Wagyu Rind – Arbeitstier aus Japan

Sein Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet letztlich nur: japanisches Rind. Über Jahrhunderte diente das Wagyu Rind im wesentlichen als Arbeitsrinderrasse.

Von Christoph Görner 

Seinen Ursprung hat das Wagyu Rind in Japan und seinen Namen aus der Übersetzung ins Deutsche. Dieser Name bedeutet nichts anderes als „ japanisches Rind“. Die Rasse erfuhr über lange Zeit keine Einkreuzungen. Über Jahrhunderte diente das Wagyu Rind im Wesentlichen als Arbeitsrinderrasse. Laut Brackmann unterscheiden die Japaner heute zwischen drei Typen. Da gibt es die „Schwarzen“, Kuroge genannt, die „Hornlosen“, Makaku genannt, sowie die „Braunen“, Akage genannt.

So kam das Wagyu nach Europa

Entsprechend der Buddhistischen Religion war der Fleischverzehr nach den ursprünglichen Gesetzen verboten. Aus diesem Grund wurde das Wagyu erst nach den 1860ern in Richtung Fleisch züchterisch bearbeitet. Mitte der 1990er Jahre sind erste Tiere in die USA zu wissenschaftlichen Zwecken exportiert worden. Daraus stammt die außerhalb Japans entwickelte Population ab.

Wagyu Färse rot

Nach der Geburt wiegen Wagyu Rinder zwischen 25 und 35 kg.

Wagyu Rind rot männlich

Die braunen beziehungsweise roten Wagyus werden auch Akage genannt.

Wagyu Rind weiblich mit Kalb

Nach 27-29 Monaten kalbt das weibliche Wagyu Rind.

Wagyu Rind Bulle

Das männliche Wagyu Rind kann ein Gewicht von bis zu 1100 kg erreichen.

Erst ab 2014 ermöglichte Europa direkte Importe von lebenden Rindern, Embryonen oder Samen aus Japan. Somit kann seitdem in Europa mit originalem Zuchtmaterial des Wagyu Rinds gearbeitet werden. Die heutige Population ähnelt den Angusrindern.

Die wichtigsten Merkmale

Eine Besonderheit des Wagyu Rinds ist das Erreichen der Schlachtreife, die weitaus später erreicht wird als bei unseren einheimischen Fleischrindrassen. Positiv bleibt eine hervorragende Fleischqualität, die einen besonderen Ruf genießt.

Das kurzfasrige Fleisch ist durch eine verstärkte, gleichmäßige Fetteinlagerung gekennzeichnet. Jede Muskelfaser ist mit einem Talgfilm ummantelt. Da das Fett der Geschmacksträger ist, erklärt sich die Delikatessqualität dieses Fleisches.

Verzehr des Wagyu Rinds

Die asiatischen Verzehrungs-Gewohnheiten sind mit den europäischen nicht vergleichbar. In Europa werden Fleischgerichte bevorzugt, die weniger fettbetont sind. 
Der Fleischkonsum des Wagyu Rinds ist sehr kostspielig. So kann in einem Feinschmeckerlokal ein Steakgericht von Wagyu um die 50 Euro liegen. Auf Grund der Besonderheiten dieser aufgezeigten Fakten ist die Verbreitung dieser Rasse in Europa begrenzt.

Denn neben dem Absatz von Zuchttieren ist immer auch ein Schlachttierabsatz nötig, der im vorliegenden Fall begrenzt ist.

Maße des Wagyu Rinds

Bulle Kuh
Kreuzbeinhöhe140-145 cm130-132 cm
Gewicht900-1100 kg550-750 kg
Geburtsgewicht30-35 kg25-30 kg
Erstabkalbealter27-29 Monate

In Deutschland gibt es wenige Wagyu-Züchter, sodass Experten hier von einer Nischenproduktion sprechen. Größere Herden der Wagyu Rinder gibt es in Japan, Australien, Amerika und Kanada.

Grün, grüner, köstliches Irland – Irische Gerichte

Die Iren feiern am 17. März ihren Nationalfeiertag, den St. Patricks Day, der auch hierzulande viele Anhänger hat. Und wer feiert, muss auch gut essen. Wir haben einige irische Gerichte ausgewählt – die nicht nur am Tag des Schutzheiligen aufgetischt werden können.

Festivals, Straßenumzüge, Artistik, Theater, Konzerte, Filme, Illuminationen und viel Musik – die Feierlichkeiten zum Namenstag des Heiligen Patrick rund um den 17. März gehören zu den ausgelassensten Tagen auf der irischen Insel. In den Städten, auf dem Land, ja bis hin ins kleinste Dorf hinein gibt es fröhliche, bunte Feste. Und ob Perücken, Hüte, Kostüme – die Farbe Grün gibt dabei den Ton an. Grün plätschern auch Brunnen und Flüsse. Gebäude erstrahlen im grünen Gewand. Sogar das Bier ist grün. Und warum? Ganz einfach: Weil sich die irische Landschaft fast zu jeder Jahreszeit von ihrer grünen Seite zeigt. Und sicher hat auch das irische Nationalsymbol, das dreiblättrige grüne Kleeblatt – auch Shamrock genannt – am grünen Farbenrausch seinen Anteil.

Der St. Patricks Day hat seinen Namen vom Heiligen St. Patrick. Der Prediger hat die keltischen Iren im fünften Jahrhundert zum Christentum bekehrt. Der Tag, der als der Todestag des Schutzheiligen gilt, ist der 17. März, und er wurde in frühen Jahren zunächst in der Neuen Welt von ausgewanderten Iren als Feiertag mit großen Paraden inszeniert. Heute wird allerdings er nicht mehr nur von Iren gefeiert – mit viel Guinness, Whiskeys und typisch irischen Gerichten. Hier eine kleine Auswahl von Rezepten, die schnell zubereitet sind.

Irische Gerichte:

Beef and Guinness Stew

irische Gerichte Irish Stew
Foto: Tourism Ireland

Dieses irische Gericht gehört zu den Klassikern der irischen Küche und ist für eine Party mit vielen Leuten ideal. Durch sein charakteristisches Guinness-Aroma ist es eine köstliche Alternative zum berühmten Eintopf Irish Stew.

Zutaten: 1 kg in 2,5 cm große Würfel geschnittenes Rindfleisch für Schmorbraten, 25 g Mehl, 1 geschälte und in dünne Scheiben geschnittene Zwiebel, 2 in dicke Scheiben geschnittene Karotten, 1 große oder 2 kleine geschälte und gewürfelte Pastinaken, 600 ml Guinness oder Rinderbrühe, 225 ml Pflaumensaft (optional), Kräuter, eine halbe Sellerieknolle oder drei bis vier gestutzte und gewürfelte Stück Staudensellerie, eine halbe Orange

Zubereitung: Rindfleisch würzen und in Mehl wälzen. Etwas Öl und Butter in einer Pfanne erhitzen und das Fleisch in mehreren Durchgängen anbraten, dann in eine Kasserolle legen. Die Zwiebeln und das Gemüse dazugeben und einige Minuten in der gleichen Pfanne sanft andünsten. Restliches Mehl in die Pfanne geben, umrühren, um überschüssiges Fett aufzunehmen, eine Minute köcheln lassen, dann das Guinness bzw. die Brühe oder den Pflaumensaft sowie die Kräuter dazugeben, würzen, durchrühren und rund zwei Stunden köcheln lassen, bis das Fleisch weich ist. Mit Kartoffelbrei servieren und mit gehackter Petersilie sowie zwei in Guinness eingelegten Pflaumen garnieren.

Soda-Brot

irische Gerichte Soda Brot
Foto: Tourism Ireland

Dieses traditionelle Brot wird tagtäglich in Irland gebacken und lässt sich super einfach zubereiten. Bevor Sie das Brot allerdings in den Ofen schieben, sollten Sie ein Kreuz einritzen, denn durch dieses sollen angeblich die Feen entweichen können.

Zutaten: 220 g Weizenmehl, ­220 g Vollkornmehl, ½ TL Salz, 1 TL Backpulver oder Natron, 500 ml Buttermilch

Zubereitung: Ofen auf 180 °C/Gasherd Stufe 4 vorheizen. Alle trockenen Zutaten in einer Schüssel vermischen. In der Mitte ein Loch formen und die Buttermilch hineingießen. Mehl und Buttermilch mit den Händen vermengen. Zutaten im Anschluss auf eine mit Mehl bestreute Fläche geben und zu einem runden Laib formen, nicht zu stark kneten. Oben in den Teig ein Kreuz schneiden. Das Brot auf ein mit Mehl bestreutes Backblech legen und im Ofen 35 bis 40 Minuten backen, herausnehmen, umdrehen und auf den Boden klopfen. Das Brot ist fertig, wenn ein hohler Ton zu hören ist. Auf einem Backofenblech abkühlen lassen und servieren.

Räucherlachs-Pâté

Die Westküste Irlands ist bekannt für ihren Räucherlachs – und das in vielen Varianten. Ganz einfach zubereiten lässt sich ein Räucherlachs-Pâté:

Zutaten: 225 g Räucherlachs, ­225 g Frischkäse, 1 TL Meerrettichsoße, 1 TL Zitronensaft, Dill

Zubereitung: Alle Zutaten in eine Küchenmaschine geben und mixen. Fertig! Mit viel Grün wie knackigem grünen Salat oder Kresse servieren.

Viel Spaß beim Ausprobieren der irischen Gerichte!

Tonangebend

Warum eine Finanzwirtschaftlerin nicht nur Zahlen im Blick hat und eine junge Tierärztin ihren Traumberuf gegen eine ebenso erfüllende Aufgabe tauschte. In der Agrargenossenschaft Görike-Schönhagen eG, brandenburgische Ostprignitz, verantworten Mutter und Tochter wichtige Betriebszweige: Controlling und Direktvermarktung. Wir sprachen mit Kerstin Leppin und Dr. Katja Leppin. 

Rüdiger Leppin, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft, Ehemann respektive Vater unserer Gesprächspartnerinnen, hält sich im Hintergrund, doch – sicher ist sicher – die Verbindungstür zu seinem Büro bleibt offen. Aber wir wollen unter uns sein, nur heute, männliches Korrektiv – bitte draußen bleiben! Erst als er uns lachen hört, und dann immer wieder, ist er entspannt. Beschützerinstinkt abschalten, Tür schließen! 

Bauernzeitung: Klavier, Keyboard, was ich im Vorbeigehen gesehen habe, ist ziemlich ungewöhnlich für die Büroausstattung einer Agrargenossenschaft. Ein Fall von Hausmusik? Fehlt nur noch eine Trompete. Dann könnte man vermuten, hier wird diesem und jenem mal der Marsch geblasen. 

Kerstin Leppin: Unsere 16 Mitarbeiter sind auch ohne solche „Ermunterung“ motiviert. Nein, unsere Familie ist sehr musikalisch, nicht nur Katja, sondern auch meine zweite Tochter und ich spielen mindestens ein Instrument, übrigens auch Trompete. Mein Mann imitiert lieber Udo Lindenberg. 

