Wolf im Parlament

17.11.2015

Wolf im Wildpark © Sabine Rübensaat

Für ein bundesweit einheitliches Wolfsmanagement haben sich die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marie-Luise Dött, und der zuständige Berichterstatter Klaus-Peter  Schulze ausgesprochen. Anlässlich eines Fachgesprächs zum Thema „Wolf – Artenschutz und Management“ im Umweltausschuss des Bundestages bezeichneten Dött und Schulze am Mittwoch vergangener Woche die Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland als ein Erfolgsprojekt des Naturschutzes. Zugleich betonten sie, dass eine ausreichend große Akzeptanz in der Bevölkerung für die weitere Ansiedlung von Wölfen in Deutschland unabdingbar sei. Aus ihrer Sicht sollten die Verantwortlichkeiten für das Wolfsmonitoring und das Wolfsmanagement zusammengeführt werden. Da die Wölfe in absehbarer Zeit ihr Territorium über Ländergrenzen hinweg erweitern dürften, sei zudem ein bundesweit einheitliches Wolfsmanagement erforderlich.

 

Bestandsregulierung?


Ferner müssten bereits heute die Weichen für eine Regulierung der Population gestellt werden, so eine weitere Forderung der CDU-Politiker. Nach Ansicht der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, ist eine Absenkung des Schutzniveaus beim Wolf jedoch nicht notwendig. Einerseits gebe es derzeit keine Anzeichen dafür, dass der Wolf seine Scheu gegenüber den Menschen verloren habe. Andererseits könnten schon heute problematische Tiere „durch Abschuss dem Rudel entnommen werden“, erläuterte Schwarzelühr-Sutter während des Fachgesprächs.


Markus Bathen vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zeigte sich vor dem Umweltausschuss überzeugt, dass die Koexistenz von Wolf und Mensch auch in Deutschland machbar sei. Unfälle, bei denen Menschen durch Wölfe zu Schaden kämen, gingen nicht über das Maß einer normalen Gefahr des täglichen Lebens hinaus. Der NABU-Vertreter räumte gleichzeitig ein, dass der Wolf die Arbeit der Nutztierhalter tangiere. Herdenschutz solle aber unter dem gegenwärtig hohen Gefährdungsstatus des Wolfes in Deutschland nur über Schutzmaßnahmen bei den Nutztieren und nicht durch eine Entnahme von Wölfen geschehen, so Bathen. Britta Habbe von der mit dem Wolfsmonitoring beauftragten Landesjägerschaft Niedersachsen warnte allerdings vor einer möglicherweise sinkenden Akzeptanz des Wolfes. Ihr zufolge ist davon auszugehen, dass Niedersachsen künftig nahezu flächendeckend vom Wolf belaufen wird. Dies habe bereits mehrfach zu Nahkontakten geführt.

 

Tierhalter allein gelassen


Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde, Knut Kucznik, können schon jetzt in vielen Regionen Brandenburgs keine Schafherden mehr draußen stehen, ohne dass sie von gut ausgebildeten Herdenschutzhunden begleitet werden. Er kritisierte, dass die Weidetierhalter mit den Kosten für den Herdenschutz allein gelassen würden. Unter Hinweis auf den Beitrag der Schäfer zur Erzeugung hochwertiger Lebensmittel, aber auch zur Gesunderhaltung von Boden, Wasser und Luft forderte Kucznik deshalb die Finanzierung der zusätzlichen Kosten über die Agrarpolitik.

 

Agrarminister hilft?


Sollte Deutschland ein Wolfsmanagement einführen, könnte die Zuständigkeit dafür vom Bundesumweltministerium zum Agrarressort wechseln. Darauf setzt zumindest der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser. Beim ersten Parlamentarischen Abend der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), der Wirtschaftsvereinigung Deutsches Lammfleisch (WDL) und des Deutschen Bauernverbandes (DBV) am 4. November in Berlin sprach sich Bleser dafür aus, beim Wolf „die richtigen Prioritäten“ zu setzen. Außerdem rief er die Schäfer dazu auf, stärker für ihre Interessen einzutreten und „lauter zu werden“, wenn es um Entschädigungszahlungen für Schäden durch Wolfsrisse gehe. Der VDL-Vorsitzende Jürgen Lückhoff will eine ehrliche Folgeabschätzung beim Wolf. Er hofft, dass sich die Politik ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen wird.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr