Gold- und Silberdörfer auf der Grünen Woche

Unser Dorf hat Zukunft: Mit Bollstedt im Unstrut-Hainich-Kreis und Waffenrod-Hinterrod im Kreis Hildburghausen wurden zwei Thüringer Gemeinden auf der IGW 2020 ausgezeichnet. 

Bollstedt zählt zu den acht „Golddörfern“ beim 26. Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Freitag der Vorwoche wurden die Sieger im Beisein von Bundesministerin Julia Klöckner auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin ausgezeichnet.

Einzigartig in Bollstedt, hieß es in der Begründung der Jury, sei das Haus der Vereine. Aus einer alten Gärtnerei hätten Schützenverein, Landschaftspflegevereine und die örtliche Agrargenossenschaft einen zentralen Treffpunkt für das Dorf entwickelt. Zudem ziehe die 1.000-Seelen-Gemeinde junge Familien an.

Bollstedt stellt sich im Video vor. © BMEL

Als zweites Thüringer Dorf hatte es Waffenrod-Hinterrod ins Bundesfinale geschafft und erhielt in Berlin eine Silbermedaille überreicht. Hier schlossen sich 2014 junge Familien zu einer Elterninitiative zusammen. Organsiert werden Freizeit- und Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche. Mit im Boot sind die vielen Ortsvereine.

Insgesamt 1.900 Dörfer aus 13 Bundesländern hatten sich an dem Bundeswettbewerb beteiligt. 30 schafften es ins Finale. fh


Bollstedt: Schaum schlagen war nicht nötig

Die Bauernzeitung war im Herbst 2019 in Bollstedt. Lesen Sie unsere Reportage kostenlos als PDF-Download.


Milchviehbestand stark rückläufig

In Mecklenburg-Vorpommern geht nicht nur die Zahl der milchviehhaltenden Betriebe zurück. Die Stimmung auf dem BDM-Milchbauerntag in Güstrow war im Keller.

Von Gerd Rinas

Seit September 2014 nahm die Zahl der leistungsgeprüften Milchviehbetriebe (MLP) in Mecklenburg-Vorpommern von 633 um 231 auf 402 ab. Die Zahl der MLP-Kühe im Zuchtgebiet der RinderAllianz in MV verringerte sich ebenfalls bis September 2019 um 25.822 (13,6 %). “Der Rückgang entspricht dem Milchkuhbestand des Osnabrücker Zuchtgebietes. Die Lage ist dramatisch”, sagte Dr. Sabine Krüger, Geschäftsführerin der RinderAllianz GmbH, am Montag auf dem 13. BDM-Milchbauerntag in Güstrow.

Milchpreise und Rahmenbedingungen sind Hauptursache

Ursache für den starken Bestandsverlust in der Milchviehhaltung sind  nach Einschätzung des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) schlechte Milchpreise und unzureichende Rahmenbedingungen. “Die Anforderungen steigen, aber der Milchpreis ist wie vor 50 Jahren. Das geht nicht”, kritisierte BDM-Landesteamleiter MV Christian Karp. “Wir sind bereit für mehr ökologische Leistungen. Die müssen aber bezahlt werden.” Ohne einen Ausgleich für immer höhere ökologische und soziale Standards hätten die Milchproduzenten in der EU im globalen Wettbewerb die schlechteren Karten. “Das muss die Politik regeln”, forderte Karp.

“Die Stimmung ist gekippt, die ganze Branche ist davon erfasst”, räumte Marion Lorz, Referatsleiterin im Schweriner Agrarministerium in Güstrow ein. Wurden im November 2019 im Bundesdurchschnitt 33,1 Cent/kg Milch gezahlt, waren es nach Lorz‘ Angaben in Mecklenburg-Vorpommern  31,8 Cent/kg. “Bundesweit ging der Preis um 1,8 % zurück – in MV um drei Prozent. “Die Spanne ist wieder größer geworden, das ist besonders negativ”, sagte Lorz.

Ministerium: weniger Forderungen, mehr Vorschläge

Andererseits ließen sich die aktuellen Probleme wie Klimawandel, nitratbelastetes Grundwasser und Insektenschwund nicht wegdiskutieren. Lorz forderte die Milchbauern auf, sich mit eigenen Vorschlägen in die Diskussion einzubringen. “Immer nur Forderungen zu stellen, die nicht mehrheitsfähig oder nicht hilfreich sind, nutzt nichts.”

Steffi Wille-Sonk von den European Dairy Farmers appellierte an die Milchbauern, trotz schlechter Preise, unzureichender Rahmenbedingungen und langer politischer Entscheidungswege aktiv zu bleiben und unternehmerisch zu handeln.

Bei ihrem Vergleich der Milchproduktion in der EU zeigte sich, dass die deutschen Produzenten zwar die meiste Milch liefern, Erzeuger in anderen EU-Ländern ihre Milch aber innovativer vermarkten. “Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was Sie und Ihren Betrieb in der Region unentbehrlich macht, was Sie besser können als andere?”, fragte Wille-Sonk in die Runde.

Milchproduktion: Wachstum kaum profitabel

Nach Daten  aus dem European Dairy Farmers-Betriebsnetzwerk ergab sich für das Wirtschaftsjahr 2017/18 bundesweit Vollkostendeckung bei einem Milchpreis von 32,7 Cent/kg ECM. Die Spannbreite bei den Betrieben sei enorm, führte Wille-Sonk aus. Es gebe Unternehmen, die auch bei einem Milchpreis von 21 Cent/kg ECM ihre Kosten deckten. Die Worte lösten bei vielen Besuchern des Milchbauerntages ungläubiges Kopfschütteln aus.