Frauentag bei Familie Leppin
Mutter Kerstin Leppin mit Tochter Katja (c) Sabine Rübensaat

Dritter Versuch: Üben Sie etwa ein Ständchen zum Frauentag?

Kerstin Leppin: Wir proben für eine große Familienfeier. Nach Feierabend.

Apropos Frauentag. Kann Ihre Generation, Katja, also die der Um-die-30-Jährigen noch etwas damit anfangen?

Katja Leppin: Im vorigen Jahr hat meine Mutter am 8. März eine Feier für alle Frauen aus unserem Dorf arrangiert. Die Jüngeren waren im Vorfeld nicht begeistert, meinten, och, ist doch Nostalgie! Mehr Wertschätzung und Unterstützung der Frauen im Alltag, das wäre nötig – Punkt. Gerade die haben dann besonders interessiert zugehört, als die Sprache auf die Anfänge der Frauenbewegung kam und was wir den Aktivistinnen zu verdanken haben. 

Kerstin Leppin: Eine Kanzlerin, ein bisschen Frauenförderung, das reicht nicht.  

Frauen bleiben monatelang im Weltall, retten als Kapitänin Flüchtlinge, stellen sich an die Spitze der Klimabewegung. Brechen wir das mal runter auf die Agrargenossenschaft Görike-Schönhagen. Wie wurden aus Ihnen Frauen in Schlüsselpositionen?

Kerstin Leppin: Wir haben uns als Agrargenossenschaft 1990 aus der ehemaligen LPG heraus gegründet, einer Vorzeige-LPG übrigens. Heute bewirtschaften wir 900 ha Ackerland, betreiben eine Biogasanlage mit 390 KW und konventionelle Schweinehaltung mit 2.800 Tieren, sind QS- und Tierwohl-zertifiziert. Mein Mann Rüdiger leitet die Pflanzenproduktion und die gesamte Agrargenossenschaft. Ich bin für die Buchhaltung zuständig. 


Katja und Kerstin Leppin grüßen alle Landfrauen zum Frauentag


Einblick, Durchblick, Zahlen. Ihre Leidenschaft?

Kerstin Leppin: Mein Vater wollte mich von allem fernhalten, was mit Landwirtschaft zu tun hat. Plackerei, meinte er! Er wusste, wovon er sprach. Mit Katja agiert die achte Generation unserer Familie hier in Görike. Irgendwann habe ich nachgegeben, Finanzwirtschaft studiert und in der Buchhaltung der LPG angefangen. Sitzende Tätigkeit – war anfangs nicht leicht auszuhalten bei meinem Bewegungsdrang! 

Wie haben Sie den Mangel kompensiert?

Kerstin Leppin: Früher mit Fußballspielen. Aber ich bin ins Metier reingewachsen. Wenn ich mal Zeit habe, werde ich das alles aufschreiben, vielleicht auch unter dem Frauen-Aspekt. Wir haben als Familie schon zu LPG-Zeiten immer geschlachtet und geräuchert. Später haben wir drei, vier Rinder gehalten, die sollten die Wiese um die Ecke pflegen und wurden zu Weihnachten zu Fleisch- und Wurstpaketen für die Belegschaft. Daran anknüpfend entstand die Idee, in die regionale Eigenvermarktung einzusteigen. Mit unserem kleinen Tierbestand war das aber unprofessionell. Dann kam Katja und sagte, das geht besser! Wir stellen auf innovative, ökologische Landwirtschaft mit Tradition um, betreiben Mutterkuhhaltung. 



Katja Leppin: Das war vor zwei Jahren. Die Direktvermarktung ist heute das vierte Standbein der Genossenschaft. Wir haben unseren Tierbestand mit alten Landrassen aufgestockt, halten derzeit 40 Angus-Rinder und 20 Duroc-Schweine sowie Kamerunschafe. Den gesamten Bestand betreue ich eigenverantwortlich. Alle Tierarten werden artgemäß, stressfrei, im eigenen Verband gehalten, wachsen ohne präventive Antibiotikagaben und ohne Leistungsförderer auf. Nach dem Schlachten durch einen Fleischer der Region vermarkten wir die Produkte unter unserem Label „Landgeschmack“. Das habe ich schützen lassen. Wir achten, darauf, dass das ganze Tier verarbeitet wird. 

From nose to tail, von der Nase bis zum Schwanz also.  

Katja Leppin: Es kann nicht angehen, dass Tiere nur eines Filets wegen ihr Leben lassen. Alles hat seinen Wert und kann zu wunderbaren Gerichten zubereitet werden. Man muss nur wissen, wie. Wir haben einen Online-Shop aufgebaut und einen kleinen Hofladen in der ehemaligen Schlachteküche. Wir halten ja drei Tierarten und innerhalb derer jeweils drei Gewichts- und Altersgruppen. Das ermöglicht saisonalen Absatz. Dazu haben wir ein Netzwerk an Kunden geknüpft, vor allem in der Gastronomie der Region und Berlin. Bei jedem Kundenkontakt versuche ich, unsere Art der Tierhaltung zu vermitteln, Details zu Fütterung und Schlachtung, dass das Rindfleisch drei Wochen am Knochen reift, wir kein Pökelsalz verwenden, weil es im Verdacht steht, einige Krebsarten zu begünstigen. Das alles ist noch ausbaufähig. 



Zum Beispiel? 

Katja Leppin: Die Angus-Herde ist noch im Aufbau, letztens war ein Zuchtbulle da. Ein Antrag auf Weideschlachtung läuft, wir werden hoffentlich bald die ersten in der Prignitz sein, die sie praktizieren. Die Methode erlaubt stressärmeres Töten, das wirkt sich positiv auf die Fleischqualität aus. Der Auslauf für die Schweine soll weiter vergrößert und das Umfeld um den Hofladen attraktiver gestaltet werden. Die nächste Etappe feiern wir im Herbst mit einem Bau-Hof-Fest. 

Um all das auf die Beine zu stellen, gaben Sie die Tierme­dizin auf. Doch kein Traumberuf? 

Katja Leppin: Im Moment fühlt sich, was ich mache, hundertprozentig richtig an. Ob das in fünf, sechs Jahren noch so ist, wird sich zeigen. Ich hatte den Antrieb, fast alle Facetten der Tiermedizin kennenzulernen, habe zusätzliche Praktika gemacht, in einer Kleintierpraxis, mit Großtieren, in der Rostocker Tierklinik gearbeitet, promoviert. 

Mit welcher Erkenntnis?

Frauentag Reportage Frau Traktor
Auf dem Traktor: Katja Leppin (c) Sabine Rübensaat

Katja Leppin: Dass der alleinige Praxisalltag und wissenschaftliche Forschung nicht auf mich passen. Ich bin eine Natur-Tante! 

Großtiere wären eine Option. Sie sind ja nahe dran. 

Katja Leppin:  Für mich persönlich und in meinen Augen ist das eine sehr schwere Arbeit für Frauen. Nicht für alle. Vor diesen Kolleginnen habe ich großen Respekt.  

Wir meinen immer, wir müssten alles können. Das wird uns von der Männergesellschaft eingeredet.

Katja Leppin: Die Männer haben damit nichts zu tun. Zumindest in unserem Betrieb arbeiten Männer und Frauen Hand in Hand. Es ist einfach wichtig, über eine gesunde Selbsteinschätzung zu verfügen. Wer sich überhebt, scheitert oft. Als ich anfing, die Direktvermarktung aufzubauen, habe ich parallel in einer Kleintierpraxis gearbeitet, das ging nicht lange gut. Jeder sollte das Instrument spielen, das er am besten beherrscht. 

Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe?

Katja Leppin: Ich kann mich frei entfalten, Ideen einfließen lassen aus allem, was ich mal gelernt, studiert und ausprobiert habe. Vom Kastrieren der Bullenkälber bis hin zur Produktgestaltung, mein Wirkungsfeld ist sehr breit. 

Zu Ihren Kunden gehören derzeit unter anderem angesagte Restaurants der Berliner Spitzen-Gastronomie. Wie kriegt man da einen Fuß in die Tür? 

Katja Leppin:  Ich versuche, viel Aufklärung zu schaffen und die Eckpfeiler unseres Konzeptes hervorzuheben, eben das, was unsere Produkte ausmacht, wofür wir voller Überzeugung stehen. Dann zählen sehr schnell Qualität, Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Termintreue. 

Nur noch dies. Zwei Frauen in Schlüsselpositionen eines Betriebes, dazu Mutter und Tochter, geht das gut?

Frauentag in Görike
Frauentag in Görike © Sabine Rübensaat

Katja Leppin: Wir haben ein geordnetes Regime, jeder hat seinen Part, wir stimmen uns ab, quatschen offen über alles, aber reden uns nicht rein. Manchmal sehen wir uns den ganzen Tag über nicht. Gleichzeitig ist unser Familiensinn stark ausgeprägt. Meine Mutter ist für mich ein wichtiger Impulsgeber, mein Vater steigt sofort ein, wenn ich eine Idee äußere: Um sie dann gemeinsam auf ihre Realitätstauglichkeit zu checken. Wenn ich morgens aufwache, denke ich immer: Womit kann ich heute die Welt ein bisschen besser machen, sei es im Kleinen? Die Zufahrtsstraße zum Dorf müsste dringend erneuert werden. Da bleibe ich dran. Lasse mich sowieso nie abwimmeln oder mit fadenscheinigen Argumenten abspeisen. Ein Leben reicht nicht, um alles zu realisieren, was mir vorschwebt. 

Klingt groß … 

Kerstin Leppin: Wir wollen den Standort Görike und das Dorf erhalten, mit unseren Mitteln. Vor 13 Jahren habe ich einen Chor gegründet. Okay, auch weil mir etwas langweilig war, als die Kinder aus dem Haus waren. Der hat jetzt 35 Mitglieder. Über 15 Prozent der Einwohner Görikes! Es gibt Tanzabende, Vereine, die keinen Winterschlaf kennen … Schaun Sie mal, da drüben steht ein Gehöft leer, man könnte ein Mehrgenerationenhaus draus machen oder etwas anderes in der Art, das Alt und Jung zusammenführt. Ringsherum sterben Dörfer. Seinerzeit hat die LPG den jungen Leuten finanzielle Unterstützung beim Hausbau gewährt, Straßen gebaut, sogar ein kleines Schwimmbad. Das ist jetzt völlig marode. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will die DDR nicht zurückhaben, aber politisch passiert mir zu wenig, damit die Leute nicht abwandern. Entschuldigung, aber jetzt müssen wir doch noch eine Runde proben für unsere Feier! Sonst gehts schief!

Stimmt, harmonisches Zusammenspiel klappt nicht ohne Übung. Nirgends übrigens. 

Das Gespräch führte Jutta Heise 



Wie hoch ist momentan das Vogelgrippe-Risiko?

In Deutschland hat es zum wiederholten Mal einen Fall von Vogelgrippe gegeben. Die Bauernzeitung hat bei Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts, nachgefragt, wie der Experte die aktuelle Gefahrensituation für Geflügelhalter einschätzt.

