Thüringen bald ohne Agrarministerin

Schluss mit dem Landwirtschaftsministerium: Ende November wird Birgit Keller aller Voraussicht nach Präsidentin des 7. Thüringer Landtags.

Zur konstituierenden Sitzung des neuen Landtags wird die Links-Fraktion Agrarministerin Birgit Keller für die Wahl zur Parlamentspräsidentin vorschlagen. Als stärkste Fraktion haben die Linken das Vorschlagsrecht für dieses Amt. Medienberichten zufolge signalisierten neben SPD und Grünen auch CDU und FDP bereits Zustimmung. 

Keller ist in der rot-rot-grünen Landesregierung seit Dezember 2014 Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft. Zuvor war sie Landrätin im Kreis Nordhausen und Landtagsabgeordnete. Vor der Wende arbeitete sie in der FDJ- und SED-Kreisleitung Sangerhausen bzw. Nordhausen. Mit der Wahl wäre Keller die erste Links-Politikerin an der Spitze eines deutschen Parlamentes.

Birgit Keller vor einem Mähdrescher
Thüringens Noch-Landwirtschaftsministerin Birgit Keller. (c) fh

Regierungsbildung ist offen

Solange die Landesregierung lediglich geschäftsführend im Amt ist, kann es keine Neubesetzung für das Ministeramt geben. Demnach wird Sozialministerin Heike Werner (Linke) das Agrarministerium nach dem 26. November formal mitführen. Und dies dürfte sich hinziehen. Denn wann sich in Thüringen eine neue Regierung bildet, ist weiterhin offen. 

Erwartet wird, dass die bisherigen Regierungsfraktionen eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung bilden. Zuvor müssten die drei Parteien noch einen Koalitionsvertrag aushandeln und Bodo Ramelow vom Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Laut Partei- und Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow, beanspruchen die Linken das Agrarressort weiterhin für sich. Im Wahlkampf hatte die Grünen-Spitzenkandidatin, Umweltministerin Anja Siegesmund, ebensolche Ansprüche angemeldet. fh

Ehrliche Arbeit – korrekter Vertrag

Bei Tätigkeiten im Stall und bei der Ernte wirft die Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse oft Fragen auf. Unsere Expertin erläutert die Themen Scheinselbstständigkeit, Arbeitszeit und Kündigung.

Von Dr. Doris Geisenberger, Rechtsanwältin

Ein nicht zu unterschätzendes Thema in landwirtschaftlichen Unternehmen ist der Umgang mit der sogenannten Scheinselbstständigkeit von Arbeitskräften. Die Schlüsselnorm für die Abgrenzung zwischen einem Selbstständigen oder einem abhängig Beschäftigten (Arbeitnehmer) ist der § 7 Abs. 1 des Sozialgesetzbuches (SGB) IV: „Beschäftigung ist die nichtselbstständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers.“ 

Von einer Scheinselbstständigkeit ist also dann auszugehen, wenn jemand zwar nach der zugrunde liegenden Vertragsgestaltung selbstständige Dienst- und Werkleistungen für ein landwirtschaftliches Unternehmen erbringt, tatsächlich aber nichtselbstständige Arbeiten in einem Arbeitsverhältnis mit den damit verbundenen Folgen der Sozialversicherungs- und Lohnsteuerpflicht leistet.

Abhängigkeit und Weisungsbindung

Zu den Kriterien für die Annahme eines Arbeitsverhältnisses gehört die persönliche Abhängigkeit des Beschäftigten. Von dieser ist dann auszugehen, wenn der Beschäftigte in die Arbeitsorganisation des Unternehmens eingegliedert ist, also Inhalt, Durchführung, zeitliche Lage und Ort der Tätigkeit vom Unternehmen vorgegeben werden. Gegen eine persönliche Abhängigkeit spricht es, wenn der Landwirt dem Beschäftigten das Recht einräumt, die Arbeit auf Dritte zu übertragen, oder der Beschäftigte berechtigt ist, auch während der Laufzeit des Vertrages andere berufliche und gewerbliche Aktivitäten für andere Auftragnehmer zu entfalten. 

Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist die Weisungsbindung, und zwar in fachlicher und/oder zeitlicher und/oder örtlicher Hinsicht. Von einer fachlichen Weisungsbindung ist auszugehen, wenn der Landwirt anordnen kann, die Leistungen in einer bestimmten Art und Weise auszuüben. Eine zeitliche Weisungsgebundenheit liegt dann vor, wenn das Unternehmen die Dauer und die zeitliche Lage der zu erbringenden Arbeiten bestimmen kann. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn der Einsatz durch Dienstpläne geregelt wird und diese weitgehend ohne die Mitwirkung des Beschäftigten erstellt werden. Insbesondere bei Verpflichtungen zur Ableistung von Rufbereitschaft, Bereitschaftsdienst oder Abrufarbeit ist von einem Arbeitsverhältnis auszugehen. Schließlich liegt in der Regel dann ein Arbeitsverhältnis vor, wenn der Beschäftigte den Ort, an dem er seine Arbeitsleistung zu erbringen hat, nicht selbst bestimmen kann. 


Wichtige Kriterien zur Abgrenzung von Arbeitsverhältnis und selbstständiger Tätigkeit
Arbeitsverhältnis selbstständige Tätigkeit
Weisungsgebundenheit (Ort, Zeit, Dauer,
Art der Ausführung)
freie Bestimmung der Arbeitsausführung
in den Räumlichkeiten des Auftraggebers Arbeit in eigenen Räumlichkeiten
Verwendung von Arbeitsmitteln des Auftraggebers Verwendung von eigenen Betriebsmitteln
Entgelt nahe dem Mindestlohn Entgelt deutlich über dem Mindestlohn
fester Lohn ohne Möglichkeit der Erhöhung oder
Risiko der Verringerung
flexibler Lohn mit der Möglichkeit, mit mehr Arbeitsstunden mehr Entgelt zu erhalten
kein UnternehmerrisikoUnternehmerrisiko u. a. des Vergütungs- und
Auftragsverlustes
grundsätzlich keine Delegierung der
Arbeitsausführung auf Dritte
freie Möglichkeit der Arbeitsdelegierung auf Dritte und Subunternehmer
kein freies Auftreten am Markt  freies Anbieten der Arbeitskraft am Markt (durch Werbung usw.)
bezahlter Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall grundsätzlich kein bezahlter Urlaub, keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit
regelmäßig nur ein Auftraggeber regelmäßig mehrere Auftraggeber

Das weiter für eine Arbeitnehmereigenschaft sprechende Merkmal der Fremdbestimmung überschneidet sich mit dem der Weisungsbindung (etwa Einbindung in eine fremde Arbeitsorganisation oder Angewiesenheit auf die Organisation des landwirtschaftlichen Unternehmens). Weniger entscheidend sind die Fragen der Vergütung, der Fortzahlung der Vergütung im Krankheitsfall, der Gewährung von Urlaub und einer eventuellen Gewerbeanmeldung, da es insgesamt darauf ankommt, wie das Vertragsverhältnis gelebt wird. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Kriterien finden Sie in der Tabelle.

Anfrage beugt Nachforderungen vor

Meist wird die fehlerhafte Be­wertung einer Tätigkeit im Rahmen von Betriebsprüfungen festgestellt. Das Risiko für den Landwirt ist erheblich. Sowohl das ­Finanzamt als auch die Sozialversicherungsträger können bis zur Verjährungsgrenze (regelmäßig vier Jahre) rückwirkend vom Unternehmen die Lohnsteuer- und die Sozialversicherungsbeiträge nachfordern, die einzubehalten und abzuführen gewesen wären. 

Eine vorsätzliche Nichtabführung der Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge kann Strafverfahren nach sich ziehen. Da es sich bei den Entscheidungen, ob ein Arbeitsverhältnis oder eine Selbstständigkeit vorliegt, immer um Einzelfallentscheidungen handelt, ist eine rechtssichere Klärung letztlich nur über ein Anfrageverfahren gemäß § 7 a SGB IV möglich. Die Entscheidung trifft die Deutsche Rentenversicherung Bund. 

Acht Stunden sind die Regel

Frauen arbeiten im Melkstand
Gemolken werden sollen nur die Kühe und nicht etwa die Arbeitskräfte in der Tierproduktion. (c) Sabine Rübensaat

Viele Fragen ergeben sich in Unternehmen auch im Zusammenhang mit Arbeitszeitregelungen. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sieht folgende Grundsatzregelungen vor: die werktägliche Höchstarbeitszeit (Montag bis Samstag) beträgt acht Stunden täglich = 48 Stunden pro Woche. Eine maximale Verlängerung auf zehn Stunden werktäglich = 60 Stunden die Woche ist möglich, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten der Durchschnitt von werktäglich acht Stunden nicht überschritten wird.

Bei bis zu sechs Stunden Arbeitszeit ist keine Pause nötig, zwischen sechs und neun Stunden sind 30 Minuten Pause vorgesehen und bei einer Arbeitszeit von über neun Stunden 45 Minuten Pause. Die Pausen dürfen maximal in Zeitabschnitte von 15 Minuten aufgeteilt werden. Zwischen zwei Arbeitsschichten müssen mindestens elf Stunden Ruhezeit liegen, und es ist ein grundsätzliches Arbeitsverbot an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen geregelt. Die werktägliche Arbeitszeit von Nachtarbeitnehmern (wenn mindestens zwei Stunden zwischen 23 Uhr und 6 Uhr gearbeitet werden) beträgt maximal acht Stunden. 

Ausnahmen für den Agrarsektor

Allerdings gibt es im ArbZG für Landwirtschaft und Tierhaltung Ausnahmeregelungen:

Auch die Arbeitszeiten entsprechend obigen Ausnahmen können laut ArbZG nochmals ausgedehnt werden in Not- und außergewöhnlichen Fällen. Solche Fälle liegen vor, wenn Rohstoffe zu verderben und Arbeitsergebnisse zu misslingen drohen. Allerdings muss innerhalb von sechs Kalendermonaten wieder ein Durchschnitt von maximal 48 Arbeitsstunden pro Woche erreicht werden.

Tarifverträge können Abweichendes regeln

Der „Manteltarifvertrag (MTV) für die private Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern“ in der Fassung vom 2. Februar 2004 beispielsweise sieht ebenfalls Sonderregelungen vor, die aber nur angewendet werden dürfen und können, wenn sowohl der Landwirt (als Mitglied des „Land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes Mecklenburg-Vorpommern“) als auch der ­Arbeitnehmer (als Gewerkschaftsmitglied der „IG Bauen-Agrar-Umwelt“) tarifgebunden sind oder im Arbeitsvertrag vereinbart wird, dass das Arbeitsverhältnis insgesamt den Regelungen des MTV unterliegen soll. Sogenannte „Rosinenpickerei“ ist ausgeschlossen. Dann gilt Folgendes: 

Beendigung von Arbeitsverhältnissen

Häufig werden bei vorübergehendem „betrieblichen Bedarf“ wie zum Beispiel in Erntezeiten rechtmäßig sachgrundbefristete Arbeitsverhältnisse abgeschlossen. Die Befristungsabrede muss zur Rechtswirksamkeit schriftlich fixiert und von beiden Parteien unterzeichnet sein. Diese Verträge enden durch Ablauf der Befristung, ohne dass es einer Kündigung bedarf. 


Über die Autorin

Dr. Doris Geiersberger ist Rechtsanwältin bei der Geiersberger Glas & Partner mbB in Rostock


Der Abschluss von Aufhebungsverträgen ist einvernehmlich ­zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer möglich. Dabei ist ebenfalls die Einhaltung der Schriftform zwingend. Ein Aufhebungsvertrag ist also nur wirksam, wenn er die Originalunterschriften beider Parteien enthält. Beschäftigt ein Landwirt weniger als 10,25 Arbeitnehmer und/oder kündigt er innerhalb der ersten sechs Monate der Tätigkeit, sind folgende Formalien zu beachten:

Unternehmensgröße und Kündigungsschutz

Die Zählweise der Arbeitnehmer im Unternehmen bestimmt sich nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG), und zwar nach den Wochenarbeitsstunden der Arbeitnehmer, wobei Azubis nicht mitgezählt werden:

Zu beachten ist weiter, dass der Kündigende beweispflichtig für den Zugang der Kündigung ist, der erst die Kündigungsfrist in Lauf setzt. Hier empfiehlt sich eine persönliche Aushändigung oder der Einwurf in den Briefkasten. 