Tatsächlich gezahlt wurden bundesweit 2017/18 durchschnittlich 34 Cent/kg ECM plus 4,2 Cent/kg ECM öffentliche Unterstützung. Mit Blick auf die letzten zehn Jahre fiel auch das Urteil von Wille-Sonk ernüchternd aus: “Intensivierung und Wachstum in der Milchproduktion waren tendenziell wenig profitabel.” In Deutschland, Frankreich und Belgien wurden in der Milchproduktion die Vollkosten nicht gedeckt.

Rote Gebiete werden neu gemischt

Der EU-Kommission reichen die diskutierten Änderungen der Düngeverordnung noch immer nicht aus. Das teilten die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft den Länder in einer Telefonkonferenz mit.

Von Frank Hartmann

Brüssel verlangt weitere Verschärfungen bei der Düngeverordnung. Darüber informierte am Nachmittag Thüringens Agrarminister Benjamin-Immanuel Hoff. Die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft hätten den Ländern heute mitgeteilt, dass die bisher bekannten Änderungen der Düngungsregelungen immer noch nicht ausreichten, um dem EU-Recht zu genügen.

Mehr rote Messstellen erfassen

Danach sollen die Länder die erst im vorigen Jahr abgegrenzten roten Gebiete noch einmal neu ausweisen. Nach Informationen der Bauernzeitung moniert die Kommission, dass rund ein Drittel der bundesweit belasteten Nitratmessstellen außerhalb der roten Gebiete liegen würden. Gefordert wird, diese Areale ebenso als Überschussgebiete auszuweisen. Wie es hieß, wollen sich die Länder nun zügig auf ein einheitliches Vorgehen einigen. Favorisiert werde die messstellenscharfe Ausweisung, was dem Prinzip der Binnendifferenzierung folgen würde. 

Darüber hinaus will die EU-Kommission Ausnahmen bzw. Erleichterungen von den verschärften Regelungen in den roten Gebieten einschränken. Zudem fordert sie von Deutschland weitere Maßnahmen zur Minderung von Phosphoreinträgen. Bisher haben lediglich Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz Gebiete mit zu hoher Phosphatbelastung ausgewiesen.

Brüssel setzt Ultimatum

Mit einem Ultimatum zur Umsetzung der Forderungen erhöht Brüssel zudem den Druck auf den Bund und die Länder. Wie es hieß, verlangt Brüssel bis Anfang April die Bundesratsentscheidung zum neuen Düngerecht. Ob es Übergangsregeln geben muss oder wird, ist unklar.



Angesichts der neuen Forderungen aus Brüssel übte Thüringens Agrarminister Hoff scharfe Kritik am Bund: „Trotz Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof hat die Bundesregierung nicht ausreichend reagiert. Jetzt soll in aller Eile bis Mitte 2020 eine EU-rechtskonforme Düngeverordnung mit erheblichen Verschärfungen der Regelungen verabschiedet werden.“ Nicht zuletzt habe die Bundesregierung durch ihre „Verzögerungshaltung“ die Landwirte in eine extrem schwierige Situation gebracht. Jetzt setze die Bundesregierung „die Länder unter Druck und die Agrarbetriebe zahlen die Rechnung“, kritisierte Hoff.

Uni Rostock: Neuer Professor an Agrarfakultät

Dr. Sebastian Lakner tritt zum 1. Februar die Professur für Agrarökonomie an der Uni Rostock an. Er folgt auf Prof. Dr. Silke Hüttel. Sein Schwerpunkt ist auch der Ökolandbau.

Zum Professor für Agrarökonomie an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock ist Dr. Sebastian Lakner zum 1. Februar berufen worden. Der gebürtige Hesse erhielt am Donnerstag seine Ernennungsurkunde von Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftsministerin Bettina Martin.

Dr. Sebastian Lakner. © Universität Göttingen

Lakner studierte von 1997 bis 2002 Ökologische Landwirtschaft (Dipl. Ing.) an der Universität Kassel/Witzenhausen. Daran schloss sich ein Studium der Agrarwissenschaften (M. Sc.) an der Georg-August-Universität Göttingen und 2009 die Promotion in Agrarwissenschaften (Dr. sc. Agr.) am Lehrstuhl  für Agrarpolitik an. In seiner Dissertation verfasste Lakner eine Effizienzanalyse im ökologischen Landbau.

Zuletzt in Braunschweig geforscht

Von 2010 bis 2019 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter, zuletzt am Thünen-Institut für Ländliche Räume, Braunschweig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen ökonomische und ökologische Auswirkungen der Agrarumweltpolitik der EU (Greening, zweite Säule), die Nachhaltigkeit von Landnutzungssystemen sowie Ökonomik und Strukturwandel im Ökolandbau. Lakner tritt an der Universität Rostock die Nachfolge von Prof. Dr. Silke Hüttel an, die 2017 einem Ruf an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn folgte. Er ist 46 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. ri

Wertholzverkauf mit Top-Geboten

800 Festmeter Holz wurden auf dem Wertholztermin in Mecklenburg-Vorpommern versteigert. Das Höchstgebot lag bei über 1.000 Euro. Und es gabe eine neue Regelung.

Den Spitzenwert beim 29. Wertholztermin des Landes Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag in Malchin erzielte die Eiche mit 1.274 Euro pro Festmeter. Anbieter war ein Privatwaldbesitzer aus dem Bereich des Forstamtes Güstrow. Den Stamm ersteigerte ein Furnierkäufer aus Bayern, wie das Schweriner Agrarministerium mitteilte.