Bauernzeitung: Prof. Mettenleiter, wie hoch schätzen Sie die Gefahr eines Eintrags mit der hochpathogenen Vogelgrippe HPAIV in einen Nutztiergeflügelbestand in Deutschland ein?

Thomas C. Mettenleiter, Präsident des Friedlich-Löffler-Instituts
Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts: Prof. Dr. Dr. Thomas Mettenleiter (c) FLI

Das Vogelgrippe-Risiko eines Eintrags von HPAIV in Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen durch direkte Kontakte zu Wildvögeln wird vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI) als mäßig eingestuft. Das Risiko eines direkten Viruseintrages in deutsche Geflügelbetriebe durch Lebendtransporte aus EU-Mitgliedstaaten wird als gering erachtet. Das Risiko eines Eintrags durch mit HPAI-Viren kontaminierte Gegenstände aus den betroffenen Regionen (derzeit in Polen, der Slowakei, Rumänien, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Ukraine) wird als mäßig eingestuft.

Wie ansteckend ist das HPAI-Virus des Subtyps H5N8? Wodurch kann die Vogelgrippe übertragen werden? 

Das in den oben genannten Fällen festgestellte Virus zeigt die für Geflügelpestviren typische hoch krankmachende Wirkung und Ansteckungsfähigkeit bei Hühnervögeln und Puten, ähnlich dem 2016/17 aufgetretenen H5N8. Bei Wassergeflügel gehen wir nach den bisher zur Verfügung stehenden Informationen ebenfalls von einer hohen Ansteckungsfähigkeit aus. Die Genomanalysen der in Deutschland aufgetretenen Viren weisen eine sehr hohe Übereinstimmung mit den bislang in Osteuropa aufgetretenen Erregern auf.

Worauf müssen Geflügelhalter in Deutschland jetzt besonders achten? Wie können sie ihre Tiere vor einer Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N8 wirksam schützen? 

Tierhalter sollten ihre Biosicherheitsmaßnahmen überprüfen und bei Bedarf anpassen. Hierfür stehen Checklisten im Internet zur Verfügung. Beispielsweise eine Risikoampel, die von der Universität Vechta in Zusammenarbeit mit dem FLI erstellt wurde. Für Kleinhaltungen hat das FLI ein Merkblatt zur Umsetzung der Mindest-Biosicherheitsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Zudem sollten generell, insbesondere aber in der Nähe zu Geflügelhaltungen entdeckte verendete oder kranke Wildvögel an die zuständige Veterinärbehörde gemeldet werden.


Schwäne auf Rapsfeld, Symbolbild Vogelgrippe

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Geflügelpest in Brandenburg nachgewiesen

Bei einer verendeten Blessgans im Landkreis Spree-Neiße wurde im Januar der Geflügelpest-Erreger H5N8 nachgewiesen. Es ist der erste bestätigte Fall in Deutschland. mehr


Was ist auf Lebendtransporten von Geflügel, besonders durch Osteuropa, zu beachten?

Beim Verbringen von Geflügel aus betroffenen Regionen ist Vorsicht geboten. Hierzu gehört die sorgfältige Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen und Gerätschaften, die aus betroffenen Regionen nach Deutschland verbracht werden. Außerdem sollten Personenkontakte in Geflügelbetrieben, die sich in betroffenen Regionen befinden, vermieden werden und gegebenfalls eine Karenzzeit von mindesten 72 Stunden nach Betreten eines HPAI-verdächtigen Betriebes eingehalten werden (Krankheitssymptome und/oder erhöhte Sterberate).

Was sollte ein Geflügelhalter sofort tun, wenn er verendete Tiere in seinem Stall findet und der Verdacht auf Vogelgrippe besteht?

Falls eine erhöhte Sterblichkeit bei Vögeln beziehungsweise Geflügel auftritt, sollten die zuständigen Behörden unverzüglich benachrichtigt werden.

Interview: Bettina Karl

Neuer Stallboden – weniger Emissionen?

Ein neuer Stallboden könnte demnächst klimaschädliche Ammoniakemissionen in Milchviehställen deutlich mindern. Das lassen erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts in der Gut Dummerstorf GmbH erwarten. 

Von Gerd Rinas

Dr. Holger Brandt
Dr. Holger Brandt

Dort wurden in einem Boxenlaufstall für 360 Milchkühe ein nach Angaben des Herstellers besonders emissionsmindernder Stallboden und ein speziell entwickelte Schieberentmistung eingebaut. „Damit der Gülleschieber funktioniert, muss der Untergrund planbefestigt sein. Dazu haben wir zunächst eine Betonsohle in den vier Laufgängen gegossen. Auf den planbefestigten Stallboden wurde eine Kunststoffplatte aufgeklebt. Auf diese wurde dann der neue Fussboden aufgeschraubt“, berichtete Dr. Holger Brandt, Geschäftsführer des Gutes Dummerstorf.

Die Bauarbeiten begannen im Mai 2018 und wurden Mitte November bei laufendem Betrieb abgeschlossen. Planung und Bauleitung wurden von der Hochbauabteilung der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern ausgeführt. Das Gut Dummerstorf ist ein Tochterunternehmen der Landgesellschaft MV. 

Wie funktioniert der neue Stallboden?

David Janke erklärt neuen Stallboden
Der Schieber reinigt den Fussboden mit einer Lippe und Zähnen aus Kunststoff.

Der neue Stallboden besteht aus speziell profilierten Kunststoffelementen. Viele kleine Querrillen und Längsrillen an den Rändern sorgen dafür, dass der Harn der Milchkühe rasch abtransportiert wird. „Wir gehen davon aus, dass die schnelle Trennung von Kot und Harn durch das besondere Profil des Fußbodens und das spezielle Schiebersystem die Ammoniakemmission in geschlossenen Stallsystemen stark reduzieren. Dieses Wirkprinzip macht sich der neu entwickelte Fussbodenbelag zunutze“, erläutert Betriebsleiter Lucas Pieper. 

Nach dem subjektiven Geruchsempfinden von Mitarbeitern und Besuchern weist das Raumklima in dem etwa 100 m langen Stall mit dem neuen Stallboden deutlich weniger Ammoniak auf als in Ställen mit herkömmlichem Boden.


„Im März beginnen wir mit zwölfmonatigen Stallklimamessungen, die genauen Aufschluss über die Ammoniakemissionen bringen sollen. Wir versprechen uns von dem neuen System eine deutliche Minderung“

David Janke vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam-Bornim

David Janke
David Janke

Das Institut arbeitet seit mehreren Jahren mit dem Gut Dummerstorf als Praxispartner zusammen. „Wir haben hier schon viele Klimadaten zur Optimierung der Haltungsbedingungen von Milchrindern und Minderung klimaschädlicher Emissionen in Milchviehställen gemessen. Damit verfügen wir über Referenzdaten, die wir nach Abschluss der jetzt beginnenden Messungen zur Beurteilung des neuen Fußbodens nutzen können“, so Janke. 

Auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere wirkt sich der neue Stallboden nach Beobachtungen in den vergangenen Monaten offenbar positiv aus.


„Die Tiere fühlen sich wohl. Der neue Stallboden ist trittsicher und vergleichsweise trocken. Das ist gut für die Klauengesundheit.“

Lucas Pieper


In der Praxis wird der neuartige Stallboden seit zwei Jahren bisher von zwei Herstellern angeboten. „Mit 110 bis 170 €/m2 ist es im Vergleich zu herkömmlichen planbefestigten Fussböden in Milchviehställen noch relativ teuer“, so David Janke. Das könnte sich aber ändern, wenn die Untersuchungen in Dummerstorf tatsächlich geringere Emissionen nachweisen und die Nachfrage von Milchviehhaltern nach dem neuen Fußboden steigt.

Sommerkulturen: Hafer in aller Munde

Haferanbau lohnt sich, die Nachfrage der Mühlen nach Schälhafer ist ungebrochen. Wir fassen in unserer aktuellen Ausgabe zusammen, worauf es beim Haferanbau ankommt – und was Sie bei der Vermarktung beachten müssen.

Von David Benzin

Hafer ist attraktiv – ob als wiederentdecktes Grundnahrungsmittel zum Frühstück, in verarbeiteter Form zu diversen Produkten oder als Ackerkultur zur Auflockerung von Fruchtfolgen. Die verarbeitende Hand hat ebenfalls Hunger auf Hafer. Im Zeitraum von 2008 bis 2018 ist die Menge, die in deutschen Mühlen gemahlen wurde, um 70 % gestiegen. Damit wurden 2018 500.000 t Hafer vermahlen.

Diese Daten hat der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS (VGMS) in seiner Broschüre „Hafer – Ein Getreide mit Zukunft“ veröffentlicht. Außerdem enthält das Heft interessante Hinweise zu Verarbeitungsmengen, Anbauflächen und Erträgen sowie pflanzenbauliche Hinweise zum Haferanbau. Wir haben uns die Broschüre genauer angesehen und das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

HaferAnbau: fläche in Ostdeutschland

Die Hafer-Anbaufläche hat sich in den fünf ostdeutschen Bundesländern in den vergangenen drei Jahren positiv entwickelt. In Brandenburg wurden 2018 gut 15.000 ha Hafer angebaut, gefolgt von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 10.000 ha. Im gleichen Jahr standen in Sachsen-Anhalt etwa 6.000 ha Hafer und im benachbarten Thüringen knapp unter 5.000 ha.


Lesen Sie den ganzen Bericht und weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe der Bauernzeitung

Sommerkulturen-Bauernzeitung

Diesmal mit dem Schwerpunkt Sommerkulturen:

  • Haferanbau und Bodenvorbereiter
  • Empfohlene Fruchtfolgebeispiele
  • Körnerliguminosen im Ökolandbau

Wie mit Futtermangel umgehen?

Das zweite Dürrejahr in Folge trifft vor allem rinderhaltende Betriebe hart. Mit welchen Strategien Betroffene mit den Futtermangel angehen können, zeigen wir an ausgewählten Rechenbeispielen. 

Braune Wiesen und vertrockneten Mais kannte man schon aus dem Sommer 2018. In diesem Jahr kam noch erschwerend hinzu, dass die sonst üblichen Vorräte komplett aufgebraucht sind und man mit leeren Händen beziehungsweise Fahrsilos in die neue Saison gestartet ist. Was also tun, wenn absehbar ist, dass die Futtermittel nicht für den bevorstehenden Winter ausreichen? 

Die Möglichkeiten, die Milcherzeuger und Rindermäster haben, um Futterlücken zu schließen, werden mit fortschreitender Zeit immer spärlicher. Wer nicht schon durch die Ernte von Ganzpflanzensilage oder den Anbau von Zwischenfrüchten reagiert hat, muss jetzt auf Maßnahmen in der Innenwirtschaft setzen. Um hier Schnellschüsse zu vermeiden, sollten die möglichen Strategien einer genauen Überprüfung unterzogen und verglichen werden. In der Tabelle wurden sechs Strategien für einen Beispielbetrieb mit 120 Milchkühen und Nachzucht kalkuliert, der eine Ertragsdepression von 20 % bei Silomais und Grünland kompensieren muss. 



