Wieder ein neues Gutachten zu Glyphosat

24.03.2017

© Sabine Rübensaat

Konkret war es der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der EU-Chemikalienagentur (ECHA), der die Einstufung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat als nicht krebserregend bestätigt hat. Auch sei das Mittel nicht als mutagen oder fortpflanzungsgefährdend einzuordnen, teilte RAC-Direktor Jack de Bruijn in Brüssel mit. Das Ergebnis beruhe auf einer „umfassenden Bewertung“ aller verfügbaren Informationen zu dem Wirkstoff.


Ein Sprecher der Europäischen Kommission wies unterdessen darauf hin, dass damit der Prozess bei ECHA noch nicht abgeschlossen sei. Die Auffassung des RAC werde nochmals in der Chemikalienagentur geprüft, bevor dann die endgültige Stellungnahme vorliege. Diese werde voraussichtlich vor der Sommerpause an die Kommission gehen. Danach würden die Kommissionsdienste erneut mit den Mitgliedstaaten über die Zulassung von Glyphosat diskutieren. Dem Kommissionsprecher zufolge muss eine Entscheidung über die Zulassung sechs Monate nach Vorliegen des RAC-Gutachtens beziehungsweise bis spätestens Ende 2017 getroffen werden. Bekanntlich läuft zum Jahresende die derzeit geltende verlängerte Zulassung für Glyphosat aus.  


Der EU-Dachverband der Pflanzenschutzindustrie (ECPA) stellte fest, dass die jüngste Einschätzung der ECHA übereinstimme mit den bereits existierenden 90 000 Seiten an Gutachten, mit den 3 300 Peer-Review-Studien sowie mit den Einschätzungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und weiterer Behörden weltweit. Man erwarte nun, dass die EU-Kommission Glyphosat für weitere 15 Jahre zulässt.


In Deutschland gehen die Meinungen der Agrarpolitiker hinsichtlich dieses Schritts indes nach wie vor auseinander. Während von CDU/CSU der Appell zu hören war, den Streit zu beenden und auf Basis der nun vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse eine faktenbasierte Entscheidung zu treffen, verbreiteten SPD und Grüne sofort ein neues Anti-Argument: Glyphosat stelle eine Gefahr für die Artenvielfalt dar. Die Agrarsprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Dr. Kirsten Tackmann, gab zu bedenken, dass die ECHA lediglich bestätigt habe, dass das verfügbare Wissen nicht ausreiche, Glyphosat als krebserregend zu bewerten. Mithin blieben Fragen offen. Am besten sei eine Minimierungsstrategie mit Verbot der Vorerntebehandlung, des Verkaufs an Privat, der Anwendung auf öffentlichen Flächen, der Werbung und des Verkaufs im Internet.

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