Wertholztermin: über 400.000 Euro Erlös

Bei dem Termin, der erstmals als Submission (Verkauf nach schriftlichem Meistgebot) durchgeführt wurde, kamen 800 Festmeter Wertholz von elf Baumarten unter den Hammer. Die Angebotsmenge konnte nahezu vollständig verkauft werden. Die beteiligten Waldbesitzer des Landes erzielten einen Erlös von ca. 440.000 Euro. Zuschläge erhielten 17 Unternehmen der Furnier- und Sägeindustrie sowie des Holzhandels aus dem gesamten Bundesgebiet. Bei der Wertholzauktion mit Anbietern und Bietern vor Ort in Linstow hatten im vergangenen Jahren nur zehn Unternehmen mitgeboten.

Eine Baumart besonders beliebt

Als Renner bei der diesjährigen Submission erwies sich wie im Vorjahr die Eiche. Der Durchschnittspreis der Eiche lag mit 648 Euro pro Festmeter zehn Prozent über dem Durchschnittspreis des Vorjahres. Der Durchschnittspreis über alle angebotenen Baumarten, darunter Bergahorn, Roterle und Vogelkirsche, ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 % auf 577 Euro pro Festmeter gestiegen. ri

Demos und Sacharbeit

Die Gruppe „Land schafft Verbindung“ in Thüringen versucht, sachliche Debatte und Traktordemos zu verbinden. Mark Heubach vom Orga-Team erläutert, warum das für eine Graswurzelbewegung gar nicht so leicht ist.

Von Frank Hartmann   

Dass die Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LsV) in relativ kurzer Zeit in nahezu allen Regionen Thüringens aktiv geworden ist, freut und erstaunt Mark Heubach (Heubach-Schröder KG, Elxleben) noch immer. Augenscheinlich beflügelte der Graswurzelgedanke, mitzumischen und seinen Problemen Ausdruck zu verleihen. Ganz „normale Landwirte“ machen mit und erheben ihre Stimme, sagt der Landwirt vom Thüringer Organisationsteam. Es gab und gibt in Thüringen weder einen LsV-Verein mit entsprechenden Regeln noch eine Legitimation für jene, die sich vorne mit ran gestellt haben. „Wir sind ganz einfach eine Interessengemeinschaft.“

unabhängig und erste erfolge

Landwirt Mark Heubach engagierte sich sowohl bei der Koordination von LsV-Thüringen für die Demo Ende November in Berlin, als auch vorige Woche vor dem Landtag in Erfurt. © Frank Hartmann

Gleichwohl es in den Social-Media-Foren unter den Teilnehmern kritische Stimmen zur Zusammenarbeit mit dem Thüringer Bauernverband (TBV) gebe, sei sich die Mehrheit darüber einig, dass es ohne diese lose Kooperation kaum laufen würde. Die Unabhängigkeit der LsV-Bewegung werde dadurch nicht infrage gestellt, stellt Heubach klar. Auch parteipolitisch bleibe man unabhängig.

Trotz der kurzen Zeit gibt es erste Erfolge und damit eingeforderte Gesprächsangebote. „Die Frage, wie es weiter gehen kann, gerade in der Sacharbeit, ist schwierig.“ Da sei zum einen die hohe Geschwindigkeit, mit der sich die Bewegung entwickelt. Zum anderen gebe es eben keine festen Strukturen. Wie zielorientierte Arbeitsgruppen auf Bundesebene etabliert werden könnten, darüber diskutieren die Landesteams.

Landwirte wollen Fachgruppen bilden

Unter den Thüringer Aktivisten fehle es nicht an fachlich „fitten“ Landwirten. „Wir wollen in Thüringen zunächst versuchen, eine ‚Task-Force‘ Düngung zu bilden“, erklärt der Landwirt. Diese erste Arbeitsgruppe will Daten beschaffen, um dann Stellung zur Düngeverordnung beziehen zu können. Ob und wann es gelingt, für weitere drängende Fachthemen wie den Pflanzenschutz arbeitsfähige Gruppen aus dem Kreis der Aktivisten heraus zu bilden, bleibe vorerst offen.

Heubach vergisst nicht zu erwähnen, dass das ehrenamtliche Engagement im Herbst und Winter zeitlich noch zu managen gewesen sei. Wenn jetzt die Saison auf den Feldern beginnt, wird es freilich wieder enger.

Grüne zuständig für Tierschutz

Zur Bildung der thüringischen Landesregierung ist der Streit um die Ressortverteilung beigelegt. Das Agrarministerium wird weiterhin von den Linken geführt. Dafür erhalten die Grünen die Verantwortung für den Verbraucherschutz.

Am späten Dienstagabend haben sich die rot-rot-grünen Parteienvertreter auf die Verteilung und den Zuschnitt der Thüringer Ministerien geeinigt. Danach verbleibt die Zuständigkeit für die Landwirtschaft bei den Linken. Die Grünen hatten Ansprüche auf das Agrarressort angemeldet, was zu Streit im Dreierbündnis geführt hatte.

Verbraucherschutz geht an die Grünen

Als Kompromiss wird der Verbraucherschutz aus dem Sozialministerium (Linke) herausgelöst und Teil des von den Grünen geführten Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz. Damit gehen nicht nur die Zuständigkeiten für den technischen Verbraucherschutz, sondern auch für die Lebensmittelüberwachung, den Tierschutz, Tierarzneimittel und den Tierseuchenschutz ans Umweltministerium. Ihm obliegt damit in Zukunft zudem die Fachaufsicht über die Veterinärämter der Landkreise.  

