Feuer und Flamme für Holzhackschnitzel

Auf Gut Allmenhausen sollen Babyferkel problemlos zu gesunden Mastläufern heranwachsen. Dafür nutzt der Betrieb am nördlichen Rande des Thüringer Beckens eine Hackschnitzelheizung. Wir fragten den Betriebsleiter, wie sich die Technik in der Praxis bewährt.  

Von Christoph Feyer  

Als Rainer Neumair für unsere Reportagefotos in die Brennkammer des Heizkessels schaut, meldet sich plötzlich das Telefon in seiner Hosentasche. „Hören Sie das? Das ist jetzt eine Fehlermeldung, die mir die Anlage schickt: Die Heizungstür ist zu lange offen“, erklärt der 34-Jährige und schließt die Ofenklappe wieder. Seit Juli letzten Jahres ist er Geschäftsführer der der Vater-Sohn-GbR Gut Allmenhausen, einem Schweinemast- und Ackerbaubetrieb nahe Ebeleben im thüringischen Kyffhäuserkreis. Dorthin verschlug es 1997 Vater Franz Neumair mit Frau und Sohn, als das ortsansässige Volkseigene Gut (VEG) erneut einen neuen Betreiber suchte. Ein Jahr zuvor war der gebürtige Bayer aus dem Umland von Augsburg bei der ersten Ausschreibungsrunde noch gescheitert.  

„Damals wurde wie üblich eine Ölheizung installiert“ berichtet Rainer Neumair. „Die lief zwar problemlos, aber der Brennstoff wurde immer teurer.“ Heute ist der wohlig warme Ferkelstall kein übermäßiger Kostenfaktor mehr für den Betrieb, denn 2015 löste eine moderne Hackschnitzelheizung die alte Ölfeuerung ab. Die neue Anlage nennt sich Heizomat AK 854, besitzt ca. 800 kW Nennwärmeleistung und stammt von der Firma Roth GmbH mit Sitz in Waltershausen im Landkreis Gotha. Gut zwei Jahre lang waren die Landwirte zuvor auf der Suche nach einer passenden Alternative für das Heizöl gewesen und hatten auch Strohballen und Rapsstroh in Erwägung gezogen, dann aber beides verworfen. Die Zuführung und vor allem die Asche- bzw. Schlackeentsorgung erschienen ihnen zu aufwendig. Hinzu kam, dass die GbR auch noch über 60 ha eigenen Wald verfügt.  

Vor allem vom Feldrand  

„Hauptsächlich heizen wir aber mit Restholz vom Feldrand“, so der sympathische Thüringer. „Immer, wenn irgendwo Büsche oder Bäume verschnitten wurden oder Windbruch entsteht, bringen wir das Holz wie auch die Baumkronen aus dem Bauernwald auf unseren Sammelplatz.“ Zweimal im Jahr kommt dann ein Lohnunternehmer mit Traktor, Häcksler und Bedienmannschaft aus der Nähe von Jena und sorgt in drei bis vier Tagen für ordentlich Kleinholz. Das sind Hackschnitzel mit maximal 5 cm Kantenlänge. „Am liebsten aus Stämmen. Die bringen den besten Brennstoff“, erklärt der Landwirt. „Einen eigenen Häcksler könnten wir aber nicht auslasten, auch wenn bei uns schon etliches Häckselgut anfällt.“ Wurzeln würden sie wegen der Erdanhaftungen aber nicht mehr schreddern. Und auch auf Holz, das von Anwohnern stammt, verzichten sie jetzt. Anfangs hätte sie das genutzt, aber die Gefahr von metallischen Fremdkörpern war zu groß. „Unlängst haben wir jede Menge Weidenäste zerkleinert. Die Naturschutzbehörde hatte uns gebeten, zahlreiche Kopfweiden zu beschneiden. Als Gegenleistung durften wir das Holz verwerten.“

Alle Hackschnitzel landen zur Lagerung auf einer großen Betonfläche. Vier Wochen können sie dort dann erst einmal ausdampfen. „Zwei überdachte Lagerplätze sind schon in Planung“, erklärt der Thüringer. Momentan würden sie vor dem Befüllen des Bunkers immer auf den Wetterbericht achten und notfalls in der Halle vorlagern. Zudem würde sich die oberste Schicht des Hackschnitzelhügels recht stark verdichten, sodass der Brennstoff darunter ziemlich konstant einen Feuchtegehalt zwischen 15 und 30 % aufweisen würde. Das sei wichtig für die Effektivität der Heizung und für die Abgasbelastung, auch wenn die Heizung eigentlich „fast alles“ verdaue.  

Heizung im Melkhaus  

Holzhackschnitzel
Die Hackschnitzelheizung steht im alten Melkhaus. Brennstoffbunker und Aschecontainer befinden sich gleich nebenan in einer geräumigen Halle. Hinten links ist die Abgasfilteranlage zu sehen.Das Bediendisplay Toutch control +S7 zeigt alle relevanten Daten an und macht es leicht, die Anlage zu programmieren bzw. zu steuern. ©Sabine Rübensaat

Der Hackschnitzelbunker mit seinem Fassungsvermögen von rund 150 m3 befindet sich in einer Halle, die sich gleich an den Stall anschließt. Der beherbergte zu VEG-Zeiten Milchkühe, und der typische Fließenfußboden verrät: Die Heizung steht in einem ehemaligen Melkhaus. Da die Heizanlage permanent läuft, muss der Hackschnitzelbunker im Winterhalbjahr wöchentlich und im Sommer circa alle vier Wochen neu befüllt werden. Am Boden des Bunkers befindet sich ein Drehteller mit zwei Greifarmen, die, je nach Füllstand, mechanisch ausgefahren werden können und so für einen ununterbrochenen Brennstoffzustrom sorgen. Die Hackschnitzel gelangen über ein Schneckenrad und eine Kettenzuführung dann zur Zellradschleuse. Die besteht aus vier geschlossenen Zellen und einem Löschwasseranschluss. Damit wird garantiert, dass nie Feuer aus dem Brennraum über den Vorschub in den Vorratsbehälter gelangen kann.  

Alles automatisch 

Die Steuerung des Kessels erfolgt über ein Farbdisplay. Der Hersteller nennt ihn „Toutch control +S7“. Dort kann Rainer Neumair alle relevanten Daten ablesen und die gewünschten Einstellungen vornehmen. Bei ihm erzeugt der Kessel Warmwasser mit einer Vorlauftemperatur von 80 °C. Eine vorgewählte Spreizung von 8 K fährt die Heizung wieder hoch, sobald der Vorlauf auf 72 °C abgekühlt ist. Insgesamt verfügt die Anlage über drei Laststufen: Erhaltungsflamme, Lastbereich von 1 bis 90 % und Volllast. „Alles läuft automatisch“, zeigt sich der Betriebsleiter zufrieden. „Außentemperaturfühler und Temperaturmessungen in den Ferkelbuchten sorgen dafür.“ Steuern lasse sich die Heizung aus Arbeitsschutzgründen aber nur vom Display vor Ort. Ihren Jahresverbrauch schätzt Rainer Neumair auf ca. 1.200 bis 1.500 m3 Hackschnitzel, je nach der Qualität des Ausgangsmaterials. Die beeinflusst auch den Ascheanfall. Über einen Kettenschub verlassen wöchentlich rund 0,3 m3 auf Handtemperatur abgekühlte Brennrückstände die Heizungsanlage. Gesammelt werden sie in der Halle, wo auch der Hackschnitzelbunker steht. Einmal pro Woche wird der Aschebehälter per Hublader auf der Mistplatte entleert. Dafür haben sie dem Behälter einen sicher schließenden Deckel verpasst. Zusammen mit dem Stallmist kommt die Asche dann als Dünger wieder auf die Felder des Betriebes.  

Kaum Rauch zu sehen  

Zu der Heizung gehört auch eine ordnungsgemäße Abgasbehandlung. Diese befindet sich gleich neben dem Heizkessel und ist in einem gut 1 m3 großen schwarzen Stahlkasten mit trichterförmigem Bodenteil untergebracht (Foto o.). Darin befinden sich Grob- und Feinstaubfilter, die dafür sorgen, dass auch bei vollem Heizbetrieb kaum Rauch aus dem fast 12 m hohen Schornstein quillt. Eine kleine Kontrollöffnung am Übergang vom Filtersystem zum Edelstahlkamin dient dazu, die gefühlte Sauberkeit auch zu dokumentieren. Dazu kommt der örtliche Schornsteinfegermeister zweimal pro Jahr in den Betrieb, um kostenpflichtig nachzumessen. Doch wie gelangt die Wärmeenergie aus den Hackschnitzeln nun zu den Ferkeln? Dafür sorgen 23.900 l Wasser. So viel fasst das Wärmenetz, das die Firma RUT Nordhausen 2014 im Stall installierte. Wärmeplatten über den Ferkelliegeplätzen strahlen nun stets behagliche 32,5 °C ab. „Wir sind mit der Hackschnitzelheizung sehr zufrieden“, resümiert daher auch Rainer Neumair am Ende unseres Besuches. „Die Heizkosten sind deutlich gesunken. Die Anlage läuft störungsfrei und wird automatisch gesteuert, befüllt und entascht.“ Ihre alte Ölheizung, die als Notvariante vorgehalten wird, werde nur noch zweimal im Jahr angeworfen, um sicherzugehen, dass sie bei Bedarf auch einsatzbereit ist. Außer ihm sind noch zwei Mitarbeiter in den Betrieb der Heizung eingewiesen. Und wenn mal etwas nicht stimmt, weil zum Beispiel die Tür des Brennkessels zu lange aufsteht, dann melde sich halt sein Handy.  

Betriebsspiegel

Gut Allmenhausen Neumair GbR 

1.750 Stallplätze für die Babyferkelaufzucht, 

2.500 Mastplätze 

zehn Mitarbeiter 

ca. 1.000 ha LN, Bodenzahl ø 62, 

Hauptfruchtarten: Winterweizen, 

Wintergerste, Winterraps, Mais 

80 ha Greening-Fläche 

weitere Unternehmensteile: Photovoltaikanlage, 

Agrarservice, zweiter 

Agrarbetrieb (400 ha LN) 

eigene Futtermittelherstellung 

15.000 t Lager für Getreide etc. 

Fütterungsroboter: Stets frisch auf den Tisch

Elfmal pro Tag fährt der Fütterungsroboter in der Agrargenossenschaft Wesenitztal über den Gang. Jede Kuh bekommt dann genau ihre Ration. Das wirkt sich positiv auf die Milchleistung aus. Doch das automatische Fütterungssystem hat noch viel mehr verbessert.

Von Fritz Fleege

Der alte Kuhstall ist eng. 430 laktierende Kühe und 70 hochtragende Färsen stehen darin. In der Mitte verläuft der Futtertisch. Auf der einen Seite befinden sich drei, auf der anderen vier Liegeboxenreihen. Die Fessplätze sind nicht sehr breit. So kam es oft zu Rangkämpfen unter den Rindern. Schwächere Tiere hatten das Nachsehen. Gesundheitsprobleme und Leistungseinbußen waren die Folge.

roboter bringt leistungsgerechte Mischung

Davon ist heute kaum noch etwas zu spüren. Obwohl man nichts an der Aufstallung in der Agrargenossenschaft Wesenitztal geändert hat. Aber das Fütterungssystem ist ein neues. Früher brachte ein Futtermischwagen zweimal am Tag die Rationen aus. Heute sorgen zwei Misch- und Fütterungsroboter für Frisches auf dem Tisch. Sie bringen nicht nur zweimal, sondern elfmal pro Tag für jede Tiergruppe eine leistungsgerechte Mischung auf den Futtertisch in Dürrröhrsdorf-Dittersbach. Diese Investition hat sich bereits ausgezahlt, versichert Herdenmanagerin Susann Herzog. „Der Bau eines neuen Kuhstalles kam für uns nicht infrage. Wir wollten aber im alten Gebäude die Möglichkeiten besser ausschöpfen und da kamen wir auf den Gedanken, ein automatisches Fütterungssystem einzurichten“, berichtet die engagierte junge Frau.

FütterungsRoboter auf Schienen

„Wir suchten nach einer Lösung für das enge Fress-Liegeplatz-Verhältnis, also nach einem System, das auch kleine Futtermengen mehrmals am Tag exakt ausbringen kann. Und da stießen wir auf den Lely-Vector. Dazu musste im Stall kaum etwas umgebaut werden. Als Zentrum dient das alte Futterhaus. Die Technik war recht schnell in zwei Wochen in­stalliert und nach sechs Wochen lief schon alles wie am Schnürchen.

Im Futterhaus werden nun alle Komponenten exakt bevorratet. Da liegen in abgesperrten Bereichen Heu- und Strohballen, Silageblöcke und auch Mischfutter. In Hochsilos sind noch einzelne Kraftfutterkomponenten und Mineralstoffe gelagert. Auch Flüssigfuttermittel könnten zugeführt werden. Wichtigste Technik sind die beiden Misch- und Fütterungsroboter. Sie fahren im Futterhaus und auch draußen induktionsbasiert an tief verlegten Schienen entlang. Im Stall orientieren sie sich über Ul­traschallsensoren am Fressgitter. Beladen werden die Roboter mithilfe eines Greifers, der an einem Träger entlangläuft. Die Futterkomponenten findet dieser mit Lasertechnik. Die Gewichtsschätzung erfolgt über die Messung der Stromaufnahme. Je nach Futterkomponente ändert der Greifer die Eingreiftiefe und die Öffnungsweite.

