Kommentar zum Heft 01/2018



Böllerdunst verzogen. Und nun?

Liebe Leserinnen und Leser,

das war ja wieder eine heiße Silvesternacht. Was hat da nicht alles gerummelt und gekracht, gezischt und geblitzt. Geschätzt 140 Millionen Euro wurden deutschlandweit in die Luft gejagt, etwa 3.000 t Klimagase und 5.000 t Feinstaub in die Atmosphäre geschickt, Zigtausende Tonnen Müll produziert (und auf öffentlichen Straßen abgelagert!) sowie über Stunden ein Lärmpegel erzeugt, der jedes Jahr bei über 8.000 Menschen Gehörschäden erzeugt. Das alles, um das böse alte Jahr zu vertreiben? War es wirklich so schlecht? Oder das neue zu begrüßen? Ist es das schon wert?

Die Frage werde ich mit Ihnen hier nicht erörtern, denn jeder hat dazu seine eigene Meinung. Mit meinen Kindern erörtere ich sie auch nicht, denn sie wissen, dass wir seit jeher das „Böllergeld“ an Entwicklungshilfe- oder Umweltprojekte spenden. Dieses Jahr ging der Schein an den Friedenswald im vorpommerschen Anklam. Er entsteht in Regie des Zentrums für Friedensarbeit der Hansestadt. Gegen Klimawandel hilft nicht reden, sondern ranklotzen, ist bei den Anklamern das Motto. Also pflanzen die Menschen seit zehn Jahren vor den Toren der Stadt einen neuen Wald – als Ort friedlicher Begegnung und als Beitrag zum Klimaschutz. 700 Bäume stehen schon. Einer davon ist „unserer“, wissen nun meine Kinder.

Klimaschutz – damit wären wir wieder beim Thema. Wann, die Frage bewegt mich seit Jahren, werden sich die Umweltaktivisten, die uns das ganze Jahr lang über Landwirtschaft belehren, endlich der gigantischen Umweltverschmutzung zu Silvester annehmen? Doch anstatt einmal eine öffentliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Silvesterböllerei loszutreten und dem ganzen Wahnsinn notfalls administrativ Grenzen zu setzen, hacken sie munter weiter auf die Bauern ein. Umweltministerin Barbara Hendricks beendete das Jahr mit der Drohung, nun durch die Hintertür des nationalen Zulassungsverfahrens noch zu einem Glyphosatstopp zu kommen. Und NABU-Präsident Olaf Tschimpke ließ seine Vasallen am 28. Dezember bundesweit trompeten, man habe Bauernpräsident Joachim Rukwied den „Dinosaurier des Jahres“ zuerkannt (beides auf S. 21). Alle Sender, ob staatlich oder privat, meldeten, dass der oberste Bauernvertreter des Landes umweltpolitisch von übervorgestern sei und nur seine Subventionen verteidigen wolle. Rein sachlich weiß ich wohl, dass das nicht stimmt. Doch vom Gefühl her war mir jede Nachrichtensendung an diesem Tag (ich saß im Auto, da hat man Zeit zum Radiohören) wie ein Spießrutenlauf. Hier standen mal wieder alle Bauern am Pranger. Und warum ist das nötig? Warum diese jämmerliche Blamage für alle, die sich das ganze Jahr redlich um ein besseres Image der Landwirtschaft bemüht haben?

Klar ist eine solche Preisverleihung unklug, denn eine Beleidigung wird nichts als Sarkasmus oder Trotz erzeugen. Und, ja, es ist kurzsichtig vom NABU, die Atmosphäre mit Verachtung zu vergiften, denn auch der NABU kann ohne die Bauern keinen guten Naturschutz gestalten. Dennoch erscheint mir diese neuerliche Eskalation vor allem als Pleite der Diplomatie. Wir sind nicht die Feinde der Naturschützer, und die Naturschützer sind nicht unsere Gegner! Zudem sind wir gut beraten, auf die 1,2 Millionen in BUND und NABU organisierten Naturschützer zuzugehen – wir sind nicht mal eine halbe Million Bauern! Deshalb nutzen wir den Schwung des neuen Jahres und gehen in Dialog mit dem Naturschutz – auf breiter Front, in Stadt und Land! Vielleicht schaffen wir kleine Partnerschaften vor Ort, vielleicht sogar einen gemeinsamen Vorschlag für eine neue, gute Agrarpolitik. Das wäre ein tolles Ergebnis des Jahres 2018 und Ende Dezember wirklich eine Silvesterrakete wert. Wohlgemerkt – eine!

Herzlichst Ihr
Dr. Thomas Tanneberger

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr