Agritechnica: Darum lohnt sich der Besuch

Die Besucherzahlen sind leicht rückläufig – und dennoch ist die Agritechnica in Hannover eine Reise wert. Vor allem weil die Messe mehr denn je die Themen High-Tech und Umweltschutz zusammenbringt.

Von Jörg Möbius

Zur Agritechnica 2019 sind die Messehallen in Hannover wieder ausgebucht. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft DLG als Veranstalter rechnet mit etwas weniger Besuchern als vor zwei Jahren. Ein Trend, der vermutlich anhalten wird. Dafür haben die anreisenden Messebesucher tendenziell mehr Hektar „im Rucksack“. Der Umsatz, den Landwirte aus Deutschland in den nächsten Monaten bei ihren Landmaschinenhändlern machen werden, hängt von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und speziell von den Preisen für Getreide & Co. ab. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rechnet deshalb mit einer Abkühlung, aber keinem Weltuntergang.

Mehr denn je bringt die diesjährige Agritechnica die Themen Umweltschutz und High-Tech zusammen. Zu diesen Trends finden Sie sowohl thematische Veranstaltungen als auch spezielle Messestände des Veranstalters, von Firmen und Verbänden sowie ausländischen Vertretungen.

Redakteur Jörg Möbius
Jörg Möbius ist Landtechnik-Redakteur bei der Bauernzeitung

Bei Agrarsoftware, speziell bei Farm-Managementsystemen, und beim Datenaustausch gibt es natürlich Neuheiten und weitere Anbieter, aber auch bemerkenswerte Ansätze zur Zusammenarbeit. So die offene Plattform Nevonex von Bosch, entwickelt in Zusammenarbeit mit acht landwirtschaftlichen Unternehmen und Dienstleistern. Hochinteressant ist die Zusammenarbeit von Claas und John Deere für einen gegenseitigen Zugang der Landwirte zu ihren Daten in den Systemen der beiden großen Anbieter.

Kurz vor der Messe gaben John Deere und zwei deutsche Precision-Farming-Spezialisten – Agricon und Reichardt – ihre jeweilige Partnerschaft bekannt. Der große Konzern kann so Landwirten bei seinen Vertriebspartnern gute Anwendungen anbieten, die Spezialisten erreichen über dieses Vertriebsnetz neue Kunden. Auch ein anderer großer Konzern, Case-New Holland, bietet zukunftsträchtige Entwicklungen von Start-ups über sein Vertriebsnetz an. Dazu wurde die Gesellschaft AgExtend gegründet.

Ein wichtiges Thema, auch in der aktuellen Umweltdiskussion, ist der Kraftstoffverbrauch. Unter dem Motto „Mehr Ertrag, weniger CO2“ präsentiert der VDMA am 11. November auf der Agritechnica die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Effiziente Kraftstoffnutzung in der Agrartechnik“. Letztendlich geht es aber nicht um den Dieselverbrauch der Maschinen, sondern um die Summe der CO2Emissionen je Tonne Weizen oder je Tonne Zucker. Und da spielen auch die Emissionen für Produktion und Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, die Intensität der Bodenbearbeitung, die Transportentfernungen und Weiteres eine Rolle.



Nachdem es lange eine Sache von Enthusiasten war, eine Reifendruckregelanlage (RDA) nachzurüsten, sind nun erste Hersteller am Markt, die diese Technik optional ab Werk anbieten. Mit der Übernahme von Spezialisten für RDA haben Michelin und Claas seit 2017 Know-how in ihren Unternehmen. Nun kommen weitere Lösungen von unabhängigen Spezialisten. Rexroth stellt in Hannover eine voll integrierte RDA für Erntemaschinen mit hydraulischem Einzelradantrieb vor. Außerdem gaben Reifenhersteller Trelleborg und Achsspezialist Dana kürzlich bekannt, dass sie eine RDA für Traktoren entwickelt haben, die vollständig in die Räder integriert wird, ohne dass Teile herausragen. Das aus der Kabine bedienbare System soll künftig auch als Nachrüstlösung verfügbar sein.

Egal, wofür Sie sich interessieren: Hannover und seine wichtigste Messe sind wieder eine Reise wert.

Die Messe

Agritechnica 2019

Vom 10.-16. November findet die Weltleitmesse für Landtechnik in Hannover statt.

Webseite: www.agritechnica.com

Souveräne Reichweitensieger

Im April wurden in Hannover beim Wochenblattverlag „Land & Forst“ die Ergebnisse der neuen AgriMA-Studie vorgestellt. Sie bescheinigen den elf landwirtschaftlichen Wochenblättern, die in der AOL zusammengeschlossen sind, eine kumulierte Nettoreichweite (WTK*) von 83,4 Prozent. „Das ist ein Prozentpunkt mehr als bei der letzten Studie im Jahr 2013“, sagte Claudia Greischel von „Produkt + Markt“. Bei dem in Wallenhorst ansässigen Marktforschungsinstitut wurde Ende 2018 eine umfassende Befragung von Landwirten zu ihrem Leseverhalten in Auftrag gegeben. Von Oktober bis Februar wurden dazu 3.126 Landwirte in persönlich-mündlichen oder internetbasierten Interviews zu ihrem Lese-, Informations- und Entscheidungsverhalten befragt.

Sie stehen für 187.000 Landwirte mit den unterschiedlichsten Produktionsschwerpunkten ab einer Größe von zehn Hektar. Bei den Betrieben in den fünf ostdeutschen Bundesländern lag diese Schwelle bei 50 Hektar. Die Ergebnisse wurden zu den Strukturdaten der statistischen Landesämter gewichtet. Insgesamt fanden 33 landwirtschaftliche Fachmedien Eingang in die Studie, darunter die elf Wochenblatt-Titel.

