Der Rückbau im Biogasanlagenpark beginnt

Der Fachverband Biogas hat aktuelle Branchenzahlen veröffentlicht: Die installierte elektrische Leistung des deutschen Anlagenparks erreichte im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 5.000 Megawatt. Doch die Prognose für 2020 fällt trotzdem weniger positiv aus.

Von Christoph Feyer

Laut dem Fachverband Biogas e.V. (FvB) haben die gut 9.500 deutschen Biogasanlagen im vergangenen Jahr 33,33 Terawattstunden (TWh) klimafreundlichen Strom erzeugt, was den Bedarf von über 9,5 Millionen Haushalten deckt, und zusätzlich knapp 13 TWh Wärme bereit gestellt. Das entspricht einem Viertel der deutschen Stromerzeugung aus regenerativen Quellen. Doch für das laufende Jahr zeigen die Branchenzahlen allerdings eine negative Tendenz.

Standen 2019 den knapp 100 Neuanlagen nur 15 Stilllegungen gegenüber erwartet der Fachverband Biogas für 2020 erstmals seit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) einen signifikanten Rückgang im Anlagenbestand und auch in der Strom- und Wärmebereitstellung. Bei etwa gleichbleibender Zahl an Neuanlagen wird es 2020 voraussichtlich 250 Stilllegungen geben, was einem Netto-Rückbau von über 160 Anlagen entspricht.

“Ab jetzt beginnt der faktische Rückbau”

Die arbeitsrelevante Leistung sinkt dadurch von 3.810 auf 3.794 MW und damit auch die Stromproduktion. Darüber hinaus deutet sich ein sinkender Zubau flexibler Leistung an.

“Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass ab jetzt der faktische Rückbau der Biogasanlagen-Kapazität beginnt“, kommentierte Horst Seide, der Präsident des Fachverbandes Biogas, die Vorstellung der aktuellen Biogas-Branchenzahlen im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz.

Anlagen sehr ungleich verteilt

Der FvB machte zudem deutlich, dass die Verteilung der Biogasanlagen in Deutschland sehr unterschiedlich ist. es gibt eine Biogasanlagenkonzentraton im Süden (vor allem dem Pionierland Bayern) und im Norden, vor allem im Agrarland Niedersachsen. Das spiegelt sich auch in der Verteilung der installierten elektrischen Leistung (als Maßzahl für die jeweilige Anlagengröße) wider.


Im Detail: Branchenzahlen 2019 und Prognose der Branchenentwicklung 2020


Der FvB-Präsident verwies in diesem Zusammenhang auch auf das Potential, das noch in vielen Bundesländern schlummere, beispielsweise in Ostdeutschland. Gleichzeitig appellierte er an die Bundesregierung jetzt die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen. Die Gründe für aktuelle Entwicklung seien vielfältig: fehlende Perspektive, ständig steigende technische Anforderungen und Auflagen sowie mangelnde Wertschätzung.

Deshalb fordert der Fachverband Biogas schnellstmöglich eine Stabilisierung und Weiterentwicklung des Anlagenbestandes über die Anpassung der Ausschreibungsvolumina und der Ausschreibungsverfahren, außerdem eine Weiterentwicklung der Sondervergütungsklasse für Güllevergärungsanlagen sowie die Abschaffung des Flex-Deckels im EEG. „Die Bundesregierung muss mit der in diesem Herbst geplanten EEG-Novelle eine klare Entscheidung für eine verlässliche, erneuerbare Energieversorgung und einen starke inländische Biogasindustrie treffen“, resümierte der Verbandspräsident.


Biogas nach EEG: Jetzt Entscheidungen treffen

In Thüringen können landwirtschaftliche Biogaserzeuger eine geförderte Beratung in Anspruch nehmen, um sich für den Weiterbetrieb ohne EEG-Vergütung fit zu machen. So will man verhindern, dass sinnvolle Anlagen stillgelegt werden. mehr



Schloss Wartin: Ein Refugium für freies Denken

Wer im Norden der Uckermark Schloss Wartin besucht, findet kein schickes Fünf-Sterne-Landhotel. Vielmehr entdeckt er einen stillen und stilvollen Ort der Wissenschaft, Kultur und Toleranz.

Von Christoph Feyer

Das lateinische Wort „refugio“ kann man mit „entfliehen“, „entweichen“ oder „eine Zuflucht nehmen“ übersetzen. Zudem bildet es den Wortstamm für „Refugium“. Und obwohl Dr. Charles Elworthy, der Stiftungsvorstand von Schloss Wartin, zu keiner Zeit auf der Flucht war, kann man mit „Refugium“ wohl am besten beschreiben, was diesen Ort ausmacht: Es ist ein Zufluchtsort.

Charles Elworthy, seine Frau Nui und
die sechsjährige Bini.

Charles Elworthy wuchs als Sohn eines neuseeländischen Landwirts auf. Seine Vorfahren, Schafzüchter aus England und Schottland, waren 1860 ans andere Ende der Welt ausgewandert und hatten sich dort eine neue Existenz aufgebaut. Sein Vater, Peter Elworthy, setzte die bäuerliche Tradition mit Schafen, Rindern und Rotwild erfolgreich fort. Gleichzeitig engagierte er sich stark im dortigen Bauernverband und wurde sogar Präsident der Federated Farmers of New Zealand. In dieser Funktion trat er bereits in den 80er-Jahren dafür ein, Agrarsubventionen abzuschaffen und dafür zu sorgen, dass Landwirte über angemessene Produktpreise ihr Einkommen erwirtschaften können. Dies führte damals schon zu intensiven Diskussionen mit seinen Amtskollegen, auch mit Constantin Freiherr von Heereman.