Vor Ausspruch einer Kündigung ist immer – unabhängig von der Arbeitnehmerzahl – Folgendes zu beachten: Während Schwangerschaft, Mutterschutz oder Elternzeit sowie Bundeswehr- und Zivildienst besteht ein Kündigungsverbot. Vor Ausspruch der Kündigung eines Schwerbehinderten oder einem Schwerbehinderten gleichgestellten Arbeitnehmer ist die vorherige Zustimmung des Integrationsamts einzuholen. In einem Ausbildungsvertrag ist nach der Probezeit nur noch eine fristlose Kündigung möglich, für die ein wichtiger Grund erforderlich ist, der zwingend im Kündigungsschreiben aufzuführen ist. 

Beschäftigt der Landwirt mindestens 10,25 Arbeitnehmer und ist der zu kündigende Arbeitnehmer länger als sechs Monate im Betrieb/Unternehmen tätig, kann eine sozial gerechtfertigte und wirksame Kündigung nur noch ausgesprochen werden, wenn

Die rechtssichere Gestaltung solcher Kündigungen wird das Thema eines künftigen Beitrages an dieser Stelle sein.

Den Betrieb zusammenhalten

Nun ist sie Wirklichkeit geworden: die Höfeordnung in Brandenburg. Sie soll die regionale Landwirtschaft stärken. Wie die konkrete Anwendung funktioniert, erfahren Sie hier.

Von Benedikt Krüger, Rechtsanwalt

Alle waren dafür. Einstimmig hat der Brandenburgische Landtag am 12. Juni 2019 einen Gesetzesentwurf von SPD, CDU und der Fraktion Die Linke zur Einführung einer Höfeordnung für das Land Brandenburg beschlossen. Mit dem Gesetz soll verhindert werden, dass landwirtschaftliche Betriebe im Erbfall aufgeteilt werden müssen. Historisch beschreitet das Land Brandenburg als erstes östliches Bundesland diesen Weg, der bisher den Bundesländern der ehemaligen britischen Besatzungszone Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vorbehalten war. Es verwundert daher nicht, dass sich der Gesetzesentwurf ausdrücklich daran orientiert und an vielen Stellen im Wortlaut übereinstimmt.

Hoferbe wird zukünftig privilegiert

Die Vererbung landwirtschaftlicher Familienbetriebe ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. In Brandenburg richtete sich ihre Vererbung bislang nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Nach dessen Maßgabe erfolgt grundsätzlich eine gleichmäßige Aufteilung der Erbmasse unter den Erben. Tritt einer der Erben die Nachfolge des Betriebes an, muss er die anderen Erben finanziell ausgleichen. Bemessungsgrundlage ist dabei das gesamte Vermögen des Erblassers. Ist ein Ausgleich aus Geldmitteln nicht möglich – etwa weil zwar ausreichend Grundvermögen, aber kein Barvermögen in der Erbmasse vorhanden ist –, bleibt letztlich meist nichts anderes als der Verkauf der Flächen.

Anne-Katrin Liebe und ihr Islandponyhof in der Uckermark
Erfolg beim landwirtschaftlichen Generationswechsel in Brandenburg soll das neue Gesetz fördern. (c) Sabine Rübensaat

In der Vergangenheit führte die Vererbung eines landwirtschaftlichen Betriebes auf Grundlage des BGB im Ergebnis daher nicht selten zu einer Zerschlagung des Betriebes. Eine nachhaltige Bewirtschaftung war nicht mehr möglich und der Hof musste aufgegeben und verkauft werden. Verstärkt wurde dieses Problem durch den Wertanstieg landwirtschaftlicher Flächen. Die Brandenburger Höfeordnung  (BbgHöfeOG) verfolgt das Ziel, die Leistungsfähigkeit der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe durch den geschlossenen Erhalt des Betriebes in der angestammten Familie zu sichern. Auf diese Weise soll eine leistungsfähige und vielfältige Landwirtschaftsstruktur bewahrt werden. Gleichwohl bleibt es auch nach Einführung der Brandenburger Höfeordnung dem Erblasser unbenommen, den Erbfall abweichend zu regeln. 

Soweit die Brandenburger Höfeordnung Anwendung findet, ermöglicht sie einen geschlossenen Übergang des landwirtschaftlichen Familienbetriebs auf nur einen Erben. Im Gegenzug sind die sogenannten weichenden Erben auf einer vom BGB abweichenden und das Hoferbe privilegierenden Grundlage abzufinden. Auf diese Weise ersetzt die Brandenburger Höfeordnung in ihrem Anwendungsbereich die nach BGB geltenden Grundsätze einer Gesamterbfolge und Gleichbehandlung aller Erben durch die Sondernachfolge und die Bevorzugung eines Miterben als Hoferben.

Mindestgröße und Eigentumsform wichtig

Damit die Brandenburger Höfeordnung Anwendung finden kann, wird eine landwirtschaftliche Besitzung mit einer Größe von wenigstens 20 ha und einer zu ihrer Bewirtschaftung geeigneten Hofstelle vorausgesetzt. Ferner muss der Betrieb im Alleineigentum des Erblassers oder im gemeinschaftlichen Eigentum von Ehegatten stehen oder zum Gesamtgut einer fortgesetzten Gütergemeinschaft gehören. Auf die formale Eintragung des Hofvermerks im Grundbuch kommt es nach unserer Auffassung entsprechend dem Vorbild in den anderen Bundesländern hingegen grundsätzlich nicht an. Fehlt es an vorgenannten Voraussetzungen, kommt die Brandenburger Höfeordnung nicht zur Anwendung und die Vererbung richtet sich nach den allgemeinen Regeln des BGB.

Vorbereitung des Erbfalls zu Lebzeiten

Liegen die vorgenannten Kriterien vor, fällt der Hof mit dem Erbfall geschlossen einem der Erben (Hoferbin oder Hoferbe) zu. Für die Frage, wer Hoferbe wird, gibt die Brandenburger Höfeordnung eine Reihe möglicher Hoferben vor, sofern der Erblasser nicht selbst eine Bestimmung über den Hoferben getroffen hat.

Höfeordnung liegt vor

Modifikationen im endgültigen Gesetzestext

Am 20. Juni 2019 ist nunmehr das Gesetz über die Höfeordnung für das Land Brandenburg (BbgHöfeOG) im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg verkündet worden. In wenigen Punkten unterscheidet es sich vom ursprünglichen Gesetzesentwurf.

Auch für Forstbetriebe

Insbesondere wurden letzte Zweifel, ob auch reine Forstbetriebe von der Höfeordnung für das Land Brandenburg erfasst werden, inzwischen ausgeräumt. So definiert § 1 Absatz 2 den Hof nun als land- oder forstwirtschaftliche Fläche. Damit wird klargestellt, dass auch die Vererbung reiner Forstbetriebe vom Anwendungsbereich der Höfeordnung für das Land Brandenburg erfasst sein kann.

Hofesvermerk wichtig

Flächen zwischen 10 und 20 ha können nun ebenfalls als Hof im Sinne der Höfeordnung eingetragen werden, wenn die Eigentümerin oder der Eigentümer erklären, dass diese Besitzung Hof im Sinne der Höfeordnung sein soll. In diesem Fall ist die Eintragung des Hofesvermerks im Grundbuch zwingend erforderlich. Die Detailfragen zur Eintragung des Hofesvermerks im Grundbuch und damit zusammenhängende Verfahrensfragen sind schließlich in ein eigenes Kapitel unmittelbar in der Höfeordnung aufgenommen worden. Hinsichtlich des Übergangs von der bisherigen zur neuen Gesetzeslage sieht die Höfeordnung für das Land Brandenburg vor, dass bis einschließlich 31. Dezember 2023 eine Besitzung nur Hof werden kann, wenn die Eigentümerin oder der Eigentümer erklären, dass die Besitzung Hof im Sinne dieses Gesetzes sein soll und der Hofesvermerk im Grundbuch eingetragen wird.

Stundung möglich

Aus dem ursprünglichen Gesetzesentwurf ist begrüßenswerterweise die Regelung erhalten geblieben, dass die gegenüber dem Miterben zu zahlende Abfindung unter Umständen gestundet werden kann, soweit bei sofortiger Zahlung die Bewirtschaftung des Hofes nicht möglich wäre und die Stundung zumutbar ist. Auf diese Weise kann die Belastung abgefedert werden, die sich trotz der Anknüpfung an den Hofeswert möglicherweise zuweilen ergibt.

Text: Benedikt Krüger

In erster Linie kommen die Kinder der Erblasserin oder des Erblassers in Betracht. Unter ihnen richtet sich die Bestimmung des Hoferben grundsätzlich danach, wem von der Erblasserin oder dem Erblasser im Zeitpunkt des Erbfalles die Bewirtschaftung des Hofes auf Dauer übertragen ist. Lässt sich danach kein Hoferbe ermitteln, so bestimmt die Brandenburger Höfeordnung denjenigen zum Hoferben, bei dem der Erblasser oder die Erblasserin durch die Ausbildung oder durch Art und Umfang der Beschäftigung auf dem Hof hat erkennen lassen, dass er den Hof übernehmen soll. Unter mehreren in Betracht kommenden Hoferben richtet sich die Hoferbenfolge sodann im Zweifelsfall nach dem Ältestenrecht, das heißt nach der Geburtsfolge.

Durch diese Gestaltung ermöglicht die Brandenburger Höfeordnung, dass der Erblasser bereits zu Lebzeiten den Erbfall vorbereiten und durch die Übertragung der Bewirtschaftung des Hofes auf Dauer Einfluss auf die Hoferbschaft nehmen kann. Umgekehrt wird jedoch auch der Hoferbe geschützt, der sich in Erwartung des Hoferbes oft langfristig an den Hof gebunden und nicht selten in Erwartung der späteren Hofübernahme seine gesamte Lebensplanung darauf ausgerichtet hat.

Der Hoferbe seinerseits muss grundsätzlich die Voraussetzung der Wirtschaftsfähigkeit erfüllen. Wirtschaftsfähig ist nur derjenige Hoferbe, der nach seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten sowie nach seinen Kenntnissen und seiner Persönlichkeit in der Lage ist, den zu übernehmenden Hof selbstständig ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Damit soll sichergestellt werden, dass der
Hoferbe auch tatsächlich den Hof erhalten kann.

Hofeswert ist Grundlage für Abfindungen

Tritt der Erbfall nach den Regeln der Brandenburger Höfeordnung ein, bekommen diejenigen Erben, die nicht Hoferbe geworden sind, sodann eine Abfindung in Geld. Diese Abfindung bemisst sich – anders als nach dem BGB – nicht am Gesamtwert des Vermögens des Erblassers. Vielmehr wird als Ausgangsgröße eine eigene Posi-tion, der Hofeswert, angesetzt. Der Hofeswert wird auf Grundlage eines besonderen Berechnungsverfahrens ermittelt.

Über den Autor

Benedikt Krüger ist Rechtsanwalt bei der ETL Agrar & Forst GmbH in Berlin, Landwirtschaftliche Buchstelle

Von diesem Hofeswert werden die Nachlassverbindlichkeiten abgezogen, die im Verhältnis der Erben zueinander den Hof treffen und die der Hoferbe oder die Hoferbin zu tragen hat. In jedem Fall erhalten die Erben jedoch mindestens ein Drittel des Hofeswerts. Auf die Abfindung müssen sich die Miterben aber dasjenige anrechnen lassen, was sie bereits zuvor als Abfindung aus dem Hof erhalten haben.