Enge Leser-Blattbindung

Auf Ebene der qualitativen Kriterien zeigt sich bei den Wochenblättern ein hoher Aufmerksamkeitswert, was die Lesedauer und Bewertung der fachlichen Qualität angeht. „65 Prozent der Befragten gaben an, mindestens die Hälfte des Inhalts zu lesen,“ so Claudia Greischel weiter. 70 Prozent der Befragten nehmen eine Ausgabe drei und mehrmals in die Hand. Auch die emotionale Bindung zu den vier Mal im Monat erscheinenden und durchschnittlich von 3 Personen im Betrieb gelesenen Zeitschriften ist nach wie vor hoch. Hochgerechnet auf die AOL-Gesamtauflage mit 366.200 erreichen die Wochenblätter damit 1,1 Mio. Leser.

Stabil und wachstumsorientiert

Etwa 82 Prozent der Landwirte wollen die Größe ihrer Betriebe stabil halten oder wachsen. Diese Landwirte gaben an, in den nächsten zwei Jahren im Schnitt rund 190.000 Euro investieren zu wollen. Entsprechend der zunehmenden Größe und Spezialisierungsgrad in der Landwirtschaft ist diese Summe deutlich angestiegen. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat erneut abgenommen, allerdings scheint sich der Strukturwandel etwas zu verlangsamen. So antworten etwa zwei Drittel der Betriebe, dass sie den gegenwärtigen Stand halten wollen. Betriebe oberhalb 100 ha nehmen weiter zu.

Die AOL führt Marktstudien durch, um sowohl die Leser- als auch Anzeigenkundenstruktur besser zu kennen. Die in regelmäßigen Abständen erhobene AgriMA-Studie entspricht in Anlage, Durchführung und Auswertung den Vorgaben des ZAW, Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft.

Kontakt

Barbara Sester, AOL Vorsitzende
Tel. 0761/27133-402, aol@blv-freiburg.de
Den Infofolder zur Studie finden Sie unter www.agrarpresse-aol.de.

Pressemeldung AgriMA Ergebnisse als PDF

Agrarstruktur – Wissen, wo es hingehen soll

In nächster Zeit dürften im Osten heftige Debatten über die Agrarstruktur geführt werden. In Brandenburg und Sachsen, wo CDU, Grüne und SPD gerade gemeinsame Regierungen bilden wollen, ist es bzw. wird es Thema der Koalitionsverhandlungen. In Sachsen-Anhalt arbeiten die Regierungsfraktionen im Landtag (ebenfalls „Kenia“) am Entwurf eines Agrarstruktursicherungsgesetzes. Thüringen befindet sich im Wahlkampf, da kündigen Linke und Grüne jeweils eigene Gesetze für die nächste Legislaturperiode an. In Mecklenburg-Vorpommern legte das Landwirtschaftsministerium etwaige Ideen zwar auf Eis, wartet aber mit Interesse ab, was sich in den anderen Ländern tut.

Mit steigenden Pacht- und Bodenpreisen sowie dem großen Engagement von Investoren werden die Initiativen begründet. Beides bedrohe die hiesige Agrarstruktur. Im Landtagswahlkampf präsentierten die Brandenburger Grünen den Entwurf für ein Agrarstrukturgesetz. Der lehnt sich an einen Vorschlag des Deutschen Bauernbundes (DBB) an, der wiederum die ursprünglichen Ideen von Sachsen-Anhalts einstigem Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) aufgreift. Grundstücksverkehrs-, Landpacht- und Reichssiedlungsgesetz – alle mit Länderkompetenz – werden darin zusammengefasst und um Regeln zum Kauf von Gesellschaftsanteilen ergänzt.

Bei den Brandenburger Grünen heißt es, nur Land­wirte/Betriebe oder jene, die welche werden wollen, können Boden kaufen. Zählt ein Betrieb bereits mehr als 750  ha Eigentum, wird der Kauf versagt. Ortsansässige Landwirte besäßen dann ein Vorkaufsrecht. Als ortsansässig gilt, wer seinen Betriebssitz im Umkreis von zehn Kilometern zum Grundstück hat. Liegt der Kaufpreis zehn Prozent über dem Ortsüblichen, wird die Genehmigung verwehrt. Geht es nach dem Bauernbund, kann derjenige keinen Boden mehr erwerben, dem danach mehr als die Hälfte der Flächen oder mehr als 300 ha in einer Gemarkung gehören. Der Kaufpreis darf das örtliche Niveau nicht um mehr als 20  % überschreiten. Grenzen ziehen beide Vorschläge bei der betrieblichen Gesamtpachtfläche (max. 1.000 ha bzw. 2.000 ha) und beim Pachtpreis (max. 30 % bzw. 20 % über örtlichem Niveau) ein. Übt die Landgesellschaft ihr Vorkaufsrecht aus und steht kein kaufwilliger Landwirt bereit, kann sie die Flächen sechs Jahre vorhalten. Ähnliches gibt es in Baden-Württemberg, wo die Haltefrist zehn Jahre betragen kann. In den Entwürfen von DBB und Grünen unterliegt der Erwerb von Gesellschaftsanteilen der Genehmigung. Unter anderem, wenn der Käufer dadurch einen „bestimmenden Einfluss“ erhält und die Nutzfläche (Eigentum und Pacht) den Wert des Unternehmens zu mindestens 40 % bzw. 25 % bestimmt.

Aufrichtige Motive sollte man den Vorschlägen nicht absprechen. Ungewiss ist, ob sie vor höchsten Gerichten standhalten. Kritikpunkte gibt es allemal. Man redet über die Agrarstruktur und müsste sie doch erst einmal genau kennen. Zu benennen sind die Ursachen, die dazu führten, was man jetzt heilen will. Bevor derartige Gesetze überhaupt gestrickt werden, braucht es ein Leitbild. Ein solches ist im Konsens zu entwickeln, was richtig kompliziert ist, wie man in Sachsen-Anhalt schmerzvoll erfuhr. Es gibt viele berechtigte Interessen, reale wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Zwänge, die man schlichtweg nicht ausblenden kann. Das betrifft den Landwirt im Familienbetrieb, der wachsen will oder der keinen Nachfolger findet, ebenso wie den Großbetrieb, der in Schwierigkeiten steckt oder der die Eigentümernachfolge regeln muss. Letzteres ist ein Problem, das zu lösen verschlafen wurde: Die einen fanden keine Antworten, andere suchten erst gar nicht nach ihnen.