Ruhe beim Fressen und Liegen

Wenn alle Komponenten für die entsprechende Kuhgruppe geladen sind, beginnt der Roboter mit dem sorgfältigen Mischen. Er kann maximal 2 m3 bzw. 650 kg Futter zubereiten. Anschließend fährt der Roboter in den Kuhstall und sucht – automatisch gesteuert – den entsprechenden Abschnitt der Futterkrippe auf. Dabei erfasst er mithilfe eines Höhensensors kontinuierlich die Futtermenge im Trog und schiebt auch das verbliebene Futter nach.

Auch im zweiten Stall, wo noch 32 vorzubereitende und frisch abgekalbte Kühe untergebracht sind, bringen die Roboter die entsprechenden Rationen hin. Dort orientieren sie sich entlang des Außenfuttertisches an tief verlegten Schienen. Das Fütterungssystem folgt dem Bedarf und dem natürlichen Futteraufnahmeverhalten der Kühe. Es ist niemals zu viel oder zu wenig Futter im Trog. Auch die Schwankungen in der täglichen Futteraufnahme können ausgeglichen werden. Restfutter fällt so gut wie gar nicht an.

Weil den Kühen etwa alle zwei Stunden frisches Futter angeboten wird, versuchen nicht immer alle Tiere zur gleichen Zeit an den Trog zu kommen. Sie gehen meistens mit Muße dorthin oder liegen in ihren Boxen und käuen in aller Ruhe wieder. „Die Situation in dem alten Stall mit der geringen Fressplatzbreite hat sich entspannt“, sagt die Herdenmanagerin. Häufigere, kleine Mahlzeiten führen auch zu geringeren Schwankungen des pH-Wertes im Pansen und somit zu höherer Gesundheit. „Als früher große Futtermengen nur zweimal am Tag ausgebracht wurden, haben manche Kühe sehr schnell gefressen, was zu subklinischer Pansenazidose führte. Das Futter passierte den Pansen auch recht schnell und führte zu einer schlechteren Verdauung.“

Der neue Kälberstall

Jungtiere brauchen die besten Bedingungen. Darum stand in Wesenitztal der Bau eines Kälberstalls an erster Stelle. Bei der Inneneinrichtung entschied man sich für das Calf-Tel-Pen-System. Das modulare Boxensystem lässt sich schnell aufbauen. Außerdem kann man es erweitern.

Die Buchten sind Rücken an Rücken oder auch seitlich angeordnet. Sie verfügen über mit Stahlrahmen verstärkte Türen. Drei Eimer – je einer für Wasser, Müsli und Milch – lassen sich daran anhängen und entsprechend füllen. Die Kälber bleiben etwa zehn Tage in der Box. Dann werden sie in Gruppenhaltung umgestallt. In dieser Zeit werden die Boxen gründlich gereinigt.

In den Gruppen sind jeweils 16 Tiere. An den Seitenwänden des Stalles lassen sich Jalousien je nach Temperatur, Wind und Regen automatisch steuern. Die Kälber werden über Tränkautomaten sowie mit einer Stroh-TMR versorgt und nach 76 Tagen abgesetzt.

Gesündere Kühe mit steigender Leistung

Die neue Fütterungsstrategie hat sich in der sächsischen Agrargenossenschaft schon nach einem Jahr positiv auf das Ergebnis in der Milchviehhaltung ausgewirkt. So ist trotz des langen heißen Sommers 2018 die 305-Tageleistung um 700 kg Milch gestiegen. Die durchschnittliche Jahresleistung liegt aktuell bei 9.400 kg Milch mit 4,36 % Fett und 3,52 % Eiweiß. Aber auch die Fruchtbarkeit verbesserte sich, wodurch sich die Nutzungsdauer auf über drei Laktationen erhöhte und die Reproduk­tionsrate auf 28,8 % zurückging. Die Zellzahl in der Ablieferungsmilch liegt bei 115.000 je Milliliter. Gemolken werden die Kühe nach wie vor zweimal täglich in einem Melkkarussell mit 28 Plätzen.

Susann Herzog ist auch mit dem Managementsystem T4C von Lely zufrieden, womit sich Melken und Füttern sowie andere Aufgaben im Betrieb verbinden lassen. So wird der Futterroboter Vector ganz einfach über eine App auf dem Smartphone gesteuert. Die Änderungen der Rationen, Futtersorten und Fütterungseinstellungen, sowie die Überwachung und Feinabstimmung der Ergebnisse erfolgen mit dem T4C-Managementprogramm. Das Programm hilft, die Fütterungsstrategie zu überprüfen und auf Grundlage der korrekten Informationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Es bleibt kein Restfutter übrig

„Man erfährt, wie viel Futter je Tier in der Gruppe gefressen ­wurde und auch, wie hoch die Milchleistung damit ist“ versichert die Herdenmanagerin. So geben die Kühe im Durchschnitt pro Tag nun 2,3 kg mehr Milch. Sie fressen zwar in der Hochleistungsgruppe pro Tag auch 2,5 kg mehr, aber es bleibt kein Restfutter übrig, was zuvor entsorgt werden musste. Man kommt sogar mit etwa 30 % weniger Kraftfutter aus, also spart noch Futtergeld. Die Futterkosten belaufen sich auf 12,8 ct/kg Milch.

FAZIT

Das automatische Fütterungssystem brachte der Agrargenossenschaft Wesenitztal deutlich wirtschaftliche Vorteile. So haben sich Milchleistung und Tiergesundheit verbessert. Außerdem konnte man in der Milchviehhaltung noch eine Arbeitskraft einsparen, was die Lohnkosten reduziert.

Registrieren nicht vergessen!

Das neue Marktstammdatenregister für EEG- und KWK-Anlagen bringt gegenüber den bisherigen Meldeportalen so einige Änderungen bei der Registrierung mit sich. Wir fragen Rechtsanwalt Sebastian Lange, woran Stromerzeuger jetzt unbedingt denken sollten.

Interview: Anette Weingärtner

Am 31. Januar dieses Jahres wurde das Internetportal Marktstammdatenregister (MaStR) eröffnet. Bisherige Meldewege für EEG- und KWK-Anlagen sind seitdem nicht mehr aktiv, und jeder hiesige Anlagenbetreiber ist nunmehr verpflichtet, sich selbst und seine Anlage dort zu registrieren. Ins MaStR müssen alle Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Blockheizkraftwerke eingetragen werden. KWK-Anlagen und Notstromaggregate sind genauso zu registrieren wie Windenergieanlagen oder konventionelle Kraftwerke. Bei Verletzung der gesetzlichen Meldefrist drohen Sanktionen. Wir haben den auf Photovoltaikanlagen spezialisierten Rechtsanwalt Sebastian Lange zum MaStR befragt. 

Herr Lange, fangen wir mal beim Grundsätzlichen an: Warum gibt es dieses Marktstammdatenregister eigentlich? 

Das Marktstammdatenregister ist ein neues, von der Bundesnetzagentur geführtes Register. Mit dieser Datenbank will sich die Bundesnetzagentur einen besseren Überblick über den gesamten Energiemarkt verschaffen, um dann, wenn nötig regulierend  eingreifen zu können. Das MaStR ist gewissermaßen der Nachfolger des bisherigen PV-Meldeportals und des bisherigen Anlagenregisters. Das PV-Meldeportal und das Anlagenregister gibt es so nun nicht mehr. 

Welche Daten werden in dem Register erfasst? 

In dem MaStR werden zum einen die wesentlichen Kennzahlen zu allen registrierungspflichtigen Anlagen erfasst. Zum anderen – und das ist neu – werden dort auch alle Unternehmen und Privatpersonen erfasst, die energiewirtschaftlich aktiv sind. Damit ist das neue Register deutlich umfangreicher als die beiden bisherigen. 

Da müssen sich seit Februar ja schon ziemlich viele dort eingetragen haben? 

Davon ist auszugehen. Die Bundesnetzagentur will, dass sich alle sogenannten Marktakteure in dem Portal registrieren. Das sind vor allem Netzbetreiber, Stromlieferanten und Betreiber einer registrierungspflichtigen Stromerzeugungsanlage, aber auch Gashändler. Also beispielsweise auch ein Landwirt, der eine eigene Photovoltaikanlage auf seinem Stalldach hat. 

Können Sie noch einmal im Detail beschreiben, welche Anlagen registriert werden müssen? 

Grundsätzlich müssen alle Stromerzeugungsanlagen und auch alle Stromspeicher registriert werden. Darunter fallen insbesondere Photovoltaik-, Biogas- und KWK-Anlagen. Für die Registrierungspflicht kommt es nicht darauf an, wie groß die Anlage ist oder ob die Anlage gefördert wird oder nicht. Ausgenommen sind lediglich Anlagen, die keinerlei Verbindung zum öffentlichen Netz haben. Ihre Autobatterie müssen Sie also zum Beispiel nicht registrieren. Wichtig zu beachten ist allerdings: Auch all jene Anlagen, die bereits in einem der beiden alten Register registriert waren, müssen nun erneut registriert werden. Die Daten werden nicht automatisch übertragen. 

Welche Fristen sind für die Eintragung in das Register zu beachten? 

Anlagen, die neu in Betrieb genommen werden, sind innerhalb eines Monats zu registrieren. Auch spätere Änderungen, beispielsweise eine Anlagenerweiterung oder die Stilllegung einer Anlage, sind innerhalb eines Monats einzutragen. Ein wenig komplizierter wird es, wenn wir uns die Bestandsanlagen anschauen. Grundsätzlich haben Betreiber einer Bestandsanlage noch bis zum 31. Januar 2021 Zeit, ihre Anlage im neuen MaStR zu registrieren. Wurde die Leistung der Bestandsanlage allerdings nach dem 30. Juni 2017 erhöht oder reduziert, musste die Bestandsanlage bereits bis zum 31. Juli 2019 registriert werden. Und auch für bislang nicht registrierte Anlagen, die eigentlich in einem der alten Register hätten eingetragen werden müssen, gilt die lange Übergangsfrist nicht. 

Wie funktioniert die Registrierung? 

Die Registrierung im MaStR ist nur online über das eigens hierfür eingerichtete Webportal möglich. Die Seiten finden Sie unter www.marktstammdatenregister.de. Sind Sie Betreiber einer Photovoltaikanlage, dann registrieren Sie sich zunächst als „Marktakteur Anlagenbetreiber“ und anschließend ihre PV-Anlage als „Stromerzeugungsanlage“. Im Webportal finden Sie auch zwei kleine Erklärvideos, die genau zeigen, wie dies geht. Die Registrierung muss aber nicht zwingend persönlich durchgeführt werden. Sie kann auch von einer anderen bevollmächtigten Person, wie Familienangehörigen, dem Installateur oder einem Dienstleister übernommen werden. 

Welche Sanktionen drohen Anlagenbetreibern, wenn sie sich nicht registrieren? 

Die Registrierungspflicht darf auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Wer eine gesetzliche Meldepflicht verletzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann. Bei EEG-Anlagen laufen Sie darüber hinaus Gefahr, Ihren Anspruch auf EEG-Vergütung zu verlieren. Solche Pflichtverletzungen können also richtig teuer werden. 

Was passiert, wenn die Registrierung versäumt wurde? 

Das EEG ist kein Ponyhof. Pflichtverletzungen werden mitunter hart sanktioniert, da sie als Subventionsbetrug betrachtet werden. So konnte etwa die Verletzung einer Meldepflicht für das bisherige PV-Meldeportal dazu führen, dass der betroffene PV-Anlagenbetreiber die gesamte EEG-Vergütung von drei Jahren zurückzahlen musste. Wie die Bundesnetzagentur jetzt nach der Einführung des MaStR mit solchen Fällen umgehen wird, ist noch nicht abzusehen. Erkennt die Bundesnetzagentur, dass eine bestimmte Registrierung noch fehlt, wird sie den Anlagenbetreiber wahrscheinlich zunächst auffordern, die Registrierung unverzüglich nachzuholen. Dann sollten Sie sofort handeln. Unternehmen Sie nichts, wird sicherlich ein Ordnungsgeld gegen Sie verhängt.  

In welchen Fällen droht Ärger mit dem Netzbetreiber? 

Ärger droht dann, wenn im Zuge der Registrierung ans Licht kommt, dass die Anlage eigentlich schon viel früher hätte registriert werden müssen. Solche früheren Meldepflichtverletzungen werden nicht unentdeckt bleiben. Dann müssen Sie leider mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass Ihr Netzbetreiber einen Teil der bereits ausgezahlten EEG-Vergütung zurückfordern wird. So ist es in den letzten Jahren etlichen ergangen. In einigen Fällen mussten Landwirte mehrere Hunderttausend Euro zurückzahlen, nur weil sie nicht wussten, dass sie ihre Anlage auch der Bundesnetzagentur hätten melden müssen. Teuer kann es zudem werden, wenn bestimmte Steuerungs- oder Messeinrichtungen fehlen. Ein Kaninchenzüchter soll beispielsweise 15.000 Euro zurückzahlen, weil er seine beiden PV-Anlagen über einen gemeinsamen Zähler hat laufen lassen. Das ist nach heutiger Rechtslage zwar ausdrücklich zulässig, früher gab es aber einmal eine Regelung, die genau das Gegenteil besagte. 

Registrieren-nicht-vergessen!
Anlagen, die bereits früher einmal gemeldeten wurden, werden aufgrund der Datenschutzgrund-verordnung (DSGVO) nicht übernommen. Sie müssen sich auf jeden Fall erneut registrieren! ©Sabine Rübensaat

Was gilt es bei Rückforderungen von Netzbetreibern zu beachten? 

