Keine Rüge für Katjes-Werbespot

Mit gruseligen Bildern von Milchkühen wirbt der Süßwarenhersteller für vegane Schokolade. Zwei Bauernverbände riefen den Werberat an. Der legt jetzt seine Bewertung vor.

Berlin. Kühe, die wie Soldaten im Gleichschritt marschieren, mit riesigen roten Eutern in bedrohlicher Dämmerung. Mit solchen Bildern in einem gezeichneten Werbespot provoziert der Süßwarenhersteller Katjes vor allem die Milchviehhalter. Der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Kreisverband Diepholz des Landvolks Niedersachsen reichten deshalb Beschwerde beim Werberat in Berlin ein.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schaltete sich in die Debatte ein. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb sie, Katjes betreibe “Landwirtschaftsbashing” und werte alle Milchbauern ab. “Die hippen Werbefilmer waren sicher schon in aller Welt, aber nicht in einem Kuhstall.”  

Der Werberat kam zu einer anderen Einschätzung. Er beanstandet die Werbekampagne nicht. Nach Ansicht des Werberats ist “die in Deutschland existierende Massentierhaltung Gegenstand gesellschaftlicher Kontroversen, zu denen der Werbespot einen kritischen Meinungsbeitrag liefert. Es handle sich weder um die pauschale Diffamierung des Berufsstands der Milchviehhalter noch der Verbraucher, die Milchschokolade bevorzugen”, zitiert Katjes aus der Mitteilung des Werberates. red

Bund lehnt eine Prämie für Weidetiere ab

Schafe oder Ziegen auf der Weide sind ein gern gesehenes Bild. Einen Zuschuss, der den höheren Aufwand für den Auslauf im Freiland ausgleicht, können die Tierhalter vorerst jedoch nicht erwarten.

Berlin. Die Bundesregierung lehnt die Einführung gekoppelter Direktzahlungen im Jahr 2020 ab. Solche Zahlungen seien aus mehrfacher Hinsicht nicht möglich, heißt es in einer entsprechenden Unterrichtung der Regierung als Gegenäußerung zu einer Stellungnahme des Bundesrates zum Entwurf zur Änderung des Direktzahlungen-Durchführungsgesetzes. Aktuell geltende EU-Vorschriften würden dies nicht ermöglichen.

Um eine solche Förderung im nächsten Jahr anbieten zu können, hätte das Direktzahlungen-Durchführungsgesetz bereits bis zum 1. August 2019 Voraussetzung geändert werden müssen. Darüber hinaus sei für das Jahr 2021 in der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 keine nationale Obergrenze für die Direktzahlungen festgelegt. Insoweit könne derzeit kein Prozentsatz davon zur Finanzierung einer gekoppelten Stützung festgelegt werden, heißt es. Eine angekündigte Übergangsregelung müsse abgewartet werden.

Nach Ansicht der Bundesregierung sollte über die Förderung von Weidetieren wie Schafen und Ziegen nach den Verhandlungen zur künftigen Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) diskutiert werden, berichtet der Parlamentspressedienst “Heute im Bundestag” (hib). Eine solche Prämie wird von Weidetierhaltern und ihren Interessenvertretern vor allem gefordert, um die mit dieser Haltungsform verbundenen erhöhten Aufwendungen auszugleichen. Insbesondere die Kosten für den Schutz vor Wölfen bewegen Tierhalter zum Aufgeben. red

Emsland Group baut Kartoffelwerk in Hagenow

25 Millionen Euro investiert die Emsland Group in ein neues Kartoffelwerk in Hagenow. Dass der Markt wächst, zeigen Preiszuschläge, die das Unternehmen den Kartoffel-Anbauern bietet. Die Chance mit der Kartoffel die Fruchtfolge aufzulockern?

Von Gerd Rinas

Wenn es nach Christian Heinrich ginge,  würde die Kartoffelernte dieses Jahres schon im neuen Werk verarbeitet. „Wir sind Ende Januar mit den Bauarbeiten gestartet und wollten im Herbst fertig sein. Altlasten im Baugrund sorgen aber immer wieder für Verzögerungen“, stöhnt der Werkleiter der Mecklenburger Kartoffelveredlung GmbH in Hagenow.