Neuer Landesredakteur für Thüringen Frank Hartmann

Herzlichst
Ihr Frank Hartmann

Landesverordnung zu Natura 2000-Gebieten

Neuigkeiten für 37 Einheits- und Verbandsgemeinden zu den NATURA 2000-Gebieten: Ausgewählte Karten und Verordnungsdokumente sind öffentlich einsehbar.

von Detlef Finger

Halle/S. Vom 4. Oktober bis 4. Dezember 2017 fand das öffentliche Beteiligungsverfahren für die Sicherung der Natura 2000-Gebiete in Sachsen-Anhalt statt. Im Rahmen der öffentlichen Beteiligung hatten Bürger/innen, Träger öffentlicher Belange, Eigentümer und Nutzungsberechtigte von Flächen, die nach § 23 NatSchG LSA unter besonderen Schutz gestellt werden sollen, Gelegenheit zur Abgabe einer Stellungnahme.

Wie das Landesverwaltungsamt jetzt mitteilte, ist es aufgrund von umfangreichen Erörterungs- und Abstimmungsgesprächen mit Betroffenen sowie Ergänzungen im Rahmen der Abwägung erforderlich, dass in 37 Einheits- und Verbandsgemeinden erneut ausgewählte Karten und Verordnungsdokumente öffentlich ausgelegt werden. Bei den ausgelegten Unterlagen handele es sich hauptsächlich um die Darstellung der sensiblen Uferbereiche an der Elbe, in denen das Anlanden und Angeln sowie das Betreten und Befahren geregelt werde. In vier FFH-Gebieten seien Veränderungen an den dargestellten Lebensraumtypen vorgenommen, in sieben Natura 2000-Gebieten Regelungen ergänzt bzw. verändert worden.

Logo Natura 2000 Sachsen-Anhalt
Logo Natura 2000 Sachsen-Anhalt © Land Sachsen-Anhalt

In der Zeit vom 9. August bis 10. September 2018 könnten alle betroffenen Bürger/innen, Bewirtschafter, Verbände etc. die ergänzenden Unterlagen zur Sicherung der NATURA 2000-Gebiete in den betroffenen Einheits- und Verbandsgemeinden einsehen und bis zum 25. September 2018 ihre Vorschläge, Anregungen und Einwände dazu einreichen. Eine Verlängerung der Frist sei aufgrund des engen Zeitplanes nicht möglich.

Darüber hinaus seien die Verordnungsunterlagen ab 9. August 2018 auch im Internet unter lvwa.sachsen-anhalt.de/projekte/natura-2000/ausweisung-der-natura-2000-gebiete/ einsehbar.

Bei Unklarheiten oder Fragen könnten sich Betroffene jederzeit beim Landesverwaltungsamt melden, um Auskünfte einzuholen.

Ansprechpartner

Frau Sach
Tel. (0345) 5142307
sarahjane.sach@lvwa.sachsen-anhalt.de

Aufgrund der eingegangenen Einwendungen prüfe das Landesverwaltungsamt den Verordnungsentwurf und nehme gegebenenfalls Änderungen vor, hieß es abschließend seitens des Amtes.

Von der Landesverordnung zu natura 2000-Gebieten betroffene Einheits- und Verbandsgemeinden

Eine Übersicht der von der ergänzenden Auslegung betroffene Einheits- und Verbandsgemeinden finden Sie hier.

Kreisfreie Städte

Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Landkreis Börde

Landkreis Jerichower Land

Landkreis Salzlandkreis

Landkreis Saalekreis

Landkreis Harz

Landkreis Wittenberg

Landkreis Altmarkkreis Salzwedel

BundesAgrarFachschaftenTagung

Zur jährlichen Bundesagrarfachschaftentagung unter dem Motto „Antriebe für den Fortschritt“ lud diesmal die Fachschaft der Hochschule Neubrandenburg ein.

Autor: Gerd Rinas

Einmal im Semester treffen sich die Vertreter der Agrarfachschaften aller deutschen Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen, um über aktuelle studentische Angelegenheiten zu beraten, Entwicklungen an den Hochschulen zu erörtern und fachlich-wissenschaftlich zu diskutieren. In der vorigen Woche war erstmals die Fachschaft ­Agrarwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften der Hochschule Neubrandenburg Gastgeber der BundesAgrarFachschaften Tagung.

Vier Tage Programm

„Wir haben vor einem halben Jahr mit den Vorbereitungen begonnen“, sagte Marius Linnemann, Bachelor-Student im 4. Semester und Mitglied im Fachschaftsrat der Hochschule Neubrandenburg.  Unter dem Motto „Antriebe für den Fortschritt“ haben das neunköpfige Organisationsteam und interessierte Agrarwirtschaftsstudenten vier Tage Programm vorbereitet. Mit Unterstützung umliegender Landtechnikhändler organisierten die Studenten eine eindrucksvolle Landtechnikschau auf dem Campus. Vertreter der Hochschule stellten den Studienort Neubrandenburg und die hier vertretenen Agrar-Studiengänge vor.

Exkursionen führten die etwa 50 Vertreter aus den Agrarfachschaften in die DMK-Molkerei nach Altentreptow und zur Rin­derAllianz nach Woldegk. Bei der ­HaGe in Neubrandenburg informierten sich die angehenden ­Agrar-Führungskräfte über die Produktion von Saatgut und Mischfutter. „Bisher ist alles super gelaufen“, freute sich Marius Linnemann am Samstagmorgen. Während sich ein Teil der Gäste in der Agrarprodukte Dedelow GmbH umsahen, trafen Linnemann und weitere Studierende in Groß Flotow auf der Gut Flotow GmbH & Co. KG ein. Dort begrüßten Moritz von Oertzen und Jörn Felix Lühr die jungen Leute.