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Unmittelbar mit den Vorteilen verbunden, die sich aus einer Erbfolge nach der Brandenburger Höfeordnung für den Hoferben ergeben, sieht die Höfeordnung grundsätzlich eine Behaltensfrist von 20 Jahren vor. Auf diese Weise soll eine Übervorteilung des Hoferben gegenüber den Miterben verhindert werden, wenn der Hoferbe den Hof nicht in der vom Gesetzgeber vorgesehenen Weise fortführt.

Unklar ist nach dem Wortlaut des Gesetzesentwurfs, ob die Höfeordnung auch für reine Forstbetriebe gilt oder auf land- und forstwirtschaftliche Betriebe beziehungsweise auf reine Landwirtschaftsbetriebe begrenzt ist. Die Definition des Hofes enthält im Gesetz, anders als im älteren Vorbild, keinen Hinweis auf forstwirtschaftliche Besitzungen. Unseres Erachtens gibt es dennoch eindeutige Hinweise, die eine Anwendung auch auf reine Forstwirtschaftsbetriebe zulassen. So wird an anderer Stelle im Gesetzentwurf in § 17 ausdrücklich auf die Definition des Hofes Bezug genommen und auch eine land- und forstwirtschaftliche Besitzung
darunter gefasst. Die Einleitung zum Gesetzentwurf erklärt es überdies zum ausdrücklichen Ziel der Brandenburger Höfeordnung, land- oder forstwirtschaftliche Betriebe zu sichern.

FAZIT

Mit der Einführung der Brandenburger Höfeordnung, die am Tage der Verkündung in Kraft tritt, geht der Brandenburger Gesetzgeber einen wichtigen Schritt zum Erhalt landwirtschaftlicher Familienbetriebe. Auf diese Weise wird nachhaltig die Vielfältigkeit der regionalen Agrarbetriebe gesichert. Wir gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit ungeklärte Detailfragen zum Grundbuchverfahren entsprechend dem westdeutschen Vorbild in einer Verfahrensordnung für Höfesachen (HöfeVfO) geregelt werden.

Rettung aus der Not wird erleichtert

Vor Kurzem wurde der Expertenbericht zur Evaluierung des Insolvenzrechts veröffentlicht. Hier erfahren Sie, welche rechtlichen Änderungen in den kommenden Monaten zu erwarten sind.

Von André Houben, Rechtsanwalt

Insolvenz bedeutet nicht gleich Untergang. Die verschiedenen Möglichkeiten zur geordneten Durchführung eines Insolvenzverfahrens haben wir für Sie im ersten Teil dieses Beitrages dargestellt. Das Schutzschirmverfahren wie auch die Stärkung der Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren sind mit dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) vom 7. Dezember 2011 eingeführt worden. 

Dieses Gesetz ist für den Zeitraum vom 1. März 2012 bis 28. Februar 2017 von einer Expertenkommission evaluiert, also sach- und fachgerecht untersucht und bewertet worden. Die Ergebnisse stehen nunmehr seit der Kabinettssitzung der Bundesregierung vom 10. Oktober 2018 der Öffentlichkeit zur Verfügung. Inwieweit die Ergebnisse der Evaluierung Auswirkungen auf die Sanierung wirtschaftlich bedrohter landwirtschaftlicher Betriebe haben können, soll nachfolgend anhand der jetzt (noch) geltenden und der möglichen künftigen Gesetzeslage dargestellt werden.

Bewertung des neuen Gesetzes abgeschlossen

Stark zusammengefasst lauteten die vier Leitfragen der Untersuchung:

Die hierzu vom Forschungsteam im Einzelnen dargestellten statistischen und rechtlichen Bewertungen sind wohl nur für Experten interessant. Vielmehr stellen sich für den krisenbedrohten und an einer Sanierung interessierten Betrieb letztendlich die Fragen, ob überhaupt ein Eigenverwaltungsverfahren in Regie des ursprünglichen Betriebsleiters möglich ist (was dann über einen Insolvenzplan zur Entschuldung des Unternehmens führt) und welche Besonderheiten die Ergebnisse der Evaluation für ein zukünftiges Recht haben, wenn sie denn umgesetzt werden. 

Verschiedene Verfahren blieben bestehen

Bei aller Kritik, die sich in dem Bericht findet, muss zunächst einmal herausgestellt werden, dass das ESUG als solches, das heißt, die Möglichkeit über ein Eigenverwaltungsverfahren und einen Insolvenzplanverfahren eine Sanierung zu erreichen, positiv bewertet wird und auch in Zukunft für den sanierungswilligen Unternehmer zur Verfügung steht. Dabei wird es wohl keine Unterscheidung mehr zwischen dem klassischen Schutzschirmverfahren nach §§ 270, 270b der Insolvenzordnung (InsO) und dem Eigenverwaltungsverfahren nach §§ 270, 270a InsO geben. Vielmehr werden diese Vorschriften miteinander verschmolzen. 

Auch das Eigenverwaltungsverfahren als solches wird Bestand haben, allerdings wird der Zugang erschwert. Betriebe, die keine Aussicht auf Sanierung haben, werden zum Eigenverwaltungsverfahren nicht zugelassen. Ungeeignete Verfahren werden ausgeklammert. Es erfolgt eine Prüfung durch den Insolvenzrichter. Hier werden Schranken eingebaut, die insbesondere im betriebswirtschaftlichen Bereich begründet sind. Zwingend notwendig wird eine belastbare Liquiditätsplanung sein. Eine insolvenzrechtliche Expertise muss sicherstellen, dass die Sanierungsplanung eingehalten wird. Das schuldnerische Unternehmen muss eigenverwaltungswürdig sein. 

Eigenverwaltung war oft zu teuer

Auch soll bereits zu Beginn eines Verfahrens die Kostenfrage zum Gegenstand der Prüfung gemacht werden, da in der Vergangenheit teilweise zu hohe Beratungskosten in Ansatz gebracht worden sind und letztendlich eine Eigenverwaltung nicht teurer sein darf als ein klassisches Insolvenzverfahren. In der Praxis spricht man von sogenannter Tandemverwaltung, das heißt, sowohl der als Sanierungsberater tätige Insolvenzrechtsexperte, vorzugsweise ein mehrjährig tätiger Insolvenzverwalter, als auch der vom Gericht bestellte Sachwalter dürfen zusammen nicht mehr kosten, als wenn ein klassischer Insolvenzverwalter allein das Verfahren durchführen würde. 

Über den Autor

André Houben ist Fachanwalt für Isolvenzrecht bei der Curator AG in Berlin

In der Regel wird der Insolvenzplan in der Eigenverwaltung vom Sanierungsberater erstellt. Die Anforderungen an die beinhaltete Plan-Vergleichsrechnung sind gestiegen. Es müssen einheitliche Unternehmenswerte beim Vergleich der Szenarien (Insolvenzplan, übertragende Sanierung, Zerschlagung), zum Beispiel Fortführungswerte, zugrunde gelegt werden. Die Anforderungen gehen so weit, die Werte durch einen parallel zur Erstellung des Insolvenzplans laufenden Verkaufsprozess ermitteln zu lassen.

Letztlich beinhaltet der Bericht zur Evaluierung auch Ausblicke auf das Europarecht. Der bereits seit November 2016 existierende Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch vor der Wahl zum neuen Europaparlament im Mai 2019 europäisches Recht sein. Ob die Umsetzung der Ergebnisse zeitgleich mit der Übernahme des europäischen Rechts erfolgen wird (Mitte 2021), ist derzeit noch nicht absehbar.

FAZIT

Auch wenn die gesteigerten Anforderungen nach der Evaluierung möglicherweise erst im Jahre 2021 geltendes deutsches Recht sein werden, muss man damit rechnen, dass die im Bericht enthaltenen Verschärfungen zum Zugang zu diesem Verfahren bei den Gerichten, die die Rechtmäßigkeit des Antrags auf Eigenverwaltung prüfen, und bei den wesentlichen Gläubigern, die letztendlich dem Insolvenzplan zuzustimmen haben, bekannt sind. Umso wichtiger ist es, sich für die Beratung nur jene Insolvenzrechtsexperten auszusuchen, die die zu erwartenden Änderungen im deutschen und europäischen Insolvenzrecht bereits verinnerlicht haben.

Aktueller Nachtrag des Autors vom 5. November 2019

Nachdem das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz am 10. Oktober 2018 den Bericht der Bundesregierung über die Erfahrungen mit der Anwendung des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) veröffentlicht hat, folgt ihr am 26. Juni 2019 im Amtsblatt der Europäischen Union die Veröffentlichung der Restrukturierungsrichtlinie. Die Richtlinie ist binnen zwei Jahren in nationales Recht umzusetzen. Es ist beabsichtigt, auch die aus der Evaluierung des ESUG resultierenden Konsequenzen zeitnah, möglicherweise gleichzeitig mit der Umsetzung der Richtlinie einzubringen. Unklar ist bisher, ob die Richtlinie in Deutschland neben der Insolvenzordnung zu einem eigenen Gesetz gemacht wird oder aber in die Insolvenzordnung einfließt. In jedem Fall arbeiten Experten aus Deutschland und Frankreich entsprechend den Bestimmungen im Koalitionsvertrag an einer gemeinsamen Lösung. 

Am 26. November auf zur Demo nach Berlin!

Thüringens Bauernverband unterstützt die Initiative „Land schafft Verbindung“ – und ruft zur Teilnahme an der Demonstration gegen das Agrarpaket auf.

Landwirte, die mit der Agrarpolitik – und aktuell mit dem Agrarpaket der Bundesregierung –  unzufrieden sind, ruft er auf, sich an der Protestaktion in Berlin zu beteiligen. „Je mehr sich hier engagieren, desto höher sind die Chancen, eine Veränderung zu erreichen“, heißt es in einer Information an seine Mitglieder. 

Damit sich viele Thüringer Landwirte am 26. November auf den Weg nach Berlin machen können, organisiert der TBV Busse. Dazu ist bis 15. November eine Anmeldung notwendig (sekretariat@tbv-erfurt.de). Verbandsmitglieder sowie Mitarbeiter von Mitgliedsbetrieben könnten unentgeltlich mitreisen. Nicht-Mitglieder zahlen einen Unkostenbeitrag von 20 Euro.

All jene, die sich an der Sternfahrt mit Landmaschinen beteiligen wollen, müssen sich separat bei den Organisatoren von „Land schafft Verbindung“ anmelden. Antragsformulare und Kontakt zu den Thüringer Initiatoren finden sich auf der Infoseite Thüringen.

Text: Frank Hartmann

Suche nach Rettung in der Not

Hochwasser, Dürre, Schweinepest – Vielfältige Krisen bedrohen landwirtschaftliche Betriebe. Wir erläutern die aktuelle Rechtslage bei Insolvenzverfahren und blicken in die Zukunft.

Von André Houben, Rechtsanwalt

Durch den Dauerregen 2017 lagen die Ernteausfälle laut Angaben des Bauernverbandes im zweistelligen Prozentbereich. Wiederum auf Angaben des Bauernverbandes beruhend, berichtet die Wirtschaftswoche von existenzbedrohenden Ernteausfällen 2018 aufgrund der Dürre. Dabei ist von 18 bis 30 % Rückgang der Erntemenge die Rede. Wann die Afrikanische Schweinepest Deutschland erreicht, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Der Krisenfall wird zumindest in Nordrhein-Westfalen schon geprobt. Bei Ausbruch der Seuche stehen in Deutschland die Schweineerzeuger vor dem Ruin. 