Um bei Futtermittelknappheit die richtigen Maßnahmen einleiten zu können, muss vorab die Ist-Situation, also die Situation vor dem Schadereignis, exakt erfasst werden. Hierzu gehört neben der Anzahl von Kühen und Jungvieh und dem Leistungsniveau der Herde auch der Energiebedarf, der aus Grundfutter gedeckt werden muss. Für die Bewertung der finanziellen Auswirkungen ist eine möglichst exakte Darstellung der Direktkostenfreien Leistung unerlässlich. Da sich in einigen Szenarien auch die Lohn- und Mechanisierungskosten verändern, ist es sinnvoll, bis zur Direkt- und Arbeitserledigungskostenfreien Leistung (DAKfL) zu rechnen. Diese beträgt im Beispielbetrieb bei einem Nettomilchpreis von 34 ct/kg ECM nur 4,55 ct/kg ECM. 

Verschiedene Möglichkeiten bei Futtermangel

Der Ist-Situation werden nachfolgend die möglichen Anpassungsstrategien gegenübergestellt.

Abbau von Überbelegung:

In einigen Betrieben werden immer noch mehr Tiere gehalten, als Liege- und Fressplätze vorhanden sind. Hier gilt es zunächst, eine mögliche Überbelegung abzubauen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die verbleibenden Tiere aufgrund der besseren Haltungsbedingungen die entgangene Milchmenge der abgestockten Tiere nahezu kompensieren. Im Beispiel wurde sicherheitshalber nur mit einem hälftigen Ausgleich bei ansonsten linear sinkenden Leistungen und Direktkosten kalkuliert. Bewertet man auch noch die eingesparte Arbeitszeit, verbessert sich das Ergebnis im Beispielbetrieb sogar um 8.778 € gegenüber der Ist-Situation. Dem Abbau einer möglichen Überbelegung sollte daher Vorrang vor allen anderen Maßnahmen eingeräumt werden, um knappe Futtermengen auszugleichen. 

Hungern lassen hilft nicht bei Futtermangel:

Die Strategie der Unterversorgung wurde hier nur rein theoretisch kalkuliert. Allein der Begriff lässt schon auf einen Missstand in der Fütterung schließen. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass jeder Tierhalter verpflichtet ist, seine Tiere art- und bedürfnisgerecht zu versorgen. Deshalb kann eine systematische Unterversorgung gar nicht in Betracht kommen. Würden die Tiere mit 20 % weniger Grundfutter versorgt und die bisherige absolute Kraftfuttermenge beibehalten, würde das Gesamtenergiedefizit zwar nur 10 % betragen, es würde aber gegen essenzielle Grundsätze in der Rationsplanung verstoßen, was wiederum eklatante Folgen in der Tiergesundheit nach sich ziehen würde. Auch betriebswirtschaftlich macht diese Strategie keinen Sinn, denn schon ein zehnprozentiger Leistungsrückgang würde das Ergebnis um 41.778 € belasten. Dabei sind die wahrscheinlich höheren Direktkosten noch gar nicht berücksichtigt. Kurzum: Hungern lassen hilft nicht!  

Grundfutter zukaufen: 

Realistischer ist der Versuch, Grundfutter zuzukaufen. Gerade weil der Niederschlag auf engstem Raum sehr unterschiedlich ausfiel, könnte ein entsprechendes Angebot auch regional vorhanden sein, sodass sich die Transportkosten in Grenzen halten dürften. Im Beispiel wurde unterstellt, dass Grundfutter in Höhe der eigenen Produktionskosten zugekauft werden kann. Dies verursacht zusätzliche Kosten von 28.074 €. Dort, wo sich die Situation anders darstellt, muss mit entsprechenden Zu- oder Abschlägen gerechnet werden. 

Erhöhung des Kraftfutteranteils: 

Es ist kein Geheimnis, dass Kühe in bestimmten Situationen günstiger mit Kraftfutter als mit Grundfutter gefüttert werden können, erst recht, wenn man diesen Vergleich unter Vollkostenbetrachtung anstellt. Würde man also die Futterlücke mit zusätzlichem Kraftfuttereinsatz kompensieren, würde dies günstiger ausfallen als der Grundfutterzukauf. Jedoch müssen auch hier die Grundsätze einer wiederkäuergerechten Fütterung berücksichtigt werden. Ein Kraftfutteraufwand von über 300 g/kg erzeugter Milchmenge ist kritisch zu bewerten und nur in Einzelfällen (zum Beispiel bei kolbenlosen Maissilagen) tolerierbar. Deshalb kann die Erhöhung des Kraftfutteranteils nicht die alleinige Lösung bei Futtermangel sein. 

Jungvieh­bestand reduzieren: 

Es liegt nahe, bei Futtermittelknappheit zuerst die Bereiche auf den Prüfstand zu stellen, die am wenigsten lukrativ sind. Hierzu gehört ohne Zweifel die Jungviehaufzucht. Da schon im Ausgangsbetrieb ein Minus von 578 € je erzeugter Färse zu verzeichnen war, würde jede Färse weniger positiv zum Gesamtergebnis beitragen. So nachvollziehbar eine Verringerung der Jungviehaufzucht auch sein mag, sie ist nicht ad hoc umzusetzen, und der Effekt auf die Grundfuttersituation ist aufgrund der geringen Hebelwirkung nur mäßig. So müsste im Beispielbetrieb fast der gesamte Jungvieh­bestand aufgegeben und nach  
einem Jahr wieder schlagartig aufgebaut werden, um 20 % Grundfutter einzusparen. Trotz betriebs­wirtschaftlicher Vorteile bleibt dies wohl nur eine Teillösung. 

Bei Futtermangel weniger Milchkühe halten:

Ergebnisse der Milchprüfung

Doch wie würde sich eine Reduzierung der Milchkühe auswirken? Der Effekt auf die Grundfuttersituation wäre schon bei geringer Abstockung enorm. Würde der Jungviehbestand aufgrund nicht anderweitig nutzbarer Altgebäude oder Flächen unverändert bleiben, müssten aber 25 % des Kuhbestandes abgebaut werden. Die finanziellen Auswirkungen sind – abhängig vom Milchpreis – jedoch beträchtlich. Im Beispielbetrieb würde der Ergebnisrückgang 33.166 € betragen und damit höher ausfallen als beim Futterzukauf. 

Anzahl Milchkühe und Färsen reduzieren: 

Eine gleichzeitige Reduzierung von Kühen und Färsen ist da schon naheliegender. Der Abbau müsste jeweils 20 % betragen, würde man den bisherigen Kraftfutteranteil in der Ration unverändert lassen. Das Ergebnis würde sich um 23.336 € verringern. Berücksichtigt man, dass vorrangig Milchkühe mit geringer Leistung oder Restnutzungsdauer ausselektiert würden, würde der Fehlbetrag noch wesentlich geringer ausfallen. 

Kombinationen wahrscheinlich 

Vergleicht man die beschriebenen Strategien miteinander, ist dem Abbau einer möglichen Überbelegung Vorrang gegenüber allen anderen Maßnahmen einzuräumen. Die mit Abstand teuerste Variante ist die Unterversorgung, also der Verzicht auf Ausschöpfung des vorhandenen Leistungspotenzials. Wie so oft muss es auch beim Thema Futterknappheit kein Entweder/oder geben, sondern eine vernünftige Kombination mehrerer Möglichkeiten ist machbar. So ist ein anteiliger Futtermittelzukauf in Verbindung mit dem Verkauf überzähliger, nicht selbst benötigter Färsen gut vorstellbar und sinnvoll. 

Der Milchpreis als große Unbekannte 

Die Ergebnisse der verschiedenen Strategien gegen Futtermittelknappheit sind nicht statisch. So wird die Vorzüglichkeit von Maßnahmen, die eine Änderung der Milchmenge zur Folge haben, wesentlich vom zu erwartenden Milchpreis beeinflusst.

Die zur Verfügung stehenden Maßnahmen unterscheiden sich nicht nur in der Wirtschaftlichkeit, sondern sie beeinflussen auch die Liquidität des Betriebes wesentlich. So belastet ein Futtermittelzukauf das Konto anfänglich mehr als eine Viehbestandsabstockung. Der Erhalt der Liquidität darf aber nicht dauerhaft zulasten der Wirtschaftlichkeit gehen, erst recht nicht bei sich häufenden Schadjahren.  

Welche Möglichkeiten haben Rindermäster gegen Futtermangel? 

Die Bandbreite an Maßnahmen, die Rindermästern zur Verfügung steht, ist deutlich geringer als bei Milcherzeugern. So wird ein leichter Futtermangel zunächst häufig durch höhere Kraftfuttergaben ersetzt. Wenn möglich und verfügbar, kommt auch ein Silomaiszukauf oder der Einsatz von Nebenprodukten zum Tragen. Beides geht natürlich deutlich zulasten der Rentabilität. 

Bei einer zweiten schlechten Maisernte wird sich die Situation allerdings dramatisch zuspitzen, da auch hier die Reserven bereits im Vorjahr aufgebraucht wurden. Gerade dort, wo Flächen knapp und teuer sind, wird man auch über eine Bestandsverringerung nachdenken müssen. Die derzeitigen Preise für Rindfleisch tragen ihren Teil dazu bei. 

Fazit

Die zweite Dürre in Folge trifft die Futterbaubetriebe hart. Bevor Maßnahmen getroffen werden, müssen diese kalkuliert und verglichen werden. Dabei geht es darum, den Schaden so gering wie möglich zu halten und liquide zu bleiben. Die aktuelle Situation am Milch- und Rindfleischmarkt ist dabei alles andere als hilfreich. Eine Kombination verschiedener Maßnahmen ist in der Praxis am wahrscheinlichsten.

Josef Assheuer, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen 

Rapsextraktions­schrot: Wertvolles Futter

Die Ergebnisse eines deutschlandweiten Monitorings zeigen: Rapsextraktionsschrot beweist eine hohe Qualität und ist kostbar für die Ernährung – sowohl von Rindern als auch von Schweinen.

Von Dr. Manfred Weber

Winterraps hat eine große Bedeutung für den Ackerbau. Und das, obwohl witterungsbedingt der Anbau zum Erntejahr 2019 deutlich reduziert werden musste. Nach Schätzungen der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) wurden 2018 nur rund 1 Mio. ha Raps deutschlandweit angebaut. Das ist ein Minus von 18 % gegenüber dem Vorjahr. Davon abzuziehen sind noch die Umbrüche von rund 115.000 ha. Als wesentlicher Grund für diese Entwicklung nannten befragte Landwirte den fehlenden Regen, der die Aussaat 2018 nicht oder nur eingeschränkt möglich machte beziehungsweise das Auflaufen der Rapspflanzen verhinderte.  

Das Dürrejahr 2018 überlagert so alle anderen Effekte. Einige Bundesländer waren von den negativen Bedingungen besonders betroffen. Beispielsweise ging die Aussaatfläche in Sachsen-Anhalt um mehr als 34 % zurück. Insgesamt könnte sich die Erntefläche bundesweit noch bis unter 900.000 ha reduzieren. 