Heute führt Charles‘ Bruder Forbes die Farm. „Er war und ist deutlich mehr Landwirt als ich. Mich zog es dafür in die weite Welt“, erzählt der sympathische Endfünfziger. Deshalb übertreibt man auch nicht, wenn man ihn einen Weltreisenden nennt: Er studierte im englischen Cambridge Ökonomie, an der amerikanischen Eliteuniversität Yale Politik, promovierte an der Freien Universität Berlin, hatte Gastprofessuren an der Uni Stettin und forschte in Oxford über Ökologie und Landwirtschaft.

Wartin: Ein Schloss in der Uckermark

Und wie kommt man dann auf ein Schloss in der Uckermark? Daran ist sein langjähriger Berliner Politikprofessor und Freund Hans-Joachim Mengel schuld. Gemeinsam mit ihm gründete er 1991 den Verein „Europäische Akademie Schloss Wartin“ und sicherte so die kulturelle Nutzung des historischen Anwesens. Das Bundesvermögensamt, das mit der „Verwertung“ des Landsitzes (inklusive Schlosspark und einem halben Hektar der LPG-Gärtnerei) beauftragt war, hatte das zur Bedingung gemacht, um alles der Gemeinde Casekow überschreiben zu können. Damit begann eine sehr produktive Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Verein. Mit Bürgermeister Wilhelm Becker wurde ein Erbpachtvertrag für das Gutshof-Ensemble abgeschlossen und nach dem Vorbild der „Academia“, ergänzt durch Elemente der Studentencolleges in England, bauten die beiden eine ganz besondere Begegnungsstätte auf, an der sich Studenten mit ihren Dozenten zum Lehren, Lernen und Forschen, aber auch zum gemeinsamen Kochen zusammenfinden konnten.

Schloss Wartin: Wechselnde Bewohner

Das Schloss, das strenggenommen eigentlich „nur“ ein zweigeschossiges Herrenhaus ist, wurde 1695 unter Rittmeister Christoph von der Osten als Gutshaus des Rittergutes Wartin im barocken Stil erbaut. Um 1830 bekam es ein neogotisches Kleid mit Türmchen und angedeuteten Zinnen nach englischem Muster übergezogen. Später, im Dritten Reich, wurde es Gauleiterschule und erneut massiv umgebaut. Unter anderem ersetzte man die alten Kachelöfen durch eine Schwerkraftheizung. Zu DDR-Zeiten zogen dann Kindergarten, Gemeindeschwester und Friseursalon in das historische Gemäuer.

Jeder Raum im Schloss hat seinen besonderen Reiz. Die wieder installierten Kamine und Kachelöfen sind alle funktionsfähig, denn die Schornsteine blieben in den 30er-Jahren, als man die Originalöfen rausriss, zum Glück frei von Bauschutt.

Trotz dieser steten Nutzung war das Gebäude 1990 jedoch in einem bedenklichen Zustand. Es begann eine aufwendige Sanierung, die Jahre in Anspruch nehmen sollte und von der Denkmalschutzbehörde streng, aber wohlwollend begleitet wurde. Unterstützung erhielten die beiden Professoren vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam, aber auch von der breiten Öffentlichkeit. Zudem halfen viele Fördermittel und Spendengelder. 1995 erhielten sie den Brandenburgischen Denkmalpreis. 2003 konnte der Verein das Schloss dann von der Gemeinde kaufen, überführte es in die Stiftung „Collegium Wartinum“, und sicherte so die wissenschaftliche und kulturelle Nutzung des Gebäudes dauerhaft.

Umweg über Thailand und Großbritannien

Charles Elworthy zog dann aber 2011 nach Thailand, ins Heimat-land seiner Frau Sununtha (Nui). Sie hatte auch in England studiert und später als Managerin gearbeitet. Nach zwei Jahren zog das Paar zurück nach Oxford und Charles gründete mit seinem Bruder eine Start-up-Firma für Digitallösungen in der Landwirtschaft, in der heute über 130 Mitarbeiter beschäftigt sind. Zeitgleich pendelte er als Stiftungsdirektor vom Collegium Wartinum und für die Mitarbeit im Verein Europäische Akademie regelmäßig nach Wartin. Doch dann erkrankte Hans-Joachim Mengel schwer und musste sich aus Wartin zurückziehen. Daraufhin zog Charles mit seiner Familie Ende 2018 zurück in die Uckermark, die für ihn schon längst zu einer neuen Heimat geworden war. Er gründet eine Betreibergesellschaft und sorgt so für die stabile wirtschaftliche Grundlage.

Schloss Wartin: Ort für Tagungen und Traumhochzeiten

Heute finden in Wartin neben wissenschaftlichen Tagungen, Studientreffen, Workshops und kulturellen Veranstaltungen vor allem (Traum-)Hochzeiten, Familien- und Firmenfeiern statt. Danach schwärmen die Gäste immer wieder von der besonderen Atmosphäre, die der Stiftungsvorstand und seine Frau Nui mit ihren Mitarbeitern geschaffen haben. In den mit viel Stil eingerichteten Zimmern finden sich Möbel verschiedenster Epochen, etliche davon Spenden. Es stehen riesige Kachelöfen in den Räumen, die vor der Luxussanierung aus Bürgerhäusern im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg gerettet wurden. Eine Bibliothek, der große Gartensalon und der romantische Schlossgarten bieten viel Raum zum Entspannen und Verweilen, aber auch für Begegnung und frohes Beisammensein.