Aber auch das restriktive Verhalten der Banken bei Gewährung neuer Kredite bedroht die Unternehmen. Wenn nicht ausreichend Rückstellungen für Neuanschaffungen, Reparaturen oder Investitionen gebildet worden sind oder aber diese Rückstellungen von den Folgen von Überschwemmung und Dürre aufgefressen wurden, kann man nicht mehr zwingend auf die Hilfe der Banken hoffen. Die Banken verfahren nämlich nach deutlich strengeren Richtlinien bei der Gewährung von Krediten in Krisenzeiten als in Zeiten, zu denen die Betriebe noch positive Zahlen schreiben. Es ist bankentypisch, dass keine neuen Kredite mehr ausgereicht werden, wenn sich die Ergebnisse bei den Betrieben aufgrund der letzten beiden Jahre verschlechtert haben.

Landwirtschaftlichen Betrieben, die von einer wirtschaftlichen Krise betroffen sind, bietet auch zum jetzigen Zeitpunkt die Insolvenzordnung noch Sanierungshilfe in Form des Schutzschirmverfahrens. Danach bleibt die Geschäftsführung im Rahmen einer Eigenverwaltung des Betriebes unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters im Amt und die Sanierung erfolgt über einen Insolvenzplan, in dem mit den Gläubigern Vergleiche geschlossen und damit die Schulden abgeschnitten werden. Das Schutzschirmverfahren wie auch die Stärkung der Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren sind eingeführt worden mit dem ESUG. ESUG bezeichnet das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“, welches am
1. März 2012 in Kraft getreten ist. 

Die Insolvenzordnung (InsO) gibt mehrere Möglichkeiten vor, um eine Entschuldung von Unternehmen zu erreichen. Normalerweise stellt man einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, wenn die vorhandenen oder kurzfristig zu erwartenden Geldmittel nicht ausreichen, um die Schulden und die Kosten des laufenden Betriebs zu begleichen. 

Altbekannter Weg mit Hindernissen

Dann wird ein Insolvenzverwalter bestellt, der das vorhandene Vermögen verwertet und am Ende nach zu begleichenden Verfahrenskosten den verbleibenden Rest an die Gläubiger verteilt. Das Unternehmen wird dann entweder schon bei Eröffnung des Verfahrens oder danach abgewickelt. 

Zwar können Einzelunternehmer einen Geschäftsbetrieb nach Eröffnung weiterführen, wenn der Insolvenzverwalter den Betrieb aus dem Insolvenzbeschlag freigibt. Für Gesellschaften oder Genossenschaften kommt dies aber nicht in Betracht. Sollen diese weitergeführt werden, ist es sinnvoll, einen Vergleich mit den Gläubigern herbeizuführen. Dieser Vergleich – der sogenannte Insolvenzplan – ist zwar auch in einem normalen Insolvenzverfahren möglich, aber ungleich schwieriger, weil in diesen Verfahren der Insolvenzverwalter derjenige ist, der die Vermögensmassen verwaltet und verwertet. Gläubiger sind dann ggf. so verärgert oder verschreckt, dass eine Einigung mit ihnen häufig nicht mehr denkbar ist. 

Die Insolvenzordnung enthält daher attraktive Möglichkeiten für einen Einzelunternehmer, den Geschäftsführer einer Gesellschaft oder den Vorstand einer Genossenschaft, eine Sanierung mithilfe der gesetzlichen Regelungen zu ermöglichen und bei dieser Sanierung noch die Zügel in der Hand zu behalten. Diese Verfahren sind das sogenannte Schutzschirmverfahren gemäß §§ 270, 270b InsO und das Verfahren in Eigenverwaltung gemäß §§ 270, 270a InsO. 

Schutzschirm für das Unternehmen

Beim Schutzschirmverfahren bleibt der Unternehmer die entscheidende Person. Ihm wird ein (vorläufiger) Sachwalter zur Seite gestellt. Eine wesentliche Aufgabe für den Unternehmer ist es, die laufenden Kosten kritisch zu hinterfragen und unwichtige, überteuerte oder langfristige Vertragsbindungen, für die es günstigere Angebote gibt, zu beenden. Hierzu regelt das Gesetz, dass nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bestimmte Dauerschuldverhältnisse trotz Restlaufzeit beendet werden können: Ein Telefonvertrag, der eine Laufzeit von noch 15 Monaten und dessen Abschluss sich als Fehler herausgestellt hat, kann durch eine einfache Erklärung, den Vertrag nicht mehr zu erfüllen, beendet werden. Das gleiche gilt mit maximal 3 Monaten Frist für die Beendigung von Arbeits- oder Mietverhältnissen. 


Über den Autor

André Houben ist Fachanwalt für Isolvenzrecht bei der Curator AG in Berlin


Der (vorläufige) Sachwalter überwacht, ob gläubigerschädigende Handlungen vorliegen. Das sind nicht etwa die zuvor genannten Kündigungen von Verträgen. In solchen Entscheidungen werden ernsthafte Sanierungsbemühungen gesehen. Schädlich wären aber die Zahlung von Altforderungen an Gläubiger, der Abschluss unsinniger Verträge (Luxusauto oder Segelyacht für den Geschäftsführer) oder die Annahme eines Auftrages, der keine nachvollziehbare Kalkulation enthält oder der offenbar zu keinem Gewinn führen kann. 

Wesentliche Voraussetzung des Schutzschirmverfahrens nach
§§ 270, 270b InsO ist, dass noch keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt, sondern allenfalls deren Drohen oder die Überschuldung. Dies muss ein Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt bescheinigen. Daneben muss binnen drei Monaten ein Insolvenzplan vorgelegt werden. Diese Hürden sind hoch. In aller Regel machen sich Unternehmer erst dann Gedanken über die Notwendigkeit der Inanspruchnahme von Hilfe, wenn die Zahlungsunfähigkeit bereits vorliegt. 

Eigenverwaltung und Insolvenzgeld

Das Eigenverwaltungsverfahren im Sinne der §§ 270, 270a InsO funktioniert ähnlich, hat aber Voraussetzungen, die leichter zu erfüllen sind: Auch hier wird ein (vorläufiger) Sachwalter bestellt, der die oben genannten Über­wachungsaufgaben hat. Allerdings ist weder die Vorlage eines Wirtschaftsprüfer-Gutachtens noch die Vorlage eines Insolvenzplans zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens notwendig. Selbstverständlich muss eine Liquiditätsprognose vorliegen. Nur mit dieser ist es möglich zu überprüfen, ob eine plausible Kosten- und Auftragskalkulation vorliegt. 

Im Schutzschirmverfahren und in der Eigenverwaltung kann nach Antragstellung und vor Eröffnung für maximal drei Monate eine finanzielle Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit in Anspruch genommen werden – das Insolvenzgeld. Normalerweise wird Insolvenzgeld denjenigen Arbeitnehmern gezahlt, die bei Einstellung des Betriebs, der Abweisung eines Insolvenzantrags mangels Masse oder bei Eröffnung des Verfahrens bis zu drei Monate keinen Lohn erhalten haben. Jeder wird verstehen, dass es nicht sinnvoll wäre, einem Arbeitnehmer anzukündigen, er erhalte nunmehr für drei Monate keinen Lohn und könne diesen bei Eröffnung des Verfahrens bei der Bundesagentur für Arbeit einfordern. Soweit es die Bundesagentur betrifft, würde das funktionieren; der Arbeitnehmer wird zu einer Überbrückung eines solchen Zeitraums nicht in der Lage sein. 

Insolvenzordnung (InsO)

§ 270 Voraussetzungen

(1) Der Schuldner ist berechtigt, unter der Aufsicht eines Sachwalters die Insolvenzmasse zu verwalten und über sie zu verfügen, wenn das Insolvenzgericht in dem Beschluss über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Eigenverwaltung anordnet. Für das Verfahren gelten die allgemeinen Vorschriften, soweit in diesem Teil nichts anderes bestimmt ist. Die Vorschriften dieses Teils sind auf Verbraucherinsolvenzverfahren nach § 304 nicht anzuwenden.

(2) Die Anordnung setzt voraus,

1. dass sie vom Schuldner beantragt worden ist und

2. dass keine Umstände bekannt sind, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen für die Gläubiger führen wird.

(3) Vor der Entscheidung über den Antrag ist dem vorläufigen Gläubigerausschuss Gelegenheit zur Äußerung zu geben, wenn dies nicht offensichtlich zu einer nachteiligen Veränderung in der Vermögenslage des Schuldners führt. Wird der Antrag von einem einstimmigen Beschluss des vorläufigen Gläubigerausschusses unterstützt, so gilt die Anordnung nicht als nachteilig für die Gläubiger.

(4) Wird der Antrag abgelehnt, so ist die Ablehnung schriftlich zu begründen; § 27 Absatz 2 Nummer 4 gilt entsprechend.

BMJVGesetze im Internet

Dafür gibt es die Möglichkeit, die Insolvenzgelder vorzufinanzieren. Eine Bank, die üblicherweise vom Sanierungsberater organisiert wird, finanziert die Lohnansprüche vor, wenn die Arbeitnehmer ihre Lohnansprüche an die Bank verkaufen. Das ist für die Arbeitnehmer vollkommen risikolos: Weder kommt es auf die Bonität des einzelnen Arbeitnehmers an, noch wird diese abgefragt. Der Lohnanspruch wird nur an die vorfinanzierende Bank in der Höhe verkauft, in der diese den Lohnanspruch erfüllt hat bzw. erfüllen kann. Der Unternehmer muss für maximal drei Monate (fast) keine Personalkosten einplanen. Das ist eine vom Gesetz vorgesehene Möglichkeit der Unterstützung des Unternehmens. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann (Vorliegen einer nachvollziehbaren Liquiditätsprognose) und ein erheblicher Anteil der Arbeitsverhältnisse erhalten wird. Das sind derzeit mindestens 10 Prozent. Damit kann auch eine Sanierung mit Arbeitsplatzabbau einhergehen. 

Insolvenzplan zum Unternehmenserhalt

Beim Schutzschirmverfahren wird den Gläubigern zum Zeitpunkt der Eröffnung des Verfahrens ein Insolvenzplan vorgelegt. Beim Eigenverwaltungsverfahren geschieht dies später, aber auch zeitnah. Dabei handelt es sich um einen Vergleich: Die Gläubiger verzichten auf eine Zerschlagung des Unternehmens und müssen ihre Forderungen nicht vollständig abschreiben. Das wäre bei einer Zerschlagung aber wahrscheinlich. 

Inhalt des Insolvenzplans ist eine Beteiligung der Gläubiger an zukünftigen Unternehmensgewinnen oder die Zahlung eines Investors oder sonstigen Dritten. Diese Gewinne oder Investitionen müssen höherwertig sein, als es die vorhandenen oder ohne Insolvenzplan erzielbaren Werte sind (also das verwertbare Anlage- und Umlaufvermögen und die durchsetzbaren Forderungen etc.). 

Diese sogenannte Vergleichsrechnung muss klar und nachvollziehbar die einzelnen Verwertungsvarianten (Zerschlagung, übertragende Sanierung mittels Auffanggesellschaft, Insolvenzplan) darstellen: Für jede Verwertungsvariante müssen die vorhandenen oder zu erzielenden Vermögenswerte nachprüfbar aufgelistet sowie die voraussichtlich anfallenden Kosten des Verfahrens und dessen Abwicklung ermittelt werden. Die verbleibenden Vermögenswerte bilden die Quote, die entsprechend dem Anteil der Gläubiger an der Gesamtsumme der Verbindlichkeiten an diese verteilt würde. Der Gläubiger muss in der Lage sein, diese Vergleichsrechnung zu verstehen und zur Grundlage seiner Entscheidung machen können. Oftmals ist der Insolvenzplan die einzige Möglichkeit zur Rettung des Unternehmens. Bei Landkäufen von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) sind in den Verträgen zum Beispiel regelmäßig Strafen (Pönalen genannt) enthalten, wenn der Grund und Boden weiter verkauft werden soll. 