Rot-Rot-Grün beabsichtigt, die 2014 geschlossene Koalition in einer Minderheitsregierung fortzuführen. Anfang Februar will sich Ministerpräsident Bodo Ramelow im Landtag zur Wiederwahl stellen. fh 

Neues und Altes zugleich?

Innovationen im Agrarbereich, Regenerative Landwirtschaft, Biotech und neue Wertschöpfungsnetze: Die fünfte Auflage des Fachkongresses “Farm and Food 4.0” ist zuende. Die Zukunft fängt aber gerade erst an.

Von David Benzin

Wie ernähren wir uns in zehn Jahren? Und mit welcher Landwirtschaft sichern wir diese Ernährung? Die Meinungen auf dem Innovationskongress “Farm and Food 4.0“, der am Montag in Berlin stattfand, ähnelten sich in vielen Bereichen. Trotzdem haben die Referenten unterschiedliche Ansichten von “der” Zukunft, wenn es denn “eine” Zukunft, “eine” Landwirtschaft gibt.

Die wahren kosten der Lebensmittel

Das wurde schon zu Kongressbeginn deutlich. In drei morgendlichen Keynotes wurde klar, in welche Richtung der Tag gehen könnte. Es kamen die Fragen auf, ob wir neben neuen Technologien auf dem Acker auch bewährte, einfache Maschinen benötigen würden, und was der wahre Preis von Lebensmitteln ist. Die Förderung der Nahrungsmittelproduktion in Schwellen- und Entwicklungsländern war ein Thema, das das Publikum ebenfalls bewegte.

Farm and Food: Vom Acker auf den Teller

Agronomic Data, die Vor- und Nachteile Regenerativer Landwirtschaft und neue Wertschöpfungsnetze zwischen der Stand und dem Land füllten die Diskussionen und Workshops mit Gedanken. Und schließlich blieb nur noch ein Thema zu diskutieren: Was können uns neuartige Proteine bieten? Sind sie sogar nachhaltiger als die konventionelle Proteinversorgung?


Detaillierte Infos zu allen Programmpunkten des Fachkongresses wird es in der Bauernzeitung Ausgabe 4/2020 sowie Ausgabe 5/2020 geben.


Schonzeit pausiert: Jagdverband ist entsetzt

Die Oberste Jagdbehörde (OJB) hat am Freitag die Schonzeit für wiederkäuendes Schalenwild bis Ende Januar ausgesetzt, eine Bejagung ist sogar bis Ende Februar geplant. Der Landesjagdverband Brandenburg e. V. ist entsetzt.

Michendorf. Wenn Jäger, die gemeinhin als besonnen gelten, in ihrer Pressemitteilung so viele Ausrufe- und Fragezeichen setzen, und sie mit „Vogelfluch – Grüner Minister lässt OJB von der Kette“ überschreiben und mit „So geht es nicht! Da machen die Jäger nicht mit!!“ beenden, scheint etwas richtig schief gelaufen zu sein.

Vor dem Hintergrund des noch immer drohenden Übergriffs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf Deutschland, hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz (MLUK), Referat 35, bekanntgegeben, die Schonzeit für wiederkäuendes Schalenwild bis zum 31. Januar 2020 auf Antrag auszusetzen und ruft auf, vermehrt Bewegungsjagden durchzuführen.

Eigentlich endet die Jagdsaison auf Schalenwild, außer Schwarzwild, mit dem 15. Januar. Rehwild, Rotwild, Damwild befinden sich im Wintermodus und die meisten Bachen sind hochtragend, einige haben schon ihre Frischlinge. „Mutterschutz adé?!?“, fragt der Landesjagdverband (LJV). Seit heute (Montag, 20. Januar) liege bereits ein Antrag zur Verlängerung der Aufhebung bis zum 29. Februar vor. Niemand habe davon gewusst, so der BJV, die erste Amtshandlung des neuen grünen Ministers sei es offenbar, die Jägerschaft zu überrumpeln.

Appell an die Verbandsmitglieder

Der LJV Brandenburg appelliert an seine Mitglieder, dem Ansinnen der Behörde nicht zu folgen. Eine verstärkte Einzelbejagung des Schwarzwildes hingegen diene der Seuchenprävention und sei zu befürworten. „Jeder, wirklich jeder, möchte das Eindringen der ASP nach Deutschland verhindern. Doch sie nun durch die Oberste Jagdbehörde als Schutzschild zu verwenden, um auf diese Weise gleich noch mal einige andere Waldbewohner zu erlegen, die man gerne loswerden möchte, ist ein hinterlistiger Schachzug, der auf dem Rücken der Wildtiere ausgetragen werden soll“, appelliert der Landesjagdverband. mil

20.000 Traktoren in ganz Deutschland

Zu den Demonstrationen am Freitag kamen in vielen deutschen Städten tausende Landwirte zusammen und äußerten lautstark ihre Kritik an der Agrar- und Unweltpolitik. In Niedersachsen gab es einen politischen Erfolg zu feiern.

Von David Benzin

In ganz Deutschland haben am Freitag mehrere tausend Landwirte erneut auf ihre angespannte Lage aufmerksam gemacht und ihre Forderung nach einem Kurswechsel in der Agrarpolitik bekräftigt. Nach Schätzungen der Initiative „Land schafft Verbindung Deutschland” (LsV), die zu den Protestkundgebungen aufgerufen hatte, dürften heute bundesweit Bauern mit insgesamt rund 20.000 Schleppern auf die Straße gegangen sein.

