Kommentar zum Heft 09/2018



Wiederbelebung der Sommerkultur?

Liebe Leserinnen und Leser,

Landwirte haben es nicht leicht in der öffentlichen Meinung der heutigen Zeit. Tierhaltungsprobleme, die unbeliebte Gülleausbringung oder die Glyphosatanwendung sind nur drei der Vorwürfe, die der Landwirtschaft vom mehr oder weniger gut informierten Bürger allzu schnell gemacht werden. Wer sich an der öffentlichen Kritik gegen die Landwirtschaft weiter beteiligen möchte, kramt auch das Stichwort Monokultur aus der Schublade, um die Bemühungen der heimischen Landwirte, die Erzeugung wertvoller Rohstoffe für eine gesicherte Ernährung mit dem Erhalt einer biologisch wertvollen Kulturlandschaft zu verbinden, vollends in ein schlechtes Licht zu rücken. Dabei kann vom Begriff „Monokultur“ doch kaum die Rede sein, denn ohne eine richtige Fruchtfolge wäre es Landwirten schwer möglich, entsprechend hohe Erträge zu realisieren. Allerdings stieß die aktuelle Fruchtfolgeplanung im Herbst auf handfeste Probleme, die auch bis jetzt nicht überwunden sind.

Entweder waren die Äcker zu nass, um sie bestellen zu können, oder sie waren aus demselben Grund noch nicht abgeerntet. Diese Umstände machten vielen landwirtschaftlichen Betrieben einen Strich durch die Fruchtfolgeplanung und sind ein Beweis mehr dafür, wie stark die Landwirtschaft vom Wetter abhängig ist. Auf bessere Aussaatbedingungen in diesem Frühjahr hofft demnach wohl jeder Landwirt. Doch auf welche Sommerkulturen ist zu setzen? Was passt zur vorhandenen Produktionstechnik und zum Boden? Wie sicher ist die Vermarktungslage verschiedener Sommerkulturen? Ist die Zeit zum Anbau einer unkonventionellen Kultur gekommen? Sollte ein konkreter Anbauentschluss noch nicht gefallen sein, führe die hohe Nachfrage nach Saatgut zu dessen Knappheit und hohen Preisen, wie der landwirtschaftliche Nachrichtendienst AgraEurope (AgE) berichtet.

Betrachtet man nicht nur den Deckungsbeitrag, den eine Kultur planmäßig bringt, sondern werden auch der Fruchtfolgewert und arbeitswirtschaftliche Faktoren einbezogen, ist der Anbau von Sommerkulturen interessanter, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Bei den jüngsten Preisentwicklungen von Sommergetreide erscheinen vor allem Braugerste und Qualitätshafer lukrativ. Auch die Nischenkultur Durum ist vermarktungstechnisch interessant, da das geringe Angebot der hohen Nachfrage in Deutschland nicht Rechnung trägt (Bauernzeitung 6/2018, S. 30). Körnermais und Zuckerrüben stehen je nach Standort, verglichen mit anderen Sommerkulturen, in der ökonomischen Betrachtung an der Spitze. Vor allem durch den Wegfall der Zuckermarktordnung und moderne Anbaumethoden wie die Mulchsaat, dürften Rüben in diesem Frühjahr zusätzliche Anbauattraktivität gewinnen. Welche Besonderheiten bei der Rübenfruchtfolge zu beachten sind, stellt eine mehrjährige Betriebsbefragung in dieser Ausgabe heraus (ab S. 26). Wie bei fast allen anderen Sommerkulturen ist eine Vermarktung von Zuckerrüben allerdings nur bei entsprechenden Anbauverträgen mit der abnehmenden Hand möglich. Auch die Erntetechnik sollte vorab gebunden werden. Zu beachten sind bei Mais und Rüben auch die relativ hohen Produktionskosten im Vergleich zu Leguminosen und Sommergetreide. Für deren erfolgreiche Vermarktung sind hohe Qualitäten wichtig.

Ein Anbau von Sommerkulturen ist unter gegebenen Bedingungen nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine notwendige Alternative. Dabei sollte neben den betrieblichen Möglichkeiten und Vermarktungschancen auch der Kulturartenwert in der gesamten Fruchtfolge beachtet werden.

Herzlichst Ihre
David Benzin

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