Kommentar zum Heft 03/2017



Ländliche Entwicklung braucht neue Impulse

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

wenn am 27. Januar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin die acht schönsten Dörfer Deutschlands 2016 gekürt werden, wird auch die Gemeinde Pinnow aus Mecklenburg-Vorpommern dazugehören. Das Dorf nahe Schwerin, gelegen in einer idyllischen Seen- und Hügellandschaft, kann für diese Auszeichnung weit mehr als seine natürlichen Vorzüge ins Feld führen. Hier gibt es ein buntes Vereinsleben. Der Kultur- und Heimatverein lädt zu Kino und Lesungen ein, der Malzirkel ist bekannt für seine Sommergalerie. Zur „Irish-Night“, von Gemeinde, Kirchgemeinde und Feuerwehr organisiert, kommen alljährlich über 1 000 Besucher.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine ganze Reihe solcher Dörfer wie Pinnow. Seit der politischen Wende sind 3,2 Mrd. € in die ländliche Entwicklung geflossen. Allein seit dem Jahr 2000 wurden Investitionen in über 600 Dorfgemeinschaftshäuser gefördert. Viele weitere Maßnahmen ließen sich aufzählen. Dennoch hat der massenhafte Verlust von Arbeitsplätzen in Industrie und Landwirtschaft in vielen Dörfern Spuren hinterlassen. Abwanderung vor allem junger Menschen und Überalterung sind die Folge, was wiederum die nachhaltige Sicherung der Daseinsvorsorge, einschließlich Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung und öffentlichem Nahverkehr erschwert.

Neben Gemeinden, in denen bürgerschaftliches Engagement fest verankert ist, gibt es Dörfer, die keine oder nur wenig Erfahrung mit der Umsetzung von Fördervorhaben haben. Hier setzt der neue Entwicklungsansatz an, den das Schweriner Agrarministerium und die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern kürzlich mit mehreren Partnern auf den Weg gebracht haben. Das neu gegründete landesweite Forum Ländliche Entwicklung und Demografie will jene Akteure und Initiativen zusammenführen, die ohnehin mit Ideen und Projekten im ländlichen Raum unterwegs sind, bisher aber oft nichts voneinander wissen. Das Forum will Plattform und Koordinierungsstelle sein und Aktivitäten bündeln. Zusammengefunden haben hier bisher als Ansprechpartner die an der Rostocker Universität angesiedelte Schule der Landentwicklung MV, die Hochschule Neubrandenburg, die Akademie für Nachhaltige Entwicklung, die Evangelisch-Lutherische Kirche, die Forschungs GmbH Wismar sowie die Landgesellschaft MV.

Im Zuge der Auftaktveranstaltung stieß das neue Netzwerk bei Vertretern von Gemeinden, Vereinen und Einzelpersonen aus dem ganzen Land auf großes Interesse. Projekte, beispielsweise zu erneuerbaren Energien und Mobilität, in einem neuen Format zu verknüpfen, könnte zusätzliche Chancen bieten.

Vielerorts geht bürgerschaftliches Engagement indes schon über das traditionelle Ehrenamt hinaus und schließt Konzepte für Sozialarbeit, Bildung und Mobilität ein. Deutlich wurde andererseits, dass ehrenamtlich engagierte Bürger bei ihrem Einsatz zeitlich immer häufiger an Grenzen stoßen. Die Forderung, dass das Land das Ehrenamt und seine Initiativen finanziell stärker unterstützen soll, ist angesichts des großen Aufwandes vieler Akteure verständlich. Zumindest für die besonders bedürftigen sogenannten ländlichen Gestaltungsräume will die Landesregierung nun aus einem „Strategiefonds“ zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen. Ob davon auch Vertrauenspersonen, die als Projektbegleiter und „Entwicklungshelfer“ in den Dörfern fungieren, finanziell bedacht werden sollen, ist bisher nicht entschieden. Fest steht, dass ländliche Entwicklung aufgrund des anhaltenden Strukturwandels dringend neue Impulse braucht. Voneinander zu lernen ist dabei sicher eine gute Idee.

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