Die Abstimmung über einen Insolvenzplan erfolgt in einem Gerichtstermin. Dabei stimmen einige Gläubiger zwangsweise in jeweils eigenen Gruppen ab. Das sind zum Beispiel die absonderungsberechtigten Gläubiger (also die, die ein Sonderrecht an der Insolvenzmasse haben: Vermieter mit einem Vermieterpfandrecht, Sicherungsgläubiger etc.), aber gegebenenfalls auch die Arbeitnehmer oder der Pensionssicherungsfonds. Egal ob in einer einzigen Gruppe oder in mehreren abgestimmt wird: Entscheidend ist die Mehrheit der Köpfe und der Summen der Forderungen. Damit kann sich kein Großgläubiger gegen eine Mehrheit von Kleingläubigern durchsetzen. Gläubigerpflege bzw. -einbindung ist daher wichtig: Kein Gläubiger wird für ein Eigenverwaltungsverfahren oder einen Insolvenzplan zu begeistern sein, wenn er erst zu diesem Zeitpunkt mit einem Plan konfrontiert wird, nachdem er zuvor ignoriert wurde. 

FAZIT:

Krisenbedrohte landwirtschaftliche Betriebe können weiterhin über einen Insolvenzplan und in Eigenverwaltung saniert werden. Der Insolvenzplan bietet den Vorteil, das bestehende Unternehmen zu erhalten und von den Verbindlichkeiten mittels Schuldenschnitt zu befreien. 

Kälberhaltung neu überdenken!

Nach Zahlen der Tierseuchenkasse liegen in Sachsen die Kälberverluste bei 18 Prozent, inklusive Totgeburten! Es ist davon auszugehen, dass es in anderen Bundesländern ähnlich ist.

Von Dr. Ilka Steinhöfel

Erschüttert habe ich Ende vergangenen Jahres die Zahlen zur Höhe der Kälberverluste zur Kenntnis genommen, die Dr. Mandy Schmidt von der Sächsischen Tierseuchenkasse zum Milchrindtag präsentiert hatte: 18 % inklusive der Totgeburten! Wir haben es in den letzten Jahren nicht geschafft, diesen hohen Anteil auch nur um ein Prozent zu reduzieren. Anders als im Bereich der immer stärker leistenden laktierenden Kühe hat sich der Anspruch der Kälber an Umwelt und Ernährung in dieser Zeit kaum geändert. Mir stellte sich die Frage: Fehlt es an Wissen, an Einsicht, an Kraft, Dinge zu ändern? Dabei sind wir uns der Relevanz der Kälbergesundheit für die Leistungsbereitschaft und Langlebigkeit der späteren Kuh sehr wohl bewusst.

Evolution bietet geniales System

Die Evolution hat in Millionen von Jahren ein geniales System entwickelt. Dieses gilt es zu verstehen, zu akzeptieren und zu nutzen. Noch im Mutterleib bereitet die Kuh das Kalb auch immunologisch auf die Umwelt vor, in die es hineingeboren wird. Das gelingt der Kuh am besten, wenn es ihr gut geht und sie ihren Bedarf an essenziellen Faktoren wie Nährstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, aber auch Sozialkontakt und Bewegung decken kann. Nach der Kalbung schließt das Erstkolostrum hier nahtlos an.

Kälber beim Hoffest Ökodorf Brodowin
Zu viert aus dem Eimer: Frühstückszeit in der Kälberbox (c) Anne Katrin Pischel

Der Fakt, dass die Kuh, wenn sie die Chance dazu erhält, sich zur Kalbung aus dem Herdenverband zurückzieht und das Kalb seine ersten Lebenstage getrennt von der Herde bestreitet, schafft Zeit, um einen ausreichenden immunologischen Schutz aufzubauen, bevor sich das Kalb mit den Keimen der Herde auseinandersetzen muss. In den ersten Tagen nach der Geburt ist das Immunsystem des Kalbes noch nicht so weit entwickelt, dass es seinen Körper gegen eine hohe Erregerdichte schützen kann. Dazu kommt, dass am Ende der ersten Lebenswoche der Darm des Kalbes eine erste Zellmauser durchmacht. Das Darmepithel ist zu dieser Zeit besonders empfindlich. Werden vorher massive Infektionen mit Durchfallerregern zugelassen, ist das spätestens der Zeitpunkt, an dem auch der erste Durchfall auftritt.

Situation untersucht – Ergebnis alarmiert

Ein 2016 vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) durchgeführtes Monitoring untersuchte die Situation in 60 sächsischen Betrieben. Die Studie hat gezeigt, dass gerade in den Bereichen der Abkalbung, Erstversorgung und der Hygiene im Haltungsbereich der Neugeborenen noch viele Reserven schlummern. Vor allem in Beständen mit kontinuierlicher Abkalbefolge und permanentem Kälberbesatz reißen die Erregerketten nicht ab. Regelmäßige Desinfektion im Abkalbebereich ist die Ausnahme. Der Keimdruck für Kuh und Kalb unmittelbar nach der Kalbung ist dementsprechend sehr hoch.


Dr. Ilka Steinhöfel

Die Autorin

Dr. Ilka Steinhöfel arbeitet im Referat Tierhaltung des Sächsischen Landesamtes fürUmwelt, Landwirtschaft und Geologie in Köllitsch. Im Rahmen ihrer Tätigkeit beschäftigt sie sich seit vielen Jahren intensiv mit der Kälberaufzucht und -haltung.


In nur sehr wenigen Betrieben wird das Erstkolostrum untersucht. Gerade damit wäre aber sehr gut einzuschätzen, wie der Kuh in der Trächtigkeit die immunologische Vorbereitung ihres Kalbes gelungen ist und wie wertvoll die erste Tränke in Bezug auf die weitere Entwicklung des Kalbes zu bewerten ist. Als infektiöse Faktoren für die ermittelten hohen Durchfallerkrankungsraten konnten die bekannten potenziellen Durchfallerreger, wie Rotaviren, Kryptosporidien, Clostridien und darmpathogene E.coli-Bakterien, bestätigt werden. Sie sind meist überall im Stall zu finden. Ob das Kalb daran erkrankt, entscheiden der Keimdruck, seine Konstitution und immunologische Stärke.

Problem Durchfall wird unterschätzt

Nahezu die Hälfte der teilnehmenden Betriebe waren sich der gesundheitlich angespannten Situation in ihrem Bestand nicht bewusst. Dabei sind früh an Durchfall erkrankte Kälber auch anfälliger für spätere Erkrankungen wie Lungenentzündung. Eine regelmäßige kritische Analyse der gesundheitlichen Situation der Kälber gibt Aufschluss über notwendigen Handlungsbedarf. Um Betriebsblindheit auszuschließen, empfiehlt es sich, auch betriebsfremde Augen sehen zu lassen. Erkranken weniger als 30 % der Kälber, ist alles im grünen Bereich. Ist der Anteil höher, sollte zwingend nach den Ursachen gesucht werden. Der Zeitpunkt der ersten Symptome, die Schwere und die Dauer der Durchfall-Erkrankung können wichtige Hinweise darauf geben. Zur Erregerdifferenzierung sollten die Kotproben möglichst von unbehandelten Kälbern mit pastöser bis breiiger Kotkonsistenz stammen. Es sollten Kälber jeder Alterskategorie beprobt werden.

Die Kleinsten am strengsten schützen

Kälbchen liegt im Stroh
Viel frisches Stroh: So sollte eine Kälberbox aussehen (c) Sabine Rübensaat

Beispielsweise sind Kryptosporidien aufgrund ihres Vermehrungszyklus erst sicher ab der zweiten Lebenswoche des Kalbes nachzuweisen. Wichtig fanden wir den Hinweis des Labors auf das Vorhandensein der „normalen“ fäkalen gramnegativen Darmflora. Ist diese beeinträchtigt, nutzen Durchfallerreger die Situation brutal aus. Die Ursache für die Fehlbesiedlung könnte eine frühe Infektion mit enteropathogenen Erregern schon in der Abkalbebox oder eine frühere Behandlung des Kalbes z.B. aufgrund von Nabelentzündungen sein. Der hohe Anteil an Kälbern, die in der Studie mit massiven Infektionen mit Cl. perfringens schon in den ersten drei Lebenstagen auffielen, zeugt von einer frühen Fehlbesiedlung des Verdauungstraktes der Kälber in den ersten Lebensstunden. Als Ursachen vermuten wir ungenügende Hygiene in der Abkalbebox, aber auch Erregerübertragung durch Hände, Kleidung, Tränkgeschirr schon beim Antränken. Nehmen wir dem Kalb dazu auch noch die Chance, sich dagegen zu wehren, indem wir ihm zu spät ein hochwertiges Erstkolostrum geben, ist die Durchfallerkrankung kaum zu vermeiden.

Hygiene, Platz und fachkundige Betreuung

Die Evolution hat nicht mit unserer Stallhaltung gerechnet. Deshalb sind wir gezwungen, uns auf die biologischen Verhältnisse einzustellen. Wenn wir diese akzeptieren, werden wir unsere Kälber gesund halten können. Konkret verlangt dies, den Erregerdruck für die Neugeborenen zu minimieren, den Zeitpunkt einer Infektion möglichst weit nach hinten zu verschieben, das Kalb maximal mit Schutzstoffen zu versorgen und die Stressoren aus dem Umfeld so gering wie möglich zu halten. Diese vier Forderungen sind kostenintensiv und nur schwer zu automatisieren. Sie bedürfen Individualität, Zeit und Material für Reinigung und Desinfektion, Platz für ausreichend lange Leerstandszeiten und motiviertes, geschultes und fachkundiges Personal mit einem ausreichenden Zeitbudget. Aber nicht nur diese großen Brocken müssen für einen dauerhaften Effekt gestemmt werden. Oft sind es Details, die die Wirksamkeit großer Maßnahmen unwirksam erscheinen lassen, da hier ähnlich wie in der Tierernährung das Liebig‘sche Minimumprinzip (Abbildung 1) gilt. Welches Brett das Fass zum Überlaufen bringt, kann nur eine umfassende Analyse der betriebsindividuellen Bedingungen zeigen. Wir haben in den letzten Jahren baulich dafür gesorgt, Kälber und Kühe getrennt voneinander aufzustallen. Das hat aus den oben genannten Gründen durchaus seine Berechtigung, verhindert aber auch, dass sich das Immunsystem der tragenden Kühe mit den Erregern der Kälber auseinandersetzen kann.

Stallbau in den Fokus nehmen?

Grafik aus einem Kälberstall
Die kombinierte Haltung von Trockenstehern und Kälbern und die funktionelle Abtrennung des Abkalbe- und Neugeborenenbereiches

Mit der Muttertierschutzimpfung versuchen wir, diese Lücke zu schließen. Mit den gängigen Impfstoffen erreicht man sicher die Spitze des Eisberges. Stallspezifische Vakzine könnten effektiver sein. Aber vielleicht könnte man den gleichen Effekt erreichen, wenn man die Nähe der trockenstehenden Kühe zu den zwei bis drei Wochen alten Kälbern zulässt. Eine Skizze für eine mögliche Strukturierung zeigt Abbildung 2. Eine saubere Abkalbung („just in time“) vorausgesetzt, sollte dieser und der Bereich der Neugeborenen bis maximal sechsten Tag hygienisch von den Kühen und den älteren Kälbern getrennt sein. Diese Trennung sollte möglichst örtlich und personell erfolgen, sssodass eine Infektion der neugeborenen Kälber mit den Erregern der älteren Kälber weitestgehend vermieden werden kann. Die besseren hygienischen Verhältnisse zum Zeitpunkt der Abkalbung soll die Infektion mit Cl. perfringens und enteropathogenen E. coli eindämmen. Die Trennung der neugeborenen von den älteren Kälbern hat zum Ziel, die frühe Infektion mit Kryptosporidien zu unterbinden, da aufgrund des Entwicklungszyklus dieses Parasiten frühestens am sechsten Lebenstag mit einer massiven Ausscheidung an Oozysten zu rechnen ist.

Anstrengend, aber erfolgreich!

