Kommentar zum Heft 01/2017



Was gibt Halt im neuen Jahr?

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

das Jahr 2017 ist erst ein paar Tage alt, und ich hoffe, Sie haben sich wohlbehalten aus dem Tal des Schreckens auf den Berg der neuen Hoffnung herübergerettet. Schrecken? Hoffnung? So schlimm?

Nun, das Jahr 2016 hat schon ein paar Entwicklungen gebracht, die sehr nachdenklich machen. Mein Kollege Karsten Bär hat im Kommentar der Jahresendausgabe ganz bewusst auf „heile Welt“ verzichtet und einen gefährlichen Trend angesprochen: Faxen statt Fakten – das bewusste Verbreiten von Halbwahrheiten oder komplettem Unsinn bringt die Menschheit in vielen Bereichen an gefährliche Grenzen. Dazu kommen weitere Unsicherheiten: Das etablierte Weltbild im Verhältnis zwischen USA, Europa und Russland kommt ins Wanken, die Marktkräfte haben gerade den Bauern selten so zugesetzt wie 2016. Ganz direkte Bedrohungen sind nicht mehr irgendwo weit weg, sondern direkt vor unserer Haustür: Krieg (In der Ukraine starben seit 2014 über 10 000 Menschen!), Not (Die allermeisten Flüchtlinge kamen nicht aus Wanderlust.) und Terror (Nizza, Würzburg, Dresden, Berlin). Kurz, bei aller Neigung, zum Jahreswechsel nur das Gute und Schöne zu sehen, boten die vergangenen zwölf Monate vieles, was sich nie wiederholen möge. 2017 allerdings nun als Schicksalsjahr hochzustilisieren, wie das einige meiner Amtsbrüder in den Medien tun – na, ich weiß ja nicht. Was wird denn real kommen?

Ja, Herr Trump wird Präsident, und Herr Putin ist es immer noch. Aber warum sollte ich das Wissen darum verlieren, dass nicht allein die Präsidenten die Menschheitsgeschichte geschrieben haben, sondern in mindestens demselben Maße die einfachen, arbeitenden Menschen rund um den Globus ...?

Ja, der Euro und die EU werden wackeln, aber warum sollen wir das Vertrauen aufgeben, dass all diejenigen, die aus wirtschaftlichen Interessen oder reiner Menschlichkeit heraus die europäische Einigung wollen, gestalten und leben, eine unbesiegbar starke Macht sind?

Ja, es kommt eine Bundestagswahl, und auch die Franzosen wählen einen neuen Präsidenten. Und ja, die etablierten Parteien geben vielerorts zurzeit kein gutes Bild ab. Aber warum ihnen denn gleich jegliche Kraft und Lernfähigkeit absprechen? Ob CDU, SPD, Linke oder Grüne – ich kenne überall genug ehrliche, denkende und aktive Menschen, die keinesfalls kampf- und kraftlos zusehen würden, wie leistungsunfähige Dampfplauderer oder gar Hassprediger die Hebel der Macht an sich reißen.

Ja, wir werden schon während der Grünen Woche wieder einen Skandal nach dem anderen aufgetischt bekommen, der beweisen soll, dass die Bauern an allem Übel der Welt schuld sind. Aber warum sollte ich meine Erfahrung vergessen, dass es eine im Vergleich zu den Krakeelern viel größere Gruppe von Menschen gibt, die gesunde, preiswerte Lebensmittel brauchen und deshalb die Arbeit der Landwirte achten?

Ja, am Milch- und Getreidemarkt wird es auch 2017 nicht lustig. Die Milch geht schon wieder hoch, und Russland hat seine Getreidebilanz auf sagenhafte 125 Mio. t hochgeschraubt (Hat Putin die Körner wirklich liegen oder macht er Wirtschaftskrieg?). Aber warum sollen wir die Hoffnung aufgeben, dass auch der Bedarf steigt und sich so vielleicht auch wieder vernünftige Preise einstellen?

Wissen, Erfahrung, Vertrauen und vielleicht auch etwas Glaube – das ist es, was uns 2017 Halt geben kann. Nicht viel, aber wirklich auch nicht wenig.

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