Kommentar zum Heft 07/2018



Über Geld spricht man nicht ...

Liebe Leserinnen und Leser,

die oben stehende Redewendung kennt fast jeder. Besonders die Deutschen reden nicht gern über Geld. Für mehr als 60 % ist es ein Tabuthema. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vor ein paar Jahren.

Den Landwirten scheint es da nicht anders zu gehen. Bitte überlegen Sie kurz, ob Sie die nachfolgenden Fragen im Rahmen eines Interviews für die Bauernzeitung beantworten würden, mit Betriebsspiegel natürlich und Namen: Was wollen Sie dieses Jahr kaufen? Haben Sie eine Investitionsstrategie über mehrere Jahre? Wird jährlich ein bestimmtes Budget neu in Landtechnik investiert? Haben Sie schon einmal eine Maschine gemietet? Spielt Leasing eine Rolle? Wurde schon einmal über eine Maschinengemeinschaft nachgedacht? Holen Sie von verschiedenen Kreditinstituten Angebote ein? Werden auch Miete und Leasing damit verglichen? Haben Sie schon mal gebrauchte Technik gekauft? Werden Maschinen auch ohne Finanzierung gekauft, also sozusagen bar? Spielen Händlerkredite eine Rolle? Nutzen Sie Frühkaufangebote? Versuchen Sie, mit flexiblen Investitionen den Gewinn in guten Jahren zu senken? Verhalten Sie sich sozusagen zyklisch? Haben Sie schon einmal für eine Maschine eine Ausschreibung bei mehreren Händlern gemacht?

Um mit offenen Karten zu spielen, habe ich mehreren Landwirten und Agrargesellschaften im Vorfeld eines geplanten Interviews die oben genannten Fragen vorgelegt und sie gebeten, mir die Fragen zu beantworten. Da ich mir bewusst war, dass das ein heikles Thema ist, habe ich extra darauf hingewiesen, dass nicht alle beantwortet werden müssen und auch nicht gefragt, wie hoch der Gewinn ist oder wie viel man auf der „hohen Kante“ hat beziehungsweise nicht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass mir alle eine Absage erteilen. Unter anderem die Angst vor Neidern und davor, dass die Finanzbehörden mehr erfahren könnten als sie sollten, verhinderten anscheinend, dass ein Interview mit einem praktischen Agrarbetrieb zum Investitionsmanagement zustande kam. Schade, denn im Pflanzenbau oder in der Tierhaltung schaut man den Berufskollegen gern über die Schulter oder lässt andere teilhaben, man könnte ja neue Erkenntnisse hinzugewinnen.

Also lassen Sie uns mehr über Geld sprechen, wie im Schwerpunkt „Investitionsplanung“ ab Seite 42. Dort sind monetäre Themen sozusagen Pflicht. Da kommt auf Seite 47 zur Sprache, wie man Steuern sparen kann. Ein Landwirt zum Beispiel, dem unverschuldet durch höhere Gewalt eine Maschine abgebrannt ist, erhält von der Versicherung eine Summe, die höher ist als der Buchwert. Dieser Gewinn müsste voll versteuert werden. Durch die Bildung von Rücklagen können in diesem Fall die Steuern jedoch gemindert werden.

Nicht jeder, auch nicht jeder Landwirt, hat genug auf dem Konto, um eine neue Investition aus Eigenmitteln tätigen zu können. Im Bereich der Finanzierung beweglicher Güter bekommt der klassische Kredit zunehmend Konkurrenz vom Leasing, sogar Kühe und Hühner soll man leasen können. Besonders für Betriebe, deren Kreditlinie schon stark angespannt ist, bietet sich diese Form der Finanzierung an, denn dadurch wird die Eigenkapitalquote geschont. Ob die Finanzierung über Leasing gegenüber der Fremdfinanzierung steuerlich und betriebswirtschaftlich von Vorteil ist, beleuchtet der Artikel auf Seite 44 an einem Rechenbeispiel.

Im Schwerpunkt spielt, wie im (Unternehmer-)Leben auch, Geld eine große Rolle. Da jeder gerne dazulernt, teilen auch Sie Ihre monetären Erfahrungen!

Herzlichst Ihr
Klaus Meyer

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