In den letzten Jahren gab es Tausende dieser Fälle, viele dieser Fälle landeten vor Gericht. Der wichtigste Ratschlag für betroffene Anlagenbetreiber: Prüfen Sie die Rückforderung ganz genau! Denn einige Netzbetreiber fordern viel mehr zurück, als sie eigentlich dürfen. Erklären Sie sich auch auf keinen Fall damit einverstanden, dass der Netzbetreiber seine vermeintliche Rückforderung mit Ihrem Vergütungsanspruch verrechnet. 

Welche strittigen Rechtsfragen sind in diesem Bereich bereits aufgetreten? 

Zum einen gilt für diesen Fall eine besondere Verjährungsfrist, die nicht von allen Netzbetreibern ohne Weiteres beachtet wird. Zum anderen besteht nach wie vor Streit, ob die EEG-Vergütung zu 100 Prozent oder nur zu 20 Prozent zurückzuzahlen ist. Eigentlich sollte dieser Streit schon zugunsten der Anlagenbetreiber gelöst sein, denn der Gesetzgeber hat das EEG an dieser Stelle noch einmal klarstellend geändert. Manche Netzbetreiber fordern gleichwohl noch 100 Prozent der Vergütung zurück. 

Wie bewerten Sie generell das Geschehen rund ums EEG. Kann der Laie das eigentlich noch durchschauen? 

Gerade der eben angesprochene Fall des Kaninchenzüchters zeigt, wie irrsinnig bisweilen die Lage für Anlagenbetreiber ist. Das EEG ist mehrfach grundlegend geändert worden und von einst zwölf auf mittlerweile 175 Paragrafen angewachsen. Zum Teil gelten alte Regelungen fort, zum Teil nicht. Da blicken heute selbst Experten und Gerichte nicht mehr richtig durch. Im Fall des Kaninchenzüchters war es sogar so, dass er bei der Inbetriebnahme seiner beiden Anlagen alles richtig gemacht hatte. Nur weil das Gesetz später noch einmal rückwirkend geändert wurde, war plötzlich ein zweiter Zähler erforderlich geworden – ein Unding aus Sicht der Anlagenbetreiber!

Windräder: Wer bezahlt den Rückbau?

Akkus: Kabellose Freiheit

Ein Akku als Energiequelle anstelle eines Benzinmotors oder eines störenden Kabels hat viele Vorteile. Die Technik ist ausgereift. Immer neue Anwendungen werden erschlossen. 

Von Jörg Möbius

Was mit Akkuschraubern und Bohrmaschinen ohne störende Kabel begann, hat inzwischen im Prinzip jedes mobile mechanische Gerät erreicht: die Akkutechnologie. Nur, für sehr energieintensive Anwendungen wie einen Föhn reicht die Speicherkapazität der Akkus noch nicht aus. 

Eine geringe Geräuschentwicklung, keine direkten Emissionen, wenig Vibrationen, geringer Verschleiß und hohe Wirtschaftlichkeit sind bedeutende Vorteile akkubetriebener Geräte. Mit Profi-Akkus wird inzwischen eine Laufzeit ähnlich zu vergleichbaren Benzinmodellen angestrebt. Der aus der Anfangszeit der Akkugeräte bekannte große Nachteil einer zu geringen Laufleistung rückt damit Stück für Stück immer weiter in den Hintergrund. 

Erheblicher Entwicklungsaufwand 

Diese positive Entwicklung gibt es aber nicht umsonst. Gegenüber Elektrogeräten mit Netzanschluss muss hier zum Teil ein erheblicher Entwicklungsaufwand betrieben werden, um die Maschinen für den Akkueinsatz zu optimieren. Statt mit 230 V Wechselspannung muss ein anderer Motor jetzt mit einer geringeren Gleichspannung arbeiten. 

Ein maßgeblicher Unterschied ist auch, dass kabelgebundene Geräte unbegrenzt Energie zur Verfügung haben. Bei Akkugeräten dagegen spielt die Energieeffizienz eine große Rolle, um längere Einsatzzeiten mit einer Ladung zu erreichen. Konkret bedeutet dies, dass das Zusammenspiel aller Komponenten – vom Einsatzwerkzeug bis zum Akkupack – möglichst verlustarm vonstattengehen sollte. 

Bei hochwertigen Akkugeräten kommen überwiegend bürstenlose Motoren zum Einsatz. Außerdem ist bei der Ausbalancierung des Gerätes das Akkugewicht zu berücksichtigen. 

Wirtschaftlichkeit wichtiger als Kaufpreis 

Viele Nutzer schreckt bei mobilen Geräten der höhere Kaufpreis der Akkuvariante gegenüber dem Benzinmodell ab. Doch dabei muss man bedenken, dass das Verhältnis von Anschaffungs- zu Betriebskosten bei Akkugeräten ein anderes ist als bei Benzingeräten. Akkugeräte sind in der Anschaffung meist teurer, wenn man den Akku mit einrechnet. Dafür fallen später kaum Betriebskosten an. Den relativ geringen Stromkosten stehen Benzin und Öl sowie Verschleißteile wie Zündkerzen gegenüber. Hinzu kommt noch ein höherer Wartungs- und Pflegeaufwand. 

Rechnet man den Preis des Akkus heraus, vergleicht also das Benzingerät mit dem Akkugerät solo, liegen beide meist etwa gleichauf. Setzt man den Akkupreis dann ins Verhältnis zu den laufenden Betriebskosten der Benzinvariante über die gesamte Nutzungsdauer, so schneidet die Akkuvariante meist nicht schlechter ab. Dazu kommen weitere Vorteile wie geringes Gewicht, leiser und emissionsfreier Betrieb sowie keine bei Verbrennungsmotoren vorkommenden Startprobleme. 

Systeme: Wildwuchs ohne Norm 

Alle Anbieter von Akkugeräten haben inzwischen Gerätefamilien im Angebot, die mit einem Systemakku betrieben werden können. Dabei hat jeder Hersteller eine andere Bauform für seine Akkus. Auch die Spannung wird unterschiedlich gewählt. Das trifft sowohl auf die etablierten Markenhersteller, egal, ob sie über Fachhändler oder Baumärkte verkaufen, als auch auf die Haus- und Budget- Marken von Bau- und Supermärkten zu. 

Je nach vorgesehenem Einsatz greift man zu einer Hobby- oder Profivariante. Auch wenn die Gerätevielfalt der einzelnen Anbieter immer größer wird, so kommt man speziell im Markensegment meist nicht umhin, ein zweites System anzuschaffen. So hat der Kärcher-Chef bei der Vorstellung von 40 neuen Akkugeräten gesagt, dass Akkuschrauber momentan nicht geplant sind. Ob mit Service beim Fachhändler gekauft wird oder vom Baumarkt, ist ebenfalls zu entscheiden. 

Praktisch in der Anwendung ist es oft, zwei Akkus zu haben, mit einem zu arbeiten und den anderen im Ladegerät aufzutanken. Außerdem kann mit der Akkuleistung variiert werden. 

Kabellose freiheit - akkus
Das Gewicht ist hier nicht so wichtig: Radial-Kehrmaschine mit Elektromotor und 66 Ah speichernder, handelsüblicher Autobatterie. ©Werkbilder

Sabo kooperiert bei Geräten und Akkus schon lange mit Bosch. Bosch wiederum bietet neben Geräten auch Akku-Power Units an. Diese Steckdosen für unterwegs liefern, praktischerweise auf einem Pick-up oder in einem anderen Arbeitsfahrzeug mitgenommen, netzunabhängig Energie an zwei 230-V-Steckdosen. Die GEN 230V-1500 Professional kann über eine Stunde eine konstante Dauerleistung von 1.500 W abgeben. Da die Ladegeräte für die Akkus mobiler Geräte deutlich weniger Strom ziehen, kann mit der 42 kg schweren Lithium-Eisenphosphat-Batterie für einen ganzen Tag Energie für mehrere Gartengeräte mitgeführt werden. 

Geräte verschiedener Hersteller nutzen 

Im Sommer 2018 gaben neun Hersteller unterschiedlicher Akkugeräte bekannt, dass sie künftig unter dem Label CAS (Cordless Alliance System) zusammenarbeiten werden. Die Basis des CAS ist die Akku-Technologie der Firma Metabo. Die Nürtinger haben sich in den vergangenen Jahren in diesem Bereich mit einer ganzen Reihe von Innovationen die Technologieführerschaft erobert. Die neueste Generation der Metabo- LiHD-Akkupacks liefert in der 18-Volt-Ausführung mit zehn Akkuzellen bis zu 1.600 Watt Leistung bei einer Kapazität von 8.0 Amperestunden (Ah). Inzwischen sind drei weitere Firmen dazugekommen, sodass CAS-Akkus nun von 13 Herstellern verwendet werden: 

Die Kompatibilität von Akkupacks, Ladegeräten und Maschinen wäre auch gegeben, wenn alle Hersteller die entsprechenden Komponenten unter ihren angestammten Marken vertreiben würden. Aber natürlich ist die Kooperations-Marke für die Information der Anwender enorm wichtig. Ohne CAS könnten diese ja nicht ohne Weiteres erkennen, welche Hersteller mit demselben Akku-System arbeiten und daher untereinander hundertprozentig kompatibel sind. 

Akku-Auswahl: nicht täuschen lassen 

Heute werden fast ausschließlich Lithium-Ionen-Akkus verwendet. Sie haben das beste Verhältnis von Leistung zu Gewicht. Hohe Voltzahlen sind weder gut noch schlecht. Höhere Spannungen erlauben geringere Kabelquerschnitte und damit Kosten- und Gewichtsersparnisse beim Material. Hohe Spannungen wiederum sind für Menschen gefährlicher und benötigen höheren Schutz. Von den Voltzahlen lässt sich nicht auf eine höhere Betriebsdauer schließen. Einige Hersteller werben bei ihren Produkten mit hohen Voltzahlen – was aber nicht gleichbedeutend mit langer Betriebsdauer ist. Wattstunden sind die Multiplikation von Spannung und Kapazität (Volt x Amperestunden) und beschreiben den Energieinhalt und damit auch die Betriebsdauer, bis ein Nachladen erforderlich wird. Empfehlung: Achten Sie beim Kauf auf die angegebene Kapazität in Amperestunden (Ah). Eine höhere Amperestundenzahl ist gleichbedeutend mit einem größeren Energie­inhalt des Akkus und damit einer längeren Betriebsdauer des Gerätes mit einer Ladung. 

Für gute Akkus werden 1.200 bis 1.500 Ladezyklen angegeben, also vollständige Entladungen und Ladungen. Teilladungen sind auch möglich, es wird jedoch empfohlen, jede dritte Ladung vollständig durchzuführen, um die Zellen auszubalancieren. Tiefenentladungen sollten vermieden werden. Zur Lagerung wird ein Ladezustand von 20 bis 40 % empfohlen. Geladen werden kann nur bei Temperaturen über 0 °C. Hat der Akku im Frost gelegen, sollte er erst temperiert werden. 

Neue Akkus und neue Anwendungen 

Immer kräftigere Akkus und die Variabilität elektrischer Antriebe haben aber auch neue Geräte ermöglicht. In der Zukunft sind weitere Fortschritte zu erwarten. Die Akkus werden bezüglich Ladetechnik, Leistungsfähigkeit und Laufzeit weiter optimiert werden. Das erweitert das Einsatzspektrum und verbessert das Preis- Leistungs-Verhältnis. Damit könnten Geräte mit Verbrennungsmotor in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören.

Technik für den Wald

Fast ihr gesamtes Forstprogramm führte die BayWa im Norden Brandenburgs vor. Unter realen Bedingungen zu beobachten waren schwere Kombimaschinen und Spezialschlepper für Profis ebenso wie Technik zum Rücken und Zerkleinern im Bauernwald. 

von Oliver Gabriel, „Forst & Technik“, Berlin

Warum veranstaltet die BayWa einen Forsttag? Das ist eine berechtigte Frage, zumal von Wald oder Forsttechnik im Geschäftsbericht nur wenig zu finden ist. Andererseits ist eine solche Veranstaltung einfach logisch, denn viele Landwirte besitzen auch Wald und brauchen entsprechende Gerätschaften. Darum bietet die BayWa seit vielen Jahren nicht nur Motorgeräte von Husqvarna und Stihl an, sondern auch Seilwinden der Marke Holzknecht, Seilwinden und Rückeanhänger von Pfanzelt sowie Brennholztechnik von Posch. Dazu kommen die Trommelhacker der Firma Heizomat sowie Mulcher und Forstfräsen von FAE. Wie Mark Küpper (Leiter der BayWa-Sparten Kommunal, Gewerbe und Forst) erklärt, ist selbst forstliche Großtechnik ein Thema. 

Technik-fuer-den-Wald
Forstunternehmer Remo Schneider führte seinen Valtra vor. Für die Holzbringung war der Schlepper mit dem Rückeanhänger Pfanzelt L19 und einer Anbauseilwinde ausgestattet. Mit Krantilt und Drehsitz eignet sich die Kombination auch für den Profi einsatz. ©Oliver Gabriel

Nicht nur Holzernte 

Der wichtigste Partner ist hier der Allgäuer Hersteller Pfanzelt-Maschinenbau mit der Vorlieferraupe Moritz, dem PM-Trac und dem Forstspezialschlepper Felix. Seit etwas über einem Jahr zählen des Weiteren die Forstspezialschlepper und Kombimaschinen der Firma Noe zum Programm. 

Die Kunden dieser Rückemaschinen sind nach dem Selbstverständnis der BayWa überwiegend „generalisierte Spezialisten“, die ihren Schwerpunkt nicht in der Holzernte haben, sondern vor allem mit Traktoren und Anbaugeräten arbeiten, auch Kommunalarbeiten übernehmen oder im Wegebau aktiv sind. Drei spezialisierte Verkaufsberater kümmern sich um dieses Geschäftsfeld. Beim Service geht es genauso spezialisiert zu, auch wenn alle 185 Serviceniederlassungen der BayWa in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen einen Grundservice für die Maschinen anbieten. Die Experten sitzen jedoch an den 18 Forstzentren, die natürlich auch mobile Servicefahrzeuge einsetzen. 

