Wolfsdebatte

30.04.2018

© Sabine Rübensaat

Mehr Ehrlichkeit in der Debatte über die Rückkehr des Wolfes hat der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Eberhard Hartelt, angemahnt. „Wir müssen von über 1.000 Wölfen in Deutschland ausgehen“, sagte Hartelt in Berlin. Es dürfe nicht immer nur verharmlosend die Anzahl der Rudel oder erwachsenen Einzeltiere genannt werden, forderte er. Aus seiner Sicht ist eine Regulierung des Wolfes für eine Koexistenz zwischen dem Raubtier und der Weidetierhaltung in Deutschland unverzichtbar. Der „uneingeschränkte Freilandversuch zugunsten des Wolfes“ müsse beendet werden.

 

Bejagung notwendig


Der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, warf der Politik vor, sie habe die „Dynamik“ im Wachstum des Wolfbestandes nicht erkannt. Angesichts des guten Zustands der Art sei der Wolf ins Jagdrecht zu überführen. Dem widersprach Prof. Wolfgang Köck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Er nannte als Richtwert für einen günstigen Erhaltungszustand eine „Minimumpopulation“ von 1.000 erwachsenen Tieren. Derzeit gebe es in Deutschland aber nur 150 erwachsene Wölfe. Daher stelle sich die Frage nach der Jagd nicht.


Nach Auffassung von Ilka Reinhardt vom LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung gibt es in Deutschland beim Herdenschutz „Nachholbedarf“. Mit einer Bejagung sei den Schafhaltern nicht geholfen; diese würde die Konflikte nicht minimieren. Andreas Schenk vom Bundesverband Berufsschäfer (BVBS) plädierte für eine Weidetierprämie und zudem ein Kompetenzzentrum Herdenschutz sowie bundeseinheitliche Standards im Umgang mit dem Wolf.


Sehr unterschiedlich fielen die politischen Schlussfolgerungen aus der Anhörung aus. „Die Wiederansiedelung des Wolfes bringt für die Weidetierhalter erhebliche Probleme mit sich“, stellte der zuständige Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ernährungsausschuss, Hermann Färber, fest. Präventionsmaßnahmen zum Herdenschutz seien teuer und technisch begrenzt; viele Weidegebiete seien auf diese Weise gar nicht oder nur mangelhaft zu schützen. Notwendig seien bundeseinheitliche Regelungen.

 

Nicht geholfen?


Die Sprecherin für Naturschutzpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Steffi Lemke, kritisierte hingegen ein Schüren von Ängsten vor dem Wolf. Damit sei den Weidetierhaltern jedoch nicht geholfen. Sie brauchten stattdessen wieder eine ökonomische Grundlage für ihre Betriebe. Die Grünen-Politikerin bekräftigte die Forderung ihrer Fraktion nach Einführung einer gekoppelten Weidetierprämie ab 2019. Notwendig seien außerdem ein Kompetenzzentrum des Bundes zum Herdenschutz und mehr finanzielle Förderung für Herdenschutzmaßnahmen.


Unterstützung kam vom World Wide Fund for Nature (WWF), der anlässlich der Anhörung die Meinung verbreitete, mit einer Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sei keinem Schäfer geholfen.

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