Rapsextraktionsschrot stark nachgefragt  

Die Nachfrage nach Rapsextraktionsschrot (RES) in der Fütterung ist dagegen in den letzten Jahren stark gestiegen. Abbildung 1 verdeutlicht, dass sich die als Futtermittel verwendete Menge an RES von 2009 bis 2017 um gute 40 % erhöhte. Gedeckt wird dieser Bedarf zum größten Teil aus deutschen Ölmühlen, die mittlerweile eine Verarbeitungskapazität von 9,6 Mio. t Raps pro Jahr haben. 2017 stand aufgrund einer ebenfalls schlechten Ernte eine Eigenerzeugung von 4,3 Mio. t Raps einem Import von 5,7 Mio. t Raps gegenüber. 2018 wird sich dieses Verhältnis noch weiter zugunsten des Imports verschoben haben, da in Deutschland dürrebedingt nur etwa 3,3 Mio. t Raps erzeugt werden konnten.  

Der stark vermehrte Einsatz von RES lässt erkennen, dass vor allem Rinderhalter es schon seit Längerem als Alternative zum Sojaextraktionsschrot (SES) akzeptieren. Die wesentliche Grundlage dafür legten umfangreiche Fütterungsversuche, die in Koordination zwischen mehreren Landesversuchseinrichtungen und mit maßgeblicher Unterstützung der UFOP durchgeführt wurden. 

Die Versuche zeigen, dass Milchkuhrationen auch im Hochleistungsbereich ganz ohne Sojaextraktionsschrot machbar sind. Damit wird die mittlerweile nahezu als Standard geforderte Gentechnikfreiheit der Futtermittel gewährleistet. Aber auch im Bereich der Schweinefütterung beginnt ein Umdenken. Nachdem Untersuchungen der letzten Jahre deutlich gezeigt haben, dass bei Einhaltung der Empfehlungen für die Gesamtration ohne Probleme bis zu 15 % RES in der Mastschweineration eingesetzt werden können, hat sich der Einsatz im Schweinefutter deutlich erhöht. Interessant ist es immer dann, wenn sich eine Preisrelation von unter 65–68 % zum Preis von Sojaextraktionsschrot (SES) ergibt.  

Stickstoff und Phosphor im Futter reduzieren 

Die neue Düngegesetzgebung schreibt vor, Phophor (P) in der Düngung deutlich zu reduzieren. Daher ist es auch in der Fütterung notwendig geworden, Strategien zu entwickeln, die sowohl Stickstoff (N) als auch P sparen. Darum lag beim durch die UFOP geförderten RES-Monitoring 2018 ein Schwerpunkt im Bereich Mineralstoffe. Insbesondere beim P-Gehalt sollten deutschlandweit Schwankungsbreiten ermittelt werden. Der P-Gehalt ist im RES deutlich höher als beim SES.  

Dafür zogen die Landesfütterungsreferenten 67 RES-Proben, die bei der Landwirtschaftlichen Kommunikations- und Servicegesellschaft (LKS) mbH Lichtenwalde auf Inhaltsstoffe untersucht wurden. Damit schließt das Monitoring an die Untersuchungen vor 2015 an, nachdem in den letzten drei Jahren der Fokus des UFOP-Monitorings bei den Körnerleguminosen lag. Ähnlich diesen Ergebnissen, zeigte RES auch 2018 eine durchgehend gleichmäßig hohe Qualität (Tabellen 1 und 2).  

Eiweißgehalt bei 34 Prozent

Mit einer mittleren Trockenmasse von 89,1 % waren optimale Voraussetzungen für die Lagerung vorhanden. Der Rohfasergehalt bewegt sich im Rahmen der Vorjahre bei 12 %. Der Fettgehalt liegt mit 3,6 % gegenüber den letzten Jahren leicht höher und der Eiweißgehalt wie immer durchschnittlich bei rund 34 %. Alles dies hat keine Auswirkungen auf den Energiegehalt, der  2018 mit 6,4 MJNEL für das Rind und 9,9 MJME für das Schwein im Mittel der letzten Untersuchungen lag. Der Energiewert für das Geflügel liegt mit durchschnittlich 7,6 MJME im Bereich der Tabellenwerte.  

Sowohl die nXP-Werte (224 g) als auch die RNB-Werte (19 g) lagen auf dem Niveau der Werte des letzten Zeitraums. Der Lysingehalt befindet sich 2018 mit 18,3 g/kg etwas niedriger als der Schnitt von 2005–2014. Bei der Untersuchung auf Mengen- und Spurenelemente zeigte sich auch 2018, dass die tabellierten Werte in etwa erreicht wurden. Der besonders interessante P-Gehalt lag in diesem Jahr leicht unter dem Mittelwert der vorhergegangenen Jahre. Man erkennt eine Streuung der Werte, die Abweichungen von gut 20 % nach oben und unten ausweisen. Da wir aber dabei noch im Bereich des Analysenfehlers bleiben, kann man von einer recht niedrigen Streuung sprechen. 

Beim Schwefel liegen die Ana-lysewerte analog der Jahre vor 2015 deutlich niedriger. Hier ist eine Anpassung der Tabellen notwendig. Berechnet man aus den Werten für Kalium, Natrium, Chlor und Schwefel das Kationen-Anionen-Verhältnis (DCAB), das für die Beurteilung einer eventuell bestehenden Milchfiebergefahr in der Vorbereitungsfütterung bei Milchkühen von Bedeutung ist, erhält man hier Werte von durchschnittlich -94 meq/kg. Damit ergibt sich ein Wert, der gegenüber den Vorjahren deutlich tiefer liegt.  

Deklarationen wurden eingehalten 

Im Zuge des Monitorings überprüften Experten die Angaben der Hersteller beziehungsweise Verkäufer von RES in Bezug auf die Rohproteinwerte. Abbildung 2 stellt die Abweichungen für jede einzelne Partie dar. Abweichungen nach oben sagen aus, dass bei den Analysen mehr Rohprotein gefunden wurde als deklariert war. Bei nach unten abweichenden Werten lagen die deklarierten Werte höher als die Analysewerte. Bezieht man die Toleranzen mit ein, haben in diesem Jahr alle bis auf ein untersuchtes RES die deklarierten Rohproteinwerte eingehalten. Die Auswertung zeigt also, dass bei Rationsberechnungen der vom Verkäufer deklarierte Rohproteinwert angesetzt werden kann und sollte.

FAZIT

Rapsextraktionsschrot ist sowohl in der Rinder- als auch in der Schweinefütterung interessant geworden. Das Futtermittel wird als Alternative zum Sojaextraktionsschrot akzeptiert. Damit wird auch die geforderte Gentechnikfreiheit gewährleistet. Ergebnisse des von der UFOP unterstützten Rapsschrotmonitorings ergaben gleichmäßig hohe Qualitäten des Futtermittels.

Wer darf noch Land kaufen?

Für Landwirte sind Fragestellungen des Grundstückverkehrsrechtes immer aktuell. In der letzten Zeit gab es besonders im Verfahrensrecht einige wichtige Entwicklungen, wie unser Experte darlegt.

Von Jon Booth, Rechtsanwalt

Die Bodenmarktpolitik und somit das Grundstückverkehrsrecht als der ordnungsrechtliche Verfahrensrahmen stehen seit mehreren Jahren im Mittelpunkt agrarpolitischer Diskussionen und Begehrlichkeiten. Unter Federführung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden durch entsprechende Bund-Länder-Arbeitsgruppen unterschiedliche Maßnahmenpakete im Bereich des Grundstückverkehrs analysiert und diskutiert. 

Im Bereich der Verfahrensebene hat die grundsätzliche Aufmerksamkeit, die dem Grundstückverkehrsrecht zuteil geworden ist, dazu geführt, dass die zuständigen Genehmigungsbehörden nach dem Grundstückverkehrsgesetz (GrdstVG) jeden Veräußerungsfall sehr intensiv prüfen. Aufgrund der für die Vergangenheit eher ungewöhnlichen hohen Fluktuation landwirtschaftlicher Flächen hat dies dazu geführt, dass es zu einer umfangreichen aktuellen Rechtsprechung im Bereich des Grundstückverkehrs gekommen ist.

Auf folgende aktuelle Entwicklungen der Rechtsprechung im Bereich des Verfahrensrechtes wäre hinzuweisen: Sind Gesellschaften oder Gesellschafter an einem Erwerb landwirtschaftlicher Grundstücke beteiligt, so bestand lange Zeit Unsicherheit darüber, ob und wie die jeweiligen Akteure auf Erwerberseite als Landwirte im Sinne des GrdstVG einzuordnen sind.

Aktive Landwirtschaft als Kaufvoraussetzung

Der Bundesgerichtshof hat sich abschließend mit diesen Fragen beschäftigt. Danach ist jede Gesellschaft, unabhängig von ihrer Rechtsform grundsätzlich erwerbsberechtigt im Sinne des GrdstVG, wenn sie einen aktiven landwirtschaftlichen Betrieb innehat. Diese aktive Betriebsführung ist Grundvoraussetzung für den Erwerb durch eine Gesellschaft. 

Lediglich in einem Ausnahmefall, der sogenannten Besitzgesellschaft, ist ein Erwerb durch ein nicht aktives landwirtschaftliches Unternehmen möglich. In diesem Fall müssen aber die Gesellschafter des erwerbenden Unternehmens gleichzeitig die Gesellschafter bzw. Inhaber der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe sein, denen das Besitzunternehmen die zu erwerbenden Flächen langfristig, satzungsgemäß gesichert, zur Verfügung stellt. Liegt diese Gesellschafter- und Personenidentität nicht vor, wird ein nicht Landwirtschaft betreibendes Unternehmen nicht als Landwirt im Sinne des GrdstVG anerkannt, auch wenn es die Flächen zum Beispiel satzungsgemäß nur an landwirtschaftliche Unternehmen verpachten will. 

Auch Gesellschafter sind gleichgestellt

Etwas komplizierter stellt sich die Sachlage aufseiten der Gesellschafter dar. Kauft ein Gesellschafter einer grundsätzlich Landwirtschaft betreibenden Gesellschaft Flächen, so war lange Zeit fraglich, ob und inwieweit er Landwirt im Sinne des GrdstVG sein kann. Der BGH hat dies nun dahingehend geklärt, dass jeder persönlich haftende Gesellschafter einer Personengesellschaft ­einem Landwirt gleichzustellen ist. 


Unser Experte

Jon Booth ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei Geiersberger, Glas & Partner in Rostock / Schwerin

Webseite: www.geiersberger.de


Zur Begründung orientiert sich der BGH dabei an dem Unternehmerbegriff des Steuerrechts. Kommanditisten sollen danach aber ebenfalls Flächen erwerben können, wenn sie hauptberuflich in der Gesellschaft angestellt sind. Gleiches gilt für Gesellschafter von Körperschaften und Mitglieder von Genossenschaften, die nach dieser Rechtsprechung ebenfalls Landwirten gleichzustellen sind, wenn sie hauptberuflich in dem Landwirtschaft be­treibenden Unternehmen angestellt sind.