Dass die etwas später als verabredet auf dem Gutshof aus den Autos stiegen, störte die beiden Landwirte nicht. „Wir wissen doch, wie anstrengend solche Treffen sind“, meinte Jörn Felix Lühr mit feinsinnigem Lächeln. Tatsächlich hatten die Fachschaftsvertreter auch schon zwei Tage Abendprogramm hinter sich: An das Grillen bei Sonnenuntergang am Tollensesee schloss sich eine Party im Studentenclub an. „Und gestern Abend waren wir in Neubrandenburg unterwegs“, berichtete Linnemann. Vielsagender Titel des Programmpunktes: „Auf der Pirsch“. „Wir hatten uns viel zu erzählen“, so Linnemann, der vorige Woche viele Leute wiedertraf, die er vor einem Jahr in Hohenheim kennenlernte, als er das erste Mal an einem Bundestreffen teilgenommen hatte.

Zukunftsorientiert

Die Neubrandenburger Gastgeber hatten den Betrieb in Groß Flotow aus guten Gründen ausgewählt. „Die Gut Flotow GmbH & Co. KG bewirtschaftet insgesamt sieben Betriebe über Gesellschafterbesorgungsverträge“, erläuterte Geschäftsführer Lühr. Auf 1.844 ha Ackerland werden Silomais, Wintergerste, Raps, Winterweizen, Stärkekartoffeln sowie Futtererbsen und Ackerbohnen angebaut. Etwa 33 % der Fläche werden in fünfgliedriger, 50 % der Fläche in dreigliedriger Fruchtfolge (Winterraps-Winterweizen-Wintergerste) bewirtschaftet. Durchschnittlich ernteten die Landwirte in den vergangenen vier Jahren pro Hektar 90,8 dt Winterweizen, 91,9 dt Wintergerste, 40,8 dt Winterraps und 53,6 t Silomais.

Der Betrieb gehört ebenso wie die Gut Lukow GmbH & Co. KG und die v. Oertzen Consulting GmbH  zur Gruppe Gut Flotow. Deren geschäftsführender Gesellschafter  Moritz von Oertzen informierte die Studierenden in einem sehr lebendigen Vortrag über Geschichte, Entwicklung und Ziele der Unternehmensgruppe. Deren fast 50 Mitarbeiter sind im Durchschnitt 35 Jahre alt.

„Das war hier heute eine tolle ­Veranstaltung. Der Betrieb ist top modern und zukunftsorientiert aufgestellt“, meinte Daniel Alexnat, Studierender im vierten Mastersemester Nutzpflanzenwissenschaften an der Universität Bonn. Der 24-Jährige befindet sich gerade in der beruflichen Orientierungsphase und könnte sich später eine Tätigkeit beim Rheinischen Rübenanbauerverband vorstellen.

„Neubrandenburg hatte ich bisher nicht so auf dem Schirm. Ich bin sehr positiv überrascht“, sagte Johanna Fry, Studierende im 2. Mastersemester Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen zum Verlauf des ersten Bundestreffens in der Vier-Tore-Stadt.

„Die Gastgeber haben sich sehr engagiert. Die Exkursionen zeigten, wie vielfältig die Agrarwirtschaft hier ist. Und dass die Professoren beim Rundgang über den Campus mitgehen, gibts auch nicht überall“, so die 23-Jährige.

Arne Meyn, Masterstudent im ersten Semester und Mitglied des Agrarfachschaftsrates an der Rostocker Agrarfakultät, fand ebenfalls viel Lob für die Veranstalter. „Der Austausch zwischen den Fachschaftsvertretern bundesweit ist sehr wichtig. In der Landwirtschaft in den verschiedenen Regionen gibt es große Unterschiede. Es lohnt, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das gilt erst recht für die Fachschaftsarbeit an den Hochschulen. Denn da haben wir oft die gleichen Probleme.“       

Werner Arndt und Sohn GbR

Die Werner Arndt und Sohn GbR, Bottmersdorf aus dem Landkreis Börde ist Praxispartner und betreibt Marktfruchtbau und Zucht der Fleckvieh-Simmental.

Von Detlef Finger

Vom Einzelbetrieb zur GbR

Werner Arndt richtete den Hof der Familie in Bottmersdorf, Landkreis Börde (Sachsen-Anhalt), im Jahr 1991 mit insgesamt 78 ha Fläche, darunter Eigentum, das die Familie 1960 in die LPG einbringen musste, sowie Pachtland von der Kirche, als Einzelunternehmen und Gemischtbetrieb wieder ein. Er kaufte damals erste Fleckviehrinder für die Nutzung des Grünlandes zu. Zwei alte Traktoren aus DDR-Zeiten gehörten zum anfänglichen Technikbestand des Hofes. Später stieg Arndts ältester Sohn Karsten, Landmaschinenmechaniker mit Meisterbrief, als Teilhaber in die zwischenzeitlich gegründete Werner Arndt und Sohn GbR ein. An seine Stelle rückte vor etwa fünf Jahren, nach Beendigung der Fachschule, sein zweiter Sohn Michael.

Betriebsspiegel

LN: 450 ha Ackerland (ø ca. 90 Bodenpunkte) und 33 ha Grünland, ø 480 bis 500 mm Jahresniederschlag;

Anbau 2018: 150 ha Winterweizen, dv. 50 ha Vermehrung, 80 ha Winterraps, 75 ha Silomais, 32 ha Grassamenvermehrung, 30 ha Sommerbraugerste (Vermehrung), 6 bis 8 ha Körnermais, 7 ha Hafer, 60 ha Zuckerrüben;

Erträge: ø 85-90 dt/ha Weizen, 42-43 dt/ha Raps, 600 dt/ha Silomais, 800-900 dt/ha Zuckerrüben;

Arbeitskräfte: zwei mitarbeitende Betriebsleiter, ein fester Angestellter, eine Teilzeitkraft;

Viehbestand: ø 80 bis 90 Fleischrinder (Fleckvieh-Simmental), dv. 32 Kühe;

Technik: Eigenmechanisierung für Ackerbau und Futtergewinnung mit Ausnahme von Rübenrodung und Maishäckseln.

