeugkasten“ politischer Aktionen für den ländlichen Raum zu nutzen. Man darf darauf gespannt sein.
Unterstützung kann der Berufsstand ­allemal gebrauchen!

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