Einen besonderen Anteil am Forsttechnik-Programm der BayWa hat ihr nördlichster Standort Lübben in Brandenburg. Er kam Ende 2016 hinzu, als Rolf Zimmermann sein 1991 gegründetes Unternehmen aus Altersgründen verkaufte. Er war unter anderem Handels- und Servicepartner der Firmen Pfanzelt, Valtra, HSM, Husqvarna und Posch. Sein Unternehmen passte also bis auf HSM perfekt zur BayWa und ist heute voll und ganz in ihr integriert. Zum Zimmermann’schen Erbe zählen die Forstaufbauten fürValtra-Schlepper, die allein in Lübben möglich sind. 

Tradition übernommen 

Außerdem hat der Forsttag überlebt, den Rolf Zimmermann früher alljährlich im Spreewald veranstaltet hat. Zahlreiche Forstleute und Forstunternehmer kamen Jahr für Jahr, um sich das Gesamtprogramm des Unternehmens im Einsatz anzusehen. Nicht selten nutzte die Firma Pfanzelt die Gelegenheit, um Neuheiten vorzustellen. Diese Tradition hat die BayWa natürlich weitergeführt – dieses Jahr erstmals ganz in eigener Regie ohne die Unterstützung von Zimmermann und um zwei Neuerungen ergänzt.  

Zum einen verlegte die BayWa den Forsttag ins nördliche Brandenburg, nach Fürstenberg an der Havel. Zum anderen gab es dieses Jahr nicht nur einen Forsttag, sondern gleich drei. Mit Ausnahme einer selbstfahren Forstfräse von Prime Tech war das Technikprogramm auch im Stammland der BayWa in Bayern zu sehen: in Oberfranken im Raum Hof und in Niederbayern im Raum Landshut. Sonst aber hat die BayWa alle Besonderheiten der früheren Forsttage übernommen.  

Nach der morgendlichen Begrüßung führte Matthias Petsch, Verkaufsberater für Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die rund 200 Gäste von einer Vorführstation zur nächsten. Dort erklärten die Firmenvertreter ihre Technik und führten sie dann vor. Das war auch dieses Jahr wieder so.  

Hans-Jörg Damm von Pfanzelt Maschinenbau bestritt dabei den Hauptpart, weil sein Arbeitgeber mit zahlreichen Geräten vor Ort war: Die Rückeraupe Moritz Fr50 war mit unterschiedlichen Anbaugeräten gleich dreimal verteten. Die Urform mit hydraulisch angetriebener 5-t-Seilwinde führten drei Forstwirte des Landesforstbetriebes bei der seilunterstützten Holzernte vor. Zu sehen war sie aber auch in der Bauweise mit Zapfwelle, über die Brandenburg Forst seit zwei Jahren eine Saatmaschine mit Bodenfräse betreibt. Für den dritten Moritz hatte Pfanzelt eine neue Anbaufräse aus eigener Fertigung dabei, die mit 330 kg und 1,20 m Arbeitsbreite auf den Moritz abgestimmt ist. An diesem Moritz hatte Pfanzelt zudem die neue Hilfsseilwinde mit einer Zugkraft von maximal einer Tonne montiert. Mit ihr kann sich der Moritz nicht nur einen Hang hinaufziehen, sondern auch kontrolliert den Hang herablassen. 

Pfanzelt zeigte darüber hinaus einen PM-Trac, mit dem Vorführfahrer Andreas Truskaller aus dem Harz Langholz rückte und nach einem kurzem Umbau mit dem Rückeanhänger P17 auch Stammholzabschnitte verlud. Truskaller fuhr auch den Forstspezialschlepper Felix, während der Logline-Rückeanhänger L19 mit dem Val­tra des Forstunternehmens Remo Schneider zu sehen war. 

Im weiteren Verlauf des Rundweges erklärte Frank Lorenz die Forstfräsen von FAE und anschließend übernahmen Mitarbeiter der BayWa diese Aufgabe für zwei Heizomat-Hacker: der kleinere Heizohack 6-300 VM war mit eigenem Antrieb auf einem Pkw-Anhänger montiert. Dazu kam der Großhacker 14-860 KL auf einem Mercedes Arocs.  

Gezeigt wurde außerdem forstliche Wegebautechnik. Mit dem Planierhobel PH 260 Maxi der Firma HK lassen sich wassergebundene Wege abziehen und gleichzeitig walzen. Bis zu 2 m3 überschüssiges Material kann das Gerät bei der Überfahrt aufnehmen, um damit woanders Schlaglöcher aufzufüllen. Mit dem Plattenverdichter der Firma Brandl kann man die Wegoberfläche dann noch weiter verdichten. 

Die Firma Noe war mit einer reinrassigen Profimaschine vor Ort, mit dem Achtrad-Forstspezialschlepper Noe 210 8R des Forstunternehmers Horst Hollschuh. Mit ihrem 151 kW starken Sechszylindermotor, mit dem Kran Epsilon X140F und der Klemmbank mit 2,1 m2 Querfläche ist diese Maschine perfekt für das Rücken von Langholz geschaffen. Sie kann aber  auch bis zu 14 t Kurzholz transportieren. Dann werden einsteckbare Rungen genutzt. 

Hintergrundinformationen

Die BayWa wurde 1923 in München als „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG“ gegründete. Heute ist sie eine Aktiengesellschaft und beschäftigt weltweit 18.000 Mitarbeiter auf 3.000 Standorten. Ihr Geld verdient sie im Agrarbusiness. Zieht man Bereiche wie Baustoffe, Windkraftanlagen oder Holzpellets ab, dann stammt der Jahresumsatz von 16,6 Mrd. € (2018) zu 66 % aus dem Geschäft mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen – mit Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, mit Obst- und Landtechnik.  og 

Der Rehfelder Weg

Die Gemeinde vor den Toren Berlins hat sich auch für dieses Jahr viel vorgenommen. So plant die „Energie-Kommune des Monats“ Ladestationen für Elektroautos und ihr eigenes Nahwärmenetz. 

von Catrin Hahn, Berlin 

Seit zehn Jahren schon zeichnet die Agentur für Erneuerbare Energien die „Energie-Kommune des Monats“ aus. Betrachtet man die Karte mit den Preisträgern, fällt leider auf, dass die meisten im Süden oder Westen des Landes bzw. im windreichen äußersten Nordwesten liegen. Im Januar diesen Jahres hat allerdings – entgegen dem Trend und hochverdient – eine kleine Gemeinde im Osten Brandenburgs den Titel erhalten: Rehfelde. 

Der 5.000-Einwohner-Ort liegt etwa 30 km östlich von Berlin, landschaftlich reizvoll am Rande der Märkischen Schweiz. Die Einwohner engagieren sich vielfältig und sorgen für ein buntes Leben im Ort. Dieser Umstand und sicher auch die Tatsache, dass der Zug von Berlin-Ostkreuz nur etwa eine halbe Stunde braucht, sorgen seit Jahren für einen stetigen Zuzug. Vor allem junge Familien siedeln sich an, viele Eigenheime entstanden schon, Kindergarten und Grundschule werden erweitert bzw. neu errichtet. 

Versorgung mit erneuerbarer Energie 

„Wir möchten gerne eine Versorgung mit erneuerbaren Energien vor Ort sicherstellen – preiswerten Strom aus eigener Produktion und ohne Treibhausgasemissionen. Und zwar von allen gemeinsam für uns alle“, so beschreibt Helmut Grützbach die Vision der Energiegenossenschaft „Rehfelde-EigenEnergie eG“. Grützbach ist einer der Vorstände der Genossenschaft, die sich 2012 aus einem Arbeitskreis heraus gegründet hat. „Wir hatten uns damals zusammengefunden“, erinnert sich Grützbach, „als wir gegen die Versuche zur CO2-Verpressung protestiert haben. Später haben wir uns dann gedacht, wir können ja nicht nur gegen was sein, wir müssen ja auch für was sein. Also haben wir den Arbeitskreis gegründet.“ Und der hat dann, später auch mit der Gründung und Unterstützung der Energiegenossenschaft, klar formuliert, wofür die Teilnehmer sind: Nämlich dafür, die Energieversorgung des Ortes in mehreren Etappen in die eigenen Hände zu nehmen, um unabhängig von den großen regionalen Energieversorgern und dabei gleichzeitig preisgünstig zu sein. Nun konnte das Thema „preisgünstig“ wegen der derzeit hohen Netzentgelte noch nicht verwirklicht werden. In der Genossenschaft denkt man aber schon intensiv darüber nach, bei der nächsten Ausschreibungsrunde 2026 das örtliche Stromnetz vom Betreiber E.DIS AG zu kaufen.  

Der-Rehfelder-Weg
Helmut Grützbach ist in der Kita vor Ort, um den Fehler zu finden, den die Steuerung für die Solaranlage gemeldet hat. ©Catrin Hahn

Bis dahin arbeitet man beharrlich und größtenteils ehrenamtlich am „Rehfelder Weg der Energiewende“, der eine Energieversorgung in einem Mix von Solar- und Windenergie, Biothermie, Wasserkraft und Wärmeenergie in Blockheizkraftwerken mit eigenen Pufferspeichern vorsieht. Festgeschrieben wurde dieser „Rehfelder Weg“ 2014 in einem Energiekonzept, in dem es heißt: „Die Genossenschaft setzt sich für eine stabile, sozialverträgliche, preisgünstige und unabhängige sowie für eine nachhaltige und umweltverträgliche Lösung zur Energieversorgung ein.“ 

Mit heute schon 230 Mitgliedern und einem Investitionsvermögen von rund 10 Mio. € bewegt die Genossenschaft dabei richtig viel. Das zahlt sich auch für die Anleger aus, denn auf die eingezahlten Mitgliedschaftsanteile sind 2,5 % Zinsen angelegt. Da dieser große Berg an Vorhaben nicht gänzlich in ehrenamtlichem Engagement zu bewältigen ist, wurde mit Kofinanzierung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative eine Stelle für einen „Klimaschutzmanager“ eingerichtet. Seit zwei Jahren – und demnächst in einer Verlängerung für weitere zwei Jahre – hat diese Stelle René Tettenborn inne. Tettenborn, der nach einigen Jahren im Filmgeschäft Regionalmanagement in Eberswalde studierte, dann in der Kommunalberatung und als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Eberswalde arbeitete und nebenbei zwei Genossenschaften mitgründete, die sich mit den Themen Landwirtschaft und Erneuerbare Energien befassen, hat viele Ideen für die nächsten Jahre. Darunter die bereits begonnene Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Oder die energetische Sanierung von zwei Wohnblocks und die Errichtung von Heizzentrale und Nahwärmenetz. Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Nicht zuletzt bewirbt sich die Genossenschaft um eine Photovoltaik-Freiflächenanlage auf der ehemaligen Deponie der Gemeinde. 

Sonnenstrom für Schule und Kita 

Kaum ein Jahr nach ihrer Gründung hat die Energiegenossenschaft schon das erste Großprojekt gestemmt. 2013 wurde eine 56-kW-Solaranlage auf dem Dach der Schulturnhalle installiert. Wenige Jahre später wurde diese im Winter von vielen Sportvereinen genutzte Halle dann aus Eigenmitteln energetisch saniert. 

Auch die Kita „Fuchsbau“ erhielt sowohl eine neue schützende Hülle, um Wärmeverluste zu minimieren, als auch eine 77-kW-Solaranlage. Der Strom aus beiden Anlagen wird soweit wie möglich vor Ort genutzt – die Kitaküche kocht das Essen für Kindergarten und Grundschule mit Sonnenstrom, auch eine Sauna wurde errichtet – der Überschuss geht ins Netz. 

Gemeinsam mit der Gemeinde engagiert sich die Genossenschaft auch in Sachen Windenergie. Im Juli 2017 wurden zwei Windenergieanlagen im nahegelegenen Windeignungsgebiet in Betrieb genommen, damit ist das Vorhaben eines der größten Bürgerwindprojekte Brandenburgs. Zwar gab es vorher durchaus Debatten in der Gemeinde. Anwohner hatten befürchtet, dass die neuen Mühlen im Ort für Lärm sorgen würden, weswegen extra ein Schallgutachten erstellt wurde. Die beiden 2,4-MW-Nordex-Anlagen mit jeweils 140 m Nabenhöhe und einem Rotordurchmesser von 117 m sollen 14.000 MWh Strom ins Netz speisen – viel mehr, als der gesamte Ort im Jahr verbraucht. Die Gewinne aus dem Betrieb der Anlagen bleiben dabei überwiegend in der Gegend, denn das Eigenkapital des 10 Mio. € teuren Projektes kommt zum größten Teil aus der unmittelbaren Umgebung.  

Da die neue Gastrasse „Nord Stream 2“ direkt am Windfeld vorüberführt, kann sich Tettenborn für die Zukunft auch eine Power-to-Gas-Anlage am Fuß der Windräder vorstellen, die überschüssigen Strom bei Bedarf als Biomethan oder Wasserstoff ins Gasnetz einspeist. 

