Kommentar zum Heft 06/2017



Nichts ist schrecklicher als eine tätige Unwissenheit

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

unglaublich, aber wahr. Dieses Mal hat Umweltministerin Hendricks den Bogen mehr als überspannt. Auf eine scheinbar humorvolle und spielerische Art möchte sie auf Fehlentwicklungen in der heimischen Landwirtschaft aufmerksam machen. Doch Sätze wie „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm“ oder „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ beschreiben weder die hiesige Getreideproduktion noch lassen sie auf reale Zustände in der Tierhaltung schließen. Viel mehr unterstreicht diese Simplifizierung die Inkompetenz einer ministerialen Behörde. Schließlich geht es um komplexe Fragestellungen eines gesamten Wirtschaftszweiges. Das spiegelt auch das universell aufgestellte und tief greifende Studium für diese Ausbildungsrichtung wider. Doch an Vielschichtigkeit wollen die vermeintlichen Umweltschützer nicht glauben, sie vermuten hinter den wissenschaftlichen Fakten stets nur finanzielle und machtpolitische Interessen. Dass der Kaiser keine Kleider anhat, kann man uneinsichtigen Leuten nur schwer klarmachen. Denn sie halten sich lieber an grüne Apostel und Biosupermärkte, in denen sie ihr schlechtes Gewissen freikaufen können. Und noch ärgerlicher: Für die sogenannten neuen Bauernregeln des Umweltministeriums werden erhebliche Steuergelder verschwendet.

Doch was kann die Umwelt – und bitte nicht allein die in Deutschland – wirklich schützen? Die moderne Gesellschaft antwortet: eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Sie solle stets auf Gegenwart und Zukunft ausgerichtet sein und Ressourcen bewahren. Was so simpel klingt, ist – wie oft im Leben – nur schwer umzusetzen. Dafür benötigt es nämlich überaus viel Grundwissen und Fachkenntnis. Zusätzlich muss das Zusammenwirken der Faktoren Mensch, Natur und Ökonomie beachtet werden. Ein Ansatz ist jedoch, die Effizienz zu erhöhen. Einfach gesagt: Verfahren, die mehr erzeugtes Produkt aus einer Einheit Rohstoff und Energie generieren, sind zu bevorzugen. So wuchsen in den letzten Jahrzehnten die Tageszunahmen der Schweine kontinuierlich an, ohne proportional genauso viel Futter einzusetzen. Die Futtereffizienz spielt mittlerweile auch bei den Milchkühen eine wichtige Rolle. Ebenso im Ackerbau, hier stiegen die Erträge, ohne dass mehr Fläche dafür eingesetzt werden musste. Natürlich werden die Landwirte weiter daran arbeiten, Korn, Milch und Fleisch so umwelt- und tierfreundlich wie möglich zu erzeugen. Diesen Fortschritt zu negieren und sich die Mistforke zurückzuwünschen, kann doch nicht Ziel intelligenter Agrarpolitik sein.

Auch die Eiweißstrategie der Bundesregierung soll helfen,
Ressourcen zu schonen. Nur sind nicht alle Proteine gleich nutzbar, so zeigt es die Tierfütterung. Kuh, Schwein und Huhn werden nur bedingt satt (S. 30–35). Der Gedanke, den heimischen Anbau von Körnerleguminosen zu fördern, um damit die Sojaeinfuhr zu reduzieren, klingt im ersten Moment verlockend. Doch auch hier reicht keine „einfache“ Strategie aus. Wie hoch die Hürden beim Anbau von Ackerbohne, Erbse und Lupine sind, zeigen die Beiträge auf den Seiten 22–29. Nur die Greening-Voraussetzungen ließen viele Landwirte sich für deren Anbau entscheiden. Die Wettbewerbsfähigkeit mit konkurrierenden Marktfrüchten ist selbst dann nicht gegeben, wenn man den Vorfruchtwert miteinbezieht (S. 36–39). Und spätestens, wenn auch noch der Pflanzenschutzmitteleinsatz auf Greening-Flächen europaweit gestrichen würde, wären die unternehmerischen Risiken für die Landwirte deutlich zu hoch. Gar nicht so einfach? Richtig. Deshalb sollten auch Bauernregeln, als Ergebnis jahrhundertelanger Wetterbeobachtungen, zukünftig von jenen kopflosen Sprüchen getrennt werden, die aus ungeschulter, naiver Behördenfeder stammen.

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