Zentrum für Tierhaltung und Technik Iden

Verbesserung der aktuellen Ausbildungssituation am LLG Iden: Sieben neu ausgeschriebene Stellen und weitere Maßnahmen zur Sicherung der Ausbildungsqualität.

von Karina Hoppe

Der Unmut von Ausbildungsbetrieben hatte sich bereits gehäuft. Wiederholt musste geplante überbetriebliche Ausbildung (ÜA) am Standort der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Iden abgesagt werden, weil das Personal fehlte. Krankheitsbedingte Ausfälle konnten nicht mehr kompensiert werden. Derweil steckt das Land Gelder in die historischen Gebäude auf dem Hof, zudem entsteht hier ein – beim Landesumweltamt angesiedeltes – Wolfskompetenzzentrum. Eine Gemengelage, die von vielen als schief empfunden wird.

Das Umwelt- und Agrarministerium bestätigte die schwierige Personalsituation auf Nachfrage der Volksstimme. In den vergangenen zehn Jahren seien insgesamt 14 Stellen im Bereich des Versuchswesens und der überbetrieblichen Ausbildung nicht nachbesetzt worden, hieß es. In der Regel seien die Ausbilder altersbedingt ausgeschieden.

„Für die überbetriebliche Ausbildung wurde dann in manchen Fällen auch Personal eingesetzt, das über entsprechendes Fachwissen verfügt, jedoch nicht über die pädagogische Ausbildung“, erklärte Ministeriumssprecherin Jenny Schwarz. Als Grund führt sie „die Haushaltrestriktionen bis zum Beginn des Doppelhaushaltes 2017/2018“ an.

Wie sie weiter ausführte, zeichnet sich aber eine Besserung ab: So würden in den kommenden Monaten Ausschreibungen für sieben Besetzungen in den beiden bereits genannten Bereichen erfolgen. Vier der Stellen kämen aus dem im Koalitionsvertrag und im Doppelhaushalt 2017/2018 vereinbarten 100-Stellen-Programm für das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium.

Sind die bald ausgeschriebenen Stellen besetzt, was im Rahmen der gesetzlichen Regelungen mit Ausschreibungsverfahren mehrere Monate dauern könne, „wird der aktuelle Bedarf im Bereich der überbetrieblichen Ausbildung gedeckt“, so Jenny Schwarz.

Die Zahlen bezüglich der ÜA waren in den letzten zehn Jahren fast kontinuierlich rückläufig: Wurden im Jahr 2007 noch insgesamt 274 Lehrgänge mit 3.005 Teilnehmern durchgeführt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 201 Lehrgänge mit 1.840 Teilnehmern.

In der überbetrieblichen Ausbildung werden derzeit 35 unterschiedliche Technik- und Tierhaltungslehrgänge für die Berufe Landwirt, Tierwirt und Fachkraft Agrarservice angeboten. Die Inhalte richten sich nach den Vorgaben der Ausbildungsausschüsse der zuständigen Stellen Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Eine wesentliche Umgestaltung sei mit der Neuordnung des Berufsbildes Tierwirt erfolgt, in dem mehr tierspezifische Inhalte, z. B. Tiertransport und Herdenschutz, in den Vordergrund gerückt sind. Spe­ziallehrgänge im Bereich Geflügelhaltung wurden mittlerweile eingestellt. Diese würden inzwischen in Bayern und Niedersachsen durchgeführt, informierte die Ministeriumssprecherin.

Sie teilte auch noch mit, dass „im Rahmen der Weiterentwicklung des Standortes Iden zu einem Zentrum für art- und umweltgerechte Tierhaltung umfangreiche Neu- und Ersatzinvestitionen in den Bereichen Rinder- und Schweinehaltung“ geplant seien.

Auch zur erhofften neuen Milchviehanlage würden derzeit bezüglich der erforderlichen Tierbestandsumfänge Abstimmungsprozesse zwischen dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Landesverwaltung laufen.

„Ziel ist die Sicherung der bisherigen Qualität in der überbetrieblichen Ausbildung und im Versuchswesen, um die auch überregional anerkannte und geschätzte Arbeit dieser Einrichtung weiter erfolgreich fortsetzen zu können“, so die Ministeriumssprecherin abschließend.

Pachtpreise in Brandenburg

Die Agrarstrukturerhebung 2016 zeigt eine Erhöhung des Packtpreises um 20% im Vergleich zu 2013. Weitere durchschnittliche Pachtpreise und Zahlen im Detail.

Autor: PI

Potsdam. Die Agrarstrukturerhebung 2016 hat ergeben, dass der durchschnittliche Pachtpreis für die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) in Brandenburg 145 €/ha betrug. Er lag um 24 € bzw. 20 % höher als zur Agrarstrukturerhebung 2013. Erneut fiel die Höhe der Pachtpreise je nach Nutzungsart unterschiedlich aus: Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg waren im Durchschnitt 157 €/ha für Ackerland und 105 €/ha für Dauergrünland zu entrichten. 2013 waren es noch 131 bzw. 90 €/ha. Der durchschnittliche Pachtpreis für Dauergrünland überschritt in Brandenburg erstmals 100 €/ha.

Pachtverträge, die in den letzten zwei Jahren neu abgeschlossen oder angepasst wurden, zeichneten sich durch deutlich höhere Pachtpreise aus. Hier lag der Durchschnittspreis bei 185 €/ha LF. Für Ackerland ergaben sich 194 €/ha und für Dauergrünland 128 €/ha.

Im Jahr 2016 waren von den 1,32 Mio. ha  LF 881 000 ha gepachtet. Im Vergleich zum Jahr 2003 hat sich der Anteil der Pachtflächen kontinuierlich verringert. Betrug er an der Gesamt-LF im Jahr 2003 noch 86 %, so belief er sich 2016 auf 67 %. Fast drei Viertel der Pachtflächen sind Ackerland. 