Deutlicher Baufortschritt in Hagenow

Christian Heinrich ist Leiter des neuen Werks der Emsland Group in Hagenow. (c) Gerd Rinas

Dennoch ist der Baufortschritt der Kartoffelwerks in Hagenow an der Dr.-Raber-Straße 3, wo man 1970 mit der Produktion von Pommes und Flockenpüree begann,  nicht zu übersehen. Die Außenhülle für das neue Werk steht, der neue Maschinenpark mit den größten Püreewalzen weltweit,  Herzstück des neuen Werkes, ist montiert. Die gut zwei Dutzend Kartoffellagerzellen, die noch mehr Produktvariationen ermöglichen, sind ebenfalls schon an ihrem Platz. In der Blanchier- und Scheibenhalle warten hingegen noch Teile der Lüftungsanlage, die eingebaut werden müssen.

Das neue Kartoffelwerk in Hagenow wird bei laufender Püreeproduktion hochgezogen. Auch nach Fertigstellung der Werkshallen werden in den alten Gebäuden Knollen verarbeitet. Seit dem Geschäftsjahr 2012/2013 ist die Mecklenburger Kartoffelveredlung GmbH Teil der Emsland Food GmbH. Für den Bau des neuen Werkes investiert die Emsland Group rund 25 Millionen Euro in Hagenow.

Püree-Flocken sind Ausgangsprodukt für viele andere Erzeugnisse, etwa für Kroketten, Gnocchi und Chips. „Viele kennen Chips nur geschnitten und frittiert. Es gibt sie aber auch gebacken. Daraus werden Kesselchips, mit weniger Fett. Der Markt für Chips wächst jährlich um bis zu sechs Prozent. Wenn wir darauf nicht reagieren, machen das andere“, sagt Heinrich.

Die Entscheidung, in Hagenow zu investieren, ist wohlüberlegt. In der Emsland Group sieht man für den Kartoffelanbau in der Region und in Mecklenburg-Vorpommern sehr gute Voraussetzungen. Zu DDR-Zeiten wurden hier auf über 72.000 ha LF Kartoffeln angebaut, jetzt sind es noch etwa 13.000 ha. „Das Potenzial ist lange nicht erschöpft“, glaubt Heinrich.

Auch die Kartoffelbunker sind schon aufgestellt. (c) Gerd Rinas

Von 150.000 auf 300.000 Tonnen

Bisher werden in Hagenow jährlich etwa 150.000 t Kartoffeln veredelt. Mit dem neuen Werk soll sich die Verarbeitung verdoppeln.  40 % der Knollen kommen bisher von 38 Landwirten aus MV, 60 % von etwa 110 Lieferanten aus Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Zwar liefern die einzelnen Erzeuger aus MV mit bis zu 2.000 t Knollen große Mengen. Bei der Zahl der Lieferanten und der Liefermenge sei noch „viel Luft nach oben“, schätzen Christian Heinrich und der Leiter Rohstoffeinkauf, Michael Miehe, ein.

Zwei Entwicklungen könnten sich positiv auswirken. Zum einen suchen immer mehr Landwirte nach zum Teil enttäuschenden Erträgen bei Raps und Weizen nach Anbaualternativen. Düngungsauflagen in den „roten Gebieten“ und Vorschläge im Agrarumweltpaket der Bundesregierung für weitere Beschränkungen, etwa beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten, könnten Landwirte weiter in Bedrängnis bringen. Wissenschaftler und Berater empfehlen vor allem in Gunstregionen mit intensiver Getreide- und Rapsproduktion, die Fruchtfolgen aufzulockern, auch um Nitratbelastungen im Grundwasser abzubauen.