Laut Angaben von LsV-Mitgründer Dirk Andresen versammelten sich allein in Nürnberg mindestens 10.000 Landwirte mit bis zu 5.000 Traktoren. In Hannover und Bremen sollen es jeweils rund 2.500 Traktoren gewesen sein. Zudem sind Landwirte aus Brandenburg mit gut 500 Schleppern nach Berlin gekommen. Bauern in Rheinland-Pfalz wollten von Mainz über Wörrstadt nach Alzey die längste Traktorenkette der Welt bilden.

Brandenburger Bauern in der Hauptstadt

Andresen erneuerte zu Beginn der Berliner Demonstration seine Kritik an der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung. Er erinnerte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner an ihre eigenen Worte, wonach die Nahrungsmittelerzeugung zur weltweiten Ernährungssicherung künftig um 70 % steigen müsse. Es sei vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar, dass deutsche Landwirte die Nährstoffversorgung ihrer Kulturen deutlich senken sollten, wisse man doch, dass der Ertrag zu fast 50 % aus der Düngung komme, so der Landwirt aus Schleswig-Holstein. Er rief Klöckner auf, sich vor die Bauern zu stellen und sich für eine „fachgerechte Landwirtschaft“ und eine Binnendifferenzierung bei den Auflagen stark zu machen.

Bildergalerie der Berliner Kundgebung

Andresen konnte in puncto Düngenovelle auch einen ersten Erfolg aus Hannover vermelden. Nach Angaben der dortigen Demo-Leitung hat die niedersächsische Landesregierung angekündigt, dem betreffenden Entwurf im Bundesrat nicht zustimmen zu wollen. Neben der Regulierung der Düngung standen auf den Demonstrationen in ganz Deutschland auch die aus Sicht der Landwirte zu niedrigen Preise für Lebensmittel und das Handelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten im Fokus der Kritik.

vielfältige Redebeiträge in Berlin

Zur Kundgebung am Ernst-Reuter-Platz in Berlin waren neben Bundespolitikern wie Carina Konrad (FDP) und Amira Mohamed Ali (Linke), die ihre Solidarität mit den Landwirten bekräftigten, auch mehrere Landwirte gekommen. Brandenburgs Bauernpräsident und Bio-Landwirt Henrik Wendorff äußerte sich zur Ausweisung der Roten Gebiete: Für ihn sie notfalls auch der Klageweg denkbar, sollten Landwirte die getroffene Ausweisung als unrechtmäßig ansehen.

Als einer der Organisatoren der am Samstag (18. Januar) stattfindenden “Wir haben es satt”-Demo war Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) geladen. “Wir haben gemeinsame Interessen” und “lassen uns nicht auseinanderdividieren”, stellte er klar. Auf der morgigen Demo wird daher ebenfalls ein Vertreter von LsV auf dem Podium der Kundgebung vertreten sein.

Zukunftspapier in Magdeburg übergeben

Auch in den anderen östlichen Bundesländern gingen Bauern für eine bessere Agrarpolitik auf die Straße. Bereits am Mittwoch hatten Hunderte Thüringer Landwirte vor dem Landtag in Erfurt demonstriert. In Dresden waren schon in den frühen Morgenstunden schätzungsweise 1.000 Traktoren unterwegs. Die Demonstranten sammelten sich vor der Staatskanzlei. Zu ihnen sprach Wirtschaftsminister Martin Dulig, Agrarminister Wolfram Günther war bereits auf der Grünen Woche in Berlin.

In Magdeburg übergaben Hunderte demonstrierenden Bauern ein Zukunftspapier von “Land schafft Verbindung” an Agrarministerin Claudia Dalbert. Danach verteilten sie vor dem Hauptbahnhof Informationsblätter an Passanten. Außerdem kam es zu Gesprächen mit Redaktionsvertretern am Sitz der “Volksstimme”.

Vier Treckerkorsos in MV

In Mecklenburg-Vorpommern fuhren am Nachmittag bis in den Abend rund 600 Landwirte mit ihren Traktoren auf vier Rundkursen jeweils ein Treckerkorso von zum Teil mehreren Kilometern Länge. Laut Rundfunkmeldungen kam es zu Verkehrsbehinderungen. Landesbauernpräsident Detlef Kurreck erklärte, die Landwirte seien mit den bisherigen Reaktionen der Politik auf die Proteste nicht zufrieden. Statt sich auf die Angebote der Bauern hin zu bewegen, werde auf Zeit gespielt.

(mit AgE)

Sauberes Wasser braucht saubere Politik

Am Mittwoch demonstrierten hunderte Landwirte auf Initiative von „Land schafft Verbindung“ und Thüringer Bauernverband vor dem Landtag in Erfurt.

Von Frank Hartmann

Von der Resonanz waren das Thüringenteam von „Land schafft Verbindung“ (LsV) und der Thüringer Bauernverband (TBV) selbst überrascht: Ihrem gemeinsamen Demo-Aufruf unter dem Motto „Sauberes Wasser braucht eine saubere Politik“ folgten Landwirtschaftsbetriebe aus allen Landesteilen. Rund 700 Landwirte mit 350 Schleppern kamen nach Erfurt zum Landtag, um einen Dialog mit den Landespolitikern einzufordern.

Und zwar über die Düngeverordnung und die roten Gebiete, für deren Abgrenzung in Thüringen keine Binnendifferenzierung vorgenommen wurde. Des Weiteren fordern die Landwirte Gespräche über einen Ausgleich der Einkommensverluste für die seit diesem Jahr im Freistaat verpflichtend anzulegenden neuen Gewässerrandstreifen. 