Neue Düngeverordnung in Sachsen-Anhalt

Mit der am 2. Juni 2017 in Kraft getretenen Düngeverordnung treten auch auf die Landwirte in Sachsen-Anhalt umfangreiche Änderungen und Neuerungen in Kraft.

von Detlef Finger

Bernburg. Am 2. Juni 2017 ist die novellierte Düngeverordnung (DüV) in Kraft getreten. Sie bringt auch für die Landwirte in Sachsen-Anhalt umfangreiche Änderungen und Neuerungen. Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG), der Bauernverband und der Bauernbund Sachsen-Anhalt hatten dazu im Juni an landesweit elf Orten Informationsveranstaltungen für die Praxis durchgeführt. Wie die LLG dazu mitteilte, wurden die weit mehr als 1 000 Teilnehmer umfassend über die Änderungen für das Aufbringen von Düngemitteln unterrichtet. In der sich anschließenden Diskussion habe es neben Verständnisfragen auch Anfragen zur praxisnahen Umsetzung gegeben. Hinweise und Unklarheiten seien notiert worden. Alle Fragen, auch die, die derzeit noch bundesweit zu regeln seien, sollen zeitnah für die Praktiker in Form eines Frage-Antwort-Kataloges auf der Internetseite der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau veröffentlicht werden.

Weitere Informationen habe es zudem zu zwei derzeit noch in Umsetzung befindlichen Programmen zur Düngebedarfsermittlung bzw. Nährstoffbilanzierung gegeben, welche dem Nutzer ab Jahresende zur Verfügung stehen sollen. Diese Programme würden derzeit in einer Mehrländerkooperation entwickelt. Abschließendes Thema seien die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der überbetrieblichen Verwertung von Wirtschaftsdüngern gewesen. Die Betrachtung habe dabei vor allem auf der bereits seit dem Jahr 2010 geltenden Wirtschaftsdüngerverbringungsverordnung des Bundes und der geplanten Landesverordnung für Wirtschaftsdünger sowie dem dazu parallel einzuführenden Meldeprogramm gelegen.

Die Vorträge der Informationsveranstaltungen sind ebenso wie weitere sachdienliche Hinweise zur Düngeverordnung im Internet verfügbar unter llg.sachsen-anhalt.de/aktuelles/

Bauernzeitung stärkt Fachkompetenz

Berlin, 22. Juni 2017. Die Bauernzeitung, das Wochenblatt für Landwirtschaft, Dorf und Familie in den ostdeutschen Bundesländern, konnte in den letzten Wochen die fachliche Kompetenz ihres Redaktionsteams weiter stärken. Diplomagraringenieur Klaus Meyer, bisher Fachredakteur der Bauernzeitung im Bereich Landtechnik, hat zum 1. Juni das bis dahin krankheitsbedingt unterbesetzte Ressort Betriebsführung übernommen. Mit einer landwirtschaftlichen Berufsausbildung, einem einschlägigen Hochschuldiplom, über einem Jahrzehnt Leitungserfahrung in der Agrarpraxis und über einem Jahrzehnt Redaktionserfahrung bringt er optimale Voraussetzungen für diese Aufgabe mit.

Für das bisherige Fachgebiet von Herrn Meyer, die Landtechnik, ist seit Anfang Juni Diplomagraringenieur Jörg Möbius verantwortlich. Er ist ebenfalls ausgebildeter Landwirt, studierter Agraringenieur und ein erfahrener Presseprofi. Zur Bauernzeitung kam er vom Deutschen Landwirtschaftsverlag, wo er seit 1990 als Technikredakteur sehr erfolgreich für die Zeitschriften Tierzucht, Neue Landwirtschaft, Joule, agrarmanager und traction gearbeitet hat.

Wir bitten unsere Autoren und Firmenpartner, die beiden Kollegen bei ihrer Tätigkeit zu unterstützen und sich ihre Kontaktdaten zu notieren.

Klaus Meyer – Ressort Betriebsführung
Tel.: 030/46406-355
E-Mail: klaus.meyer@bauernverlag.de

Jörg Möbius – Ressort Landtechnik
Tel.: 030/46406-280
E-Mail: joerg.moebius@bauernverlag.de

Für Rückfragen steht auch die Redaktionsleitung unter Tel.: 030/46406-301 bzw. E-Mail: bauernzeitung@bauernverlag.de gerne zur Verfügung.

Wirtschaftsdüngerdatenbank MV

Den Link zur Wirtschaftsdüngerdatenbank MV, der zentralen elektronischen Datenbank für die Meldungen zur Abgabe und Aufnahme von Wirtschaftsdünger.

Autor: Gerd Rinas

Rostock. Im Zuge der kürzlich in Kraft getretenen Wirtschaftsdüngermeldeverordnung MV sind künftig alle erforderlichen Meldungen zur Abgabe und Aufnahme von Wirtschaftsdüngern in einer zentralen elektronischen Datenbank zu führen. Betreiber der „Wirtschaftsdüngerdatenbank“ und des dazugehörigen Melde- und Aufzeichnungsprogramms ist die zuständige Stelle für landwirtschaftliches Fachrecht und Beratung (LFB) bei der LMS Agrarberatung.

Die LFB weist darauf hin, dass mit den Meldungen an die Datenbank betriebliche Aufzeichnungen zu verbrachten Wirtschaftsdüngern entfallen. Für Abgeber und Empfänger von Wirtschaftsdüngern würden sich mit der Datenbank viele Vorteile ergeben. So könnten Betriebskontrollen in der Regel entfallen, da Unstimmigkeiten zwischen Düngerabgaben und -aufnahmen von den Beteiligten elektronisch abgeglichen werden können. Die LFB will demnächst Schulungen zur Nutzung der Datenbank anbieten. Interessenten können sich unter Angabe von Name, Postanschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse bei der LFB unter lfb@lms-beratung.deanmelden.