Christian Heinrich räumt ein, dass die Entscheidung beim Landwirt dennoch gut überlegt sein will. „Damit sind Veränderungen im Betrieb verbunden, unter Umständen die Zusammenarbeit mit einem Lohnunternehmer, die Kooperation mit anderen Landwirten, Investitionen in Pflanz- und Rodetechnik, Lagerung und Beregnung. „Trotzdem sollten Landwirte die Sache sorgfältig prüfen“, findet Heinrich.

Die Zahl der Annahmen wurde auf sieben erhöht. Die Wartezeit für Lieferanten soll sich auf maximal 30 Minuten verkürzen. (c) Gerd Rinas

Gute preise für kartoffeln

Ein Grund: Die Kartoffelpreise sind gut, und es gibt zusätzliche finanzielle Anreize für Lieferanten. „70 Prozent des Preises werden nach Grundpreistabelle und Stärkegehalt gezahlt“, erläutert Michael Miehe. Dazu kommen ein Transportzuschlag von 6 Cent pro Kilometer und Tonne (einfache Tour) sowie Qualitätszuschläge. 2018 hatte die Emsland Group zudem besondere Maßnahmen eingeleitet, um Landwirte mit schlechten Erträgen nach der Trockenheit zu unterstützen.

Ein weiterer Grund: Die Landesregierung fördert die Aufbereitung und Lagerung von Kartoffeln, den Kauf von Beregnungstechnik und die Errichtung von Brunnen, unterirdischen Bewässerungsleitungen und wassersparenden Regnern sowie von Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung mit 20 % des förderfähigen (Netto-)Investitionsvolumens. Bisher machten von diesen Förderprogrammen vor allem Lieferanten Gebrauch, die ihre Kartoffelproduktion erweitern wollen. „In letzter Zeit häufen sich aber die Anrufe von Landwirten, die sich nach den Konditionen für die Vertragsproduktion oder den Kauf von Aktien und Lieferrechten erkundigen“, so Werkleiter Heinrich.

Mehrere Landwirte in der Umgebung sind in die Kartoffelproduktion eingestiegen. Als neuen Partner konnten das Kartoffelwerk Hagenow erst kürzlich die Erzeugergemeinschaft „Qualitätskartoffeln Vorpommern“ begrüßen. „Wir werden in dieser Kampagne 6.000 t nach Hagenow liefern. Für diese Menge hat die Erzeugergemeinschaft Aktien erworben. Die Konditionen stimmen. Wir können uns eine längerfristige Zusammenarbeit vorstellen“, lässt Geschäftsführer Hans-Jürgen Mausolf durchblicken.

 

Familienbetrieb setzt auf Biokartoffeln

Der ökologische Familienbetrieb von Familie Klass im Landkreis Teltow-Fläming hat vor kurzem eine Scheune zum Lager für Biokartoffeln umgebaut. Dort glaubt man an die Zukunft der Knollen. Doch liegen sie damit im Trend?

Von Heike Mildner

Dreißig Jahre mussten vergehen, um die Einsicht reifen zu lassen, dass Lebensmittel nicht besser werden, wenn man sie quer durch Deutschland transportiert. Mittlerweile sind in Berlin Obst und Gemüse aus Brandenburg wieder gefragt, doch muss nach der Einsicht erst einmal die Infrastruktur nachwachsen – und Produzenten, die jung und/oder stark genug sind, von der Nachwendeablehnung keine bleibenden seelischen Schäden davongetragen zu haben.

Sebastian Klass (24) ist einer von ihnen. Im Trebbiner Ortsteil Wiesenhagen (Landkreis Teltow-Fläming) wohnt er mit Frau, zwei Kindern, Schwester und Eltern auf dem Hof seinen Großvaters, bewirtschaftet mit seinem Vater Heinz-Günther 120 ha Acker- und 40 ha Grünland nach Bioland-Richtlinien, hält 90 Legehennen und verkauft die Produkte im Hofladen. Vor Kurzem wurde die Scheune hinter dem Wohnhaus zum Kühllager für Kartoffeln umgebaut. Eine Investition, die deutlich die Richtung anzeigt, in die sich der Familienbetrieb entwickeln soll.