Tolerant und weltoffen

Die Tulpen, die Nui Elworthy für Händler und Wochenmärkte herangezogen hat, mussten diesmal vor allem im Direktvertrieb vermarktet werden.

„Wir haben bewusst keine Fernseher auf den Zimmern. Die Gäste sollen miteinander reden“, erklärt Charles. „Wir wollen den Gedankenaustausch und freies Denken fördern.“ So viel Toleranz, Offenheit und Weltgewandtheit, die der Weitgereiste vorlebt, findet man heute leider kaum noch, und das schätzten seine Gäste sehr. Darunter sind auch homosexuelle Hochzeitspaare, denn in Wartin ist auch Anderssein normal.

Unnormal hingegen ist auch hier die aktuelle wirtschaftliche Situation. „Tagungen, Workshops oder Trauungen plant man ja nicht von heute auf morgen“, berichtet Charles. „Oft haben wir internatio-nale Hochzeitsgesellschaften. Deshalb mussten wir mit vielen Brautpaaren die Feierlichkeiten auf 2021 verschieben.“ Nun versucht er über ein Internetportal verstärkt kurzentschlossene Gäste auf Wartin aufmerksam zu machen. Er baut darauf, dass sich die Menschen jetzt wieder mehr auf das Naheliegende besinnen. Aber Vorsicht! Es besteht die Gefahr, dass man im Alltag dann sehr schnell wieder Sehnsucht nach diesem Zufluchtsort bekommt.

Nicht nur in der Krise systemrelevant

Der Begriff “systemrelevant” wurde bislang nur in Verbindung mit Gesundheitsberufen genannt, die das Land am Laufen halten. Doch auch von einer funktionierenden Land- und Ernährungswirtschaft ist unsere Gesellschaft abhängig. 

Es kommentiert Ralf Stephan

Von heute auf morgen hat sich unser Leben verändert. Ganz plötzlich tauchen Sorgen um enge Angehörige und Freunde auf, die bislang unnötig erschienen. Wir erleben Einschränkungen, die unseren Bewegungs- und Entscheidungsspielraum radikal beschneiden. Vieles, was im Privaten wie im Beruf als unumstößlich, nicht veränderbar oder auch einfach nur zuverlässig galt, ist auf einmal fraglich.

Eine besondere Dimension

Chefredakteur Ralf Stephan, Bauernzeitung
Ralf Stephan, Chefredakteur Bauernzeitung (c) Sabine Rübensaat

Diese Prüfung hat für Landwirte eine besondere Dimension. Sie müssen trotz allem Tiere, die ihnen anvertraut sind, füttern und versorgen. Formulare bearbeiten, Steuern prüfen, ja selbst Zeitung machen kann man heute im Home­office. Nicht aber Kühe melken. Ackerbauern mögen auf ihren Maschinen kein Problem mit der seuchenhygienisch nötigen Distanz zu anderen zu haben. Auch sie tragen aber eine besondere Verantwortung. Ob ein Kinofilm jetzt fertig wird oder nicht – wer merkt das schon. Auf dem Feld jedoch werden jetzt die Weichen für eine gute Ernte gestellt. Eine Ernte, das lässt sich nicht laut genug sagen, die die Ernährung von über 80 Millionen Menschen sichert. Einer Bevölkerung, die sich quasi über Nacht nicht mehr auf das Funktionieren globaler Handelsströme verlassen kann, wohl aber auf die stabile Lebensmittelversorgung aus dem eigenen Land.

Gut zu wissen, dass dies auch in der Gesellschaft immer noch so gesehen wird. Oder man sich zumindest noch rechtzeitig wieder darauf besinnt. Als dar­über zu entscheiden war, welche Bereiche der Gesellschaft als systemrelevant einzustufen und während der Krise mit Vorrang zu unterstützen sind, gab es um die Landwirtschaft keine lange Diskussion. Zumindest nicht auf Bundesebene. In manchen Ländern bedurfte es klärender Nachfragen, die aber – mit Abstrichen in Thüringen – im Sinne der Landwirtschaft beantwortet wurden. Diese Einstufung als unabdingbar wichtig für das Funktionieren des Landes hatte einen kleinen, aber wichtigen Nebeneffekt: Sie ist Balsam auf die Seelen vieler in der Landwirtschaft Tätigen. In der Vergangenheit haben sie viel zu oft das Gefühl ertragen müssen, ihre Arbeit sei eigentlich gar nicht mehr erwünscht, zumindest nicht mehr wertgeschätzt.

Die Nach-Corona-Zeit wird kommen

Jede Krise birgt Chancen. So auch diese. Auch wenn es derzeit alle Kraft kostet, den aus den Fugen geratenen Alltag zu bewältigen: Es wird eine Zeit nach Corona geben. Das Verständnis für eine stabile, leistungsfähige und nach hohen Standards arbeitende heimische Landwirtschaft sollte darin eine größere Rolle spielen als bisher.