Rückfragen

LFB, (03 81) 2 03 07-72 und -79

 

Lohnunternehmen Metzger: In zweiter Generation

Wie eine erfolgreiche Nachfolge in zweiter Generation erfolgen kann, zeigt der erfolgreiche Generationswechsel im Lohnunternehmen Metzger.

von Detlef Finger

Vor einem Jahr hat Michael Metzger die Geschäftsführung im Lohnunternehmen der Familie in Meßdorf im Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt) übernommen. Ein Jahr Chef sein, hat den jungen Mann gefordert, viel Kraft abverlangt, aber auch vorangebracht. „Jetzt kann ich meinen Vater in manchen Dingen besser verstehen“, sagt der 34-Jährige. Die Situation für den jungen Betriebsleiter indes war anders als noch vor 25 Jahren, als das Unternehmen 1991 in der Altmark gegründet wurde. Sein Vater Hardy Metzger fing allein mit einem Mähdrescher an und hatte mit seinem Bruder Klaus noch einen zweiten Chef im Unternehmen. Bis zur Nachfolge im vorigen Jahr wuchs die Mitarbeiterzahl auf 40 feste Kräfte, die Michael Metzger von einem Tag auf den anderen verantworten musste. Dass er irgendwann einmal die Firma übernehmen würde, hat er sich als Kind noch nicht träumen lassen.

Zwar wuchs er mit der Landwirtschaft auf, half immer mit und fuhr mit 16 seinen ersten Häcksler. Nach dem Schulabschluss war das Familienunternehmen aber erst einmal kein Thema. Ihn zog es nicht aufs Feld, er entschied sich für eine Banklehre. Im Anschluss folgte die Weiterbildung zum Bankbetriebswirt. Mit dieser Qualifikation in der Tasche blickte er mit neuen Augen auf den elterlichen Betrieb, der inzwischen stark gewachsen war. 2007 stieg er wieder mit ein, kümmerte sich fortan um den kaufmännischen Bereich. „Da habe ich niemandem einen Platz streitig gemacht“, sagt Metzger. Vor sechs Jahren gab es dann doch die ersten Gedanken, irgendwann das Lohnunternehmen zu übernehmen.

Externe Beratung zur vorbereitung

Um die Nachfolge gut vorzubereiten, holte sich die Familie Hilfe von außen, um zunächst das eigene Unternehmen komplett zu durchleuchten. „Das war eine wichtige Grundlage für die weiteren Schritte“, sagt der Jungunternehmer. Es ging dabei um die Belegschaft, die Kunden, das eigene Geschäft. Diese Bestandsaufnahme, unterlegt mit wirtschaftlichen Zahlen, bildete den Ausgangspunkt, um zwischen den Altunternehmern und dem Nachfolger eine Einigung zu finden. „Gerade bei größeren Strukturen wie den unseren war es wichtig, einen externen Berater an der Seite zu haben“, sagt Metzger. Das gibt beiden Seiten nicht nur einen Überblick über die Leistungen und deren Wirtschaftlichkeit, sondern auch über die Aufgaben der Mitarbeiter und ihre Kompetenzen.

Metzger Team

Neben der aktuellen Analyse ist es ebenso wichtig, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Erste Veränderungen gab es im Zuge der Übernahmevorbereitungen: Verantwortung wurde nun vom Chef auch Schritt für Schritt an Mitarbeiter übertragen. Zudem dürfe es keine Spezialisierung geben, jeder Mitarbeiter muss bei möglichen Ausfällen durch einen anderen ersetzt werden können. „Das sind Dinge, die für die Zukunftsfähigkeit wichtig sind“, schätzt Michael Metzger ein. Nach diesen Vorbereitungen auf dem Papier wurde es im Jahr 2015 langsam ernst. Bei der Untersuchung des Maschinenparks wurde deutlich, dass eine Übernahme auch mitten im Jahr durchaus Sinn macht. Die Beteiligten machten Nägel mit Köpfen und hatten nach zahlreichen Behördengängen, Besuchen bei Notaren und auch Bankterminen die Grundlage für einen Neuanfang gelegt. So wurde mit 15 Schleppern eine ganze Flotte ausgetauscht und schon in den Fuhrpark der neu gegründeten GmbH überführt. Es folgten auch ein gute Handvoll Häcksler und neue Mähdrescher, sodass Michael Metzger am 1. September 2015 als neuer Chef seine Arbeit aufnahm. „Es ist ganz wichtig, die Mitarbeiter und Kunden mitzunehmen“, sagt der Juniorchef. Das wurde im August mit einem Schreiben zunächst per Post vorbereitet und im persönlichen Gespräch nachgeholt. Über 300 Kunden in der Altmark und darüber hinaus galt es in Kenntnis zu setzen.

Sein Vater ist immer noch im Unternehmen und kümmert sich um den Wissenstransfer. Seine Hauptaufgabe, die Disposition, wurde in neue Hände gegeben. Dass die neue Führungskraft in dieser Funktion nicht wie gewünscht aufging und inzwischen eine andere Stelle im Unternehmen hat, zeigte einmal mehr, dass nicht alles nach Plan verlaufen kann. „Er hatte die fachliche Eignung, aber eben auch gemerkt, dass er mit dem hohen Stresslevel nicht so gut umgehen konnte. Auch daraus haben wir gelernt und unsere Auswahlverfahren noch weiter verfeinert“, berichtet der Juniorchef.

Seniorchef des Lohnunternehmens Metzger erleichtert

„Die Übergabe ist für mich eine Erleichterung. Ich hatte mir schon viel früher vorgenommen, kürzer zu treten, aber wenn man in seinem Trott drin ist, funktioniert das nicht so einfach“, sagt Vater Hardy Metzger. Sein Handy hat inzwischen Disponent André Gaska (32) aus Bismark. Auch das entlastet den langjährigen Unternehmer, der nun auch öfter mal an sich denken kann. Natürlich gebe es zwischen den Generationen immer Unterschiede bei der Herangehensweise, aber bei guter Vorbereitung kann eine Nachfolge gut funktionieren. Die nächsten Monate wird er weiterhin Teil der Firma sein und dem neuen Disponenten über die Schulter schauen. Nur so könne das über Jahre erlangte Wissen weitergegeben werden. Immerhin gebe es viele Feinheiten. So müssten Kunden stets informiert sein, wenn es aufgrund der Witterung mal wieder nicht nach Plan laufe. Auch die Koordination des Fuhrparks ist nicht so einfach. Darüber hinaus gebe es den Mitarbeitern noch das Gefühl, dass der alte Chef nicht weg ist.