Wir haben es selbst in der Hand. Kranke Kälber sind kein Hexenwerk, sondern die biologische Folge einer für das Kalb schwer zu bewältigenden Menge an pathogenen Erregern. Das heißt, gesunde Kälber sind entweder fit genug, sich gegen Erreger zu wehren oder im Umfeld der Kälber gibt es wenig Erreger. In Beispielbetrieben konnten wir mit der Installation betriebsindividueller Maßnahmen im Bereich der Abkalbung, der Erstversorgung und dem Haltungsbereich der Neugeborenen die gesundheitliche Situation der Kälber positiv beeinflussen. Mit der strengen Einhaltung der Hygienemaßnahmen ist es gelungen, die Durchfallquote von vorher 56 % auf 30 % zu senken. Kryptosporidien-Infektionen konnten in einem Betrieb ohne medikamentelle Unterstützung in der Zeit der Untersuchung vollständig eliminiert werden. Mit System, Konsequenz und Beharrlichkeit waren Erfolge zu erzielen, die es nun heißt, in der täglichen Routine zu erhalten und nicht wieder einschlafen zu lassen. Hier gilt es, die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen, gemeinsam nach Wegen zu suchen, denn nichts ist demotivierender, als täglich kranke Tiere versorgen zu müssen. Motivieren kann ein regelmäßiges Feedback zum Erfolg der Arbeit, aber auch der Wegfall körperlich schwerer und nerviger Arbeiten durch Technikeinsatz. Einfach zu demontierende Ventile oder vielleicht sogar eine Spülmaschine für Kälbertränkeimer könnten Zeit für einen zusätzlichen Kontrollgang schaffen. Ein Motivationssprung durch körperliche Erleichterung und mehr Freude an der Arbeit mit gesünderen Kälbern kann trotz strenger Vorgaben für Sauberkeit und Hygiene das Betriebsergebnis vielleicht nachhaltig verbessern.

Auf dem Weg zum Deutschen Holstein

Von der Milchrindzucht während der DDR-Mangelwirtschaft, Erfolgen nach 30 Jahren Mauerfall und neuen Herausforderungen – beispielsweise mit mehr spezialisierter Züchtung für die verschiedenen Produktionssysteme.

Der Unterschied hätte 1990 kaum größer sein können: Im Osten die zentralistisch-diktatorisch gelenkte Milchrindzucht der DDR, im Westen die bäuerliche Holsteinzucht. Konkret: In der BRD erfolgte die Holsteinisierung der Schwarzbunten zum Deutschen Holstein (DH), in der DDR widmete man sich der In-sich-Züchtung eines jerseyblütigen Zweinutzungsrindes, dem Schwarzbunten Milchrind (SMR). Doch nach 30 Jahren aktiver Holsteinzucht hat man im Osten nicht nur den bloßen Anschluss an das internationale Niveau geschafft. Spitzengenetik ist verfügbar und die Milchkuhherden melken auf Rekordniveau. Doch das reicht nicht.

Zwangsauflösung von Zuchtverbänden 

Bereits unmittelbar nach dem Mauerfall 1989 begannen einige Rinderzüchter mit der Wiederbelebung der liquidierten bäuerlichen Rinderzuchtverbände der DDR. Zuvor hatten bereits ehemalige erfolgreiche Zuchtleiter und Praktiker, die als Rentner bei ihren „Westbesuchen“ regelmäßig Rinderzuchtveranstaltungen in der BRD besuchten, enge Kontakte zu bäuerlichen Züchtern im Westen geknüpft. So versorgte Kurt Mückenheim, langjähriger Zuchtleiter für Rinder im Bezirk Halle/Saale, die sächsisch-anhaltischen Züchter, die nicht zu den DDR-Führungskadern gehörten, regelmäßig mit aktuellen Daten und förderte so damals schon einen intensiven Gedankenaustausch.

Ein besonderer Besamungsbulle der DDR: Harmonie 0802398, Geburtsjahr 1981, gezüchtet ohne Jersey-, aber mit 88 % HF-Genanteil. Weitsichtige SMR-Züchter nutzten ihn bereits Ende der 1980er-Jahre als Bullenvater. (c) Wilfried Brade

Bedauerlicherweise findet man in der speziellen Literatur zur neueren Tierzuchtgeschichte der DDR selten etwas über die Zwangskollektivierung bäuerlicher Zuchten, Zwangsauflösung von bäuerlichen Zuchtverbänden beziehungsweise Verfolgung und Vertreibung von Rinderzüchtern aus der DDR. Auch zur vollständigen, zentralistisch organisierten Liquidierung des Harzer Rotviehs – gegen den Willen ihrer damaligen Züchter und Halter – findet man kaum etwas. Glücklichweise gehört das Harzer Rotvieh nun wieder zu den geförderten Rassen sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Niedersachsen.

Gewaltiger Umwandlungsprozess im Osten

Mit dem Mauerfall vor 30 Jahren begann für die Landwirtschaft im Osten ein gewaltiger Umwandlungsprozess. Die in der DDR praktizierte, völlig sinnlose organisatorische Trennung der Tier- und Pflanzenproduktion war vor allem für die tierische Erzeugung sehr nachteilig. Dazu kamen marode Stallgebäude und Melkanlagen sowie ein permanenter Futtermangel. Von Letzterem waren vor allem die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) betroffen. Die zentral geleiteten staatlichen Volkseigenen Güter (VEG) Tierzucht und industrielle Anlagen der Tierproduktion wurden wesentlich besser mit Kraftfutter und Technik versorgt. Oft ersetzten somit bei der Zuchtwahl beim Milchrind die Kalorien die Gene. Diese Mangelwirtschaft führte leider auch zu Verwerfungen in der gesamten Rinderzucht. (Leider findet man dazu in der zweiteiligen Broschüre „Tierzucht in der DDR“, Herausgeber: J. Wolf, S. Zelfel und Co., wiederum nichts.)

Tierzuchtleiter Kurt Mückenheim (1921–1990), (Bildmitte mit Hut), und Tierzuchtleiter Dr. Karl Ross (1925–1999) (v. l.), bei einer Tierbeurteilung Ende der 1970erJahre. (c) Archiv Wilfried Brade

Mit diesen Voraussetzungen standen Landwirtschaftsbetriebe als auch die Politiker 1990 vor Entscheidungen, die einem Balanceakt glichen: Einerseits sollten für diejenigen, die ihre Flächen und Inventarbeiträge aus der LPG zurücknehmen und den Aufbau eines eigenen Betriebes wagen wollten, geeignete Regelungen und Förderungen getroffen werden. Andererseits befürchtete man eine chaotische Auflösung regionaler Agrarstrukturen. Deshalb sollten auch die LPG eine Chance bekommen. Sie sollten sich umwandeln können, zum Beispiel in eine e. G. (eingetragene Genossenschaft). Darüber hinaus gab es noch die privaten Kapitalanleger aus dem Westen, die vor allem landwirtschaftliche Flächen erwerben wollten. Für die Milchviehzucht stellte sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 vor allem die Frage nach der genetischen Differenziertheit des ostdeutschen SMR gegenüber dem DH der alten Bundesländer.

Fakt ist, die holsteinisierten Schwarzbuntkühe in Westdeutschland waren – basierend auf dem einheitlich gewählten Geburtsjahrgang 1985 – den SMR-Kühen um circa 500 kg Milch, 17 kg Milchfett und 11 kg Milcheiweiß überlegen (Auswertung, Vit Verden, 1995). Die Einkreuzung von Holstein-Rindern in die vorhandene SMR-Milchrindpopulation wurde nach 1990 die dominierende Zuchtpraxis in Ostdeutschland. Allerdings hatten das schon einige Praktiker vor der Wende für dringend notwendig gehalten. Die Schwierigkeiten der ersten Jahre sind heute weitgehend überwunden. Mit einem enormen Durchhaltewillen und Fleiß wurden vielerorts beeindruckende Betriebe aufgebaut, die heute zweifellos zu den modernsten und leistungsfähigsten in Europa zählen. Moderne, helle und tierfreundliche Laufställe für Milchkühe gehören heute in Ostdeutschland zum Standard.

Die enormen Leistungen der zwischenzeitlich konsequent holsteinisierten Milchkühe sichern eine größere Milcheiweißerzeugung – trotz der deutlich reduzierten Tierbestände. Denn gab es Ende 1990 in Ostdeutschland noch rund 1,6 Millionen Kühe, hatte sich der Kuhbestand bis 2018 halbiert. Die gegenwärtig erreichte Milchleistung belegt inzwischen ein außerordentlich hohes Produktionsniveau im Osten. Seit dem Mauerfall hat sich die Milchleistung mehr als verdoppelt und ist heute durchschnittlich deutlich höher als in Westdeutschland. Vergleicht man die gegenwärtigen Leistungen mit den Spitzenherden der DDR 1988, so sieht man eine deutliche Steigerung (Tabelle). Das wurde unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erreicht. Zu denen gehören: 

Wirtschaftliche Allianzen – in Form kooperierender Zusammenschlüsse von Zuchtverbänden in den verschiedenen Ländern/Regionen – mit dem Ziel des regelmäßigen Austausches bester Bullen beziehungsweise der Bündelung von Exportaktivitäten (Spermaexport) sind richtige Ansätze zur weiteren Verknüpfung der gemeinsamen Zuchtarbeit beim DH in den westlichen und östlichen Bundesländern. Der sächsische und der brandenburgische Rinderzuchtverband arbeiten seit Jahren mit dem Hannoverschen Rinderzuchtverband zusammen. Die Thüringer haben ein gemeinsames Zuchtprogramm mit ihren hessischen Nachbarn organisiert. Und die sächsisch-anhaltischen Züchter gingen sehr schnell eine Allianz mit ihren nördlichen Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern sowie in Schleswig-Holstein ein, um der flächendeckenden Abnahme ihrer Mitgliedsbetriebe zu begegnen.

SMR Kuh Lucarne
SMR-Kuh Lucarne, gezüchtet in der LPG Klein-Schwechten (Altmark). Sie war eine von vier ausgewählten SMR-Kühen auf der DLG-Schau 1986 in Hannover und wurde dort als DDR-Spitzenprodukt präsentiert. Doch die bäuerlichen Züchter durften noch nicht einmal zur Tierbetreuung mitreisen. Stattdessen fuhren sogenannte Reisekader der DDR aus der damaligen VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) Tierzucht mit. Sie hatten überhaupt keinen Bezug zu diesen Kühen. (c) Wilfried Brade

Leidenschaft und Zuchtbegeisterung reichen aber längst nicht mehr aus, Freude an der Arbeit mit Milchkühen generationsübergreifend sicherzustellen. Marktanalysen bestätigen immer wieder starke Preisschwankungen, denen der Milchpreis zwischenzeitlich unterliegt. Dazu kommen stetig steigende Kosten, beispielsweise für die Flächenbeschaffung, Arbeitserledigung oder Energie. Bei mittleren Produktionskosten von über ≥38 ct/kg Milch kommen viele Betriebe auf Dauer mit Milchpreisen von ≤33 ct/kg Milch nicht zurecht und steigen aus der Milchproduktion aus. Vor allem wenn größere Investitionen anstehen und/oder ein Generationswechsel im landwirtschaftlichen Betrieb stattfindet, wird die Fortführung der Milchrinderzucht betriebsintern hinterfragt. 