Bis es so weit ist, liegt vor uns allen eine harte und vermutlich lange Zeit. Wir Fachjournalisten werden unsere Leserinnen und Lesern trotz eingeschränkter Arbeitsmöglichkeiten mit allen wichtigen Informationen versorgen. Dringendes veröffentlichen wir unverzüglich auf unserer Website. Abonnenten der gedruckten Zeitung können sich vorsorglich registrieren, damit sie im Notfall kostenlos auf unsere digitale Ausgabe zugreifen können. Unsere Bitte: Halten Sie umgekehrt auch uns auf dem Laufenden! Schreiben Sie uns per Brief, E-Mail oder Facebook-Kommentar, was Sie besorgt und wo es klemmt.

Wir wollen nach wie vor genau hinsehen. Zum Bespiel, wie die offiziell erklärte Systemrelevanz der Landwirtschaft vor Ort umgesetzt wird. Dass etwa Mitarbeiter, die jetzt im Frühjahr Schlüsselmaschinen bedienen, ihre Kinder nicht in der kommunalen Kita unterbringen dürfen, ist schlichtweg nicht hinnehmbar und muss sich ändern. Es sind am Ende gerade die vermeintlich kleinen Dinge, in denen sich Haltung, Achtung und Respekt äußern.


Versteckte Dürre im Unterboden

Die Wasserversorgung auf vielen Äckern sieht auf den ersten Blick gut aus, auf den zweiten aber nicht mehr. Vor allem im Unterboden ist die Wasserversorgung schlecht. Es gibt aber Maßnahmen dagegen.

Von Jörg Möbius

Regen bis Weihnachten wünschte sich im August 2019 Förster Thomas Meyer, als wir mit ihm über die Situation im Wald, speziell in Brandenburg und im Nauener Stadtwald, sprachen. So ist es leider nicht gekommen. Das Wasserdefizit ist noch immer erheblich, auch wenn der Oberboden gerade gut nass, vielerorts zu nass zum Befahren ist. So liegt die nutzbare Feldkapazität momentan vielerorts um die 100 % und der Dürremonitor für den Oberboden bis zur Tiefe von 25 cm zeigt nur noch leichte Dürre an der östlichen Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg.

Redakteur Jörg Möbius
Jörg Möbius ist Landtechnik-Redakteur bei der Bauernzeitung (c) Sabine Rübensaat

Im Osten sieht es weiter unten ganz anders aus

Anders dagegen sieht es im Unterboden aus. Hier zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Mitte März für eine Tiefe von 180 cm, dass in diesen tieferen Schichten – vor allem im Osten – noch zu wenig Wasser vorhanden ist. Das betrifft besonders Ostsachsen und in Sachsen-Anhalt Gebiete nördlich von Magdeburg mit außergewöhnlicher Dürre. Außerhalb Ostdeutschlands fehlt nur im nördlichen Alpenvorland Bayerns so viel Wasser im Unterboden.


Lesen Sie alle Artikel im Schwerpunkt Bewässerung in der Bauernzeitung 12/2020 – im Heft oder jetzt sofort in der digitalen Version (E-Paper).


Umso wichtiger ist es jetzt, dass vorhandene Bewässerungsanlagen auf Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Zu Saisonbeginn können die Spezialfirmen nicht überall gleichzeitig sein. Zudem könnte – infolge Folge des Coronavirus – der Teilnachschub auf sich warten lassen. Schon lange stockt es beim Neubau von Bewässerungsanlagen. Nicht jeder Betrieb kann solche Investitionen stemmen. Helfen könnten regionale Wasserbewirtschaftungskonzepte. Beabsichtigen mehrere Landwirte gemeinsam, in Bewässerungstechnik zu investieren, steigen die Chancen auf Förderung. Voraussetzung ist, dass es ein Wasserbewirtschaftungskonzept gibt. Solange das nicht in die Landes- und Bundesplanungen integriert ist, Fehlanzeige bei der Förderung. Nur wenn der Berufsstand Druck macht, werden die Behörden sich damit beschäftigen!

Maßnahme gegen Dürre: die vermutlich größte Tropfbewässerung

Mit der vermutlich größten landwirtschaftlichen Tropfbewässerungsanlage Deutschlands will der Eigentümer eines niedersächsischen Landwirtschaftsbetriebes vor allen die Ernte absichern. Die im Frühjahr 2019 errichtete Anlage erwies sich im letzten Sommer als Volltreffer. Denn dem Mais auf den Nachbarflächen fehlte so viel Wasser, dass er nur den halben Ertrag der Bewässerungsfläche brachte.

Mehr Wasser gleich mehr Ertrag, so einfach ist es nicht immer. Versuchsergebnisse des Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrums in Bernburg-Strenzfeld (Sachsen-Anhalt) zeigen, dass bei höheren Erträgen die Konzentration der Inhaltsstoffe (Protein bei Weizen, Öl bei Raps) geringer werden kann. Hier muss weiter geforscht werden. Bei der Bewässerungstechnik wird die Wassereffizienz großgeschrieben. Beachtlich, dass es inzwischen sowohl Tropfer als auch Düsen gibt, die mit 0,4 bar funktionieren. Das spart Energie, wenn nur so wenig Druck aufgebaut werden muss. Auch das ist ein Ansatz, der im Unterboden versteckten Dürre zu trotzen.


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Biogasanlagen in roten Gebieten

Die aktuelle Novelle der Düngeverordnung verschärft auch die Situation für Biogasanlagen-Betreiber. Deshalb wird vielfach darüber nachgedacht, welche Lösungsansätze sich anbieten, um die neuen Herausforderungen zu meistern.