Steckdosen zum Tanken und eine Ideenschmiede 

Auch die erneuerbare Wärme stand von Anfang an auf der Agenda der Energiegenossenschaft. Schon seit 2012 sorgt im sanierten Bahnhofsgebäude eine Holzpellet-Heizung für angenehme Raumtemperaturen in Bahnhof, Touristeninformation, Arztpraxis und Büros. Nach einigen Lehrjahren und einem Betreiberwechsel arbeitet sie inzwischen vorbildlich und dient als Blaupause für ein weit größeres Vorhaben, das sich zur Zeit in der Abstimmungsphase in der Gemeindevertretung befindet: ein „energetisches Quartiersmanagement“ für Grundschule, einen Schulneubau und zwei Wohnblocks. Sie alle sollen an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden und von einer modernen Hackschnitzelheizung mit einem Gaskessel als Puffer beheizt werden. „Die Pellets für die Heizung im Bahnhof kommen derzeit noch von einem überregionalen Anbieter“, sagt der Klimamanager. „Wir planen aber für die neue größere Heizung, Holz aus der Forstpflege der umliegenden Wälder oder vielleicht eigenen Kurzumtriebsplantagen zu verwenden“, denkt Tettenborn weiter.  

Doch um Energieeffizienz soll es nicht nur bei öffentlichen Gebäuden oder Neubauten gehen. Und so organisierte Tettenborn im vergangenen Winter einen Thermografie-Rundgang für Eigenheime. Die Wärmebilder lassen Schwachstellen schnell sichtbar werden. Manchmal kann man dann schon mit kleinen Eingriffen Energie und damit bares Geld sparen, wie die Teilnehmer an diesem Rundgang erfahren konnten.  

Auch an die Energiewende im Verkehrssektor – im Allgemeinen ja eher ungeliebtes Stiefkind der Erneuerbaren – hat man in Rehfelde gedacht. Um die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeiten der Elektromobilität zu richten und zum Beispiel Pendlern Lademöglichkeiten zu bieten, könnten am Bahnhof demnächst niederschwellige Ladesäulen aufgebaut werden. „Das ist nicht viel mehr als eine handelsübliche Haushaltssteckdose. Wer zur Arbeit nach Berlin pendelt, kann sein Auto ja für ein paar Stunden am Netz lassen.“ Diese Ladepunkte sind günstig – dafür könnten ein paar mehr gebaut werden. Und betrieben werden sollten sie am besten mit Solarstrom, meint Tettenborn.   

Obwohl er sehr umtriebig und einfallsreich ist, muss er als Klimamanager ja nicht alle Ideen selber haben, findet er. Außerdem lässt sich ein in der Gruppe entwickelter Plan später viel besser in die Tat umsetzen, weil alle mitziehen. Und so fand im Sommer des letzten Jahres in Rehfelde ein Seminar statt, in dem neue Ideen für den Ort entwickelt werden sollten:  die KlimaKulturWerkstatt. Eine der Ideen, die von den knapp 40 Teilnehmern entworfen wurde, ist ein gemeindeeigenes Lastenfahrrad. Das könnte zum Beispiel die Einkäufe für ältere Mitbürger transportieren oder das Mittag­essen für die Grundschule von der Kitaküche in die nahe Schule liefern. Auch der bewusste Einsatz saisonaler Produkte war ein Ergebnis der KlimaKulturWerkstatt. 

Damit auch die Jüngsten schon mit den Ideen der Energiegenossenschaft vertraut werden – schließlich werden sie die Früchte dieser Arbeit später genießen – kümmert man sich in Rehfelde auch um deren Information. Als die Solaranlage auf dem Kitadach in Betrieb genommen wurde, erklärte ihnen der Genossenschaftsvorstand alles ganz genau. Klimaschutzmanager Tettenborn machte von seiner Filmerfahrung aus früheren Zeiten Gebrauch und drehte dann mit Kindern einen Film über Ressourcenschutz. Bald soll ein Klimafrühstück stattfinden, bei dem sich auch die Kinder über den Sinn des Klimaschutzes unterhalten sollen. 

Und so sieht man in Rehfelde zu, dass das Engagement für den Klimaschutz auch in der nächsten Generation Wurzeln schlägt. Auch an andere Gemeinden möchte man sein Wissen gerne weitergeben, denn:

„Klimaschutz ist kein Geschäftsgeheimnis, sondern kann ein Gewinn für alle sein.“ 

Fünf Gigabyte an jede Milchkanne!

Es gibt kaum eine Branche, in der nicht versucht wird, Ressourcen zu schonen und effizienter oder umweltgerechter zu arbeiten. Das Zauberwort heißt Digitalisierung! Auch in der Milchviehhaltung. 

Alle 14 Bundesministerien beschäftigen sich gegenwärtig mit dem Thema Digitalisierung: das Verkehrsministerium bei der Infrastruktur, das Innenministerium arbeitet an der Cybersicherheit, das Wirtschaftsministerium mit digitalen Plattformen oder das Bildungsministerium wünscht in den Schulen mehr digitale Bildung. Dabei wirkt es durchaus so, als sei eine Koordinierung sehr schwierig. Natürlich ist auch die Landwirtschaft geprägt durch diese Entwicklungen. Verschiedene Institutionen haben sich damit auseinandergesetzt und Stellung bezogen.  

Dazu gehören zum Beispiel das Bundesministerium für Ernährung und Landwirschaft (BMEL) (2017) mit dem Zukunftsprogramm Digitalpolitik Landwirtschaft, das Thünen-Institut (2016) mit einer Stellungnahme zur Folgenabschätzung der Digitalisierung Landwirtschaft oder die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) (2018) mit einem Positionspapier zu Chancen, Risiken und zur Akzeptanz einer digitalen Landwirtschaft. Überraschen tun in diesem Zusammenhang dagegen Aussagen der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die uns wissen ließ, es gebe beim Ausbau des Mobilfunknetzes keine Eile, und man brauchte 5G nicht an jeder Milchkanne. Glücklicherweise reagierte die Bundeslandwirtschaftsministerin strikt mit der Feststellung, dass an einer vollen 5G-Abdeckung kein Weg vorbeiführe. „Künstliche Intelligenz auf dem Acker und im Stall müssen selbstverständlich sein“, so Klöckner, um ländliche Räume nicht weiter abzuhängen. Milchkannen telefonieren bekannterweise nicht … .

In der Ausbildung zu wenig Digitalkompetenz 

Eine Umfrage vom Deutschen Bauernverband/Bitkom 2017/2018 unter 850 Landwirten ergab bei 67 % der Befragten, dass Digitalkompetenz in Zukunft genauso wichtig sein wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. Es werden sich Möglichkeiten durch neue Aufgaben, flexible Arbeitsgestaltung, Produktivitätserhöhung, bessere Umweltverträglichkeit und gesteigertes Tierwohl ergeben.  

Bei den Landwirten, die jünger als 36 Jahre sind, sehen sogar 84 % Digitalkompetenz als höchst wichtig an. Problematisch in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass 51 % der Befragten sagen, im Rahmen der Ausbildung werde zu wenig Digitalkompetenz vermittelt. 

100 bis 200 Dollar pro Kuh und Laktation dazu  

Technische Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten erleichterten die Arbeit in der Landwirtschaft ungemein. Gleichzeitig erhöhte sich die Effektivität, die sich auch darin ausdrückt, dass 1949 ein Landwirt zehn Menschen in Deutschland ernährte und es heute 145 Personen sind.  

Das Haber-Bosch-Verfahren zur Herstellung von Ammoniak, die Motorisierung durch Lanz Bulldog, die Mähdrescherentwicklung durch die Gebrüder Claas, erste Maschinenbanken, der Ladewagen, Rohrmelkanlagen, Melkroboter, nutzbare Fernerkundungsdaten oder Precision Farming sind Schlagworte auf dieser Wegstrecke vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute.  

Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche 2019 ist auf der  11. Internationalen Berliner Agrarministerkonferenz formuliert worden, dass Digitalisierung digitale Technologien, digitale Innovationen, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie künstliche Intelligenz umfasst. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Potenziale der Digitalisierung prioritär zu erkennen und zu nutzen seien. Großunternehmen wie Cargill oder DuPont investieren in dieser Branche durch die Etablierung von Start-ups, um zum Beispiel ein Monitoring von Gesundheit und Wohlbefinden bei Nutztieren zu ermöglichen. Dazu werden bildliche Darstellungen oder Nutzeralgorithmen genutzt, die zu Handlungsanweisungen entwickelt werden. Geschätzter Nutzen: 100 bis 200 $ pro Kuh und Laktation. Schon bald werden Notebook oder Exceltabelle nicht mehr ausreichen, sondern es wird ein Datenbank-Farmmanagement-Element im Betrieb benötigt. 

Nudeln entstehen nicht im 3-D-Drucker 

Problem bei dieser ganzen Entwicklung: So schwer es jetzt schon fällt zu erklären, wie zeitgemäße Landwirtschaft funktioniert, und je kritischer der Blick auf heutige Landwirtschaft fällt, desto wichtiger wird es zu verdeutlichen, dass die technische Entwicklung auch bei der Erzeugung von Lebensmitteln nicht haltmachen wird. Realistische Darstellungen der modernen Landwirtschaft schon in Schulbüchern oder eine Erklärung, dass Nudeln nicht im 3-D-Drucker entstehen, wären erste Ansätze. Das verklärte Bild von saftigen Wiesen, der Butterblume im Kuhmaul und der Forke bei der Heuernte hat nichts damit zu tun, was heute Bestandteil der agrarischen Ausbildung ist oder ein reelles Berufsbild junger Studierender. 

Was ist Landwirtschaft 4.0? Precision Farming, Automatisierung und Robotik sowie Fernerkundung sind einzeln betrachtet eher Komponenten von Landwirtschaft 3.0. Eine Vernetzung dieser Technologien auf der Datenebene führt zu Landwirtschaft 4.0. In Tabelle 1 sind einige Technologien dazu aufgeführt.  

Big Data braucht klare Regeln 

Was schnell deutlich wird, ist, dass die satellitengestützte Erhebung und Auswertung digitaler Daten ein großes Potenzial für technische und agronomische Innovationen in der Landwirtschaft bieten. Aber: Big Data braucht klare Regeln. Das Problem ist der eventuelle Missbrauch durch Dritte. Der Staat hat hier eine aktive Rolle bei der Entwicklung von Plattformen, Schnittstellen und bei der Regelung der Datennutzung zu übernehmen. In Rheinland-Pfalz wird zurzeit mit einer länderübergreifenden Initiative am Konzept einer GeoBox gearbeitet. Diese soll mehr Sicherheit durch eine dezentrale Datenhaltung und regionale Vernetzung bieten. Die zentrale Datenhaltung in einer Cloud offenbart gravierende Risiken, unter anderem hinsichtlich der Ausfallsicherheit der landwirtschaftlichen Primärproduktion. Dabei ist der Landwirt über das Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz eigentlich zu dieser Aufgabe verpflichtet. 

Wie bereits erwähnt, wird gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal zur Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung benötigt. Aber werden Bildung und Beratung dieser Aufgabe gerecht? Technische Infrastruktur in Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und im öffentlichen Dienst oder eine flächendeckende Fortbildung der Lehrkräfte sind oftmals nicht gegeben. Digitale Lernplattformen müssen entwickelt und die Förderung von Betrieben und Unternehmen im Digitalisierungsprozess angepasst werden. 

Dies alles wird in einer rasanten Geschwindigkeit vollzogen werden müssen. Allein durch die enorme Reduktion der Kosten der Technik wird sich die Einführung beschleunigen (Tab. 2). 

Bei der Digitalisierung von Ställen für Nutztiere gibt es große Unterschiede zwischen den Tierarten und den Haltungsabschnitten. Während bei der Schweine- und Geflügelhaltung eher die Bestandsführung und Gebäudetechnik im Fokus stehen, hat die Milchviehhaltung bei der Sensorentwicklung und bei einzeltierbezogenen Assistenzsystemen zur Entscheidungsunterstützung eine Vorreiterrolle eingenommen.  

Geringe Kosten machen Sensoren und Roboter in der Milchviehhaltung erschwinglich. Überwachungskameras für Stallungen oder die Geburtsüberwachung des einzelnen Tieres seien beispielhaft genannt. Biosensoren können mittlerweile eine Vielzahl von biologischen Kennwerten erfassen und auswerten, wie Körpertemperatur, Blutdruck, Pulsschlag oder Bewegungsaktivität.  

Der Vorteil liegt in einer laufenden und tagaktuellen Erfassung und damit in einer Erleichterung der menschlichen Beobachtungsaufgabe. Große Datenmengen und daraus abgeleitete neue Merkmale verbessern den Gesundheitsstatus unserer Herden und damit das Tierwohl, weil Früherkennung und schnelle Handlungsempfehlungen möglich werden. 

Merkmale müssen standardisiert werden 

Sind all diese Daten auch in der Tierzucht nutzbar? Das Potential ist sicher hoch, aber die Vielzahl der mittels Sensoren erfassten Merkmale zu standardisieren ist nicht einfach. Daten sind unzureichend vernetzt, eine internationale Vereinheitlichung ist notwendig. Aber das Beispiel der Einführung der genomischen Selektion seit 2010 in der Milchrindzucht zeigt, dass riesige Informationsmengen effizient zur Verbesserung ansonsten schwierig zu beeinflussender funktionaler Merkmale beitragen können. Denn diese Zuchtwerte gelten für reale Produktionsbedingungen.  