Aufstockungsbedarf und Verfahrenshöhe

Hinsichtlich der Frage des Vorliegens der notwendigen dringenden Aufstockungsbedürftigkeit nach § 9 GrdStVG eines besser berechtigten Landwirts hat der BGH seine ursprüngliche Rechtsprechung, die die Aufstockungsbedürftigkeit allein nach einer starren Verhältnisgrenze zwischen Eigentum und Gesamtbetriebsfläche beurteilt hat, aufgegeben. Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kommt es für die Frage der Aufstockungsbedürftigkeit auf sämtliche Umstände des Einzelfalls, also vorhandenes Eigentum, Lage der Flächen zum Betrieb, Betriebsart und weitere besondere Umstände, an. Des Weiteren ist auf verfahrensrechtlich interessante Entscheidungen hinzuweisen, nach denen der Gegenstandswert eines grundstückverkehrsrechtlichen Verfahrens maximal 1 Mio. € betragen darf, auch wenn der Kaufpreis des zu genehmigenden Rechtsgeschäfts diesen Wert übersteigt. Hintergrund ist eine Vorschrift aus dem Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit, die den Gegenstandswert zugunsten der Beteiligten auf 1 Mio. € begrenzt und die für das grundstückverkehrsrechtliche Verfahren Anwendung findet.

Rücknahme einer Genehmigung fraglich

Noch nicht entschieden, aber von erheblicher rechtlicher Bedeutung ist die Frage, ob und inwieweit eine bereits erteilte Genehmigung nach allgemeinem Verwaltungsrecht zurückgenommen werden kann, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Genehmigung rechtswidrig erteilt wurde. Da die einmal erteilte Grundstückverkehrsgenehmigung erhebliche rechtliche Auswirkungen für den Rechtsverkehr hat, ist zu klären, ob eine Rücknahme – wie sie für normale Verwaltungsakte generell möglich ist – überhaupt denkbar ist; wenn dem so sein sollte, welche Anforderungen an den Vertrauensschutz der Beteiligten zu stellen sind, welche Rechtsfolgen die Rücknahme haben kann etc. Dabei wird insbesondere diskutiert, dass eine Rücknahme gegebenenfalls möglich sein kann, wenn die rechtswidrige Erteilung auf Abgabe falscher Angaben durch die Beteiligten im Genehmigungsverfahren erfolgt. Vor dem Landwirtschaftsgericht Neuruppin und dem Landwirtschaftsgericht Magdeburg sind zwei entsprechende Rechtsstreitigkeiten anhängig, die auf besonderes Betreiben des Landes Brandenburg, das hier einen umfangreichen Kauf rückabwickeln möchte und die Rücknahme bereits erteilter Grundstückverkehrsgenehmigungen, dann die Versagung und die Ausübung des Vorkaufsrechts erklärt hat, befördert werden. Für die Praxis ist darauf hinzuweisen, dass also streng darauf geachtet werden sollte, während des Genehmigungsverfahrens keine wissentlich falschen Angaben hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit zu tätigen.

Verpachtung als Gegenleistung des Kaufs

In einem Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg ging es um ein relativ klassisches „Sale-and-lease-back-Geschäft“. Dem Verkauf wurde die Grundstückverkehrsgenehmigung versagt. Die Landgesellschaft vertrat die Auffassung, dass sie nicht verpflichtet sei, den Landpachtvertrag zu erfüllen, da dieser nicht unmittelbarer Gegenstand der kaufvertraglichen Verpflichtungen, sondern ein gesondertes Rechtsgeschäft gewesen wäre. In dem zu entscheidenden Fall folgte das OLG Brandenburg dieser Auffassung, da der Vertrag selbst nicht hinreichend deutlich machte, dass Veräußerung und Rückverpachtung in einem untrennbaren wirtschaftlichen und inhaltlichen Gegenseitigkeitsverhältnis standen.

Insofern ist bei entsprechenden Konstellationen, die in der Praxis häufig vorkommen, strikt darauf zu achten, die vertragliche Gestaltung so zu wählen, dass sichergestellt ist, dass im Falle der Ausübung eines Vorkaufsrechts durch das Siedlungsunternehmen dieses in die Verpachtungsverpflichtung eintreten muss, da die Verpachtung Gegenleistung des Kaufs ist. Es bedarf hier einer entsprechend klaren vertraglichen Gestaltung.

Erwerbsobergrenzen heiß diskutiert

Agrarpolitisch ist zu berichten, dass im Rahmen der oben erwähnten politischen Aktivitäten zwei erhebliche Ordnungsinstrumente immer stärker diskutiert und eingefordert werden. Zum einen soll eine Art Erwerbsobergrenze eingeführt werden. Danach sollen Landwirte, die über eine noch zu definierende Menge Eigentum verfügen, im Genehmigungsverfahren wie Nichtlandwirte behandelt werden, was sie faktisch vom weiteren Erwerb ausschließen würde. Zudem ist es starker politischer Wille, den Erwerb von Geschäftsanteilen von Landwirtschaft betreibenden Gesellschaften ebenfalls der Grundstückverkehrsgenehmigung zu unterwerfen. Entsprechende Gesetzentwürfe hatten die Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen bereits in das Gesetzgebungsverfahren geführt. In Sachsen-Anhalt sollte die Erwerbsobergrenze bei ca. 1.100 ha, in Niedersachsen bei ca. 350 ha liegen. Beide Gesetzgebungsvorhaben wurden aufgrund massiven Widerstands – insbesondere auch des Berufsstands – vorerst gestoppt. Dies heißt allerdings nicht, dass die definierten politischen Ziele nicht weiter verfolgt werden.

Ganzjährige Weidehaltung für Milchvieh

Ganzjährige Weidehaltung: Kälber und Kühe werden in der Agrargesellschaft mbH Kloster Lehnin ähnlich wie in Neuseeland das ganze Jahr über auf dem Grasland gehalten. Wie funktioniert das?

Von Fritz Fleege

Die Milchviehhaltung in Deutschland befindet sich seit Jahren in einem Wandel. Viele Betriebe geben die Weidewirtschaft zugunsten der ganzjährigen Stallhaltung auf. Die Ursachen liegen unter anderem in den Flächenstrukturen der Betriebe, den wachsenden Herdengrößen und in betriebswirtschaftlichen Vorteilen begründet. Die Rinderhaltung hat aber beim Verbraucher eine sehr hohe Akzeptanz, denn er verbindet besonders die Milcherzeugung mit einer naturnahen, tiergerechten und schonenden Produktionsweise. Das Marketing setzt daher bewusst auf grüne Weiden, idyllische Landschaften und grasende Kühe. Berufskollegen, Berater und Interessierte glaubten jüngst ihren Augen kaum, als sie dieses Bild in der Agrargesellschaft Emster-Land mbH in Kloster Lehnin in der Praxis sahen. An dem Treffen zum Thema „Innovativ weiden“ nahmen Experten aus Irland, den Niederlanden, Polen und Deutschland teil.

Erfahrungen aus Irland 

Das Führungsteam: Kevin Kearns (Betriebsleiter), Seams Walsh (Herdenmanager) und die beiden Chefs Paul und Stephen Costello (v. l.).

Über ganzjährige Weidehaltung von Milchvieh gibt es in der Bundesrepublik so gut wie keine Erfahrungen, anders in Irland, wo Paul Costello herstammt. Der junge Landwirt übernahm 2014 einen Milchviehbetrieb in Kloster Lehnin nahe Berlin mit etwa 1.000 ha Ackerland und 500 ha Grünland. Damals wurden dort 500 Kühe ganzjährig im Stall gehalten. So wollte er auf keinen Fall weiter wirtschaften. Ihm schwebte vor, den Betrieb auf ganzjährige Weidehaltung mit saisonaler Abkalbung umzustellen und er etablierte bald ein irisches Rotationsweidesystem. Mithilfe von erfahrenen Weidemanagern sowie neuseeländischer und irischer Technik gelang es ihm, „ein kleines Stückchen Irland nach Brandenburg“ zu holen. Innovative Techniken wie ein neues Melkkarussell mit 60 Plätzen, Messtechniken und Tools zur Bestimmung des wöchentlichen Grasaufwuchses, ein ausgeklügeltes Treibewegenetz und irische Tränkebecken unterstützen das Weidemanagement auf seinen arrondierten Flächen. Die brandenburgischen Verhältnisse sind zwar nicht mit Irland zu vergleichen, dennoch gelang es ihm, trotz durchschnittlicher Jahresniederschläge von lediglich 500 mm gute Weideerträge zu erzielen. Und die Kühe, die Herde ist mittlerweile auf 900 Tiere angewachsen, kommen auf eine durchschnittliche Jahresleistung von 5.000 kg Milch mit 4,5 % Fett und 3,8 % Eiweiß.

Herdenmanagerin mit 25 Jahren

Ganzjährige Weidehaltung: Muster aus Neuseeland 

Die meisten Umstellungen im Unternehmen verliefen parallel zu einander. So stellte man den Kuhbestand nach neuseeländischem Muster überwiegend auf Kreuzungstiere (Jersey x Holstein) um. Die vorhandenen Holsteinkühe ließ man mit Sperma von Jerseybullen besamen, um Kreuzungs-tiere zu erzeugen, und kaufte auch entsprechende Tiere aus Irland zu. Für Jerseykreuzungen entschied man sich auch, weil sie robust und fruchtbar sind und das Weidefutter gut verwerten. Sie geben zwar weniger Milch als die Holsteinkühe, aber dafür mit höheren Inhaltsstoffen an Fett und Eiweiß. Weil sie auch gesünder und langlebiger sind, erreichen sie schließlich eine ähnlich hohe Lebensleistung wie die Holsteins.

Eckpfeiler
Tor- und Eckpfähle müssen stabil und lange haltbar sein.
Plastikpfeiler
Die leichten Streckenpfähle aus Plastik halten die Drähte gut gespannt.
Uwe Herrmann
Uwe Herrmann ist passionierter Zaunbauer.

Da sie unterschiedliche Futteransprüche stellen, befinden sich derzeit die Kreuzungskühe in einer großen Herde und die Holsteinkühe in einer kleineren. Außerdem gibt es noch eine Herde mit trockenstehenden Tieren. Die meisten Kühe kalben im zeitigen Frühjahr ab und legen mit steigendem Grasaufwuchs an Leistung zu. Wenn alles planmäßig weiterläuft, wird man später über zwei gleich große Herden mit je 500 Tieren auf der Weide verfügen. Hauptbesamungszeit ist im Mai und Juni. Gezielt wird Sperma von sogenannten Kiwi-Cross-Bullen der Besamungsorganisation LIC eingesetzt. Um die brünstigen Tiere schnell zu finden, wird ihnen auf dem Kreuzbein eine kleine Farbpatrone aufgeklebt. Im Melkkarussell werden die brünstigen Kühe leicht erkannt, ausgesondert und danach dort besamt. Drei Wochen später kommen Fleischrindbullen zum Einsatz, um sogenannte Umrinderer zu befruchten und Mastkälber zu erzeugen.  