Es fehlen alternative Vermarktungsformen 

Zusätzlich wurde in den östlichen Ländern versäumt, alternative Vermarktungsformen im Hochpreissegment (wie Biomilch- oder Weidemilcherzeugung, regionale Käsesorten, regionale Joghurtprodukte etc.) aufzubauen, obwohl kaufkräftige urbane Zentren (Berlin, Leipzig, Dresden, Jena etc.) zu versorgen sind. Beispielsweise produziert Bayern fast die Hälfte der ökologischen Milch in Deutschland. Obwohl der Biomarkt stetig wächst, erfährt er in Ostdeutschland jedoch ein Nischendasein. Inzwischen ist sogar der relative Anteil der konventionell erzeugten Milch im Osten im Vergleich zum Westen abnehmend. Hier gilt es, endlich durch gezielte Fördermaßnahmen gegenzuhalten, um letztlich eine ausreichende Wirtschaftskraft in den ländlichen Regionen sicherzustellen. Die Holstein-Züchter sind längst neu gefordert. Es genügt eben nicht, den Zukauf der benötigten Besamungsbullen aus den Altbundesländern oder den USA zu organisieren.

Gut bekannt ist, dass das Zuchtziel in Abhängigkeit vom Produktionssystem zu organisieren ist, egal ob in Ost oder West. Die Anforderungen beispielsweise an Milchkühe in den sehr großen Kuhbeständen sind nachweislich andere als im kleinen Familienbetrieb, in dem der Familien-Opa die Brunsterkennung (noch) sicherstellt. In der Bio- oder Weidemilcherzeugung sind wiederum andere Genotypen gefragt als in der Billigmilcherzeugung. Analysiert man die Milchqualitäten in Ostdeutschland im Vergleich zu Gesamt-Deutschland, so zeigen sich – auf Basis des Milchzellgehaltes als leicht erfassbarer Eutergesundheitsindikator – leider immer noch Schwächen. Mit einer gezielten Bullenauswahl kann bekanntermaßen ein guter Einfluss auf funktionelle Merkmale genommen werden.

Man muss es allerdings tun und nicht immer nur die Bullenauswahl nach den Maßstäben in den Altbundesländern gestalten. Dr. Karl Ross hatte bereits Anfang der 1970er-Jahre belegt, dass es in der Milchrinderzucht (innerhalb der Rasse!) Genotyp-Umwelt-Interaktionen gibt. Hoffentlich entdecken nun auch die Zuchtverantwortlichen in ihrer gemeinsamen Arbeit in Ost und West, dass solche Effekte innerhalb der Holstein-Rasse vorteilhaft genutzt werden sollten. Im Interesse der Kunden, der Milchbauern und im Interesse der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum! Prof. Dr. Wilfried Brade

FAZIT

Ab 1990 wurde in Ostdeutschland eine moderne, tiergerechte Milchkuhhaltung aufgebaut. Dafür etablierte man effiziente Zuchtprogramme mit Holstein-Rindern und beendet das separate SMR-Zuchtprogramm. Die Erfolge spiegeln sich zum Beispiel in der hohen Milchleistung wider. Doch der zunehmende Kostendruck und die Wünsche der Verbraucher zwingen dazu, die züchterischen Ansätze mehr den verschiedenen Produktionssystemen anzupassen. Ein einheitlicher Gesamtzuchtwert (RZG) für alle Holstein-Rinder im Bundesgebiet entspricht schon lange nicht mehr der Realität, da die Ansprüche an Milchkühe in unterschiedlichen Produktionssystemen eben unterschiedlich und nicht gleich sind.

Das sind die Neuheiten der Agritechnica

Ein Dieselmotor mit beeindruckender Leistung, eine Mini-Güllepumpe, ein Warnsystem per LED – unsere Reporter berichten von der Agritechnica über die wichtigsten technischen Neuheiten.

Schon bevor die Agritechnica 2019 am Dienstag für alle Besucher öffnet, war es eng auf dem Messegelände in Hannover. Der Sonntag und der Montag gehören traditionell den Vertretern der Landtechnikbranche, von ihnen geladenen Top-Kunden und der Fachpresse. Und sie nutzen die exklusive Gelegenheit ausgiebig.

Auch die Bauernzeitung ist vor Ort, um Neuheiten-Pressekonferenzen der Aussteller zu verfolgen und unter den Angeboten von über 2.800 Ausstellern aus 53 Ländern das herauszufiltern, was für ihre Leser wichtig sein könnte.


Motor für Spitzenmodelle

Mit der Weltpremiere des D4276 präsentiert MAN Engines auf der Agritechnica seine neue Motorenbaureihe für Agraranwendungen mit einer Bohrung von 142 mm und 170 mm Hub. Aus 16,2 l Hubraum schöpft das Dieselaggregat beeindruckende 581 kW (790 PS). Der 1.280 kg wiegende Motor ist damit nicht nur der leistungsstärkste Reihensechszylindermotor für Landmaschinen, der bisher von MAN Engines entwickelt wurde, sondern verfügt auch über die höchste Leistungsdichte in seiner Hubraumklasse. Er wird beispielsweise im Ideal 10 Mähdrescher von Agco und bei Claas im Lexion 8900 TT sowie Jaguar 970 verwendet.


Geschrumpfte Güllepumpe

Mit der getriebelosen Drehkolbenpumpe VX186GL stellt Vogelsang auf der Agritechnica erstmals eine Pumpe für die Agrarbranche vor, die ohne Synchronisationsgetriebe auskommt und dadurch eine hohe Laufruhe aufweist. Das ermöglichen die vierflügeligen Drehkolben, die so konstruiert sind, dass sie zusammen mit den zwei parallelgeschalteten Hydraulikmotoren konstante Drehmomente auf beiden Pumpenwellen bewirken. Bei einem Einsatz in heute üblichen Tankgrößen von 30 m3 bietet die getriebelose Pumpenversion der VX-Serie eine Gewichtsersparnis von rund 100 kg bis 150 kg und damit von bis zu 51 % gegenüber der Normalversion von Vogelsang. Dadurch lassen sich die Transportkapazitäten des Fahrzeugs erhöhen oder die Fahrzeuge mit reduziertem Bodendruck fahren. Auch die Länge der Pumpe verringert sich deutlich.


Rundumleuchte war gestern

Ab sofort ist die neue Kennleuchte K-LED Rebelution von Hella erhältlich. Diese verbindet Design, Qualität und Funktion in einem Produkt.

Dazu hat der Licht- und Elektronikexperte die EdgeLight Technologie aus dem Automotive-Bereich übertragen und für das Segment optischer Warnsysteme zum Patent angemeldet.

Das Licht tritt aus einem schmalen, 8 mm hohen Lichtband anstatt durch eine Lichthaube aus.

Die Warnwirkung ist dabei sichergestellt: Die K-LED Rebelution erfüllt die gesetzlichen Anforderungen der europäischen ECE-R 65 Richtlinie für Kennleuchten und ist somit auch für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen.


Samtkissen für Kartoffeln

Die englische Firma Larrington Trailes stellt einen Kartoffelüberlade- und Transportanhänger vor. Er wird wie ein herkömmlicher Anhänger beladen. Ein weiches Schaumkissen, das mit strapazierfähigem PVC überzogen ist, nimmt das Erntegut von der Höhenruderpolsterung auf und verlangsamt seinen Fall, bevor es sanft in eine der flexiblen gepolsterten Silotaschen rutscht. Sobald der Anhänger voll beladen ist, kann das obere Deck angehoben werden, sodass die befüllten Kisten direkt entnommen werden können.


Mechanische Unkrautkontrolle neu gedacht

Gerade bei intensiv betriebenem Ackerbau stellen sich vermehrt Resistenzen gegenüber Problem-Unkräutern ein. Diese lassen sich oft nicht mehr durch entsprechende Herbizide eindämmen. Zudem wächst der gesellschaftliche Druck auf den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Zürn Harvesting gemeinsam mit dem französischen Landwirt und Techniker Romain Bouillé ein komplett neues mechanisches Verfahren der Beikrautregulation. In der Maschine Top Cut Collect kombiniert er intelligent das Abschneiden der Beikräuter über dem Bestand der Hauptkultur mit dem Sammeln und Abtransport dieses Schnittgutes. Dadurch wird der Bodenvorrat an Beikrautsamen deutlich reduziert und so die Feldhygiene merklich verbessert.


Schwader mit verbesserter Bodenanpassung

Mit der neuen, optionalen Gleitkufe an Stelle eines Tastradfahrwerkes beim Kreiselschwader Top 842 C wird durch vollflächige Abtastung des Bodens nahe am Zinken der Schmutzeintrag verringert. Ihre volle Stärke spielt die Gleitkufe besonders bei nassen, und moorigen Böden mit tiefen Fahrspuren aus. Das Besondere der neuen Gleitkufe Flowtast besteht darin, dass ein verschleißfester Kunststoff als Gleitmaterial verwendet wird. Die sichelartige, voluminöse Form bietet beste Gleiteigenschaften auch bei Seitwärtsbewegungen. Die Kufe tastet im gesamten Arbeitsbereich der Zinkenkreisbahn den Boden ab.


Tanken an der eigenen Biogasanlage

Mit dem ersten Serientraktor auf Methanbasis geht New Holland den Weg zum CO2-neutralen Landwirtschaftsbetrieb. Lesen Sie dazu den ganzen Artikel in unserem Agritechnica-Special.

(c) Ralf Stephan

Weidemann: neue Flaggschiffe aus Diemelsee

(c) Jörg Möbius

Auf der Agritechnica 2019 präsentiert Weidemann die Erweiterung der kraftvollen 90er Serie. Diese umfasst jetzt insgesamt drei verschiedene Modelle für den besonders schweren Materialumschlag.

Neben dem am Markt bereits verfügbaren Radlader 9080, wird die Serie jetzt von dem rund 800 kg schwereren Modell 9580 mit Ladeschwinge und dem Teleskopradlader 9580T (Bild) und ergänzt.

Er hat einen Deutz-Motor mit 156 PS und im Vergleich zum normalen Modell mit Ladeschwinge einen Teleskoparm und dadurch 5,48 m Hubhöhe.


John Deere: Erweiterung der Modellpalette

(c) Werksbild

John Deere hat die Erweiterung seiner Modellpalette mit dem brandneuen X9 Mähdrescher und dem zugehörigen Bandschneidwerk angekündigt, welche speziell für harte Erntebedingungen in Europa entwickelt wurden. Im Vergleich zum größten Mähdrescher der heutigen Modellreihe, S-Serie, sorgen der X9 Mähdrescher und das Bandschneidwerk für eine verbesserte Leistung und Produktivität, wobei gleichzeitig die Effizienz erheblich gesteigert wird.

Möglich wird diese Produktivitäts- und Ernteeffizienz-Steigerung dank der größten am Markt erhältlichen Kanalbreite, des verbesserten Erntegutflusses, des Dreschens und Abscheidens mit aktiven Rotoren und eines größeren Siebkastens. Gleichzeitig bleibt die Transportbreite unter 3,5 m und das sowohl bei der Rad- als auch bei der Ausführung mit Raupenlaufwerken.


CNH Industrial schließt sich DataConnect an

CNH Industrial hat sich DataConnect, einer ursprünglich von Claas, 365FarmNet und John Deere entwickelten Datenschnittstelle, angeschlossen. Mit den zusätzlichen Marken Case IH, New Holland Agriculture und Steyr von CNH Industrial umfasst die neue Cloud-to-Cloud Lösung nun fünf große Landtechnikhersteller und deren jeweiligen Telemetrie-Plattformen.

DataConnect ermöglicht erstmals den Austausch wichtiger Maschinendaten zwischen den Webportalen und erlaubt dadurch dem Nutzer die Informationen seiner gemischten Maschinenflotte in dem System seiner Wahl zu überwachen. Bisher war hierfür ein wesentlich höherer Aufwand nötig, da jeder Hersteller Maschinendaten nur im eigenen Portal aufzeichnet und der Anwender mehrere Plattformen nutzen musste, um solche Informationen von seiner Flotte zu sehen.

New Hollands neuer BigBaler bei der Arbeit

Innovation auf der Agritechnica – hier schon im Feldeinsatz gesehen. New Holland bringt mit der Großballenpresse BigBaler eine neue Modellreihe auf den Markt.