Gelungene Beispiele für die praktische Nutzung von Daten im Precision Dairy Farming sind die individuelle Fütterung, die reguläre Milchkontrolle, die Pedometrie, die Milchleitfähigkeit, eine automatische Brunsterkennung, die Erfassung von Körpermasse oder Temperatur. Zukünftig werden sich Möglichkeiten bei der Erfassung des Liegeverhaltens, des Pansen-pH-Werts, der Herzfrequenz, der Positionsbestimmung, beim Fütterungsverhalten, der Atemfrequenz oder im Bewegungsverhalten ergeben. Letztlich ist der gesamte Bereich interdisziplinär zu beurteilen, denn Informatiker, Biostatistiker, Ethologen, Ökonomen, Züchter, Ernährer, Technologen und Prozesssteuerer sitzen in einem Boot. 

von Dr. Peter Sanftleben, Direktor der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern 

FAZIT:

Lohnt sich der Aufwand? Es gibt klare Aussagen aus dem Bereich der Wissenschaft, die belegen, dass für den Milchrindhalter ein Nutzen von 50 bis 75 $ je Kuh im Bereich der Fruchtbarkeit erreicht wird und im Bereich der Gesundheit von 70 bis 90 $ je Tier. Darüber hinaus vereinfacht sich nicht in Geld messbar das Management. In nicht einmal zwei Jahren hat sich die Investition rentiert. Dieser Weg wird sich nicht aufhalten lassen und Bestandteil moderner und zeitgemäßer Nutztierhaltung sein.

Futterrat per Youtube

Die drei W

Die Bauernzeitung sprach mit Prof. Dr. Olaf Steinhöfel, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, über die gegenwärtige Futtersituation auf den Milchviehbetrieben. Dabei erklärte er auch, was es mit den „drei W“ auf sich hat. Das Video entstand während der Landwirtschaftsausstellung agra in Leipzig, auf der auch die Bauernzeitung mit einem eigenen Stand vertreten war.

vom BKA

Landengel & Dorfkümmerin

Fahrdienste und Arzttermine organisieren, Hausbesuche machen und auch mal den Blutdruck messen – Estella Ehrich-Schmöller ist engagierte Dorfkümmerin in und um Kirchheilingen in Thüringen. Initiator dieses Pilotprojektes ist die Stiftung Landleben mit dem ehrgeizigen Ziel: die Dörfer wachhalten! 

Von Birgitt Schunk

Die Zeit ist stehen geblieben in der alten Dorfkneipe von Tottleben. Die Gardinen ­tragen Rüschen, die Stühle sind leer. An der Theke wird kein Bier mehr ausgeschenkt. Estella Ehrich-Schmöller kennt noch die Zeiten, in denen an den Tischen geschwatzt, gefeiert, gesungen und auch ein Gläschen getrunken wurde. Heute sitzt sie alleine hier und wartet auf die Leute aus dem Dorf, die mit einem Anliegen zu ihr kommen. Die 56-Jährige ist seit Februar in sechs Orten des thüringischen Unstrut-Hainich-Kreises als „Dorfkümmerin“ unterwegs.  

Es ist heiß an diesem Juninachmittag. „Wahrscheinlich zu heiß für die Älteren“, sagt sie. Meist sind sie es, die den Weg hierher- finden. Nur eine Seniorin schaut in der Sprechstunde an diesem Tag vorbei, weil sie gerne den Fahrdienst zum Arzt nutzen ­möchte – und ist schnell wieder verschwunden. Estella Ehrich-Schmöller hat ihr zugesagt, dass alles seinen Gang geht. Leicht fiel es anfangs den Dorfbewohnern nicht, diesen Weg zu nutzen. „Inzwischen hat sich das Angebot herumgesprochen und wird gut angenommen – manchmal wollen die Menschen aber einfach auch nur ein paar Worte reden.“  

Die gelernte Krankenschwester hat jedoch nicht nur ein Ohr für ältere Semester. Bei ihr am Tisch saß auch schon ein Ehepaar, das eigentlich hinten und vorne nicht so richtig wusste, wie es weitergehen sollte. Seelische Probleme, Arbeitslosigkeit, zig Schreiben von Ämtern – das alles wuchs den Mittvierzigern, die sich abgekapselt hatten, über den Kopf. Estella Ehrich-Schmöller half und versuchte zudem, dass der Mann ­wieder Fuß fasst. Heute erledigt er bei einem Senior, der an Krücken geht und dessen Söhne wegge­zogen sind, Arbeiten im Garten. „Ich habe das vermittelt und den Kontakt hergestellt – es ist erst mal ein Anfang, sich wieder an Aufgaben heranzuwagen“, freut sich die Dorfkümmerin. „Das bringt beiden Seiten etwas.“ 

Sie kennt viele Leute in den Orten und weiß inzwischen, wo Hilfe notwendig ist. Wenn Senioren nicht zu ihr kommen, dann fährt sie auch zu Hausbesuchen und schaut nach dem Rechten. Ab und an misst sie zudem hier und da den Blutdruck. „Das darf ja jeder machen heutzutage“, sagt sie – und könnte als ehemalige Krankenschwester noch mehr für die älteren Menschen tun, doch als medizinisches Personal ist sie nicht angestellt. Und deshalb gibt es Grenzen in ihrer täglichen Arbeit, die sie einhalten muss. Zu tun gibt es dennoch genug. 

Dörfer brauchen nicht nur Geld für Wegebau 

Die couragierte Frau ist in den sechs Orten im Auftrag der Stiftung Landleben unterwegs, die es seit 2011 gibt und die in Kirchheilingen ihre Geschäftsstelle hat. „Es ist ein Pilotprojekt für ganz Thüringen“, sagt   Stiftungsvorsitzender Frank Baumgarten. Dennoch war es nicht einfach, das Ganze anzuschieben, denn Personal wurde bislang im Rahmen der Dorferneuerung so nicht gefördert. „Es kann aber nicht sein, dass es nur Geld gibt für Wegebau oder neue Fassaden – wir haben heute viele andere Sorgen auf dem Lande.“ Baumgarten, der zum Vorstand der ortsansässigen Agrargenossenschaft Kirchheilingen gehört, ließ jedoch nicht locker – und erreichte eine Förderung. Die Gelder für die Stelle werden zwar nicht direkt über Zuschüsse finanziert, sondern gehen erst einmal an die Stiftung, die wiederum als Dienstleister die Dorfkümmerin eingestellt hat. Befristet ist die Stelle bis zum Februar 2020. Doch daran mag derzeit erst mal keiner denken. Froh ist man, dass die Arbeit gut angelaufen ist. An den Plänen für die Zukunft wird aber bereits kräftig gearbeitet.  

Nicht auf staatliche Regelungen warten 

Wenn die Dorfkümmerin in ihren Sprechstunden Fahrtermine zum Arzt, zur Physiotherapie oder zum Wochenmarkt nach Bad Langensalza koordiniert, dann kann sie auf das – wie es offiziell heißt – „Mobilitätsangebot“ des Vereins „Landengel“ zurückgreifen. Es ist das jüngste Projekt der Stiftung Landleben, die seit Jahren immer wieder nach neuen Wegen sucht, um das Dorfleben wachzuhalten. „Dass dies alles von staatlicher Seite geregelt wird, darauf brauchen wir nicht zu warten“, weiß Baumgarten. Ein Kleinbus, den sechs ehrenamtliche Fahrer im Rentenalter steuern, wurde deshalb für die Vereinsarbeit angeschafft und bringt die Senioren von A nach B. Rund 160 Mitglieder hat der Verein derzeit, die einen   Mitgliedsbeitrag von zwölf Euro im Jahr zahlen. „Es ist erst einmal ein Anfang“, sagt der Stiftungsvorsitzende und geht davon aus, dass sich das alles weiter etabliert und Akzeptanz findet. „In drei, vier Jahren könnte es die Bereitschaft geben, durchaus auch diesen Beitrag im Monat zu zahlen – so viel dürfte vielen das Angebot wert sein.“  

Wir wollen organisieren, was fehlt 

Baumgarten weiß aber auch, dass es nicht nur Befürworter gibt. „Wir wollen keine Konkurrenz zu anderen Anbietern schaffen, sondern nur das organisieren, was bei uns fehlt.“ Mit den öffentlichen Linien, die nur zu bestimmten Zeiten und nicht vor der Haustüre fahren, ­kämen die Senioren schließlich nicht zum Arzt und wieder retour. Nachgedacht wird auch, wie man das „Landengel“-Projekt auf rechtlich sichere Füße stellen kann. „Ob Genossenschaft oder gemeinnützige GmbH – wir prüfen das alles derzeit“, sagt Christopher Kaufmann – er ist  Projektleiter bei der Stiftung Landleben. Als er begann, ging es zunächst erst einmal um eine Bestandsaufnahme. Er nahm zu Interviews auf der Couch in den Wohnzimmern der Leute Platz, was der Gesprächstour den Beinamen „Sofastudie“ einbrachte. Kaufmann befragte vor vier Jahren alle über 60-Jährigen in den sechs Dörfern danach, was wichtig für sie sei. Es ging um Mobilität, Lebenshilfe, Beratung, medi­zinische Grundversorgung und eben Daseinsvorsorge insgesamt – viel Handlungsbedarf also. „Wir müssen uns selbst Strukturen auf dem Land schaffen, die zukunftsfähig sind“, sagt er.   

„Wir wussten also nach der Umfrage, was gebraucht wird, und machen uns seitdem auf den Weg, Partner zu suchen“, erklärt Stiftungsvorsitzender Frank Baumgarten. Vom Zahnarzt über den Apotheker bis hin zu Hebammen oder Friseur sowie dem eigenen Agrarbetrieb sind 16 Mitstreiter schon im Boot – und es sollen noch mehr werden. „Es muss doch möglich sein, all das, was Menschen mit Betreuungsbedarf brauchen, zusammenzubringen.“ Er weiß aber auch, dass Ärzte soundso viele Patienten im Quartal brauchen, damit es sich rechnet – bei der Friseurin ist das nicht anders. „Wir wollen den Versuch starten, die kleinstmögliche Einheit zu finden, wo alles noch funktionieren könnte“, lautet Baum­gartens Anspruch, der sich selbst „eine gewisse Sturheit“ bescheinigt, wenn es um neue Pfade geht. „Wir können nicht so weitermachen wie bisher.“ Wenn er am Morgen durch seinen Heimatort Kirchheilingen fährt, begegnen ihm vier verschiedene Pflegedienste. Jeder hat schließlich die freie Wahl bei der Suche nach einem Anbieter. „Das ist an sich auch okay, doch das macht die Sache natürlich auch teurer, die Kosten gehen immer mehr nach oben – wäre ein Pflegedienst in einem Ort, könnte effektiver ge­arbeitet werden.“ Ginge es nach ihm, müsste die Gemeindeschwester neu erfunden werden.  

Gesundheitskioske für die Dörfer 

Doch mit einer Kopie von damals ist es vielleicht heute auch nicht mehr getan. Die Stiftung hat neue, kühne Pläne, die sogar ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Thüringen sind. In den sechs Dörfern, um die sich die Stiftung kümmert, sollen kleine Gesundheitskioske entstehen. „Möglichst zentral an der Bushaltestelle“, sagt Baumgarten. Hier soll die Dorfkümmerin künftig ihre Sprechstunden abhalten, aber auch der Arzt wird zu festen Zeiten vorbeikommen. Das Wartezimmer kann zudem als Treffpunkt am Nachmittag für gesellige Runden genutzt werden. Angedacht ist solch ein Gesundheitskiosk für fünf Orte. In Kirchheilingen, dem größten Dorf, soll das Landambulatorium mit Arzt erhalten und mit Physiotherapie sowie Friseur ausgebaut werden. Ein Ideenwettbewerb wird alsbald starten.  

Kirchheilingen bringt es allerdings auch gerade mal auf nur rund 800 Einwohner. Recht wenig, um all diese Angebote ohne Weiteres vorhalten zu können. Dass hier jedoch viel geht, hat man in den letzten Jahren schon mehrfach bewiesen. Einen Kindergarten gibt es noch am Ort. 2011 wurde die Grundschule geschlossen – und drei Jahre später mit Unterstützung der Stiftung mit einem freien Träger wieder eröffnet. „Wir haben mit zehn Kindern begonnen und waren die kleinste Schule Thüringens“, sagt Baumgarten. Inzwischen könnte er sich auch gut eine Gemeinschaftsschule vorstellen, in der die Kinder und Jugendlichen auch über die vierte Klasse hinaus länger gemeinsam lernen. Ein Topschwimmbad gibt es außerdem noch im Dorf, in das sogar viele Badegäste aus der Kurstadt Bad Langensalza kommen.  

Angefangen hatte die Arbeit ­der Stiftung, in die zu Beginn die ­Gemeinden als Grundvermögen Ländereien und Häuser einbrachten, mit einem anderen Projekt. Doch auch da ging es natürlich darum, das Landleben am Leben zu halten. Die Stiftung baute acht barrierefreie Bungalows  mit Satteldach – Einfamilienhäuser im Kleinformat. Für ältere Menschen, die gerne im Dorf bleiben wollten, aber ihr Haus alleine nicht mehr bewirtschaften konnten, gab es so eine Alternative. Die Idee dahinter war, dass die Alten weiter zur Gemeinschaft gehörten, ihre Bauernhäuser aber für Jüngere bereit- stellten, die wiederum ortsansässig bleiben konnten. So wollte man Alt und Jung im Dorf halten.