Von Anette Weingärtner, Berlin

Bereits mit der Düngeverordnung (DüV) vom 1. Juni 2017 hatten sich für Landwirte, Gärtner und Winzer eine Reihe von gesetzlichen Neuregelungen ergeben. Dazu gehört, dass die betrieblichen Nährstoffüberschüsse, die sogenannten Kontrollwerte, nach unten korrigiert wurden. An diesen neuen Grenzwerten übte Brüssel bereits in 2018 Kritik. Am 21. Juni 2018 urteilte schließlich der Europäische Gerichtshof, dass mit ihnen die EU-Nitratrichtlinie nur unzureichend umgesetzt wurde. Die deutsche DüV 2017 stehe im Widerspruch zur EU-Nitratrichtlinie.

Novelle der Düngeverordnung 2017

Nach einer gefühlten Ewigkeit präsentierte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) Ende Januar 2019 der EU-Kommission dann endlich einen mit dem Bundesumweltministerium (BMU) abgestimmten Maßnahmenkatalog zur Änderung der DüV 2017, der vorsieht, den Nährstoffvergleich und den damit verbundenen zulässigen Kontrollwert abzuschaffen. Stattdessen wurde eine Aufzeichnungspflicht der tatsächlich ausgebrachten Düngermengen festgelegt. Düngermengen dürfen den errechneten Düngebedarf dabei nicht überschreiten. Außerdem wurden für die mit Nitrat belasteten Gebiete – die sogenannten roten Gebiete – zusätzliche Maßnahmen erarbeitet.

So sollen die Herbstdüngung im Spätsommer bei Winterraps, Wintergerste und Zwischenfrüchten ohne Futternutzung verboten und der Anbau einer Zwischenfrucht vor Sommerungen Pflicht werden. Zudem muss die bisher nur im Betriebsdurchschnitt geltende Obergrenze von 170 kg N/ha für Wirtschaftsdünger künftig schlagbezogen berechnet werden. Darüber hinaus gilt nun für diese roten Gebiete, dass der für jede Kultur errechnete Düngebedarf pauschal um 20 % abgesenkt werden muss. Ein weiterer Kritikpunkt der EU, dass nämlich noch keine Vorschläge zur Lösung der angemahnten Probleme mit den Düngesperrzeiten bei Festmist und Grünland und der Düngerausbringung auf stark geneigten Flächen von mehr als 15 % vorgelegt worden seien,  wurde bei der für dieses Jahr vorgesehenen Neuregelung der DüV 2017 ebenfalls berücksichtigt. Zudem hatte die EU gefordert, dass die Novelle früher als von der Bundesregierung geplant in Kraft treten solle. Deutschland hatte ursprünglich eine Umsetzung ab Mai dieses Jahres angekündigt.

Welche Konsequenzen ergeben sich?

Im Rahmen der Biogas Conven­tion & Trade Fair in Nürnberg fand deshalb ein Workshop zum Thema „Novelle der DüV: Lösungsansätze für Biogasanlagenbetriebe in roten Gebieten“ statt. Dabei wurden auf die geplanten gesetzlichen Neuregelungen der DüV 2017 Bezug genommen und Konsequenzen erörtert, die sich daraus für Landwirte ergeben.

Dass die DüV in der Vergangenheit so viele Novellierungen erfahren hat, war einer der Kritikpunkte, die Norbert Bleisteiner von der Mittelfränkischen Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe am Bildungszentrum Triesdorf in seinem Vortrag „Landwirtschaftliche Maßnahmen zur Anpassung an die düngerechtlichen Anforderungen“ aufführte.

Norbert Bleisteiner, Biogasanlagen rote Gebiete
Norbert Bleisteiner vom Bildungszentrum Triesdorf.
(c) Anette Weingärtner

Zudem machte er darauf aufmerksam, dass mit der geplanten DüV-Novelle eine Dokumentation vor, während und nach der Düngung erforderlich werde. Auch gelte es jetzt verstärkt, die Mindestwirksamkeit des Düngers und Ausbringungsverluste beim Düngen zu berücksichtigen. Daher gewinne die Effizienz bei der Ausbringung des Wirtschaftsdüngers derzeit noch mehr an Bedeutung. „Im Prinzip hat man es nun mit einer Situation zu tun, die derjenigen einer Unterdüngung in roten Gebieten entspricht; nur dass dies jetzt jeden Betrieb mit nennenswerten Mengen an organischem Dünger betrifft“, sagte Bleisteiner. Im Hinblick auf das Problem „Unterdüngung“ würden das Thema „Fruchtbarkeit der Böden“ und die Fruchtfolge an Bedeutung gewinnen.

Rote Gebiete: Verdreifachung der Gärrestabgabe

Eine weitere Schwierigkeit bestehe darin, dass sich nach vollzogener Anpassung der DüV 2017 auch außerhalb der roten Gebiete die Abgabe von Gärresten erhöhen werde. Der Einsatz von mineralischem Dünger führe sogar zu einer Verdreifachung der Gärrestabgabe.  „Eine Erhöhung der Lagerkapazität allein ist dann nicht mehr ausreichend“, sagte Bleisteiner. Aus Sicht der Emissionsminderung – das Stickstoff-Problem erhöhe sich zusätzlich durch eine Vielzahl von Biogasanlagen in landwirtschaftlichen Betrieben – werde zukünftig eine Heterogenisierung das Mittel der Wahl sein: „Wo mehr wächst, soll auch mehr angebaut und wo weniger wächst, weniger angebaut werden“, erläuterte Bleisteiner.


„Die Situation kann nur noch schlechter, schwieriger und schlimmer werden.“

Norbert Bleisteiner

In jedem Fall sei nach Inkrafttreten der DüV-Novelle 2020 von einer Zunahme an Auswirkungen mit erheblichen finanziellen Effekten auszugehen, resümierte er: So werde der Nähstofftransfer (und damit verbunden die entsprechenden Transportkosten) enorm zunehmen, der Bedarf an Flächen, für die eine Pacht zu entrichten wäre, werde (wegen einer erforderlichen Erhöhung der Lagerkapazität) steigen und es werde zu einem Abbau von Leistung hinsichtlich der Anzahl der Tiere kommen.


Fachverband Biogas Biogasanlage

Der Blick geht nach vorn

Der Fachverband Biogas blickt zuversichtlich ins neue Jahr. Das zeigte sich zum internationalen Fachkongress Biogas Convention in Nürnberg deutlich. Ein zentrales Thema: die Novellierung des EEG. mehr


Am Ende seines Vortrags zeigte sich Bleisteiner in Bezug darauf, dass es in nächster Zeit noch zu Änderungen der jetzigen DüV-Novelle 2020 kommt, wenig optimistisch: „Die Situation kann nur noch schlechter, schwieriger und schlimmer werden“, sagte er.

Gärprodukte aufbereiten und vermarkten 

Ein Weg, den Ausbau der Lager­kapazität so gering wie möglich zu halten, wäre eine Aufbereitung und anschließende Vermarktung von Gärprodukten. Für Letzteres fehlen allerdings, wie David Wilken vom Fachverband Biogas am Ende seines Vortrags berichtete, noch die Käufer: „Ein Markt für erzeugte Produkte muss erst noch aufgebaut werden.“ Wilken referierte zum Thema „Möglichkeit der Gärproduktaufbereitung und außerlandwirtschaftlichen Gärproduktvermarktung“. Dabei erklärte er, dass die Vorteile einer Gärproduktaufbereitung und -vermarktung aus seiner Sicht zahlreich seien: So werden dadurch die Kosten und Volumina für Lagerung, Transport und Ausbringung reduziert und der landwirtschaftliche Nährstoffkreislauf bei Flächendruck wird entlastet. Auch haben sich, so Wilken, neue Absatzstrategien aufgrund hoher Abgabepreise für Gärprodukte ergeben und durch die Vermarktung bedarfsorientierter Düngemittel sei eine erhöhte Wertschöpfung möglich (Anpassung der Nährstoffgehalte durch Extraktion oder Beimischung von Nährstoffen). Nicht zuletzt verringere sich durch eine Gärprodukt­aufbereitung die Umweltbelastung (Stichworte dazu wären: Nitratauswaschung, Wassertransporte).

Mögliche Absatzwege und Abnehmergruppen

Nachdem Wilken diverse Aufbereitungsverfahren für aus der Separation entstandene feste und flüssige Gärprodukte, inklusive deren Vorzüge, vorgestellt hatte, kam er auf mögliche Absatzwege und Abnehmergruppen (Abb.) zu sprechen. Er bezog sich in diesem Part seines Vortrags zum Teil auf die Ergebnisse des FNR-Projekts „Gärwert“, in dem sich ein Forscherteam zwischen 2013 und 2017 mit der Frage befasst hatte, welche Kombination aus Biogasanlagentyp, Aufbereitungsverfahren und Abnehmergruppe  im Hinblick auf die Aufbereitung von Biogas-Gärprodukten und deren Vermarktung als Dünger aus ökologischer und ökonomischer Sicht am sinnvollsten ist. Wilkens Fazit zur Aufbereitung und Vermarktung von Gärresten lautete: „Gärprodukte sind hochwertige nährstoffreiche Düngemittel“. Es bestehe eine steigende Nachfrage nach Gärproduktaufbereitung. Um bei der Vermarktung einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, sei es wichtig, auf geeignete Produktattribute zu achten. Wilken empfahl Anlagenbetreibern einen Zusammenschluss von Biogasanlagen.

(c) Fachverband Biogas

Eine Gärresteaufbereitung hält Thorsten Schmidt bei Anlagen mit geringer Restlaufzeit und bereits vorhandenem Wärmekonzept wirtschaftlich gesehen für keine Option. Möglich hingegen wäre die Nutzung neuer Technologien und eine beispielsweise teilflächenspezifische Düngung. Der Landwirt betreibt seit 2001 eine Biogasanlage, die seit 2007 eine elektrische Leistung von 1.000 kW und eine mittlere Jahresleistung von 580 kW aufweist. Sein Hof befindet sich in Simmersdorf, rund 30 km südlich von Würzburg (Baden-Württemberg), und liegt nunmehr in einem roten Gebiet. Ein weiterer Lösungsansatz wäre, so Schmidt, der Transport von Gärresten im Sommer aus den roten Gebieten heraus. Schließlich könnten die Lagerkapazitäten erhöht werden. Dies hätte für die roten Gebiete aber bereits im Dezember 2018 erfolgen müssen.

Aus der DüV 2017 und der ab 2018 unter anderem erforderlich werdenden Düngebedarfsermittlung ergaben sich für Schmidt keine nennenswerten Probleme. Ab 2019 wurden jedoch die Gemarkung Simmershofen und die umliegenden Gemarkungen als rote Gebiete ausgewiesen. Somit mussten zusätzlich Nmin-Proben der Bewirtschaftungseinheiten genommen werden. Hierfür wurde ein Dienstleister beauftragt. 21 Proben wurden mit GPS gezogen. Kostenpunkt: etwa 1.000 €.