Die Bildergalerie zur Demo in Erfurt

Angebote der Landespolitiker

Viel Arbeit: Einen gefüllten Kummerkasten am Grünen Kreuz nahmen die Mitglieder des neuen Agrarausschusses entgegen. © Frank Hartmann

Während der Kundgebung verhandelten noch die rot-rot-grünen Parteispitzen über das Arbeitsprogramm für eine Minderheitsregierung. Gleichzeitig konstituierte sich im neu gewählten Thüringer Landtag der Agrarausschuss. Die fachpolitischen Sprecher der sechs Parteien stellten sich im Anschluss den protestierenden Bauern. Alle boten an, mit den Landwirten beziehungsweise ihren Interessenvertretern zusammenarbeiten zu wollen. Dies sagten auch Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) und Agrarminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) zu.

Dass sich so viele Berufskollegen auf den Weg nach Erfurt gemacht hatten, belege, wie groß der Druck sei, der auf den Betrieben laste, sagten die LsV-Aktivisten Mark Heubach und Johannes Schmidt als auch TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner. Tue sich nichts, so Wagner, seien die Landwirte entschlossen, wiederzukommen.

Rechtsextreme missbrauchten Erfurt-Demo

Der TBV als auch das LsV-Regionalteam distanzierten sich von einer kleinen Gruppe Rechtsextremer, die sich unbemerkt unter die Demonstranten gemischt hatten. Diese hätten die Demo missbraucht und online Lügen verbreitet. Das sei eine Frechheit, erklärte der TBV in einer Stellungnahme. Diese Personen und ihre Ziele schadeten „den Anliegen der Bauern und unserer Demokratie“.


Ein ausführlicher Demo-Bericht erscheint in der nächsten Bauernzeitung


“Wir werden Unsummen brauchen”

Anlässlich der Grünen Woche – und kurz vor den Demos am 17. Januar! – äußert sich „Land schafft Verbindung – Deutschland“ (LsV) auf einer Pressekonferenz. Zentrales Thema: die künftigen Kosten für Tierwohl, Naturschutz und Regionalität.

Von David Benzin

Für Sebastian Dickow von “Land schafft Verbindung” (LsV) steht die „Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit regionalen Produkten im Vordergrund“ der aktuellen Debatte. Doch wenn die Anforderungen der Verbraucher erfüllt werden sollten, würden wir „Unsummen dafür brauchen“, erklärt Dickow vor Pressevertretern. Der bayerische Junglandwirt, selbst Herr über 70 ha Ackerbau mit Bullenmast und einer Biogas-Beteiligung, stellt aber auch fest, dass eine Lösung über einen höheren Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel nicht zielführend wäre. Wo das zusätzlich eingenommene Geld am Ende lande, sei nicht sicher. Höhere Verbraucherpreise, wie durch die Teilnahme an der Initiative Tierwohl und ähnlichen Lösungen, seien für ihn eher denkbar.

Zu den Vorwürfen, die Landwirtschaft würde für das Artensterben mitverantwortlich sein, hat er eine klare Meinung: „Wir tragen dazu mit Sicherheit auch zum Teil bei und müssen unsere Hausaufgaben machen.“ Das sei aber sehr teuer und benötige unterstützende Maßnahmen. Aktionen, wie jüngst „Bauer sucht Kunde“, bei denen Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern vor Lebensmittelmärkten mit Verbrauchern ins Gespräch kamen, werde es auch in anderen Teilen Deutschlands geben müssen: „Wir versuchen der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben“, erklärt Dickow.

Klöckner warnt ohne grund

Dirk Andresen (M.) mit Sebastian Dickow und Johanna Mandelkow bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. © David Benzin

Doch wie schätzt LsV die jüngste Warnung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein, sich innerhalb der landwirtschaftlichen Protestbewegung nicht zu radikalisieren? Für Johanna Mandelkow von “Land schafft verbindung Brandenburg”, die als Organisatorin der Berlin-Demo die Verantwortung für die Veranstaltung trägt, gibt es keinen Grund zur Sorge. “Ich mache vor den Demonstrationen ein kurzes Video und rufe zur Ordnung auf”, sagt sie. Auch für den Rest des LsV-Teams gibt es keinen Grund zur Besorgnis. In den Whats-App-Gruppen, die vornehmlich zur Kommunikation genutzt werden, bleiben schwarze Schafe nicht unentdeckt und werden zu einer friedlichen Demonstration aufgerufen. Auch aus Respekt vor den Verantwortlichen klappe dies gut, erklärt Mandelkow.

Die zukunftskomission Landwirtschaft

Dirk Andresen von Land schafft Verbindung will „mit dem Lebensmitteleinzelhandel ins Gespräch kommen.“ Im Rahmen der Zukunftskomission Landwirtschaft habe man bereits im Dezember ein Konzept an das Bundeskanzleramt geleitet. Erste Ergebnisse werden im dritten Quartal 2020 erhofft. „Regionale Lebensmitteln kann man nicht auf Dauer zu solchen Preisen produzieren“, kommentiert Andresen die Dumpingpreise, die der Handel aufrufe.

Auch die Ungleichheit bei den Produktionsbedingungen in der EU prangert der Schweinehalter an. Sie verzerren den Markt und sind nicht fair gegenüber der heimischen Erzeugung von Lebensmitteln. „Wir brauchen in der EU gleiche Produktionsbedingungen“, sagt Andresen. Die operative Arbeit der Zukunftskommission in einem Handlungskreis besteht hauptsächlich in der Erarbeitung des „wie“ der Umsetzung dieser Lösungsansätze durch konkrete Maßnahmen.