„Dieser Häusertausch funktionierte aber nicht durchweg“, sagt Baumgarten. Dennoch sind die acht Bungalows vermietet. Heute wohnen in den kleinen Häuschen auch ältere Menschen, die von auswärts in die Nähe ihrer Kinder gezogen sind. „Diese Klientel hatten wir am Anfang gar nicht auf dem Schirm.“  Darüber hinaus hat die Stiftung weiteren Wohnraum geschaffen, um junge Leute am Ort zu halten. Die ehemalige alte Schule in Kirchheilingen brachte die Kommune in die Stiftung ein. Das Gebäude von 1834 ist inzwischen saniert und bietet zwei moderne Wohnungen mit jeweils 90 Quadratmetern. Über Bank und Förderung wurde alles finanziert, mit den Mieten wird der Kredit abgezahlt. „Es ist wichtig, auch auf dem Dorf Mietwohnungen für junge Paare zu haben, die zu Hause ausziehen und für sich sein wollen – ansonsten wandern sie in die Stadt ab.“ Zwei weitere neue Bungalows sind noch geplant. „Vielleicht muss man aber auch hier noch andere Wege gehen und Neues probieren“, ist Baumgarten überzeugt. Von der Bauart her sei heute ­leider nicht alles förderwürdig. „Das muss ebenso auf den Prüfstand. Früher haben die Menschen in Höhlen gelebt – wenn man immer am Alten festgehalten hätte, wären wir heute noch dort untergebracht.“  

Das Leben auf dem Land muss weitergehen 

Der Landwirt, der heute in einem Unternehmen mit 3.400 Hektar Fläche sowie Milchkühen, Schafen und Schweinen in Verantwortung steht, will „nichts Unmögliches“. Aber das Leben auf dem Lande müsse weitergehen, sagt Baumgarten, der hier in Kirchheilingen  auf eine schöne Kindheit und Jugend zurückblickt.

„Wir müssen uns nicht am Stammtisch über irgendwelche Dinge, die wir nicht beeinflussen können, aufregen. Hier aber kann jeder etwas tun.“  

Die Genossenschaft führt in Kirchheilingen eine Landfleischerei, in der man nicht nur Fleisch und frische Wurst kaufen kann, sondern wochentags auch eine Tasse Kaffee und Mittagstisch bekommt – ein Treffpunkt also. Darüber hinaus gibt es vieles für den täglichen Bedarf, denn einen Supermarkt hat der Ort nicht. Neu ist die Landfactur des Betriebes, die für heimische Genüsse produziert – vom Wein über Säfte und Öle bis hin zu selbst gebackenen Plätzchen. Einmal im Monat treffen sich hier auch die Mitglieder des Vereins „Landengel“ zum Kaffeeklatsch. Die Landfactur ist offiziell zudem ein Lernort – Grund- und Förderschüler kommen gerne hierher. Baumgarten ist überzeugt, dass dies alles dem Landleben guttut und der langfristige Trend weg von den großen Metropolen geht. „Die Menschen werden irgendwann wieder Sehnsucht haben nach Einfachheit, Gemeinschaft, Natur und Nähe.“ 

Ein Dorf in Thüringen feiert den Kürbis

Windräder: Wer bezahlt den Rückbau?

Was passiert mit Windrädern oder Photovoltaikanlagen, wenn plötzlich der Betreiber insolvent ist? Für die ersten wird diese Frage im kommenden Jahr aktuell, denn dann sind mit dem Ende der EEG-Förderung viele Anlagen möglicherweise nicht mehr rentabel. 

Von Anette Weingärtner, Berlin

Das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (kurz: Erneuerbare-Energien-Gesetz oder EEG) trat am 1. April 2000 in Kraft. Nun, 20 Jahre später, läuft im kommenden Jahr die EEG-Förderung für Tausende Windräder aus, die damals ans Netz gingen. Für die Betreiber bedeutet dies, dass sie dann ihren Windstrom auf dem freien Markt anbieten müssen. Dort sind die Preise jedoch schlecht, sodass die finanziellen Erträge in vielen Fällen den Weiterbetrieb der Anlagen wahrscheinlich nicht decken werden.  

Ein weiterer Punkt, der noch hinzukommt, sind steigende Wartungskosten. Nach 20 Jahren Betrieb ist manche Komponente überaltert, und bei einigen Anlagen werden nun kostspielige Reparaturen notwendig. Insgesamt sind 2020 5.700 Anlagen mit einer gesamten installierten Leistung von 4.500 Megawatt (MW) betroffen. In den folgenden Jahren werden es schätzungsweise 2.000 bis 3.000 MW sein, für die die staatliche Förderung wegfällt. Schätzungen des Bundesverbandes Windenergie zufolge, werden bis zum Jahr 2023 14.000 MW installierter Leistung, das sind mehr als ein Viertel der deutschen Windkapazität, die Förderung verlieren. Wie viele Anlagen tatsächlich stillgelegt werden, ist abhängig vom künftigen Strompreis.  

Dieses zukünftige Szenario betrifft Windenergieanlagen in Gesamtdeutschland. Jedoch auch in regionalen Gebieten stellt sich jetzt schon die Frage, was mit einer Anlage passiert, wenn der Betreiber von Insolvenz betroffen ist. 

Wohin mit den alten Windrädern? 

Zwar lassen sich heute noch alte Anlagen mit Gewinn in andere Regionen, wie Osteuropa, Russland oder Nordafrika, zum Weiterbetrieb verkaufen. Aber das Angebot an gut erhaltenen Altanlagen steigt kontinuierlich, sodass es die Nachfrage wohl bald decken oder gar übertreffen wird. Dann bleibt nur noch ein kostspieliger Rückbau der Anlagen übrig. Dem Bundesverband Windenergie zufolge muss mit Kosten von 30.000 €/MW installierter Leistung gerechnet werden. Nach dieser Rechnung würde für eine große Turbine schnell ein sechsstelliger Betrag anfallen. 

Hinzu kommt, dass es mit der Demontage des Windrades nicht getan ist. Nach dem deutschen Baugesetz müssen Windenergieanlagen vollständig rückgebaut werden – dies umfasst auch den Rückbau der riesigen Fundamente, der Kabel, Trafostationen sowie alle Zuwegungen und Bodenversiegelungen. Abgetragen werden muss demnach auch der Sockel, welcher das Fundament der Anlage bildet. Bei einer großen Anlage kann dieser Sockel oft mehr als 3.000 t Stahlbeton ausmachen und mehr als 20 m tief in die Erde reichen. Eine vollständige Abtragung des Sockels kann schnell Kosten von mehreren 100.000 € verursachen. Das alles sind Kosten, auf die viele Betreiber, zu denen auch Gemeinden zählen, nicht vorbereitet sind. In der jüngeren Vergangenheit kam es bereits vor, dass die Windkraftbetreiber dafür keine ausreichenden Rücklagen gebildet hatten. Als Folge konnten die gesetzlichen Rückbauregelungen nicht umgesetzt werden. An etlichen ehemaligen Windkraftstandorten einigten sich Betreiber und Landbesitzer deshalb darauf, dass nur die obersten zwei bis drei Meter des Sockels abgetragen werden – vermutlich gegen Ausrichtung einer Abgeltung. 

Wenn die Rücklagen nicht ausreichen 

„Sofern die Betreiber der Windanlage über Jahrzehnte Rücklagen gebildet haben, kommen auf sie zwar hohe Kosten zu, aber sie wären gedeckt“, sagt Mario Burda, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen. Doch wenn die Rück­lagen nicht ausreichen, würden sich die Behörden an die Betreiber der Anlagen wenden. „Falls der Betreiber nach Nutzungsaufgabe der Anlage jedoch nicht über ausreichende Mittel für den Rückbau verfügt, wird die Bauaufsichtsbehörde als Ersatzvornahme auf die Sicherheitsleistung zurückgreifen. Diese besteht im Regelfall aus der selbstschuldnerischen Bürgschaft des Betreibers bei einer Bank“, erläutert er. Da der Betreiber indes in den meisten Fällen eine Kommanditgesellschaft ist, haften andernfalls die Kommanditen mit ihrem Privatvermögen. Ein nicht ganz uninteressanter Aspekt auch in Sachen Bürgerwindanlagen. 

Mit der Demontage eines Windrades ist es bei eine Insolvenz nicht getan. ©Heinrich Linse/Pixelio.de

„Viele Investoren haben keine Rückstellungen gebildet“, sagt Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtierstiftung. Er ist sich sicher, dass in Berlin die Lobbyisten bereits daran arbeiten, dass sich auch bei der Entsorgung der Windräder am Ende die Allgemeinheit an den Kosten beteiligen wird.  

Solaranlagen meist ohne Sicherheiten 

Während Windenergieanlagen genehmigungsbedürftige Anlagen nach dem Bundesemissionsschutzgesetz (BImschG) sind, die als sogenannte privilegierte Anlagen nur im Außenbereich zulässig sind, trifft dies auf Photovoltaikanlagen nicht zu. „Für die Genehmigung einer PV-Anlage sind regelmäßig keine Sicherheiten für die Rückbaukosten zu leisten. Auch wird die PV-Anlage regelmäßig nicht Teil des Grundstücks, auf dem sie errichtet wird“, erklärt Rechtsanwalt Sebastian Lange, Inhaber einer in Potsdam ansässigen, aber bundesweit tätigen Projektkanzlei. Die Betreiber von Solaranlagen verfügten allerdings für gewöhnlich über eine grundbuchrechtliche Absicherung, durch die der Betrieb der Anlage unabhängig vom Eigentum an der Anlage und vom Eigentum am Grundstück gesichert sei.  

Im Falle einer Insolvenz des Betreibers gehöre die PV-Anlage zur Insolvenzmasse, und der Insol­venzverwalter müsse sich um sie kümmern. Der Landwirt als Verpächter des Daches, auf dem die Anlage montiert worden ist, könne in diesem Fall nicht ohne Weiteres verlangen, dass die PV-Anlage von seinem Dach entfernt wird. „Das hängt vielmehr vom jeweiligen Pachtvertrag ab. Dieser enthält in der Regel eine Klausel zur Frage, wann und unter welchen Bedingungen der Vertrag gekündigt werden kann“, erläutert Lange. Theoretisch bestehe das Risiko, dass der Landwirt als Eigentümer des Hauses am Ende auch die Kosten der Demontage tragen müsse, denn wenn kein Geld mehr vorhanden sei, könne die Demontage auch nicht bezahlt werden. „Ein vernünftiger Insolvenzverwalter lässt es jedoch dazu nicht kommen. Für ihn ist die Anlage Vermögen, das er relativ leicht verkaufen und mit dem er Einnahmen erzielen kann“, sagt Lange. Denkbar wäre, dass der Landwirt selbst die PV-Anlage zum Restbuchwert übernimmt. „So günstig bekommt er eine solche Anlage wahrscheinlich nie wieder“, ergänzt er. 

Am besten einen Nachfolger finden 

Auch Susanne Jung, Leiterin der Bundesgeschäftsstelle beim Solarenergie-Förderverein Deutschland, hält im Falle einer Insolvenz des Betreibers den Verkauf der Anlage an einen neuen Betreiber für die beste Lösung. „Jeder Um- und Abbau einer Anlage ist mit Kosten verbunden. Das Problem ist jedoch, dass der Betreiber, der auch für den Auf- und Abbau der Anlage verantwortlich ist, in diesem Fall kein Geld mehr hat“, sagt sie. Eine Anlage solle nur dann entfernt werden, wenn sich tatsächlich kein neuer Anlagenbetreiber findet oder sie zum Beispiel aufgrund eines technischen Defekts eine Gefahr darstellt. 

Der neue Betreiber könne die gleiche Einspeisevergütung, welche sich nach der Erstinbetriebnahme der Anlage richte, wie der vorherige Betreiber beanspruchen. Hierzu müsse er beim örtlichen Netzbetreiber den Betreiberwechsel melden und seine persönlichen Bankdaten hinterlegen. Zusätzlich sei er verpflichtet, die Daten im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur ändern zu lassen. 

TZG Ernstroda: Ein Fest für Genießer

TZG Ernstroda lud zum Schlachtfest ein und lockte Familien mit viel Unterhaltung und kulinarischen Köstlichkeiten ein.

Von Frank Hartmann

Nicht nur auf dem Feld, auch bei der Vermarktung spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Blauer Himmel lockte am Samstag voriger Woche gut 1.500 Menschen zum Bauernmarkt nach Ernstroda. Für das Schlachtfest, das die TZG in jedem Herbst als Absatz- und Imageveranstaltung konzipiert, verließ man sich aber nicht allein auf das Wetter. „Wir haben ein Marketingbüro beauftragt, was seine Wirkung nicht verfehlt hat“, so Geschäftsführerin Simone Hartmann. Dies betraf das Werben im Vorfeld als auch den Kontakt zu regionalen Medien. Am Montag dieser Woche berichtete die Lokalzeitung nahezu ganzseitig über das Fest und die Direktvermarktung der TZG. Ein Team vom Regionalfernsehen drehte einen Beitrag.  

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Jürgen Rohmann, erfahrener Fleischermeister der TZG, beim Zerlegen von Schweinehälften. ©Frank Hartmann

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Keine Pause für Fleischermeister Ingolf Eis. ©Frank Hartmannolf Eis.

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Fleischermeister Marcel Müller grillt Edelstücke vom Rind auf einer pfiffigen Grilltonne. ©Frank Hartmann

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Mutprobe, die die beiden nicht gleich vergessen werden: Der zweieinhalb Jahre alte Weideochse ist eine Kreuzung aus Schwarzbunt und Wagyu. ©Frank Hartmann

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Die Büffel kommen in der TZG für die Landschaftspflege zum Einsatz. ©Frank Hartmann

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Die Kollegen vom Ziegenried ergänzten das Marktangebot: Friederike Goertz arbeitet dort in der Schafskäserei. ©Frank Hartmann

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Kartoffeln bot die Agrar eG Goldbach direkt vom Hänger mit an. ©Frank Harrmann

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Thüringer Äpfel fehlten nicht auf dem Herbstmarkt. ©Frank Hartmann

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Traktorfahren für Kinder: sie liegen ihren Eltern hoffentlich noch lange in Ohren, wie schön es in Ernstroda war. ©Frank Hartmann

Mit dem Schlachtfest habe die TZG freilich etwas etabliert, das man nur noch selten findet: warmes Schnitzfleisch. Nach Wellfleisch, gekochter Leber und gekochten Nieren, verkauft in kleinen Eimern samt Brühe, stehen die Menschen Schlange. „Viele kennen es noch vom eigenen Hausschlachten, was ja heute so gut wie Geschichte ist“, so die TZG-Geschäftsführerin. Zudem können die Besucher beim Zerlegen von Schweinehälften zusehen. Alles, bis auf die Keulen, findet beim Schlachtfest  sofort seine Abnehmer. Daneben gingen in den sieben Stunden fast 1.000 Bratwürste vom Rost weg. 

