Wilder Tanz um den Ringelschwanz

23.03.2015

© Sabine Rübensaat

Schweineschwänze sorgen weiterhin für Diskussionsstoff.

Die vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium geplante „Ringelschwanzprämie“ für den Verzicht auf das Kupieren von Schweineschwänzen ist von der Opposition im Landtag, aber auch vom Deutschen Bauernverband (DBV) und der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) erneut heftig kritisiert worden. Hintergrund sind die im Agrarausschuss des Landtags vorgestellten Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), die unter Leitung von Prof. Thomas Blaha durchgeführt wurde. Demnach konnten trotz verbesserter Haltungs-, Fütterungs- und Klimabedingungen auf den insgesamt vier Versuchsbetrieben lediglich 24,2 % der unkupierten Tiere mit voller Schwanzlänge an den Schlachthof geliefert werden. Zudem kam es bei diesen Schweinen zu höheren Tierverlusten und Beanstandungen am Schlachthof.

Ungeachtet dieser Erkenntnisse wollen die Grünen an ihrem Prämienplan festhalten. Ihr agrarpolitischer Sprecher in Niedersachsen, Hans-Joachim Janßen, interpretierte die Studienergebnisse mit den Worten: „Trotz des umstrittenen Untersuchungsdesigns bestätigen die Fachleute, dass das Vorgehen der Landesregierung richtig ist, mit einer Prämie diejenigen Landwirte zu belohnen, die bereits vor einem Verbot auf das Amputieren der Schweineschwänze verzichten.“ Janßen verwies darauf, dass der niedersächsische Tierschutzplan nach dem Jahr 2016 das Ende des Schwänzekürzens vorsehe.

DBV-Präsident Joachim Rukwied bekräftigte gegenüber der Presse, dass der Berufsstand „strikte Zeitvorgaben für ein Verbot nicht-kurativer Eingriffe entschieden ablehne“. „Wir sind jedoch bereit, zusammen mit der Wissenschaft nach Lösungen zu suchen. Nur wenn im Ergebnis mehr Tierschutz und eine praktikable Umsetzung gewährleistet sind, könnten wir ­einen Verzicht auf solche Eingriffe mittragen“, erklärte Rukwied.

Hart ins Gericht mit den Schlussfolgerungen Janßens zur TiHo-Studie ging die Interessengemeinschaft der Schweinehalter. Von einem „umstrittenen Untersuchungsdesign“ könne angesichts der wissenschaftlichen Leitung durch Prof. Blaha, dem wohl renommiertesten Schweineexperten Deutschlands, keine Rede sein. Auch sei es nicht wahr, dass die Fachexperten das Vorgehen der Landesregierung bei der Ringelschwanzprämie bestätigen. „Die Studie belegt doch genau das Gegenteil“, erklärte ISN-Geschäftsführer Torsten Staack. Ihm zufolge reiht sich die Untersuchung in die Ergebnisse von mehr als 20 weiteren Studien ein, die aktuell deutschlandweit zu der Thematik laufen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, aber bisher ist in keiner einzigen Studie der Durchbruch gelungen“, erklärte Staack. Das Schwanzbeißen sei zudem keine reine Frage der Haltungssysteme. Dieses Verhalten der Tiere komme sowohl in konventionellen Betrieben wie auch in der Bioschweinehaltung und sogar bei Wildschweinen vor.

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