Nitratmessung online

Eine Verlängerung des Ausbringungsfensters und leere Lager im Juni hatte Schmidt bereits ab 2015 dadurch erreicht, dass der Gärrest in Mais ausschließlich im Bestand gefahren wurde. Auch hatte er sich frühzeitig daran gemacht, alternative Wege zur Steigerung der Nähstoffeffizienz zu beschreiten. Zusätzlich wurden ab 2018 aktuelle Satellitenbilder in die Düngung mit einbezogen. „Dies ist allerdings sehr zeitaufwendig und auf die Dauer nicht kostenfrei“, sagte Schmidt. Deshalb stellte er 2019 auf eine Online-Messung mit einem N-Sensor (Greenseeker) um, welcher den Bioindex der ersten und zweiten Düngung errechnet und dadurch eine Heterogenisierung ermöglicht, das heißt die Düngemenge kann bei „schlechten“ Gebieten erhöht und bei „guten“ Gebieten gesenkt werden und eine bedarfsgerechte und damit ausreichende Versorgung ist so trotz Reduzierung der Gesamtdüngemenge möglich.

(c) Fachverband Biogas

Die Regelungen der DüV-Novelle 2020 hätten, so Schmidt, für Betreiber von Biogasanlagen in roten Gebiete erhebliche finanzielle Belastungen zur Folge: So würden sich beispielsweise für den jährlichen Gärrestanfall einer klassischen 500 -kW-Nawaro-Anlage gut 14.000 t ergeben. Dies mache, der geplanten gesetzlichen Neuregelung zufolge, eine Erhöhung der Lagerkapazität auf mindestens neun Monate nötig und es sei zusätzlich ein Lager mit einer Kapazität von 3.500 t erforderlich. Die Kosten hierfür beliefen sich, so schätzte Schmidt, auf mindestens 300.000 €. „Für die meisten Anlagen, je nach Restlaufzeit, wäre dies keine Option“, sagte er.

Abschließend stellte der schwäbische Biogaserzeuger fest, dass die technischen und digitalen Möglichkeiten in seinem Betrieb ausgereizt seien. Die Düngung müsse jetzt effizient und möglichst nah am Bedarf gestaltet werden. Zur geplanten DüV-Novelle 2020 bemerkte er: „Es kann nicht sein, dass pauschal ganze Gebiete benachteiligt werden. Ist das Messnetz in der jetzigen Form geeignet, landwirtschaftliche Flächen zu überwachen? Ich denke: Nein. Dafür sind die Ergebnisse nicht plausibel genug.“ Und er forderte: „Die Ignoranz der Politik gegenüber Sach- und Fachthemen muss endlich aufhören. Die Landwirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Gravierende Änderungen im Jahresturnus vertragen die meisten Betriebe nicht mehr lange.“

         

Heizen mit Holz und Stroh

Saubere Luft, auch wenn man intensiv Biobrennstoffe nutzt, war das Anliegen einer Tagung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe während der Agritechnica. Dabei wurden auch neue Projekte vorgestellt. 

Von Carsten Brüggemann, LWK Niedersachsen

Im Grunde war es immer dieselbe Frage, die bei den Tagungsbeiträgen im Hintergrund mitschwang: Wie können die verschärften Grenzwerte der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) beim Heizen mit Holz oder anderen Biobrennstoffen eingehalten und unterschritten werden?  

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) hatte im Rahmen der Agritechnica nach Hannover eingeladen und eröffnete die Tagung auch mit einem Bericht zum sogenannten Lenkungsausschuss, der von ihr koordiniert wird. Er besteht aus Fachleuten unterschiedlicher Fachrichtungen, die eng mit der Industrie zusammenarbeiten, um vor allem Effizienz und Umweltverträglichkeit bei der Nutzung von Biobrennstoffen zu verbessern. Neben verfeinerter Kessel- und Filtertechnik sind innovative Sensorik, Digitalisierung von Kontroll- und Regelsystemen zukunftsweisende Themen, um Feinstaub- und Stickoxidbelastungen zu reduzieren. Denn auch das Gremium hat die bestehenden und zukünftigen Vorschriften und Grenzwerte der Nutzung von Biobrennstoffen vor Augen.  

hEIZEN mIT hOLZ: Kamine und KachelöFEN sind die Sorgenkinder

Die großen Sorgenkinder sind nach wie vor die Einzelfeuerungen, also Kamine und Kachelöfen, die in Deutschland massiv an den Umweltbelastungen durch das Heizen mit Holz beteiligt sind. Während Kessel durch besondere Feuerungstechnik oder nachgeschaltete Filter Staubgehalte erreichen, die weit unter den geforderten Grenzwerten liegen, wurden die Entwicklungen von Filtersystemen für Einzelraumfeuerungen bisher vernachlässigt, da in der Praxis nicht nachgefragt. Ein Grund dafür ist, dass Einzelfeuerungen im Werk des Herstellers nur eine Typenprüfung bestehen müssen und in der Praxis dann unkontrolliert betrieben werden können. Kessel werden hingegen nach den Anforderungen der 1.  BImSchV alle zwei Jahre im praktischen Betrieb gemessen.  