Exkurs zur Hofgeschichte

Sebastians Großvater war Bauer in Teltow und hatte sich angesichts der Verstädterung des expandierenden Berliner Speckgürtels nach einem neuen Hof in ländlicherer Gegend umgesehen. In Wiesenhagen war er fündig geworden. Die Bestimmungen nach dem Zweiten Weltkrieg hätten aber die Inbetriebnahme des Hofes nicht mehr zugelassen, erzählt Sebastian Klass.

Kurz vorm Mauerbau ging der Großvater in den Westen und kontrollierte fortan in Esslingen am Neckar für Hengstenberg die Qualität der Kohllieferungen. Den Wiesenhagener Hof überschrieb er seinem Sohn Heinz-Günther. Der tourte durch die halbe Welt, lebte acht Jahre in Australien und kam von dort mit seiner Frau zurück, um sich 1992 in Wiesenhagen auf seinem Erbe einzurichten.

Heinz-Günther Klass setzte auf Freilandschweinhaltung mit rund 300, zu Spitzenzeiten 500 Sauen auf über 20 Hektar. Ein Konzept, das aus verschiedenen Gründen letztlich aufgegeben wurde. Den extensiven Biogetreideanbau, der zuletzt auf dem Markt auch nicht mehr die gewünschten und existenzerhaltenden Erlöse brachte, ergänzt Sohn Sebastian seit 2016/17 durch den Einstieg in den Kartoffelanbau: eine direkte Folge seiner Ausbildung.

Sebastian Klass begann nach dem Abi eine verkürzte Ausbildung auf dem Biohof Eilte im niedersächsischen Ahlden und lernte dort auch den Kartoffel- und Zwiebelanbau kennen. Nach einem Jahr Agrarwissenschaftsstudium bei Weihenstephan in München zog es ihn zurück zur Praxis: 2016 beendete er seine Lehre, ging zurück auf den elterlichen Hof und ist seit 2018 Landwirtschaftsmeister.

Bauernfamilie Klass (v. l.): Matilda, Heinz-Günther, Sebastian, Friedrich, Kristin, Mutter Rosslyn und Schwester Luise Grace. (c) Heike Mildner

Einstieg in den Kartoffelanbau

2016/17 habe er die Fruchtfolge partiell auf die Knollen ausgerichtet und 2018 erstmals Kartoffeln angebaut, erzählt Sebastian Klass. Ausgerechnet im Dürrejahr bei durchschnittlich 23 Bodenpunkten! Beregnung musste her, wenn auch zunächst nur provisorisch. Der Ertrag lag bei 150 dt/ha und konnte nicht zufriedenstellen.

In diesem Jahr bauten Klass’ auf 2,7 ha neun Sorten Kartoffeln an: eine hofeigene Sortenprüfung von Linda und Belana, Solist, Annabelle, Glorietta, Adretta und Lunarossa. Und sie investierten in eine Tröpfchenbewässerung. Rund 18 km Schläuche mussten erst verlegt und nach der Ernte wieder entfernt werden. Ein immenser Arbeitssaufwand, aber der vorhandene Brunnen lässt mit zehn Kubikmeter Wasser pro Stunde keine andere sinnvolle Bewässerung zu.

„Für die Kartoffeln war die Tröpfchenbewässerung allerdings Luxus“, sagt Sebastian Klass. Von den Belana hat er 350 dt/ha geerntet, von der Linda 400 dt/ha. Für 2020 hat Klass vier Hektar für den Kartoffelanbau vorbereitet. Wenn die Direktvermarktung im Winter gut läuft, wird er sie voll nutzen – jetzt, wo das Lager fertig ist.
Die Kosten gering zu halten und den Betrieb dennoch zu entwickeln, ist eine Kunst, die Klass mit dem Kartoffellager offenbar gelungen ist.