“Wir brauchen mindestens 40 Cent”

Martin Schmidt, LSV

Bei der Milch müsse es eine Herkunftsbezeichnung geben, ist für LsV-Mitglied Martin Schmidt aus Hessen klar. Der Milchpreis dürfe nicht unter der dringend benötigten 40-Cent Marke liegen, fordert der Milchbauer. Ansonsten könne er nicht als fair bezeichnet werden. „Am liebsten wäre ich gar nicht hier, wenn es besser auf dem Hof laufen würde“, schildert Schmidt die Lage der Landwirtschaft. Sein Sohn Max Weiland würde auch gern in die Landwirtschaft einsteigen, aber „gesetzliche Regelungen machen das Leben auf dem Hof schwer“, sagt er. Dadurch werde dem Betrieb die eigene Arbeitskraft entzogen.



LsV: Demos in vielen deutschen Städten

Johanna Mandelkow erklärte außerdem einige Details zur Demo in Berlin, die am 17. Januar stattfinden wird. Am Ernst-Reuter-Platz werden 500 bis 1.000 Traktoren aus Brandenburg erwartet. Im Anschluss an die Sternfahrt, werde es ab 13 Uhr eine Kundgebung geben, zu der sich auch Redner aus der Politik angekündigt haben, erklärt die 24-jährige aus der Uckermark. Ebenso wird am Freitag einer der Sprecher der “Wir haben es satt”-Demo vor Ort sein, die am Samstag vor dem Brandenburger Tor stattfinden wird.

Farm & Food: Der Name ist Programm

Auf dem Kongress Farm & Food 4.0 am 20. Januar in Berlin stehen die Zukunftsthemen von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion im Blickpunkt. Renommierte Wissenschaftler diskutieren mit Unternehmern, Politikern und innovativen Landwirten. Wir stellen Themen und Teilnehmer vor.

Mit der Vortragsrunde „Disruptive Agriculture“ wird die fünfte Farm & Food eröffnet. Die Redner werfen Fragen auf und laden Sie ein, am 20. Januar in Berlin gemeinsam nach Antworten zu suchen. Sind heute verwendete Technologien wirklich hilfreich? Wie können wir die Kosten der Lebensmittelproduktion besser verteilen? Wie gelingt Innovation, die wirklich auf die Landwirtschaft zentriert ist, und wie entwickeln wir Leitbilder, die technischem Fortschritt und gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht werden?

Müssen, können wir die Landwirtschaft retten, indem wir uns auf Methoden wie Regenerative Landwirtschaft konzentrieren? Die Landwirtschaft steht nicht nur vor alltäglichen Problemen, sondern auch vor immer neuen Anforderungen durch Verbraucher und Industrie. Das erste Panel wird die Hauptthemen des fünften Auflage von Farm & Food durch Kernbotschaften und eine Diskussion vorstellen. Die Einführungsreden halten:


Agronomic Data für den Pflanzenbau

Fernerkundungstechnologien in Kombination mit räumlichen Analysemethoden werden heutzutage zu sicheren, präzisen und kostengünstigen Helfern in der Landwirtschaft. Sensoren auf Trägersystemen wie Satelliten, Drohnen oder Maschinen liefern digitale Bilder und Big Data, mit denen Erkenntnisse über Boden und Pflanzen in Feld und Region flächendeckend sowie schneller und objektiver als mit herkömmlichen Inspektionen gewonnen werden können. Wem kommen diese Informationen zugute?

Sind sie gleichermaßen nützlich für Landwirte, Industrie, Agrarpolitik und Gesellschaft, und welches sind die Vorteile für diese Anwendergruppen? Idealvorstellungen gehen dahin, dass Landwirte auf Basis von Sensordaten gezieltere Entscheidungen für das Feldmanagement treffen können sowie Vorgänge wie Düngung und Pflanzenschutz automatisieren und dokumentieren.

Die Diskussion auf der Farm & Food moderiert Dr. Katrin Kohler. Sie ist Expertin für Digitalisierung in der Landwirtschaft und AgTech-Innovationen mit Schwerpunkt auf Satellitenbildtechnologien. Sie spricht mit:


Regenerative Landwirtschaft

Wie kann Deutschlands Landwirtschaft langfristig wettbewerbsfähig sein? Eine Antwort will diese Session geben, indem sie Regenerative Landwirtschaft mit ihren minimalinvasiven Methoden zur Debatte stellt. Unterschiedliche Anwendungsbeispiele machen deutlich, wie vielfältig die Regenerative Landwirtschaft sein kann: Vorreiter aus Deutschland und den USA zeigen, wie sich das System auf den jeweiligen Betrieb anpassen lässt. Wie können neue Technologien darüber hinaus den Zusammenhang zwischen gesunden Böden, gesunden Produkten und gesunden Menschen aufzeigen? Wie können wir den Landwirten helfen, für ihre Investitionen in Biodiversität, Wasserspeicherung und Kohlenstoffeinlagerung entlohnt zu werden?

Moderator der Diskussion ist Benedikt Bösel. Er ist Landwirt, Agrarökonom sowie Gründer und Geschäftsführer von Gut&Boesel bei Berlin. Bösel spricht mit:


BioTech – Wollen wir, was wir können?