Für die Zukunft ist Hardy Metzger grundsätzlich optimistisch: „Im Großen und Ganzen läuft es, ich habe aber trotzdem den kritischen Blick auf die Zukunft. Die Milchpreise sind im Keller und es gibt schlechte Konditionen im Getreidesektor. Da ist es für Dienstleister wie uns nicht einfacher, sondern es kann passieren, dass einige Bauern die Feldarbeiten wieder selbst machen.“ Der Junior sieht die Sache jedoch etwas leichter. Natürlich dürfe man sich nicht auf dem ausruhen, was seine Vorgänger in 25 Jahren aufgebaut haben. Für ihn sind die Stammkunden ein wichtiges Pfund, dennoch müssen auch er und sein Führungsteam ihre Hausaufgaben machen. „Die Landwirtschaft ist vom Weltmarkt abhängig und der reicht bis nach Meßdorf“, sagt Michael Metzger. Das bezieht sich nicht nur auf die Rohstoffpreise, sondern auch auf Konditionen für Maschinen und Verbrauchsmaterialien.

Zudem sei sein Unternehmen nicht das einzige in der Branche, welches das Thema Nachfolge umtreibt. Die größte Herausforderung für den Juniorchef ist, mit kurzErfoler Vorbereitung für 40 Mitarbeiter verantwortlich zu sein. Doch das erste Jahr habe gezeigt, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat.

Haltungsverbot gegen Landwirt Viehweg ausgesprochen

Das LüVA des Landkreises Leipzig hat damit begonnen, das ausgesprochene Haltungsverbot gegen den Nebenerwerbgslandwirt Viehweg durchzusetzen.

von Karsten Bär

Von Polizeikräften begleitet, haben Mitarbeiter des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes (LüVA) des Landkreises Leipzig am Montag begonnen, ein gegen den Großbardauer Nebenerwerbslandwirt Arnd Viehweg erlassenes Haltungsverbot für Rinder durchzusetzen. Begründet wird dieser Schritt mit „mangelndem Herdenmanagement“, wie die Pressesprecherin des Landkreises, Brigitte Laux, bestätigt. 

Landratsamt sieht Schutzmaßnnahmen nicht gewährleistet

Nach Ansicht des Landratsamtes seien weder der Tierschutz, der Verbraucherschutz noch Seuchenschutzmaßnahmen des Bestandes gewährleistet. Seit mehreren Jahren habe man bei dem Landwirt wiederholt veterinärrechtliche Verstöße feststellen müssen, die trotz zahlreicher Gespräche, Vor-Ort-Termine, Anordnungen und Androhungen von Zwangsmaßnahmen nicht abgestellt worden seien, so die Sprecherin weiter. Konkret kritisiert werde, dass Viehweg sich nicht in der Lage sieht, seine Tiere in einen Fangstand zu bringen, um dort die notwendigen Bluttests durchzuführen und Ohrmarken zu kontrollieren oder anzubringen. Man werfe dem Landwirt vor, die Herde verwildern lassen zu haben. Damit stehe auch im Zweifel, ob der täglichen Kontrolle und Versorgung der Tiere, und damit „den elementaren Pflichten des Tierhalters“, hinreichend nachgekommen wird.  Durch ein spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen aus Norddeutschland wurden die rund 140 Rinder überwiegend der Rasse Schottisches Hochlandrind ab Montag eingefangen, um durch Mitarbeiter des LüVA in sogenannter Ersatzvornahme identifiziert und beprobt zu werden. Tiere, die einwandfrei zu identifizieren sind und auf Grundlage der Bluttests gesundheitlich nicht zu beanstanden sind, werden an andere Halter verkauft, nicht zu identifizierende Rinder getötet und aus Verbraucherschutzgründen keiner weiteren Verwertung zugeführt. Die Kosten des Einsatzes –Viehweg selbst spricht von 75.000 Euro – müssen vom Landwirt getragen werden.

haltungsverbot: Vieweg weisst vorwürfe zurück

Die erhobenen Vorwürfe des LüVA weist Arnd Viehweg von sich. Seine Rinder würden alle eine ordnungsgemäße Ohrmarke aufweisen, Ausnahme seien drei Tiere, für die eine Ohrmarke bereitliege. Anders als dargestellt, würde er die Herden täglich kontrollieren und betreuen. Allerdings sei es angesichts ihrer ganzjährigen Freilandhaltung schwierig. Die Tiere, die Viehweg als „Wildrinder“ bezeichnet, scheuten zunehmend den Koral, da sie darin in Panik gerieten und sich häufig verletzten. Die Verwendung eines Betäubungsgewehrs sei ihm verboten worden. Betäubungsgewehr und Gebrauch der Schusswaffe zur Tötung der Rinder sei jedoch von Beginn an wesentlicher Bestandteil seines Haltungskonzeptes gewesen, auf dessen Grundlage er „Wildrinder“ zur weiteren Verwertung an das Unternehmen „Viehweg Spezialitäten“ seines Sohnes  geliefert habe. Heftig kritisiert wird von Viehweg auch, dass seine Rinder durch das LüVA als „Hausrinder“ eingestuft wurden, obwohl sie ganzjährig und extensiv im Freien gehalten werden. Damit wurde unter anderem begründet, dass ihm die Erlaubnis, die Tiere per Schusswaffe zu töten, entzogen wurde.  Verschiedene Experten sehen die in Viehwegs Betrieb herrschenden Bedingungen zwar als hinreichend dafür an, die gesetzlich mögliche Tötung per Schusswaffe zuzulassen. Jedoch ist dies an die Erlaubnis durch die zuständige Veterinärbehörde geknüpft, die diese Zustimmung verweigert.

Nach Auskunft der Polizeidirektion Leipzig wurde der Einsatz des Landratsamtes von einem großen Aufgebot an Polizeikräften begleitet. Eine exakte Zahl der anwesenden Kräfte wolle man aus taktischen Gründen nicht nennen, so ein Sprecher. Aufgabe der Polizisten sei es gewesen, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter des Landratsamtes vor Ort ihrer Tätigkeit nachgehen konnten.

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