Als Praxispartner des Projekts der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) „Regionales Bio-Gemüse aus Brandenburg“, das die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) angeschoben hatte, bekam er mit Reinhard Bade einen guten Berater an die Seite. Der Fachmann aus Niedersachsen wusste, woher man Technik bekommt und wie die alte Scheune effizient gedämmt werden kann. Die gebrauchte Kühlanlage arbeitet effizient mit technisch gekühlter Luft mittels Kältekompressor und Verdampfer oder mit Außenluft und regelt automatisch Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Kartoffeln Kostengünstig lagern

Klass’ entschieden sich zudem für eine Sprühdämmung aus Polyurethan (PU), die in den Niederlanden sehr verbreitet ist. Die notwendige Zwischendecke besteht aus einem Netz, das von unten mit PU-Schaum beschichtet wurde. Auf den Balken liegen Bohlen, von denen man später das Dachgeschoss ausbauen kann. „Die holländische Firma hat alles mitgebracht: die Fässer mit den zwei Komponenten, Kompressor, Gerüst… In zehn Stunden war alles ausgesprüht und gehärtet“, berichtet Klass. Inklusive neuem Rolltor, der gebrauchten Kühlanlage, und einer neuen Notausgangstür beläuft sich die Investition in das Kartoffellager für 100 t auf insgesamt rund 30.000 Euro.

Im vergangenen Jahr hat Sebastian Klass gebraucht und günstig eine kleine, gebrauchte Kartoffelsortierstrecke bekommen, im nächsten Jahr soll ein Roder angeschafft werden. Dass es Fördermittel nur  für fabrikneue Technik gibt, findet  er schade. Er müsse flexibel sein und wolle keine Schulden anhäufen, so Klass. Schließlich hat man als Landwirt nicht alles in der Hand. Klass denkt ans Klima: „Dass wir hier bewässern müssen, ist klar. Wir haben momentan nur einen kleinen Brunnen, müssen aber sukzessive alle Flächen bewässern“, sagt der 24-Jährige. „Entscheidend wird sein, wie das Land die Wasserrechte vergibt. Wenn die Wasserentnahme blockiert wird, funktioniert der Anbau hier nicht mehr.“

Kartoffelanbau der anderen Art

Die Agrar-Genossenschaft Selow eG setzt auf konventionellen Kartoffelanbau. Die Fruchtfolge dagegen ist unkonventionell. Hack- und Zwischenfrüchte gehören genauso dazu wie Leguminosen. Dabei verzichtet Betriebsleiter Axel Wichmann auf eine Beregnung.

Von David Benzin

Er ist gelb, groß und kratzt gleich zwei Reihen gleichzeitig aus dem Boden. Und obwohl sein Name Keiler ist und Kartoffeln aus der lockeren Erde geholt werden, steht kein Weidmann in Sichtweite. Nur Landwirt Axel Wichmann steht am Feldrand und beobachtet das Geschehen. Es ist Kartoffelerntezeit in der Agrar-Genossenschaft Selow eG in der Nähe von Rostock.

Nur noch ein paar Reihen, dann fange eine neue Sorte an, sagt Betriebsleiter Wichmann und zeigt auf das andersfarbige Kraut der benachbarten Kartoffeldämme. Auf einer Fläche von 40 ha vermehren die Selower Landwirte Kartoffeln für den Anbau im folgenden Frühjahr. Die meisten Ernteknollen auf den verbleibenden 120 ha Fläche werden allerdings zu Stärke verarbeitet – ein Spezialgebiet von Axel Wichmann und seinen sieben Kollegen in der Genossenschaft. Dazu kommen noch 2 ha Speisekartoffeln, die direkt vermarktet werden.

leise und schlagkräftig

Landwirt Axel Wichmann mit den Speisekartoffeln zur Direktvermarktung auf einem der Nachbarfelder. (c) Sabine Rübensaat

Den gelben Ropa-Roder haben sie vor zwei Jahren angeschafft. Ausgestattet mit automatischer Dammdruckkontrolle, präziser Reihenführung und einem Bunker für bis zu acht Tonnen Kartoffeln, schafft es der „Keiler 2“, wie der Name schon verrät, zwei Reihen auf einmal zu roden – und das bei einer kaum wahrnehmbaren Geräuschkulisse. „Wir sind die Ersten und Einzigen mit so einem in ganz Mecklenburg-Vorpommern“, erzählt Wichmann.