Käse und Kartoffeln 

Auch im Bauernmarkt und am Verkaufswagen lief es bestens. Ergänzt wurde das Angebot unter anderem um Schafskäseprodukte der Kollegen vom Ziegenried und Kartoffeln, die die Agrar eG Goldbach direkt vom Lkw verkaufte. 

Höhepunkt im Dorfleben 

Naben dem Feuerwehrfest zählt das Herbstfest, das auch ein Pendant im Frühjahr hat, zu den Höhepunkten im Dorfleben. So bekommen Bogenschützen- und Trachtenverein oder die Feuerwehr ihre Bühne. Und Kinder, die Traktorfahren, im Stroh toben, Ochsen, Büffel und Kälber streicheln, würden Ernstroda nicht so schnell vergessen.

Verfahren gegen Schweinehalter eingestellt

Nach mehr als fünf Jahren stellt die Staatsanwaltschaft Gera ihr Ermittlungsverfahren gegen die Gut Thiemendorf GmbH & Co. KG ein. Damit findet in Thüringen ein in Umfang und Intensität einmaliges Verfahren gegen einen Schweinehaltungsbetrieb sein Ende. Dem gingen TV-Magazinberichte, von Hubschraubern begleitete „Razzien“ des Landeskriminalamtes und Hausdurchsuchungen bei Amtsveterinären voraus.

von Frank Hartmann

Illegale Aufnahmen

Am Anfang, im November 2013, standen illegale Videoaufnahmen des Vereins „Animal Rights Watch“ (Ariwa), die Tierschutzverstöße in der mit 9.000 Sauen größten Zuchtanlage Thüringens belegen sollten. Der zentrale Vorwurf lautete, dass Sauen nicht in Gruppen sowie teilweise zu lange und in zu schmalen Kastenständen untergebracht werden. Wenige Tage zuvor hatte der Betrieb noch sein regelmäßiges QS-Audit erfolgreich absolviert.

Verstöße festgestellt

Kontrollen der regionalen Amtsveterinäre bestätigten die genannten Verstöße gegen die Nutztierhaltungsverordnung und weitere Ordnungswidrigkeiten. Es erfolgte ein Cross-Check. Bußgelder wurden verhängt und Auflagen erteilt. Diese wurden in den Folgemonaten, unter permanenter Kontrolle der Veterinäre, vom Betrieb abgearbeitet. Das für den Tierschutz zuständige Thüringer Sozialministerium und die obere Veterinärbehörde, das Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza, entschieden zudem, „den Verdacht des Vorliegens einer Straftat an die Staatsanwaltschaft zu übermitteln“.

Zweimal Razzia

Mitte Juli 2014 rückten Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt (LKA), Kriminal- und Bereitschaftspolizei, begleitet von bayrischen und niedersächsischen Tierärzten sowie einem Hubschrauber zu einer zweitägigen Durchsuchung der kompletten Schweinezuchtanlage an. Im März 2015 erfolgte eine zweite „Razzia“, die Betriebsteile wie die Ferkelaufzucht und die Mast an anderen Orten einschloss. Hier lauteten die Vorwürfe u. a. unsachgemäßes Töten von Ferkeln und Verstöße gegen das Arzneimittelrecht. Im Zuge der Ermittlungen fanden auch Durchsuchungen in den Privatwohnungen von Amtsveterinären statt. Bis Anfang dieses Jahres zogen sich die Ermittlungen hin. Es wurden mehrere Gutachten in Auftrag gegeben. Das Landeskriminalamt reiste bis nach Dänemark, um ehemalige Mitarbeiter der Schweinezuchtanlage zu verhören.

Schuldvorwurf gering

Auf Anfrage der Bauernzeitung begründete die Geraer Strafverfolgungsbehörde die Verfahrenseinstellung zum einen mit „der den Beschuldigten nicht anzulastenden überlangen Verfahrensdauer“, und zum anderen, weil „nach Abschluss der Ermittlungen (der) verbleibende Schuldvorwurf verhältnismäßig gering“ sei. Nicht zuletzt verzichte die Staatsanwaltschaft auf die Erhebung der öffentlichen Klage, weil „aufgrund der Komplexität des Verfahrens mitsamt seiner rechtlichen und tatsächlichen Schwierigkeiten mit einer zeitnahen Urteilsfindung nicht zu rechnen“ sei. Sowohl das zuständige Amtsgericht als auch die Veterinärbehörde trügen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft mit, gegen „Zahlung einer Geldauflage“ durch die drei Gesellschafter die Akten zu schließen. Und das sind gut 20 prall gefüllte Leitzordner.

Schweine unerwünscht?

Streifenweise E-Weizen

Momentan wird bei Hildebrandts in Letschin jeder Plan fünfmal am Tag geändert – je nachdem, ob es regnet oder nicht. Gerade wurden die Sonnenblumen geerntet und brachten mit 45 dt/ha die beste Sonnenblumenernte in der Betriebsgeschichte: Licht-blick in einem mageren Jahr.

Von Heike Mildner

Auf diesem Schlag ist Roggen gedrillt worden, Weizen und Gerste stehen noch an. Volles Programm im Familienbetrieb, und Maximilian Hildebrandt (22) fügt seinem Agrarwirtschaftsstudium in Neubrandenburg eine Extraportion Praxis hinzu und hilft seinem Vater bei Ernte und Aussaat.  

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Maximilian Hildebrandt bei der Getreideaussaat. ©Heike Mildner

Auf den 47 ha, die er bei unserer Stippvisite am Donnerstagnachmittag vergangener Woche beackert, standen noch bis Mitte Juli Futtererbsen. Der Aufwuchs der Ausfallerbsen hat den Boden auf natürliche und erlaubte Weise mit etwas Stickstoff angereichert. Die notwendige Portion Glyphosat sorgte für das Absterben u. a. von Vogel- und Windknöterich. Heute wird mit der Claydon Strip-Till-Sä-maschine auf diesem Schlag Weizen gedrillt. Die Hildebrandts haben sich für eine Mischung aus zwei Dritteln ’Ponticus‘ und einem Drittel ’Messino‘ entschieden. Beides sind E-Weizen, letzterer ein Grannenweizen, der etwas höher wächst als der ’Ponticus‘ und fliegende Schädlinge wie Läuse abfängt, erläutert Maximilian. Der Schlag liegt bei Genschmar in Odernähe und wird gern von Wildschweinen besucht. „Die fressen Grannenweizen aber nicht gern und meiden ihn, wenn sie können“, hat er beobachtet. Ob der Plan aufgeht, wird man nächstes Jahr sehen.  

Heute werden erstmal 300 Körner pro Quadratmeter in den Boden gebracht. Zur handelsüblichen Saatgutbeize kam die Hildebrandtsche Mischung aus luftstickstoffbindenden Bakterien, Milchsäurebakterien, Netzschwefel. Gestern hat Klaus Hildebrandt auf dem Schlag Mikronährstoffe und Bakterien gespritzt, um die Strohrotte zu fördern. Über Nacht hat es geregnet, am Vormittag war das Feld noch zu nass, jetzt ist die Sonne raus und trocknet den Boden ab: Es kann gedrillt werden. 

„Das ist wie eine Enteignung“

Maximiliam Hildebrandt

In je 33 cm Abstand wird ein schmaler Bodenstreifen mit Scheibenseche und Lockerungsscharen bearbeitet und das Saatgut streifenweise in den Boden gebracht. Auf diese bodenschonende und wassersparende Weise zu ackern, wie die Hildebrandts es seit einigen Jahren tun, wird auf diesem Schlag allerdings nach der neuen Düngeverordnung nicht mehr möglich sein. Wir befinden uns im Vogelschutzgebiet: Weder Herbizide noch Insektizide werden hier künftig erlaubt sein. „Das ist wie eine Enteignung“, sagt Maximilian. „Wir könnten hier nur noch Bio machen, aber der Markt ist gesättigt.“ Überm Feld fliegen ein paar Gänse. Auch die werden zum Problem, wenn der Weizen aufgelaufen ist und von ihnen als Herbstmahlzeit identifiziert wurde. 500–550 ährentragende Halme auf dem Quadratmeter sollten am Ende schon stehenbleiben.

Am Rande erfahren wir: Saatgänse dürfen laut neuer Brandenburgischer Jagddurchführungs-verordnung nicht mehr bejagt werden. „Warum, weiß kein Mensch, selten sind sie jedenfalls nicht“, sagt Maximilian, steigt auf den Schlepper und macht weiter. In der Regel wird die Saat in ein bis zwei Tagen angewalzt, wenn es nicht zu nass wird. Eigentlich kommt der Regen ein bisschen zu früh, aber Hildebrandts freuen sich trotzdem über jeden Tropfen.

Dank Regen wieder Raps im Anbau

Endlich Regen in Köllitsch: Mehr als 20 Millimeter auf die Flächen des sächsischen Lehr- und Versuchsgutes. Für die Aussaat des Rapses war alles schon vorbereitet – endlich konnte es losgehen.

Von Karsten Bär

Auf diesen Regen hat man in Köllitsch sehnlichst gewartet: Mehr als 20 Millimeter kamen am 9. September vom Himmel. Die Niederschlagsprognose vor Augen hatte das Lehr- und Versuchsgut (LVG) tags zuvor die Rapsaussaat vorgenommen. „Wir haben lange gezögert“, sagt Feldbaukoordinator Nico Wolf. Vorbereitet hatte man alles, den Boden bearbeitet, Gülle ausgebracht, das Saatbeet bereitet.

Doch  in den trockenen Boden aussäen und dann vergeblich auf Wasser hoffen, das wollte man nicht. Die Entscheidung im Vorjahr, wegen der auch im August und September anhaltenden Trockenheit auf die Rapsaussaat zu verzichten, sei richtig gewesen, sind sich Nico Wolf und Betriebsleiter Ondrej Kunze einig. Andere Betriebe seien damals das Risiko eingegangen – und mussten viele Flächen wieder umbrechen, weil die Saat kaum aufging. 

Rapsfelder als Versuchsflächen

Die ersten 26 von 83 ha Raps hatte der Betrieb vor dem Regen aussäen können, zum Teil in Einzelkornablage mit 45 cm Reihenabstand und 35 Körnern/m2, zum Teil in Drillsaat mit 55 Körner/m2.  Einige Hektar konnten noch nach dem Regen mit Raps bestellt werden. Auf einigen Rapsschlägen sind in diesem Jahr Versuche des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) geplant, unter anderem zur mechanischen Unkrautbekämpfung und zum Einsatz von Dropleg-Düsen beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln.  

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Die Maisernte ist abgeschlossen und brachte in Anbetracht der erneuten Dürre noch zufriedenstellende Ergebnisse. ©Karsten Bär

Gehäckselt und siliert ist inzwischen auch der Mais. Normalerweise werden vom LVG zwischen 100 und 120 ha Mais angebaut. Doch nach der Dürre im Vorjahr und dem anschließenden Futtermangel hatte man sich im LVG dazu entschieden, die Anbaufläche auszuweiten, um Reserven zu haben. „Manchmal reichen 45 ha aus, um unseren Bedarf zu decken“, erklärt Betriebsleiter Kunze. „Im letzten Jahr waren 100 ha kaum genug.“ Auf 160 ha wuchs die Anbaufläche in diesem Jahr an  – was allerdings auch mit dem Verzicht auf die Rapsaussaat im vergangenen Herbst zusammenhing. Denn viele Alternativen blieben für die bereits mit Gülle gedüngten Flächen angesichts der schärferen Vorgaben der Düngeverordnung nicht. Als Alternativen wurden Zwischenfrüchte, Wintergerste und eben Mais ausgesät. 

Altbewährte Maissorten sichern den Ertrag 

Mit dem Maisertrag sind Kunze und Wolf trotz der erneuten Dürre im Großen und Ganzen noch  zufrieden. Auf guten Schlägen habe man 25 bis 28 t Frischmasse ernten können, auf den schlechteren – meist jene, auf denen der Mais als Zweitfrucht stand – 10 bis 13 t/ha. „Aber das ist immer noch mehr, als im letzten Jahr!“, wie Ondrej Kunze betont. Vor allem die altbewährten Sorten hätten sich als Ertragsgaranten erwiesen, ergänzt Nico Wolf. Der Bedarf für das Milchvieh und für die Biogasanlage sei jedenfalls gedeckt. Einen Teil des Maises konnte man sogar direkt vom Feld an einen Nachbarbetrieb verkaufen. 

Fast abgeschlossen ist die Aussaat von Zwischenfrüchten, für die 120 ha eingeplant sind. Roggen, der als Grünroggen siliert werden soll, ist ebenfalls auf 48 ha gedrillt. „Der Roggen hat uns in diesem Frühjahr die Futterversorgung gerettet“, so der Betriebsleiter. 23 t/ha Frischmasse brachte er. Allerdings schnitt auf diesen Flächen der nachfolgende Zweitfruchtmais weniger gut ab. Begonnen worden ist zudem die Aussaat der Wintergerste, die auf 113 ha wächst und, wie Nico Wolf betont, nicht zu zeitig in den Boden soll, damit die Pflanzen nicht zu üppig in den Winter gehen. 

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