Kühe im Trockenen

Ab Weihnachten sollen einmal alle Kühe etwa zwei Monate trockenstehen. Hauptabkalbezeit ist Februar und März. Die meisten Kühe kalben im Freien ab. Die Kälber kommen zunächst in einem alten umgebauten Kuhstall mit viel Frischluft auf dicker Einstreu unter. Nach der Kolostralmilchgabe erhalten sie zweimal täglich Rohmilch bzw Milchaustauschertränke. Die Milch können sie aus einer Tränke mit zehn Nuckeln aufnehmen. Sobald das Wetter es erlaubt, kommen die weiblichen Tiere im Alter von drei bis vier Wochen auf die Weide. Dort gibt es noch ein Getränk mit dem Patura Milch-Express, wo 30 Tiere gleichzeitig an Nuckeln saufen können. Neben dem Weidegras steht ihnen noch Luzer­neheu und eine Trockenfuttermischung zur Verfügung. Nach drei Monaten, dann sind sie schon gute Futterverwerter, ist Schluss mit der Milchtränke. Die weitere Aufzucht erfolgt auf der Weide. Im Alter von 15 Monaten sind sie zuchtreif, kalben dann mit zwei Jahren ab und ordnen sich termingerecht in die Kuhherde ein.

Rohmilch Milchaustauschertränke

Gutes Management für ganzjährige Weidehaltung

Wichtig ist ein gutes Weidemanagement. So sorgt man über regelmäßige Neu- und Nachsaaten für eine hochwertige Grasnarbe. Gedüngt wird bedarfsgerecht. Vorrangig wird vergorene Schweinegülle eingeschlitzt. Das Grünland wurde in 96 Koppeln mit festen Elektrozäunen unterteilt. Der Aufwuchs wird wöchtlich mit einem Tellerzähler ermittelt. Dieser generiert online einen Graskeil, an dem man auf dem Smartphone ablesen kann, wie viel den Kühen zur Verfügung steht, ob Überschüssiges geerntet oder zugefüttert werden sollte. Kraftfutter erhalten die Kühe im Melkstand. Nach jedem Melken wird den Tieren ein frischer Weideabschnitt zugeteilt. Es wurden Treibewege gebaut, Wasserrohre verlegt und stabile Tröge aufgestellt. Im Winter können sich die Rinder auch auf Sandflächen aufhalten, wo sie Mais- und Grassilage erhalten.  

Die Agrargesellschaft in Kloster Lehnin hat den Beweis angetreten, dass man Milchvieh auch in Deutschland nahezu das ganze Jahr im Freien halten kann. Damit spart man viel Arbeit und Kosten. Die Tiere sind gesünder und leben länger. Künftig will man den Kunden „wirkliche“ Weidemilch anbieten, die reich an Proteinen, CLA und Omega-3-Fettsäuren ist und deren Ursprung bis zum Hof zurück verfolgt werden kann.  

Ursachen für Schwanzbeißen viel komplexer

Stoffwechselstörungen der Schweine sind entscheidend. Auch Mykotoxine spielen dabei eine Rolle. Die wichtigsten Ergebnisse des Thüringer Pilotprojektes zur Caudophagie. 

Von Bettina Karl

Allein die technische Störung eines Lüfters war der Auslöser: Die Schweine kauten an den Schwänzen ihrer Buchtenkollegen herum und verletzten sie. Dabei bestand die unkupierte Gruppe komplett aus vollkommen gesunden und bis dahin verhaltensunauffälligen Tieren. Das berichtete ein Praktiker, der zu den 18 teilnehmenden schweinehaltenden Betrieben des dreijährigen Projektes gehörte. Auf dessen Abschlussveranstaltung in Erfurt wurde vor allem eins deutlich: Die Ursachen für Caudophagie (aus dem Französischen für „Schwanzbeißen“) sind viel umfassender und komplizierter als bisher angenommen. Nicht nur das Futter, die Wasserqualität und -versorgung, das Stallklima, die Genetik, das Platzangebot oder verfügbares Beschäftigungsmaterial beeinflussen mehr oder weniger Schwanzverletzungen. Auch das Zusammenspiel der genannten Faktoren bestimmt, ob Tiere an Schwänzen und Ohren ihrer Artgenossen herumfressen.  

KOmmen die Entzündungen von aussen oder von innen?

Darüber hinaus ist der Stoffwechsel der Schweine für Verhaltensstörungen verantwortlich. Es stellt sich nämlich auch die Frage: Kommen die Entzündungen von außen oder von innen?  

Prof. Dr. Gerald Reiner
Prof. Dr. Gerald Reiner, Schweineklinik, Universität Gießen. (c) Bettina Karl

Hervorzuheben sind dabei die Untersuchungen von Prof. Gerald Reiner, Fachbereich Veterinärmedizin und Klinik für Schweine,  Justus-Liebig-Universität Gießen, die er auf der Veranstaltung vorstellte. Demnach spielen auch Belastungen mit Mykotoxinen, beispielsweise durch Futter, eine entscheidende Rolle für Stoffwechselstörungen. Mykotoxine führen zu Entzündungen der Leber und des Darms der Schweine. 

Es gebe derzeit weltweit kein intaktes Produktionssystem von Schweinen, das eine hundertprozentige Erhaltung des Ringelschwanzes ermögliche, mahnte Prof. Reiner zur Eröffnung seines Referats. „Es wäre aber zu plakativ gedacht, dass es immer nur um das Schwanzbeißen geht“, gab er zu bedenken. Für primäres Schwanzbeißen gibt es verschiedene Gründe (Futter, Haltung, Wasser usw.). 

Sekundäres Schwanzbeißen heißt, es gibt neben den Täter- auch Opfertiere, die stillhalten. Möglich sei das, weil der Schwanz vielleicht zu wenig durchblutet ist oder juckt.  

„Ohne Berücksichtigung des Stoffwechsels gibt es keinen dauerhaften Verzicht auf das Schwanzkupieren.“ 

Prof. Dr. Gerald Reiner, Schweineklinik, Universität Gießen

Darüber hinaus gibt es Schwanznekrosen, das heißt Entzündungen, die ganz ohne Zutun  anderer Schweine entstehen. Beispielsweise bei Saugferkeln in den ersten Lebenstagen, wie eine von ihm vorgestellte Studie an 167 neugeborenen Ferkeln belegt. Ringabschnürungen an den Schwänzen von Saugferkeln weisen auf Durchblutungsstörungen hin. Es gibt Kronsaumentzündungen bei Saugferkeln, die auf Einstreu gehalten werden, sowie Schwellungen und Läsionen am Ballen und Sohlen in den ersten Lebenstagen. „Aber woran liegt das?“, fragte der Experte in den gut besetzten Saal. 

Entzündungen lösen Unwohlsein aus  

Reiner erklärte zunächst, wie überhaupt ein Entzündungsprozess im Körper abläuft: Normalerweise sind Blutgefäße eng und gespannt. Dadurch kann das Blut überall hinfließen. Durch eine Entzündung werden die Blutgefäße geweitet, und das Blut fließt langsamer. Aufgrund die Entzündung selbst entstehen auch Blutgerinnungen. Da sich der Schwanz am Ende des Körpers befindet, muss das Blut dort sowieso erst einmal hinfließen. Eine Verstopfung der Blutgefäße kann eine Entzündung auslösen, die wiederum zu einer Nekrose führen kann (Nekrose: Absterben von Zellen, Gewebs- und Organbezirken als krankhafte Reaktion auf bestimmte Einwirkungen). Entzündungen verursachen Unwohlsein, Appetitmangel und Hormonveränderungen. 

Die Ferkel nehmen möglicherweise nicht nur schlechter zu, dadurch sind die Tiere gestresst, und es kann auch zu Schwanz-beißen kommen.  

Stress durch gestörte Thermoregulation  

Dr. Simone Müller, Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum moderierte die Veranstaltung. (c) Bettina Karl

Zu den wichtigsten Aspekten, die Stress auslösen, gehört eine gestörte Thermoregulation: Zu beachten ist, dass es einer Sau bereits ab 23 °C zu heiß wird. Schweine kühlen sich über Kontakt zum Boden. Daher sollten ausreichend kühle Flächen zur Verfügung stehen. Wenn das nicht möglich ist, trinken die Tiere viel kühles Wasser. Deshalb ist es wichtig, dass genügend frisches Wasser bereit steht. Wenn nicht, holt sich das Tier das Wasser aus dem Darm. Das Kardinalsymptom dafür ist der sogenannte Kamelkot. Dieser bedeutet Wassermangel. Das Tier werde nicht verdursten, so Reiner, aber der Darm ist einer höheren Belastung ausgesetzt. Ein weiterer Aspekt, der Stress auslöst, ist die Fütterung mit zu viel Eiweiß und Stärke  sowie einem zu geringen Rohfasergehalt.

Belastungen kamen von innen  

„SINS ist ein komplexes Krankheitsbild und belastet das Wohlbefinden der Schweine“, appellierte Reiner. Bei SINS (Swine Inflammation and Necrosis Syndrome) geht es um Stoffwechselstörungen. Diese zeigen sich an den Schwänzen, Ohren oder dem Kronsaum. Die oben genannte Studie an 167 neugeborenen Ferkeln, bei denen noch keine Zeit für äußere Einwirkungen war, ergab, dass bereits bei diesen:  

■ die Schwänze regenwurmartig anschwollen und gerötet waren,  

■ die Borsten ausgefallen waren, 

■ der Kronsaum entzündet war und 

■ Entzündungen an der Schwanzbasis vorkamen.  

Aktionsplan Kupierverzicht

Seit dem 1. Juli 2019 muss jeder Schweinehalter in Deutschland, der Schweine mit kupierten Schwänzen hält, anhand einer Tierhaltererklärung/Risikoanalyse nachweisen, warum das Kupieren in seinem Tierbestand notwendig ist.

„Diese Entzündungen kamen nachweislich von innen und nicht durch äußerliche Einwirkungen“, erkannte Reiner. Daraufhin wurde der Stoffwechsel der Tiere untersucht und festgestellt, dass die Leber „einfach gesagt, umgeschaltet hatte – vom normalen Stoffwechsel auf den Entzündungsstoffwechsel“. Das belastet die Tiere, ist an Schwänzen und Ohren zu sehen und befördert auch sekundär das Schwanzbeißen.

„Wenn die Wasserqualität nicht stimmt, dann trinken die Ferkel weniger. Wie viel sie saufen, kann man nur mithilfe einer Wasseruhr überprüfen. Man sieht es ihnen nicht an.“ 

Melanie Große Vorspohl, Tierproduktion Allersleben

Auch die Genetik beeinflusst Schwanzläsionen bei Schweinen. Über 50 Jahren wurden die Tiere auf eine immer höhere Leistung gezüchtet. Um das genetische Potenzial voll ausschöpfen zu können, muss man sehr energiereiches Futter geben. Auch das belaste den Darm, so Reiner. 

Nur gesunde Ferkel für unkupierte Gruppe  

Melanie Große Vorspohl
Melanie Große Vorspohl, Tierproduktion Allersleben. (c) Bettina Karl

„Die Ursachen für Schwanzverletzungen sind multifaktoriell“, resümierte auch Melanie Große  Vorspohl aus ihren Erfahrungen. Sie ist Betreiberin der Tierproduktion Alkersleben GmbH, eines der federführenden Praxisbetriebe des Projektes.  