Der alte Roder sei nicht so schlagkräftig gewesen, nun könnten sie 5 ha am Tag roden, wenn alles klappt. Mit dem in die Jahre gekommenen Kartoffelroder waren maximal 3 ha pro Tag möglich, da trotz ebenfalls zweireihiger Rodung die Fahrgeschwindigkeit begrenzt war. Seit der Investition in die 150.000 € teure Erntemaschine haben die Selower den Kartoffelanbau auch um 50 ha ausgedehnt. Vorher standen zusammen etwa 100 ha Kartoffeln auf den Feldern.

Die Reportage in voller Länge finden Sie in Ausgabe 42/2019 der Bauernzeitung.

Premiere für die Scha-Zie-Prämie

Im Rahmen der sogenannten Scha-Zie-Prämie werden erstmals in Thüringen über 1 Mio. Euro für 44.000 förderfähige Schafe und Ziegen an die Landwirte ausgezahlt. Die sogenannte Scha-Zie-Prämie wurde in Thüringen von 321 Schaf- und Ziegenhaltern beantragt.

von Frank Hartmann

Die Auszahlung der landes­eignen Schaf-Ziegen-Prämie (Scha-Zie-Prämie) ist gestartet. Wie das Umweltministerium informierte, wurden 321 Anträge von schaf- und ziegenhaltenden Landwirten und Hobbytierhaltern positiv beschieden. Voraussetzung war, dass mindestens 20 Tiere über neun Monate gehalten werden und die Tiere zu einem Teil Biotopgrünland beweiden.

Die erstmals in diesem Jahr ausgereichte Prämie summiert sich den Angaben zufolge auf rund 1,1 Mio. €, was 44.000 förderfähigen Schafen und Ziegen entspricht. Thüringen gehe bei der Unterstützung der Schafhalter beispielhaft voran, erklärte Umweltministerin Anja Siegesmund. Sie verwies auf den jüngsten Beschluss des Bundesrates, mit dem die Bundesregierung zur Einführung einer bundesweiten Weidetierprämie von 30 € je Mutterschaf bzw. -ziege aufgefordert wird.

Scha-Zie-Prämie: Neuanträge bis März

Die Thüringer Förderrichtlinie ermöglicht eine Auszahlung von 25  € pro Tier. Die maximale Fördersumme ist aufgrund der De-minimis-Regel der EU auf 20.000 € pro Betrieb innerhalb von drei Jahren gedeckelt. Im Falle einer gekoppelten, bundesweiten Muttertierprämie, die sich aus der Ersten Säule speist, fiele diese Förder­obergrenze weg.

Das Umweltministerium informierte weiter, dass auch für die Antragsjahre 2020 und 2021 Finanzmittel für die Scha-Zie-Prämie im Haushalt eingestellt seien. Wiederholungs-, Neu- und Änderungsanträge, die Ende des Jahres online zur Verfügung stünden, müssten bis zum 31. März 2020 eingereicht werden. Änderungsanträge könnten bei Aufstockungen des Bestandes zur Anhebung der Förderung genutzt werden.

Sollte bis Ende des Jahres die geänderte Thüringer Förderrichtlinie Wolf/Luchs in Kraft treten, dürften im nächsten Jahr etliche Schäfereien erstmals die Scha-Zie-Prämie beantragen. Weil die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen- und Entschädigungsleistungen nach Wolfsattacken bislang ebenso unter die De-minimis-Regel fallen, zögerten Betriebe, die Weidetierprämie zu beantragen. Für die Wolf/Luchs-Richtlinie soll in Zukunft die De-minimis-Regel wegfallen.


Regionale Infoveranstaltungen 2019 für Schaf- und Ziegenhalter des TLLLR und der Zuchtverbände jeweils ab 18 Uhr:

Weitere Infos unter www.thueringer-schafzucht.de


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