Dank eines neuen Aufnahmesystems verspricht der Hersteller deutlichen höheren Durchsatz und Pressqualität. Völlig neu ist das zweistufige Lastschaltgetriebe von Walterscheid. Es fährt die Presse so sanft hoch, dass Traktor (und Fahrer) geschont werden. Die Bauernzeitung hat das Spitzenmodell BigBaler 1290 schon Ende August in Sachsen beim Feldeinsatz gesehen.

Es produziert Ballen von 120 cm Länge und 90 cm Höhe. Obwohl für das Hochfahren des angehängten Aggregates dank des Lastschaltgetriebes nun auch ein kleinerer Traktor reichen würde, hat NH für die Vorführung seinen ebenfalls nagelneuen T8 davorgespannt.

Impressionen von der Agritechnica

Neue Belarus-Traktoren, Acker-Roboter, leicht abwaschbare Stalldungstreuer – unsere Reporter sind auf der Agritechnica unterwegs und sammeln Eindrücke von der weltweit größten Landtechnikmesse.

Schon bevor Agritechnica 2019 am Dienstag für alle Besucher öffnet, ist es eng auf dem Messegelände in Hannover. Der Sonntag und der Montag gehören traditionell den Vertretern der Landtechnikbranche, von ihnen geladenen Top-Kunden und der Fachpresse. Und sie nutzen die exklusive Gelegenheit ausgiebig.

Auch die Bauernzeitung ist vor Ort, um Neuheiten-Pressekonferenzen der Aussteller zu verfolgen und unter den Angeboten von über 2.800 Ausstellern aus 53 Ländern das herauszufiltern, was für ihre Leser wichtig sein könnte.


Nicht länger waschen als fahren

(c) ste

Einen Stalldungstreuer reinigen, kann lästig sein. Farmtech aus Österreich hat deshalb seinen in Slowenien gebauten Siebentonner „Superfex 700“ im wahrsten Wortsinn von Grund auf neu konstruiert. An der Unterseite gibt jetzt weder freiliegende Leitungen noch Kabel noch andere Schmutzfänger. Erklärtes Ziel: Nicht mehr länger waschen als fahren. Damit auch die Straße sauber bleibt, deckt eine elegante Rückfront aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) die Arbeitswerkzeuge ab.


Neuer Motor, mehr Komfort

(c) ste

Mehr Komfort, Caterpillar-Motoren mit moderner Abgasreinigung und ein neues Design hat das Minsker Traktorenwerk (MTS) den Belarus-Baureihen verordnet. Ganz neu ist eine Serie kleiner Zugmaschinen im Bereich von 50 bis 70 PS. Sie wird unter dem Namen Belarus-742 als direkter Nachfolger der legendären MTS-50 und MTS-80 angepriesen. Der Weißrusse erfüllt die Abgasstufe V. Das leistungsstärkste Modell trägt den Namen 1523 und hat 158 PS unter der hier hochgeklappten, jetzt zweifarbigen Haube.


Acker-Roboter vom Reifenprofi

(c) ste

Continental sieht sich inzwischen als Technologiekonzern, der mehr als Reifen und Riemen kann. Der auf der Agritechnica gezeigte Prototyp eines Feldroboters soll in Kooperation mit einem noch ungenannten Landtechnikunternehmen in circa zwei Jahren zur Praxisreife gebracht werden.


Messen, was in der Gülle steckt

(c) ste

 Zunhammer hat mithilfe der DLG die Genauigkeit seiner Nährstoffmessung an Bord prüfen lassen und wirbt damit, genauer als Labore zu messen. Die Messeinheit gibt es als Extra oder fest am Gülletanker verbaut. Nicht nur bei Zunhammer selbst, sondern auch beim Tochterunternehmen Annaburger.


Beim Beladen hoch hinaus

(c) ste

Fendt stellt seinen ersten Teleskoplader vor. Die Kabine lässt sich auf schwindelerregende vier Meter hochfahren, was beim Beladen hilfreich sein kann. Produziert wird der Cargo T955 mit einer Traglast von 5,5 t und einer Hubhöhe von 8,5 m vom Baumaschinenspezialisten Sennebogen.


Wer’s mag: Spiegelblanke Chromfelgen gibt es bei Annaburger auch am Güllewagen.

(c) ste

So stellt sich Steyr das Design seiner nächsten Generation Traktoren vor.

Innen gibt es ein viereckiges Formel-1-Lenkrad.

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Tanken an der eigenen Biogasanlage

Mit dem ersten Serientraktor auf Methanbasis geht New Holland den Weg zum CO2-neutralen Landwirtschaftsbetrieb.

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(c) Jörg Möbius

Weidemann: neue Flaggschiffe aus Diemelsee

Auf der Agritechnica 2019 präsentiert Weidemann die Erweiterung der kraftvollen 90er Serie. Diese umfasst jetzt insgesamt drei verschiedene Modelle für den besonders schweren Materialumschlag.

Neben dem am Markt bereits verfügbaren Radlader 9080, wird die Serie jetzt von dem rund 800 kg schwereren Modell 9580 mit Ladeschwinge und dem Teleskopradlader 9580T (Bild) und ergänzt.

Er hat einen Deutz-Motor mit 156 PS und im Vergleich zum normalen Modell mit Ladeschwinge einen Teleskoparm und dadurch 5,48 m Hubhöhe.


John Deere: Erweiterung der Modellpalette

(c) Werksbild

John Deere hat die Erweiterung seiner Modellpalette mit dem brandneuen X9 Mähdrescher und dem zugehörigen Bandschneidwerk angekündigt, welche speziell für harte Erntebedingungen in Europa entwickelt wurden. Im Vergleich zum größten Mähdrescher der heutigen Modellreihe, S-Serie, sorgen der X9 Mähdrescher und das Bandschneidwerk für eine verbesserte Leistung und Produktivität, wobei gleichzeitig die Effizienz erheblich gesteigert wird.

Möglich wird diese Produktivitäts- und Ernteeffizienz-Steigerung dank der größten am Markt erhältlichen Kanalbreite, des verbesserten Erntegutflusses, des Dreschens und Abscheidens mit aktiven Rotoren und eines größeren Siebkastens. Gleichzeitig bleibt die Transportbreite unter 3,5 m und das sowohl bei der Rad- als auch bei der Ausführung mit Raupenlaufwerken.


CNH Industrial schließt sich DataConnect an

CNH Industrial hat sich DataConnect, einer ursprünglich von Claas, 365FarmNet und John Deere entwickelten Datenschnittstelle, angeschlossen. Mit den zusätzlichen Marken Case IH, New Holland Agriculture und Steyr von CNH Industrial umfasst die neue Cloud-to-Cloud Lösung nun fünf große Landtechnikhersteller und deren jeweiligen Telemetrie-Plattformen.

DataConnect ermöglicht erstmals den Austausch wichtiger Maschinendaten zwischen den Webportalen und erlaubt dadurch dem Nutzer die Informationen seiner gemischten Maschinenflotte in dem System seiner Wahl zu überwachen. Bisher war hierfür ein wesentlich höherer Aufwand nötig, da jeder Hersteller Maschinendaten nur im eigenen Portal aufzeichnet und der Anwender mehrere Plattformen nutzen musste, um solche Informationen von seiner Flotte zu sehen.

Partnerschaften
 mit Spezialisten

John Deere und Agricon gehen eine strategische Partnerschaft ein. John Deere möchte so Kunden in agronomischen digitalen Dienstleistungen und Precision- Farming-Technologien besser unterstützen. 

Angeboten werden die Dienste als FarmSight-Service-Pakete über die John-Deere-Vertriebspartner. Die Agricon GmbH ist ein führender Anbieter von Lösungen für den digitalen Pflanzenbau in Europa, GUS sowie im Mittleren Osten und Nordafrika. Die Angebote des Unternehmens unterstützten Landwirte dabei, ihre Maschinen, Betriebsmittel und Arbeitszeiten effizienter zu nutzen, indem es Technologien und Dienstleistungen des digitalen Pflanzenbaus bereitstellt.

John Deere bringt Digitalisierung auf den Acker
(c) Werksbild

Über ihr Vertriebspartnernetz werden die John-Deere-Vertriebspartner zusammen mit Agricon ihren Kunden digitale Lösungen zur Verfügung stellen. Die Partnerschaft erweitert die Möglichkeiten der Kunden, digitale Technologien zu nutzen und ihren wirtschaftlichen Wert voll auszuschöpfen.

John Deere: Partnerschaft mit Reichhardt

Außerdem wurde über eine strategische Partnerschaft mit der Reichhardt GmbH Steuerungstechnik informiert. Die Zusammenarbeit betrifft die Green-Fit-Produktreihe von Reichhardt, mit der die Precision-Farming-Technologie von John Deere auf den Landmaschinen unterschiedlicher Hersteller genutzt werden kann. Die Nachrüstlösungen werden über die Vertriebspartner angeboten.

Reichhardt ist ein führender Anbieter von Automatisierungslösungen für Traktoren, selbstfahrende Maschinen und Geräte in der Landwirtschaft. Seit 2008 ist das Unternehmen ein Zulieferer von John Deere. In einem ersten Schritt werden die Vertriebspartner gemeinsam mit Reichhardt zunächst die AutoTrac-Lenksysteme über das Vertriebspartnernetz von John Deere anbieten. Durch die Partnerschaft können Lenksysteme für neue Maschinenplattformen vermarkt werden, für die aktuell keine Nachrüstlösungen existieren.

Cloud-to-Cloud-Lösung kommt

Mit DataConnect haben Claas, 365FarmNet und John Deere erstmalig eine direkte, herstellerübergreifende und industrieoffene Cloud-to-Cloud-Lösung geschaffen.

Landwirte mit gemischten Maschinenflotten konnten Daten bisher nur auf den jeweiligen Maschinen beziehungsweise Portalen der Hersteller aufzeichnen, verarbeiten und dokumentieren. Mit DataConnect haben Claas, 365FarmNet und John Deere erstmalig eine direkte, herstellerübergreifende und industrieoffene Cloud-to-Cloud-Lösung geschaffen. Ähnlich wie beim Isobus können die Kunden so ihre Daten über eine Schnittstelle übertragen und in dem von ihnen favorisierten System ihren gesamten Maschinenpark steuern und überwachen.

Mit DataConnect kann der Landwirt weiterhin das von ihm bevorzugte Datenportal des jeweiligen Herstellers nutzen. Er hat nun aber den Vorteil, Maschinendaten von den anderen Maschinen über die neuartige Schnittstelle zu übertragen. Das heißt, die Daten liegen weiterhin im John Deere Operations Center, Claas Telematics oder 365FarmNet, lassen sich aber in Echtzeit von einer in die andere Cloud übertragen. Somit stehen dem Landwirt alle notwendigen Kennzahlen seiner Maschinen in einem System zur Verfügung.

Aktuell ist DataConnect für die Übertragung aller wichtigen Maschinendaten vorgesehen. Dazu gehört die Maschinenposition, der historische Verlauf der Position, der Dieseltank-Füllstand, der aktuelle Arbeitsstatus und etwa die Geschwindigkeit der Maschine. Zukünftig ist auch die Übertragung agronomischer Daten geplant

Gemeinsame Erfahrung mit Cloud-to-Cloud

Mit DataConnect wollen die beteiligten Firmen ihre Erfahrung bei der Kommunikation von Cloud-to-Cloud im Rahmen der laufenden Projekte der Agricultural Industry Electronics Foundation e. V. (AEF) einbringen. Bei der Konzipierung und Architektur dieser neuartigen Schnittstelle wurde Wert auf die Nutzung bestehender Industriestandards gelegt.

Alle interessierten Landmaschinenhersteller und Softwareanbieter sowie Branchenverbände und Normierungsgremien sind daher eingeladen, die bestehende Schnittstelle weiterzuentwickeln. Ein erster Einblick in die Funktionsweise von DataConnect ist auf den Messeständen von Claas, 365FarmNet und John Deere während der Agritechnica möglich. Der offizielle Start ist für Sommer 2020 vorgesehen.

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