Unsere Art, Nahrungsmittel zu produzieren, muss nachhaltiger werden. Dies kann nur mit neuen Ansätzen gelingen, da die Umstände so noch nie da gewesen sind. Nur mit einem ganzen Set an Lösungsansätzen kann eine Neuausrichtung gelingen. Ein möglicher Ansatz ist die präzisere Züchtung mit Genome Editing. Ob diese neue Technologie zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft beitragen kann, hängt von einigen äußeren Faktoren ab: Für welche landwirtschaftliche Praxis wird sie verwendet? Wie sieht es mit der Akzeptanz bei Verbraucher/innen aus?

Die Diskussion moderiert Prof. Dr. Peter Breunig. Er ist Professor für Marketing und Marktlehre an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Parallel zu seiner Lehrtätigkeit leitet er den elterlichen Hof. Breunig diskutiert mit:


Digitalisieren mit Hirn statt in der Cloud

Es geht nicht um eine Digitalisierung der Landwirtschaft um jeden Preis, sondern um einen Mentalitätswandel. Unternehmen müssen Fortschritt möglich machen, anstatt Landwirten möglichst oft möglichst neue Technik verkaufen zu wollen. Verbraucher haben ein eher technologiefernes Bild von der Landwirtschaft, weshalb die Gesellschaft/der Verbraucher quasi keine Technologie fordert. Unternehmen müssen deswegen gemeinsam mit ihren Wettbewerbern Lösungen entwickeln, um dem Landwirt am Ende ganz konkret Zeit im Büro zu ersparen und ihn wieder mehr Zeit auf dem Acker zu ermöglichen, um ihm so eine bessere Absicherung seiner Arbeit und letztendlich mehr finanzielle Ressourcen zu erschließen. Die wiederum in die Erprobung sinnvoller Technik und neuer Methoden fließen können.

Den Workshop moderieren Kommunikationsprofi Dr. Andreas Möller und Simon Walther, Projektleiter DigiLand beim Thünen-Institut. Sie beschäftigen sich mit dem Thema zusammen mit:


Wertschöpfung – Neue Netze sind nötig

Vom Acker bis zum Teller entstehen neue Netzwerke, die Wege werden kürzer, Lieferketten flexibel und Lebensmittel rückverfolgbar. Der Lebensmittelmarkt der Zukunft ist dezentral und funktioniert als digitales Netzwerk, das Verbraucher und Produzenten wieder näher zusammenbringt, denn der „Point of Production“ rückt immer näher an den „Point of Consumption“. Die neu gewonnene Transparenz erlaubt es, die Wertschöpfung noch effizienter zu organisieren, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, die Tierhaltung zu verbessern und so alleine durch eine bessere digitale Verfügbarkeit und Nutzung des Wissens negative Klimafolgen zu verhindern. Gleichzeitig erlauben neue digitale Instrumente moderne Formen der Kooperation. Landwirte tun sich zusammen, vernetzen sich mit Wissenschaftlern, produzieren gemeinsam und schalten durch Direktvermarktung den Zwischenhandel aus. Heike Zeller, Inhaberin der aHEU-Agentur für regionale Vermarktungsstrategien, moderiert die Diskussion und spricht dabei mit:


Neue Welt der Proteine als Alternative?

In der Session soll über die äußerst dynamische Entwicklung in der alternativen Erzeugung von tierischen Proteinen berichtet werden. Dabei wird es sowohl um die Erzeugung von Fleisch-, Ei- und Milchersatzprodukten auf pflanzlicher Basis gehen als auch um die Herstellung von Fleisch aus Zellkulturen. Vertreter von Start-ups, führenden Unternehmen in der konventionellen und alternativen Erzeugung und Wissenschaftler werden die Situation vorstellen und im einer Podiumsdiskussion beleuchten.

Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst, Wissenschaftlicher Leiter des Wing, Stiftung Tieräztliche Hochschule Hannover, moderiert die Diskussion und spricht mit:


Ecosystem AgTech braucht Förderung

Wie können wir ein leistungsstarkes System für Zukunftsförderung entwickeln? Der Fördermangel in Deutschland macht Innovatoren das Leben schwer. Es fehlt an Kapital, Investoren, Partnerschaften und Netzwerken. Wir fragen: Wie können wir ein Ökosystem für Innovationen in AgTech in Deutschland aufbauen? Wer und was ist dafür nötig? In einem partizipativen Workshop wollen wir die nötigen Grundlagen erarbeiten und gemeinsam mit unseren Teilnehmern ein Startpapier für einen folgenden Workshop ableiten. Angesprochen sind Start-ups, Förderinstitute wie Banken und staatliche Förderprogramme, Wagniskapitalgeber, Knowledge Provider (Wissenslieferanten) und Berater, Inkubatoren (Einrichtungen, die Unternehmen bei der Existenzgründung helfen) und Acceleratoren (helfen Start-ups durch intensives Coaching beim Entwicklungsprozess in kurzer Zeit).

Als Moderatorin auf der Farm & Food spricht Prof. Dr. Katrin Schnitker, Professorin für Unternehmensführung im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Hochschule Osnabrück, mit:

Zusätzlich zu den großen Diskussionen auf der Farm & Food werden zu den meisten Themen Gespräche am runden Tisch durchgeführt. Auf der Website des Kongresses können Landwirte nicht nur die vergünstigten Tickets kaufen, sie finden unter anderem im Blog sehr interessante Beiträge und Interviews mit Hintergrundwissen und persönlichen Meinungen zu den Themen, die in Zukunft die Landwirtschaft verändern. mey/PM


Farm & Food Kongress

Farm & Food 4.0

Parallel zur Grünen Woche findet am 20. Januar in Berlin die neue Auflage der Farm & Food statt. Hier finden sie alle Informationen zum großen Zukunftskongress der Landwirtschaft.

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