Ferkel für die Gruppen mit langen Schwänzen sucht Melanie Große Vorspohl für ihren Betrieb selbst nach folgenden Kriterien aus:  

■ nur Ferkel von Sauen ohne MMA (Mastitis-Metritis-Agalaktie), 

■ nur gesunde Ferkel, die beispielsweise keinen „Kamelkot“ haben und noch nie Durchfall  hatten,

■ keine Ferkel von Jungsauen und 

■ nur Ferkel von den besten  Zuchtsauen.

Bei den Gruppen mit unkupierten Schweinen reduziert die Tierhalterin die Besatzdichte um zehn Prozent. Darüber hinaus wird rohfaserreiches Futter zugefüttert. „Wenn dann keine Influenza kommt, besteht die Chance, dass die unkupierten Ferkel bis zur Mast gesund mit ganzen Schwänzen durchlaufen“, sagte sie und schlussfolgerte:  

■ die Risikoanalyse muss alle Stufen der Schweinehaltung umfassen,  

■ wir brauchen mehr Wissen, um Nekrosen (SINS) in Aufzucht und Mast zu vemeiden, 

■ wir brauchen mehr Kenntnisse über Mykotoxine. 

Auf keinen Fall sollten die Schweinehalter erwarten, dass einzelne Maßnahmen sofortige  Effekte bringen. 

Über ein Jahr Schwänze nicht mehr kupiert 

Bei allen Schwierigkeiten, die während des Projektes festgestellt wurden, gibt es Lichtblicke. Sieben Unternehmen haben nach einer über zweijährigen Vorbereitungszeit die Haltung unkupierter Tiere mit kleinen Gruppen, teilweise in bis zu sieben Wiederholungen erprobt. Einer der Projektbetriebe kupiert inzwischen über ein Jahr die Schwänze seiner Ferkel nicht mehr. Ein weiterer Betrieb kann – aufgrund der sich langsam entwickelnden Nachfrage von kleinen Gruppen unkupierter Tiere – diese an Mäster verkaufen. Eine andere Schweinehaltung hat im zweiten Quartal 2019 größere Partien unkupierter Tiere aufgezogen und vertragsgebunden verkauft.

Schlussfolgerungen aus dem Projekt

■ Schwanzverletzungen werden durch viele Faktoren verursacht, diese sind insbesondere: Fütterung, Wasser, Stoffwechsel/Tiergesundheit, Haltung, Genetik und Beschäftigungsmöglichkeiten.

■ Die Haltung unkupierter Schweine erfordert eine intensive Risikoanalyse der Haltungsbedingungen, der Tiergesundheit und des Managements.

■ Die erkannten Schwachstellen müssen in allen Bereichen abgestellt werden.

■ Der Optimierungsprozess braucht viel Zeit und eine ernsthafte Zusammenarbeit aller Beteiligten der Kette in der Schweinehaltung: Tierarzt, Ausrüster für Stallklima/Haltungstechnik, Futtermittellieferanten, Ferkelerzeuger und so weiter.

■ Einzelne Maßnahmen bringen keine sofortigen Effekte. Selbst in der Summe der Schritte kann der Erfolg ausbleiben.

■ Es sollte erst mit der Haltung unkupierter Tiere begonnen werden, wenn es die betriebsspezifische Risikoanalyse zulässt, es keine Ohrrand- oder Schwanznekrosen und Schwanzbeißen im kupierten Bestand gibt und eine stabile Tiergesundheit besteht.

■ Unkupierte Tiergruppen stellen höhere Anforderungen an die – Haltung: altersgerechte Wasser- und Futterversorgung, mehr Platz, stabile Tiergesundheit, optimales Stallklima, verschiedene Beschäftigungsmaterialien und so weiter, – Genetik: ein fittes und gesundes Schwein, – Betreuung: Mitarbeitervorbereitung sowie -schulungen und – eine intensive Tierbeobachtung und Dokumentation

■ Selbst bei bester Prognose ist das Risiko von Schwanzverletzungen bei unkupierten Tieren erhöht. Damit können mehr Behandlungen und Selektionen notwendig werden.

■ Unkupierte Schweine fordern einen höheren personellen und finanziellen Aufwand.

■ Der Pozess muss ständig überwacht und bei veränderten Bedingungen (Genetik, Futter, Technologien) neu konzipiert werden.

Im Porträt: das Jersey-Rind

Es stammt ursprünglich von der Kanalinsel Jersey und zeichnet sich durch einen besonders hohen Milchfettgehalt aus. Dennoch spielte das Jersey-Rind in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle.

Von Prof. Dr habil. Dr agr. Wilfried Brade

Das Jersey-Rind stammt ursprünglich von der Kanalinsel Jersey (Herdbuchgründung: 1833). Das Jersey-Rind ist gelblich bis hellbraun gefärbt (rehbraun) und das kleinste heimische Milchrind. Die Kühe wiegen nur 400 bis 450 kg und haben eine Widerristhöhe von 120 bis 125 cm. Das wichtigste Rassemerkmal ist der äußerst hohe Milchfettgehalt (ca. 5 bis 6 %). Dafür ist die Milchmenge deutlich geringer als bei den meisten anderen Milchrassen.

Männliches Jersey-Rind

Jersey männlich

Weibliches Jersey-Rind

Jersey weiblich

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden Tiere dieser Rasse insbesondere nach den USA, Dänemark und Neuseeland exportiert. Dort entstanden aus den importierten Tieren größere Bestände als auf der Jerseyinsel.

In Deutschland spielt(e) das reinrassige Jersey-Rind immer nur eine untergeordnete Rolle (2014: < 2.000 Milchkühe im Herdbuch). Jedoch bereits in den 1920er Jahren wurden von Prof. Frölich im Haustiergarten der Uni Halle erste Kreuzungsversuche mit Jerseys initiiert. Sie führten zu umfassenden Kreuzungsstudien im Tierzucht-Institut Dummerstorf ab 1939. Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der DDR auf diese frühen Studien in Dummerstorf systematisch aufgebaut (Dr. Lenschow und Mitarbeiter).

Jersey-Bullen für die Kreuzung

In der ehemaligen DDR wurden somit bereits ab Anfang der 1960er Jahre Jersey-Bullen als Kreuzungspartner sowohl für Kühe der Schwarzbunten Niederungsrasse als auch das Fleckvieh – vor allem zur Erhöhung des Fettgehaltes – eingesetzt. Dazu wurden speziell Dänische Jersey-Bullen importiert. Die spätere Züchtung des Schwarzbunten Milchrindes (SMR) – ab Mitte der 1960er Jahre in der DDR konsequent vorgegeben (gegen den Willen vieler Herdbuchzüchter) – baute somit auf das bereits laufende Jersey-Programm auf.

Kuh-Ortung mit dem Smartphone

Nach der Wiedervereinigung endete das separate SMR-Zuchtprogramm in der DDR abrupt. Als Begründung ist hierfür vor allem die konsequente Ablehnung der zentralistisch-diktatorischen Tierzuchtverwaltung (VVB Tierzucht, Kombinat) durch die nun wieder mündigen Landwirte einschließlich die Überbetonung des Milchfettgehalts im SMR-Zuchtprogramm und eine deutlich geringere Euterqualität gegenüber den bundesdeutschen Schwarzbunten zu nennen.

Aberdeen Angus: Rind im Kurzportrait

Sie sind klein, reinerbig hornlos und gelten als besonders gutmütig im Umgang. Derzeit entstehen in Deutschland wieder mehrere große Herden der Rasse Aberdeen Angus.

Von Christoph Görner 

Diese Rinderrasse hat ihren Ursprung im Nordosten Schottlands in den Grafschaften Aberdeen und Angus. Dabei handelte es sich um kleinere hornlose  Rinder. Die Einwanderung der Kelten brachte möglicherweise das Angus Rind in diese rauen klimatischen Gebiete.

Erste züchterische Nachweise dieser Rasse fand man an Hand von Ausgrabungen, die an das Ende des 18. Jahrhunderts eingeordnet werden. Heute findet man Aberdeen Angus weltweit verbreitet. So z.B. auch in Kanada, Nord- und Südamerika, Argentinien, Australien, Dänemark und auch in Deutschland. 

Aberdeen Angus Herde

Aberdeen Angus Herde

Aberdeen Angus Jungbulle

Aberdeen Angus Jungbulle

Aberdeen Angus männlich

Aberdeen Angus männlich

Aberdeen Angus weiblich

Aberdeen Angus weiblich

Aberdeen Angus weiblich

Aberdeen Angus weiblich

Durch Einkreuzung auf die heimischen Rassen Schwarzbunte, Fleckvieh und Gelbvieh in Deutschland begann man 1955 mit dem Aufbau der Rasse Deutsch-Angus, die zum jetzigen Zeitpunkt nur noch als Angus bezeichnet und neben reinrassigen Aberdeen Angus gehalten wird. 

Aberdeen Angus in Schwarz und Rot

Aberdeen Angus wird in den Farbschlägen Schwarz und Rot gezüchtet. Die reinerbig hornlosen Tiere sind sehr rumpfig, feingliedrig, wüchsig und frühreif. Beim Rahmen bewegt man sich je nach ökonomischer Ausrichtung des Zuchtbetriebes vom mittleren bis zum großen Rahmen. Der mittlere Rahmen wird dort bevorzugt, wo eine Selbstvermarktung mit  8-10 Monaten das Ziel ist.

Der etwas größere Rahmen gilt der Erhaltungszucht für genügende Ausprägung von Schulter, Rücken und Hinterhand zur Erlangung gut ausgebildeter Fleischpartien. Bemerkenswert ist der gutmütige umgängliche Charakter der Rasse, sowie die ausgeprägte Mütterlichkeit der weiblichen Tiere. Letztere verfügen außerdem über eine sehr gute Milchleistung, die einen sichtbaren Aufzuchterfolg bedingt. 

Hervorzuheben ist die ausgeprägte Leichtkalbigkeit, die in der Regel keinen zu hohen Zeitaufwand während der Abkalbeperiode erfordert und geringere ökonomische Verluste gegenüber anderen Rassen erwarten läßt. 

Die wichtigsten Maße und Gewichte:

BulleKuh
Kreuzbeinhöhe (cm)133131
Gewicht (kg)850750
Geburtsgewicht (kg)3835
Erstkalbealter (Monate)33-36

Aberdeen Angus wird neben den auch in Deutschland verbreiteten Angus in einem eigenen Herdbuch geführt und ist durch internationalen Bullen- und Spermaaustausch gekennzeichnet. Die in Deutschland vorhandene Rasse Angus wurde den entsprechenden Standortbedingungen und Futtervoraussetzungen zielgerecht gezüchtet. Zahlenmäßig ist die Rasse zur Zeit in größerem Umfang vorhanden. Trotzdem entstehen augenblicklich wieder mehr reine Aberdeen Angus Herden, die durch den internationalen Trend bedingt sind.

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