Der Lenkungsausschuss kümmert sich aber nicht nur um Filter- und Feuerungstechnik, sondern auch um den Brennstoff. Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement und Zertifizierungen von Brennstoffen und deren Aufbereitung und Handel sind ebenfalls Themen der Experten. Mit Projekten wie HackZert, qualiS und OptiChip, die von der FNR gefördert wurden, konnte die Qualität von Holzhackschnitzeln weiter verbessert und somit auch höhere Verbrennungsqualitäten erreicht werden. In einem zweiten Förderaufruf der FNR für weitere Forschungs- und Erprobungsprojekte sollen die bisherigen, vielversprechenden Ergebnisse weiter optimiert werden.  

Reichen die Verbrennungsqualitäten der Feuerungen nicht aus, müssen sekundäre Maßnahmen wie Filter eingesetzt werden. Es hat sich gezeigt, dass die Entwicklungen in Richtung elektrostatischer Filter oder filternde Abscheider geht, da der problematische Feinstaub kleiner als 1 μm ist. Dabei geht es darum, wartungsarme, robuste Geräte zu entwickeln, die möglichst effizient und gut zu reinigen sind.  

Einige Feuerungen vorgestellt 

In Halle 26 der Agritechnica waren einige namhafte Kesselhersteller vertreten, die technische Lösungen präsentierten, um die vorgegebenen Grenzwerte, insbesondere für Staub in den Rauch­gasen, beim Heizen mit Holz & Co. einzuhalten.  

Der Holzkessel von Heizomat.
Der Holzkessel von Heizomat wird mit einer Langzeitgarantie vertrieben. Zwanzig Jahre soll der Kessel halten, verspricht der bayerische Hersteller. (c) Carsten Brüggemann

Neben optimierter Feuerungstechnik finden vorwiegend elektrostatische Filter Anwendung, die gegebenenfalls nachgerüstet werden müssen. Die Anbieter Eta, HDG und Fröling zeigten Kessel, bei denen die sogenannten e-Filter bereits in die Kessel integriert sind. Firma Windhager erreicht nach eigenen Angaben durch ein besonderes Verbrennungsprinzip so gute Rauchgasqualitäten, dass ein Filter entbehrlich ist. Hersteller Heizomat, bekannt für robuste Holzkessel, bietet neuerdings eine Langzeitgarantie von 20 Jahren auf den Kesselkörper an. Die Firma Burdorf-Landmaschinen zeigte eine Feuerung mit dem Markennamen Lasco, mit deren Hilfe man aus Holzhackschnitzeln Warmluft erzeugen kann. Die Anlage ist bestens für die Trocknung von Heu, Getreide oder Holzhackschnitzel sowie zur Beheizung von Hallen geeignet.  

Bereits auf den DLG-Waldtagen wurden viele Maschinen und Geräte zur Brennholzbereitung vorgestellt.  Aber auch in Hannover zeigten die Hersteller für Hacktechnik bewährte Technik mit Änderungen im Detail. Interessant sind da unter anderem die Bestrebungen der Firma Jenz, den Fahrer eines Hackers sowohl während des ­Hackbetriebes als auch bei Wartung und Instandhaltung der Maschine zu entlasten. Dafür haben sich die Nordrhein-Westfalen ein neues Beleuchtungskonzept ausgedacht. Aber das war nicht alles. Auch ein neues Profi-Werkzeugsystem, zusätzliche Kameraanlagen sowie neue Einzugsregelungen, die den Einzug automatisch und abhängig von der Rotordrehzahl sowie dem Stammdurchmesser steuern, entlasten den Fahrer. Positiv kommt noch hinzu, dass durch die Einzugsregelung auch die Motorauslastung erhöht werden kann. 

Änderungen im Detail und Strohbriketts 

Der polnische Hersteller Asket zeigte eine Strangpresse zur Herstellung von Strohbriketts mit 80 mm Durchmesser (großes Foto). Die Einheit mit Doppelstrang und einer Leistung bis 160 kg/h kann modulweise, auch mit Rundballenauflöser, bis zu einer Leistung von 3,3 t/h erweitert werden. Der Pressvorgang selbst benötigt keine Bindemittel. Der Aufwand an Prozessenergie wird vom Hersteller mit 70 bis 80 kWh/t Briketts angegeben. Die Feuchtigkeit des Ausgangsmaterials kann 10 bis 30 % betragen. Die Härte der Strohpresslinge kann variiert werden, je nachdem, ob sie als Brennstoff oder als Einstreu genutzt werden sollen. Wer die Strohbriketts, die Asket werbewirksam „goldene Kohle“ nennt, in seiner Heizung nutzen möchte, dem werden Kessel der Hersteller Ökotherm, Ala-Talkkari oder Heizomat empfohlen. Ausgestattet mit elektrostatischen Filtern der Marke Schräder sollen diese alle Emissionsgrenzwerte einhalten. Der Heizwert der goldgelben Briketts liegt zwischen 15,5 und 17,5 MJ/kg. 



Der finnische Hersteller Quanturi zeigte in Hannover ein drahtloses Temperaturüberwachungssystem, das neben der Temperaturkontrolle von Getreide und Heu auch bei der Trocknung und Lagerung von Holzhackschnitzeln eingesetzt werden kann. Bewährt hat sich die Technik bereits bei der Überwachung von Kompostierungsprozessen. Die dabei erfassten Daten können über Entfernungen von bis zu 200 m drahtlos übertragen, Temperaturverläufe registriert und SMS-Alarmierungen versandt werden. 

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